Pruntrut

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Pruntrut
Wappen von Pruntrut
Staat: Schweiz
Kanton: Jura (JU)
Bezirk: Porrentruyw
BFS-Nr.: 6800i1f3f4
Postleitzahl: 2900
UN/LOCODE: CH PRY
Koordinaten: 572770 / 25197947.4180557.077793423Koordinaten: 47° 25′ 5″ N, 7° 4′ 40″ O; CH1903: 572770 / 251979
Höhe: 423 m ü. M.
Fläche: 14.84 km²
Einwohner: 6780 (31. Dezember 2013)[1]
Einwohnerdichte: 457 Einw. pro km²
Website: www.porrentruy.ch
Pruntrut

Pruntrut

Karte
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Pruntrut (französisch Porrentruy [pɔʀɑ̃tʀɥi], familiär [pɔʀɑ̃], im Ortsdialekt [ɛ pwɛrɛ̃'try][2]) ist eine politische Gemeinde und Hauptort des gleichnamigen Bezirks im schweizerischen Kanton Jura. Die Stadt ist Hauptort der Region Ajoie.

Geographie[Bearbeiten]

Pruntrut liegt auf 423 m ü. M., 21 km westnordwestlich des Kantonshauptorts Delsberg (Luftlinie). Die Stadt erstreckt sich in einer weiten Niederung beidseits der Allaine, in der Ajoie (deutsch Elsgau), am Nordfuss des Kettenjuras.

Die Fläche des 14,8 km² grossen Gemeindegebiets umfasst im zentralen Teil die breite Talniederung der Allaine. Von Südwesten her mündet ebenfalls in einem breiten Tal der Creux-Genat, der aus einer nur periodisch fliessenden Karstquelle gespeist wird. Im Süden reicht das Gebiet auf die Höhen von La Banné (511 m ü. M.) und La Perche (526 m ü. M.), dazwischen befindet sich das klusartige Tal des Fontenais-Bachs. Bei Pruntrut biegt die Allaine von ihrer vorher westwärts gerichteten Fliessrichtung nach Norden ab und durchschneidet hier die Tafeljurahochflächen der Ajoie. Westlich dieses Tals gehören die Hügel und Wälder von Petit Fahy (543 m ü. M.) und Grand Fahy (570 m ü. M.) zu Pruntrut. Der höchste Punkt der Gemeinde wird auf dem Höhenrücken von Bure mit 580 m ü. M. erreicht. Nach Norden erstreckt sich die Gemeindefläche bis in den Bois de Sapins (530 m ü. M.), und die östliche Abgrenzung bildet das Trockental Combe Vaumacon. Von der Gemeindefläche entfielen 1997 20 % auf Siedlungen, 41 % auf Wald und Gehölze, 38 % auf Landwirtschaft, und etwas weniger als 1 % war unproduktives Land.

Zu Pruntrut gehören zahlreiche Einzelhöfe. Nachbargemeinden von Pruntrut sind Fontenais, Bressaucourt, Courtedoux, Bure, Courchavon, Coeuve, Alle und Courgenay.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung
Jahr Einwohner
1809 2355
1818 1896
1850 2880
1870 4452
1900 6959
1910 6591
1930 5805
1950 6523
1960 7095
1970 7827
1980 7039
1990 6857
2000 6753
2005 6593

Mit 6780 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2013) ist Pruntrut bevölkerungsmässig die zweitgrösste Gemeinde des Kantons Jura. Von den Bewohnern sind 89,5 % französischsprachig, 2,8 % deutschsprachig und 2,2 % italienischsprachig (Stand 2000). Die höchste Bevölkerungszahl wurde 1970 mit 7827 Einwohnern verzeichnet. Seither hat die Einwohnerzahl kontinuierlich abgenommen, insbesondere während der Rezession der 1970er Jahre.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Pruntrut ist das regionale Wirtschaftszentrum der Ajoie. Im Laufe des 19. Jahrhunderts entwickelte es sich von der Agrar- zur Industriestadt. Traditionelle Industriezweige sind die Uhrmacherei, die Herstellung von Schuhen und die Textilindustrie. Während des 20. Jahrhunderts kamen die Metallverarbeitung, der Werkzeugmaschinenbau, die Mikrotechnik sowie die Herstellung von Büromöbeln und elektronischen Apparaten hinzu. Zahlreiche weitere Arbeitsplätze gibt es im Dienstleistungssektor, während die Landwirtschaft nur noch geringe Bedeutung hat. Die Erwerbstätigen verteilen sich wie folgt auf die drei Sektoren: 2 % im 1. Sektor, 48 % im 2. Sektor und 50 % im Dienstleistungssektor.

