Puppe

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Puppe (Begriffsklärung) aufgeführt.
Schildkröt-Puppe „Inge“, ca 1950
Puppen aus der DDR am 5. März 1990 in Berlin (Ost)
Mädchen mit Puppe (Gemälde von Wassili Iwanowitsch Surikow)
Tibout Regters: Porträt des Pastors Jan Brak und seiner Familie, 18. Jahrhundert
Das Ankleiden der Puppe, 1844
die Puppe in der Puppe
Modepuppe mit Promenadenkleid, Frankreich um 1870

Eine Puppe ist eine figürliche Nachbildung eines Menschen oder menschenähnlichen Wesens. Puppen gehören zu den ältesten und häufigsten Spielzeugen (auch Gebrauchsgegenständen), sind aber auch als Sammelobjekt und Souvenir beliebt, vor allem Künstlerpuppen. In manchen Kulturen haben Puppen auch magische und religiöse Bedeutung. Puppen sind seit der Frühzeit der Menschheit in allen Kulturen in den unterschiedlichsten Materialien und Formen anzutreffen. Heute variiert ihre Größe meist von wenigen Zentimetern (z. B. für Puppenhäuser und Puppenstuben) bis zu Puppen in Lebensgröße (z. B. Säuglingspuppen), vgl. auch Marionette.

Figürliche Menschendarstellungen der Bildhauerei, die zu künstlerischen, repräsentativen oder dekorativen Zwecken ohne Bezug zu Spiel oder Religion gefertigt wurden (etwa Statuen oder Büsten), werden gemeinhin nicht zu den Puppen gezählt. Puppenähnliche Nachbildungen von Tieren werden im Deutschen meist als „Plüschtier“ oder „Kuscheltier“ bezeichnet.

Historisches[Bearbeiten]

Gedrechselte Gliederpuppe aus Gröden um 1870
Realistische Kleinkindpuppe

Die frühesten Puppen waren zunächst keine Spielobjekte. Sie dienten verschiedenen kultischen Zwecken (Kultobjekt) und hatten magische und religiöse Bedeutung. Im antiken China wurden sie aus Stroh gefertigt und als Idole oder Fetische verwendet. Im 8. Jahrhundert vor Christus und später wurden sie als Heilpuppen verwendet. Frühe Puppen waren auch aus Ton, Papiermaché, Holz, Kuhfladen, Pflanzenfasern, Stoff oder Bronze.

Aus der Zeit vom späten Mittelalter bis zur Neuzeit sind Puppen aus weniger vergänglichen Materialien erhalten geblieben, so aus Terrakotta und Alabaster oder Wachs[1]. Im Laufe der Zeit kamen immer mehr Ausstattungen hinzu: Puppenkleidchen, Hosen für männliche Puppen, Puppenhäuser und -stuben mit Einrichtung und im 20. Jahrhundert Puppenautos und -motorräder. Größere Puppen (etwa in Größe eines Babys) werden oft in Puppenwagen herumgefahren, bekocht, schlafen gelegt etc.

Im 15. Jahrhundert gewann die gewerbliche Herstellung an Bedeutung. In Nürnberg tauchen die ersten Dockemacher auf. (Docke zunächst ein Synonym für Spielzeug, später für Puppe[2]). Etwa zur selben Zeit oder wenig später hat sich die Spielwaren- und Puppenproduktion nach Sonneberg ausgebreitet. 1815 ist im thüringischen Waltershausen eine frühe Puppenproduktion nachgewiesen (in Sonneberg schon im 17. Jahrhundert). Insgesamt stellten allein in Waltershausen bis 2003 etwa 50 Produzenten Puppen, Puppenmöbel, Spielzeug, Zubehör und Verpackungen her. Darunter waren neben Kleinbetrieben so bedeutende Unternehmen wie die Puppenfabriken von Johann Daniel Kestner jun., Heinrich Handwerck, Max Handwerck, Kämmer & Reinhardt, König & Wernicke, Bruno Schmidt, Otto Gans, Seyfarth & Reinhardt. Waltershausen exportierte in über 30 Länder der Erde, die Führungsrolle seiner Puppenindustrie war in Deutschland unumstritten.

