Paul Reynaud

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Paul Reynaud (1933)

Paul Reynaud (* 15. Oktober 1878 in Barcelonnette; † 21. September 1966 in Neuilly-sur-Seine) war ein französischer Politiker der Dritten Republik in der Zwischenkriegszeit (AD) sowie der Vierten Republik.

Leben[Bearbeiten]

Reynaud studierte Rechtswissenschaften und arbeitete nach ausgedehnten Weltreisen als Rechtsanwalt in Paris. Er verfügte über ein großes Vermögen aus der Textilindustrie. 1919 wurde er erstmals für sein Heimat-Departement Basses-Alpes in die Nationalversammlung gewählt. Dort schloss sich der grundsätzlich konservative Reynaud keiner Gruppe fest an, sondern nahm immer wieder eigene Positionen zu verschiedenen Fragen ein. 1924 verlor er seinen Sitz. Von außerhalb des Parlaments ging er in den folgenden Jahren mit mehreren Kampagnen scharf gegen sozialistische und kommunistische Kräfte vor. 1928 zog er als Abgeordneter für Paris erneut in die Nationalversammlung ein.

In den häufig wechselnden konservativen Kabinetten von 1930 bis 1932 (zur Zeit der Weltwirtschaftskrise) war er Finanz-, Kolonial- und Justizminister. Seine wichtigsten politischen Ziele dieser Zeit waren eine Abwertung des Francs und – gemeinsam mit Charles de Gaulle – der Ausbau der Panzerstreitkräfte.

Gegenüber dem nationalsozialistischen Deutschland schlug Reynaud einen klaren Konfrontationskurs ein. Vom 21. März bis 16. Juni 1940 war er der vorletzte Ministerpräsident der Dritten Republik. Nach dem militärischen Zusammenbruch forderte er wie de Gaulle die Fortsetzung des Kampfes und trat zurück, als er dafür keine politische Mehrheit fand. Er versorgte de Gaulle mit Geld aus einem geheimen Fonds. Sein Nachfolger wurde Philippe Pétain, der wenig später das Ende der Dritten Republik besiegelte und als Präsident des Vichy-Regimes die Macht im unbesetzten Teil Frankreichs („Zone libre“) übernahm.

Am 22. Juni 1940 wurde der kapitulationsähnliche (und diktierte) deutsch-französische Waffenstillstand von Compiègne geschlossen. Am 28. Juni erlitt Reynaud einen Autounfall in Südfrankreich; dabei starb seine Maîtresse, die Comtesse Hélène de Portes (* 1902).

Reynaud zog sich in ein Haus in Barcelonnette (15 km von der französisch-italienischen Demarkationslinie entfernt) zurück. Am 22. Juli wurde er unter Hausarrest gestellt. Am 7. September wurde er festgenommen und im château de Chazeron (Puy-de-Dôme) inhaftiert. Nachdem die Wehrmacht die Zone libre besetzt hatte, wurde Reynaud ins KZ Sachsenhausen transportiert. Am 11. Mai 1943 wurde er ins Schloss Itter bei Wörgl in Tirol gebracht (dort waren auch Édouard Daladier, Maurice Gamelin und der Gewerkschafter Léon Jouhaux). Am 7. Mai 1945 wurden die dort Inhaftierten von Truppen der US Army befreit.

Bei den Wahlen am 10. November 1946 (Élections législatives françaises) wurde Reynaud erneut als Abgeordneter in die Assemblée nationale gewählt (bis 1962). Er blieb ein prominenter Politiker der Konservativen und war Mitglied mehrerer Regierungen. 1958 stand er dem Komitee vor, das die Verfassung der Fünften Republik erarbeitete. Reynaud unterstützte zunächst eine institutionelle Stärkung der Exekutive und die Person de Gaulles, trat aber 1962 in Opposition zu diesem. Grund war die Forderung de Gaulles nach Direktwahl des Präsidenten durch das Volk.

Reynaud unterstützte bei der Präsidentschaftswahl im Dezember 1965 Jean Lecanuet (1920–1993). Für viele überraschend erzielte de Gaulle im ersten Wahlgang keine absolute Mehrheit (de Gaulle 44,6 %, François Mitterrand 31,7 %, Lecanuet 15,6 %). Bei der Stichwahl unterstützte Reynaud Mitterrand.

Nach seinem Tod wurde Reynaud kein Staatsbegräbnis gewährt.

Reynaud hatte aus erster Ehe mit Jeanne Henri-Robert (1893–1983) eine Tochter (Colette Reynaud, 1914–2010). Mit seiner zweiten Ehefrau Christiane Mabire († 2002) hatte er drei Kinder: Serge (* 12. November 1945), Evelyne (* 1949) et Alexandre (* 1954).

Literatur[Bearbeiten]

  • Stefan Grüner, Paul Reynaud (1878-1966). Biographische Studien zum Liberalismus in Frankreich (Quellen und Darstellungen zur Zeitgeschichte, Band 48), München 2001.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Paul Reynaud – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Vorgänger Amt Nachfolger
Édouard Daladier Premierminister von Frankreich
22. März 1940 – 16. Juni 1940
Philippe Pétain
Vorgänger Amt Nachfolger
Édouard Daladier
Édouard Daladier
Außenminister von Frankreich
5. Juni 1940 – 16. Juni 1940
21. März 1940 – 18. Mai 1940
Paul Baudouin
Édouard Daladier
Vorgänger Amt Nachfolger
Charles Dumont
René Maier
Finanzminister von Frankreich
2. März 1930 – 13. Dezember 1930
26. Juli 1948 – 5. September 1948
Louis Germain-Martin
Christian Pineau
Vorgänger Amt Nachfolger
Léon Bérard
Marc Rucart
Justizminister von Frankreich
20. Februar 1932 – 3. Juni 1932
10. April 1938 – 1. November 1938
René Renoult
Paul Marchandeau
Vorgänger Amt Nachfolger
Édouard Daladier Kriegsminister von Frankreich
18. Mai 1940 – 16. Juni 1940
Maxime Weygand (Verteidigungsminister)
Louis Colson (Kriegsminister)