Die Stadt ist Sitz zahlreicher wichtiger Institutionen, nämlich des kantonalen Gerichts, der Kantonsbibliothek, der Kantonalbank des Kantons Jura, des kantonalen Amtes für Denkmalpflege und der Archive des ehemaligen Bistums Basel. Ferner verfügt Pruntrut über ein Regionalspital, das sich westlich der Stadt am Südhang der Tafeljurahochflächen befindet.

Kultur und Bildung[Bearbeiten]

In Pruntrut gibt es mehrere Museen, darunter das Musée de l'Hôtel-Dieu mit einer Sammlung von Stichen und Plakaten sowie das Jurassische Museum für Naturwissenschaften mit einem botanischen Garten (Jardin botanique de Porrentruy), der bereits 1795 gegründet wurde. Daneben haben die Université populaire jurassienne und die Société jurassienne d'Emulation, ein Verein, der sich um die Förderung der kulturellen Einheit des jurassischen Volkes bemüht, ihren Sitz in der Stadt.

Als regionales Bildungszentrum ist Pruntrut Standort zahlreicher Schulen. In der Stadt befinden sich die Kantonsschule, mehrere Sekundarschulen, eine Handelsschule und eine Kunstgewerbeschule, das Lehrerseminar, in das 1979 auch das Lehrerinnenseminar von Delémont integriert wurde, Schulen für Uhrmacherei und Mikrotechnik sowie mehrere Privatschulen.

Gesundheitswesen[Bearbeiten]

Der Ort verfügt über ein öffentliches Spital mit 24-Stunden-Notfallversorgung. Es gehört zum Klinikverbund des Hôpital du Jura.

Verkehr[Bearbeiten]

Erschlossen wird die Stadt von der Schweiz her

Für die Feinverteilung im Netz des öffentlichen Verkehrs sorgen zahlreiche Buslinien, welche die Bauerndörfer der Ajoie bedienen.

Geschichte[Bearbeiten]

Schloss Pruntrut
Pruntrut im 17. Jh.

Die erste bekannte Besiedlung der Region von Pruntrut geht auf die galloromanische Zeitepoche zurück. 1983 wurden Reste eines Tempels (fanum) aus dieser Zeit beim Friedhof am nördlichen Stadtrand entdeckt; es wurden auch römische Münzen gefunden.

Erstmals wird Pruntrut 1136 unter dem Namen de Purrentru erwähnt. Der Ortsname leitet sich vermutlich von einem altfranzösischen pont de Ragintrudis „Brücke der Ragintrud“ ab. Ragentrud war die Gemahlin des 639 verstorbenen fränkischen Königs Dagobert I. Der deutschen Namenform liegt eine Variante mit r-Metathese zugrunde, wie sie etwa aus dem Jahr 1136 belegt ist (Punrentrut). Alte Deutungen wie brun-trut „Druidenbrunnen“ sind haltlos. Volksetymologisch ist die Rückführung auf truie „Forelle“, welche Deutung sich im Stadtwappen niedergeschlagen hat.[2]

Die Siedlung gehörte anfänglich zur Grafschaft Mömpelgard (Montbéliard), bevor sie 1271 erstmals an das Fürstbistum Basel kam. Nachdem Pruntrut 1283 von den Burgundern eingenommen worden war, besetzte König Rudolf I. von Habsburg die Stadt und erzwang eine Rückgabe des Gebietes an das Fürstbistum. Gleichzeitig erhob er Pruntrut am 20. April 1283 zur freien Reichsstadt.[3] Wegen finanzieller Schwierigkeiten musste der Fürstbischof 1386 die Ajoie zusammen mit Pruntrut an die Herren von Mömpelgard verpfänden. 1461 kam sie wieder unter die Herrschaft des Fürstbistums. Aufgrund der Reformation in Basel verlegte der Fürstbischof 1527 seinen offiziellen Sitz nach Pruntrut. Unter Fürstbischof Jakob Christoph Blarer von Wartensee, der 1575 bis 1608 regierte, erlebte die Stadt eine Blütezeit. In seine Zeit fiel die Renovation und der Ausbau des Schlosses sowie die Gründung des Jesuitenkollegiums (1591). Die Zeit der Prosperität endete 1618 jäh mit dem Ausbruch des Dreissigjährigen Krieges, während dem Pruntrut mehrmals belagert, besetzt und geplündert wurde.