International dominierte im 19. Jahrhundert neben Waltershausen und seinem nahen Umfeld die französische Puppenproduktion, die in Konkurrenz zu ihren deutschen Nachbarn stand. Neuerungen in der Puppenproduktion des 19. Jahrhunderts waren die Einführung von Drechselmaschinen, Porzellanköpfen, Kugelgelenken, die ersten Babypuppen, der Einsatz von Gummi für Puppenkörper, Kugelgelenke als Verbindung der Glieder und das Celluloid, aus dem ganze Puppen und Köpfe entstanden.

Die Firma Schildkröt-Puppen, vormals Rheinische Gummi- und Celluloidfabrik, wurde 1873 in Mannheim gegründet. 1896 wurde die erste Puppe aus dem damals neuen Material Celluloid produziert. Sie war dadurch bruchfest, abwaschbar, farbecht und hygienisch. Das Warenzeichen, die „Schildkröte“ wurde im Kaiserlichem Patentamt in Berlin eingetragen. Schildkröt ist einer der seltenen Puppenhersteller, der von 1896 bis heute durchgehend Puppen produziert.

Etwa 1908/09 begannen Künstler – beispielsweise Marion Gräfin Kaulitz oder Marie Marc-Schnür (Ehefrau von Franz Marc) – anspruchsvolle Puppen zu entwerfen und selbst herzustellen, die unter ihrem Namen ausgestellt und verkauft wurden, sogenannte Künstlerpuppen. Die industrielle Antwort auf die Künstlerpuppenbewegung ließ indes nicht lange auf sich warten: 1909 schuf die Puppenfabrik Kämmer & Reinhardt nach einem Entwurf des Berliner Bildhauers Prof. Lewin-Funcke die „Charakterpuppe“, die dem lebenden Vorbild eines Kleinkindes sehr ähnlich war.

Käthe Kruse sorgte ab 1908 für Aufsehen, indem sie Künstlerpuppen schuf, die zugleich den Ansprüchen der Spielpuppen gerecht wurden. Mit den pädagogischen Reformen des frühen 20. Jahrhunderts setzte eine Diskussion über die Gestalt der Puppen ein, die ihr Erscheinungsbild betraf und die das Aussehen der Puppen – als berührbare, verkleinerte Menschengestalten – bis heute beeinflusste. Die Weltkriege unterbrachen die Blüte der Puppenindustrie, und nur langsam erholte sich dieser Industriezweig wieder. So auch in Thüringen und Franken, die noch immer wichtige Puppen- und Spielzeugstandorte waren. Die industriellen Umbrüche des ausgehenden 20. Jahrhunderts und die voranschreitende Globalisierung führten zum rapiden Rückgang der Puppenproduktion in diesen Regionen. So werden z. B. in Waltershausen seit 2003 überhaupt keine Puppen mehr gewerblich hergestellt.

Die Puppe wurde 1945 in Deutschland von Hand gefertigt. Besonders in Notzeiten benutzte man unterschiedlichste Materialien. Bei diesem Unikat wurden unterschiedliche Stoffteile einer Wehrmachtsuniform, so auch die Silberstreifen des Kragenspiegels "recycelt".

Die Bedeutung der Puppen als Kunstobjekte hat seit den 1980er Jahren zugenommen. So fand im Herbst 1977 der erste Puppenkongress Deutschlands in Tecklenburg statt. Die Vereinigten Staaten von Amerika, Frankreich, Deutschland, die Niederlande, Russland, Kroatien, England u. a. weisen hier interessante Entwicklungen auf und haben in den letzten 30 Jahren einige vielversprechende Puppenkünstlerinnen und -künstler hervorgebracht. Inzwischen gibt es Puppen-Zeitschriften, Wettbewerbe, Workshops und regelmäßige Ausstellungen sowie den Verband Europäischer Puppenkünstler (VeP).

Formen und Arten von Puppen[Bearbeiten]

Die Darstellung von Menschen in Puppenform reicht vom Säugling und Kleinkind (häufigste Form) über Teenager und junge Erwachsene (Barbie) bis zu meist nur Sammelzwecken dienenden Oma- und Opapuppen. Grundsätzlich gilt es zu unterscheiden zwischen Puppen als handgefertigte Kunstwerke (Kunstpuppe) und Sammlerobjekt oder industriell gefertigten Puppen (Reproduktionspuppen) zur Dekoration und als Spielzeug.

