Paul von Rennenkampff

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Paul von Rennenkampff (1914)

Paul Georg Edler von Rennenkampff (russisch Павел Карлович Ренненкампф, transkribiert Pawel Karlowitsch Rennenkampf; * 17. Apriljul./ 29. April 1854greg. auf Konofer / (estn Konuvere), Estland; † 1. April 1918 in Taganrog) war General der Kavallerie der russischen Armee, sowie Generaladjutant von Zar Nikolaus II. 1914 führte er als Oberbefehlshaber der 1. (Njemen-) Armee die Offensive gegen Ostpreußen.

Leben[Bearbeiten]

Rennenkampff mit Stab

Rennenkampff wurde als Sohn einer deutschbaltischen Familie geboren. Er besuchte von 1866 bis 1870 die Ritter- und Domschule zu Reval. Nach Eintritt in den Dienst im 89. Belomorskischen Infanterie-Regiment wurde er an die Junkerschule in Helsingfors geschickt. Nach Absolvierung des Lehrgangs trat er als Junker in das 16. Gluchowsche Dragoner-Regiment ein und wechselte alsbald zum 14. Dragoner-Regiment, dann ins 5. Litauischen Ulanen-Regiment.

1873 wurde er zum Kornett, 1876 zum Leutnant und 1877 zum Stabsrittmeister befördert. Ab 1879 besuchte er die Generalstabsakademie in Sankt Petersburg, die er 1882 als Klassenbester abschloss. Bereits im gleichen Jahr wurde er zum Major befördert und Mitglied des Generalstabs. Er diente in den Militär-Bezirken von Warschau, Kasan, Nowotscherkassk und Wilna. 1890 wurde er Oberst und Chef des Stabes der 14. Kavallerie-Division in Kielce. 1895 wurde er Kommandeur des 36. Achtyrka-Dragoner-Regiments und 1899 Stabschef des Transbaikal-Gebiets.

Im Jahr 1900 wurde der frisch zum Generalmajor beförderte Rennenkampff für seine Leistungen als Kommandeur einer Kavallerieeinheit bei der Einnahme von Zizikar und Girin in der Mandschurei während des Boxeraufstands mit dem Orden des Heiligen Georg IV. und III. Klasse ausgezeichnet. 1901 lehnte er einen Posten in einem Garderegiment ab und wurde Kommandeur der 1. Kavallerie-Brigade. Ab 1904 war er Kommandeur der Transbaikal-Kosaken-Division, im gleichen Jahr wurde er Generalleutnant.

1904 bis 1905 nahm er am Russisch-Japanischen Krieg teil. Nach der Schlacht von Mukden wurde ihm verschiedentlich Feigheit vor dem Feind vorgeworfen. Vor allem hatte er sich mit General Samsonow bei einem Streit auf dem Bahnhof von Mukden verfeindet[1]. Er rehabilitierte sich, als er in Sibirien gemeinsam mit General Möller-Sakomelski die Aufständischen der Revolution von 1905 bekämpfte.

Von November 1905 bis 1906 war er Kommandierender General des 7. Sibirischen Armeekorps, ab Juni 1906 Kommandierender General des 3. Sibirischen Armeekorps. Vom 27. Dezember 1906 bis zum 20. Januar 1913 war er Kommandierender General des III. Armee-Korps. 1910 zum General der Kavallerie aufgestiegen, fungierte er 1912 auch als Generaladjutant Seiner Majestät Nikolaus II. Vom Januar 1913 bis zum Kriegsbeginn 1914 war er Oberkommandierender des Militär-Bezirkes Wilna.

Rennenkampff (2.v.l.) mit seinem Stab in Ostpreußen im Hotel „Dessauer Hof“ in Insterburg, August 1914

Zu Beginn des Ersten Weltkrieges erhielt Rennenkampff das Kommando über die 1. Armee am Njemen, die am Nordabschnitt der Ostfront zur Invasion Ostpreußens bestimmt war. Zu scharfer Kritik von Seiten des russischen Armee-Oberkommandos und des Zaren führte sein Verhalten während der Schlacht bei Tannenberg Ende August 1914, insbesondere die aus der Feindschaft der Befehlshaber herrührende mangelnde Koordination mit der russischen 2. Armee unter General Samsonow. Nach einer weiteren Niederlage in der Schlacht an den Masurischen Seen mußte er auf die Angerapp zurückgehen. Nach der Verlegung seiner Armee in den Raum nördlich Warschau konnte ein Angriff der deutschen 9. Armee auf Lodz abgeschlagen werden. Ende 1914 quittierte er den Dienst in der Armee, nachdem ihm Inkompetenz und aufgrund seiner deutschbaltischen Herkunft sogar Verrat vorgeworfen worden war. Er zog sich daraufhin vollkommen aus dem öffentlichen Leben zurück und zog an das Schwarze Meer. Insgesamt diente er über 40 Jahre in der russischen Armee.

Nach der russischen Revolution wurde er festgenommen und entlassen. Er zog nach Taganrog ans Asowsche Meer, nannte sich Mandusakis und behauptete Grieche zu sein. Am 16. März flog seine Tarnung auf und die Bolschewiki forderten ihn auf, eine kommunistische Einheit der Roten Armee im russischen Bürgerkrieg zu kommandieren. Er verweigerte sich dieser Aufforderung und Wladimir Alexandrowitsch Antonow-Owsejenko befahl daraufhin seine Hinrichtung, die am 1. April 1918 durch ein Erschießungskommando vollstreckt wurde.

Der gesamte Großgrundbesitz der Familien von Rennenkampff, wie aller Deutschbalten, wurde 1919 im Zuge der estnischen Landreform enteignet. Rennenkampffs persönliche Habe aus der Zeit des Boxeraufstandes ist im Alferaki Palast in Taganrog ausgestellt.

Schriften[Bearbeiten]

  • Auf dem Fluß Amur und in der Mandschurei, Kriegsberichte des Generals P. v. R. von 1904, Teil I, erschienen in Wojennyj Sbornik, Nr. 3, Seiten 89-108.
  • Auf dem Fluß Amur und in der Mandschurei, Teil II, erschienen in Wojennyj Sbornik, Nr. 4, Seiten 57-86.
  • Auf dem Fluß Amur und in der Mandschurei, Teil III, erschienen in Wojennyj Sbornik, Nr. 5, Seiten 55-86.
  • Der zwanzigtägige Kampf meines Detachements in der Schlacht von Mukden, Berlin 1909.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Paul von Rennenkampff – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bspw. Geoffrey Regan; Narren, Nulpen, Niedermacher:Militärische Blindgänger und ihre größten Schlachten, S. 74; zu Klampen, Lüneburg 1998; andere Autoren bezweifeln, dass der Feindschaft eine echte Streitszene zugrunde liegt