1792 eroberten französische Truppen die Ajoie. Pruntrut wurde Hauptstadt der von Frankreich abhängigen Raurakischen Republik, bis diese 1793 Frankreich angegliedert wurde und im Département du Mont-Terrible aufging. Als Hauptstadt dieses Départements hatte Pruntrut jedoch weiterhin Bedeutung. Erst 1800, als Mont Terrible in das Département Haut-Rhin integriert wurde, erfolgte die Degradierung von Pruntrut zum Sitz einer Unterpräfektur. 1815 wurde die Stadt auf Beschluss des Wiener Kongresses dem Kanton Bern als Kompensation für die 1803 «verlorene» Waadt zugesprochen.

Bis zu Beginn des Ersten Weltkrieges galt Pruntrut als geistiges Zentrum des Berner Juras und hatte auch mehr Einwohner als Delsberg. Mit der Entwicklung des Strassenverkehrs sank aber die Bedeutung der Stadt wegen ihrer Randlage in der Schweiz, und eine wirtschaftliche Stagnation setzte ein. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts kam es zu immer grösseren Spannungen zwischen dem kleinen katholischen, französischsprachigen und dem grösseren protestantischen, deutschsprachigen Teil des Kantons Bern. Diese führten dazu, dass nach mehreren regionalen und eidgenössischen Abstimmungen am 1. Januar 1979 der französischsprachige Kanton Jura gegründet wurde. Sehr zum Verdruss der in der Ajoie ansässigen Bevölkerung wurde aber Delsberg die Hauptstadt des neuen Kantons. 1988 erhielt Pruntrut den Wakkerpreis für die beispielhafte Pflege des historischen Zentrums.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Altstadt von Pruntrut

Pruntrut besitzt eine malerische Altstadt mit zahlreichen Bürgerhäusern im gotischen, barocken und neoklassizistischen Stil. Der Stadtgrundriss zeigt ein langgezogenes Rechteck, das im Norden vom erhöht stehenden Schloss, im Süden von den Gebäuden des ehemaligen Jesuitenkollegiums (heute Sitz der Kantonsschule) begrenzt wird. Einziges erhaltenes mittelalterliches Stadttor ist die Porte de France, die 1563 erbaut wurde.

Die katholische Pfarrkirche Saint-Pierre ist eine dreischiffige gotische Basilika, die 1330–1350 errichtet wurde. Sie enthält einen wertvollen Kirchenschatz und spätbarocke Seitenaltäre. Östlich der Altstadt befindet sich die katholische Kirche Saint-Germain, im 13. Jahrhundert im Stil der Spätromanik erbaut und 1698 umfassend restauriert und vergrössert. Die spätgotische ehemalige Jesuitenkirche (1599–1603) besitzt einen oktogonalen Turm von 1701. Sie dient heute als Konzertsaal. 1626 wurde die Kirche der Ursulinerinnen geweiht.

In erhöhter Lage steht das imposante Schloss, das 1527–1792 Residenz der Basler Fürstbischöfe war. Der älteste Teil ist die Tour Réfous, ein runder Bergfried, der 1271 erbaut wurde. Er stammt von der ersten Burganlage aus dem 13. Jahrhundert. Zahlreiche Umbauten erfolgten in den späteren Jahrhunderten, besonders im 16. Jahrhundert, als die Résidence, die Chancellerie und die Tour du Coq hinzugefügt wurden.

Bedeutende Bürgerhäuser aus der Barockzeit in der Altstadt sind das Hôtel de Ville (1761–1763), das Hôtel-Dieu (1761–1765), das Hôtel de Gléresse (1750, für den Baron von Ligerz erbaut) und das spätbarocke Hôtel des Halles (1766–1769). Auf den Plätzen der Altstadt stehen zum Teil monumentale Brunnen, darunter der Samariterinbrunnen (1564) und der Schweizerbrunnen (1558) mit Bannerträger und Eber. In der Umgebung der Altstadt befinden sich zahlreiche Villen und Handelshäuser aus der Zeit des späten 19. Jahrhunderts.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Porrentruy – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistik Schweiz – STAT-TAB: Ständige und Nichtständige Wohnbevölkerung nach Region, Geschlecht, Nationalität und Alter (Ständige Wohnbevölkerung)
  2. a b Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen, hg. vom Centre de Dialectologie an der Universität Neuenburg unter der Leitung von Andres Kristol, Frauenfeld 2005, S. 711.
  3. Heinrich Gottfried Gengler: Regesten und Urkunden zur Verfassungs- und Rechtsgeschichte der deutschen Städte im Mittelalter, Ferdinand Enke, Erlangen 1863, S. 427–429, Volltext in der Google-Buchsuche