  • Künstlerpuppen oder Kunstpuppen sind nach dem Entwurf eines mit Namen bekannten Künstlers (Puppenmacher(in)) gefertigt und nur als Unikate oder in geringer Auflage zu erwerben. Künstlerpuppen wurden zuerst 1908 im Kaufhaus Tietz in München ausgestellt. Berühmte Vertreter und Vertreterinnen der Künstlerpuppenbewegung waren Marion Kaulitz, Käthe Kruse, Dora Petzold, Paul Klee und die Lenci-Puppen der Italienerin Elena Scavini.
  • Modepuppen stellen erwachsene Frauen (seltener Männer) dar, die mit verschiedenen (Puppen-)Kleidern eingekleidet werden. Die bekannteste Puppe dieser Art im Sinne von Spielzeug ist die Barbie des Herstellers Mattel, die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts weltweit zum Massenspielzeug wurde. Auf Gemälden sind auch historische Puppen dieser Art als Kinderspielzeug in begüterten Kreisen belegt, etwa auf einem Familienporträt des 18. Jahrhunderts von Tibout Regters.
  • Die gedrechselte Grödner Gliederpuppen aus Holz wurde als „Massenprodukt“ in Gröden hauptsächlich im 19. Jahrhundert hergestellt. Ihren Namen Dutch Dolls – „holländische Puppen“ – hatten sie vermutlich, weil England sie über die Niederlande importierte. Wegen ihres billigen Preises wurden sie auch Penny dolls genannt. Sie wurden in verschiedenen Größen von 1,3 cm kleinen bis zu 62,4 cm großen hergestellt. Im Grödner Museum ist eine umfangreiche Sammlung solcher Puppen ausgestellt.
  • Die Matrjoschka, auch Puppe in der Puppe, russische Puppe oder fälschlich Babuschka ist ein Satz von ineinander verschachtelten, ausgehöhlten Holzpuppen, in die immer wieder kleinere Figuren passen.
  • Voodoopuppen sind einfache selbstgefertigte Menschendarstellungen, die in der westafrikanisch/karibischen Voodooreligion zu Zauberzwecken dienen.
  • Der Golliwog, ein schwarzer Gnom, stellt eine Figur aus dem gleichnamigen Kinderbuch (1895) von Florence Upton dar. Die einst sehr beliebte, auf die Tradition der Minstrel Shows anspielende Figur geriet im späten 20. Jahrhundert außer Mode, als ihre rassistische Bedeutung öffentlich bewusst wurde.
  • Das Monchhichi ist eine Mischung aus Stofftier und Kinderpuppe, die ab den 1970er Jahren weltweit populär wurde.
  • Sprechende Puppen: Damit Puppen auch "sprechen" können, wurde ein kleines Grammophon eingebaut, bei einigen Modellen konnten die Schallplatten ausgetauscht werden. Später gab es auch elektronische Lösungen.
  • Trinkende Puppen konnten durch eine Öffnung im Mund gefüttert werden. Anschließend mussten die feuchten Windeln gewechselt werden.
  • Rebornpuppen (engl. wiedergeboren): Um einfache Vinylpuppen "echter" erscheinen zu lassen, werden die Vinylteile neu eingefärbt und die Puppe mit i.d.R. hochwertigen Materialien wie Perücken, Glasaugen, Wimpern etc. neu überarbeitet.
  • Rupfenpuppen: Aus einfachen Materialien hergestellte Puppen, die sich besonders für die Handarbeit eignen

Reparaturen[Bearbeiten]

Hauptartikel: Puppendoktor

Das Reparieren einer Puppe, wie auch die Reinigung gehören zum Werterhalt einer Puppe dazu. Darum kümmert sich fachmännisch der Puppendoktor.

Puppen als geschlechtsspezifisches Spielzeug[Bearbeiten]

Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst entfernt. Bitte hilf der Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst. Näheres ist eventuell auf der Diskussionsseite oder in der Versionsgeschichte angegeben. Bitte entferne zuletzt diese Warnmarkierung.

Puppen galten und gelten als typisches Mädchenspielzeug und hatten ein weibliches Aussehen. Sie sollten ursprünglich kleinen Mädchen helfen, sich auf ihre spätere Rolle als Frau, Hausfrau und Mutter vorzubereiten.

Jedoch bereits Mitte der 1920er Jahre stellte die Firma Schildkröt die im Gesicht männlich wirkende Puppe "Bebibub" her, die in der Zeit des Nationalsozialismus auch in die Uniform der Hitlerjugend gekleidet, verkauft wurde. Ursprünglich sollten kleine Mädchen damit auf ihre spätere Rolle aus Hausfrau und Mutter vorbereitet werden, heute dienen sie zum Spiel.

Herstellung von Puppen[Bearbeiten]

Künstler stellen ihre Puppen wie Skulpturen oder Plastiken her und achten auf die Anatomie und den Ausdruck, jedoch mit dem Unterschied, dass Puppen in der Regel „behaart“ und „bekleidet“ sind. Somit gehört auch die Haartracht (Frisur) und die Kleidung als Ausdruck von „Stil“ zum Gesamterscheinungsbild einer Puppe. Die Arbeitsschritte sind:

Beispiele für Ausdruck und Stil von Künstlerpuppen[Bearbeiten]

Die meisten Künstler sehen sich als Schöpfer von Kunstfiguren (verkleinerten, menschenähnlichen Wesen), die animieren und die auch – anders als Skulpturen – angefasst werden können (sollen).

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Die Puppenwelt. Eine neue Bilderlust für kleine Mädchen. Zeh, Nürnberg 1844 (Digitalisat).
  • Georgine Anka, Ursula Gauder: Die deutsche Puppenindustrie. 1815–1940. Verlag Puppen und Spielzeug, Stuttgart 1978, ISBN 3-9800172-0-6.
  • Manfred Bachmann, Claus Hansmann: Das große Puppenbuch. 6. veränderte Auflage. Edition Leipzig, Leipzig 1991, ISBN 3-361-00381-4.
  • Max von Boehn: Puppen und Puppenspiele, Bruckmann, München 1929 (2 Bände).
  • Ursula Brecht: Kostbare Puppen. Kunstverlag Weingarten, Weingarten 2004, ISBN 3-8170-1026-5 (Bildband).
  • Jürgen und Marianne Cieslik: Cieslik's Lexikon der deutschen Puppenindustrie. 2. überarbeitete Auflage. Cieslik, Jülich 1984, ISBN 3-921844-20-7.
  • Jürgen und Marianne Cieslik: Das große Schildkröt-Buch Celluloidpuppen von 1896 bis 1956. 2. überarbeitete Auflage. Cieslik, Duisburg 2004, ISBN 3-87463-378-0.
  • Jürgen und Marianne Cieslik: Puppen sammeln. Vollmer, München 1980, ISBN 3-87876-324-7.
  • Jürgen Cieslik: Jahrbuch der Puppenkunst 1993/94. Verlag Marianne Cieslik, Jülich 1994, ISBN 3-921844-38-X.
  • Jürgen und Marianne Cieslik: Puppen – Europäische Puppen 1800–1930. Reihe Antiquitäten International. Mosaik Verlag, München 1979, ISBN 3-570-05837-9.
  • Gloria Ehret, Ulrike Heuss-Gräfenhahn, Maria-Anna Kopp: Puppen. Mit Freude sammeln. Bechtermünz, Augsburg 2001, ISBN 3-8289-0784-9 (Neuausgabe des Battenberg-Antiquätenkatalogs Puppen).
  • Caroline Goodfellow: Das grosse Buch der Puppen. Über 400 Puppen aus zwei Jahrhunderten. Orbis, München 1998, ISBN 3-572-00900-6.
  • Thomas Reinecke (Autor), Martin Hoppe (Bearb.): Unikate und Kostbarkeiten aus Waltershausen. Musterbücher, Musterblätter, Puppen und Spielzeug. Hessisches Puppenmuseum, Hanau 1999, ISBN 3-9804785-10-7 (formal falsche ISBN), Veränderter Auszug auch als Sonderdruck: Thomas Reinecke: Zur Geschichte der Waltershäuser Puppen- und Spielzeugindustrie. Museum Schloss Tenneberg, Waltershausen 1999.
  • Marco Tosa: Puppen. Spielzeug, Kunstwerk, Sammelobjekt. Orbis, München 1997, ISBN 3-572-00829-8.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Puppen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. „Wachspuppe“ in: Das grosse Kunstlexikon von P.W. Hartmann
  2. http://www.zeno.org/Adelung-1793/A/Docke+%283%29,+die?hl=docke