R v Dudley and Stephens

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Das Strafverfahren R v Dudley and Stephens von 1884, Aktenzeichen 14 QBD 273 DC, gilt als einer der herausragenden britischen Kriminalfälle. Durch die Urteilsbegründung wurde ein Präzedenzfall geschaffen, bei dem festgestellt wurde, dass zur Verteidigung eines Mordes nicht das Vorliegen eines Notstandes geltend gemacht werden kann. Das Urteil wirkte sich auf die weltweite Rechtsprechung aus.

Geschichte[Bearbeiten]

Zugetragen haben sich die Ereignisse an Bord eines Beibootes der Mignonette, einer englischen Segelyacht. Die Mignonette war 1867 gebaut worden und rund 16 Meter lang. Am 19. Mai 1884 verließ das Schiff Southampton mit dem Ziel Sydney. An Bord waren vier Personen - Kapitän Tom Dudley sowie die Besatzung, bestehend aus Edwin Stephens, Edmund Brooks und dem 17-jährigen Schiffsjungen Richard Parker. Man fuhr auf das Kap der guten Hoffnung zu, als das Schiff am 5. Juli von einer Welle stark beschädigt wurde. Nur wenige Minuten, nachdem man das Rettungsboot zu Wasser gelassen und besetzt hatte, sank das Schiff.

Einige Wochen später waren alle vier dem Tode nahe, insbesondere Parker, der Meerwasser getrunken hatte. Der Vorschlag, per Los zu entscheiden, wer zugunsten der anderen drei geopfert werden sollte, wurde von Brooks abgelehnt. Dudley und Stephens erstachen am 25. Juli den Schiffsjungen, um sich von ihm zu ernähren. Brooks war an Verabredung und Tat nicht direkt beteiligt, nahm aber am Verzehr des Getöteten teil.

Am 29. Juli wurden die Schiffbrüchigen von der deutschen Bark Moctezuma aufgenommen. Die drei Überlebenden kehrten ins Vereinigte Königreich zurück. Der Vorfall auf hoher See wurde gerichtlich im Fall R. v. Dudley and Stephens behandelt. Am 9. Dezember wurden die beiden zum Tode verurteilt, ihre Begnadigung jedoch empfohlen. Die Strafe wurde von der Krone auf sechs Monate Gefängnis herabgesetzt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Allen Boyer: Crime, Cannibalism and Joseph Conrad: The Influence of Regina v. Dudley and Stephens on Lord Jim. In: Loyola of Los Angeles Law Review Vol. 20, S. 6–34 (Online).
  • Pavlína Hojecká: Regina v Dudley and Stephens. In: Theory of Jurisprudence, 30. Juni 2006 (Online).
  • Michael G. Mallin: In Warm Blood: Some Historical and Procedural Aspects of Regina v. Dudley and Stephens. In: The University of Chicago Law Review Vol. 34, No. 2 (Winter 1967), S. 387–407, doi:10.2307/1598938.
  • Ferdinand von Schirach: Die Würde ist antastbar. In: Der Spiegel 38/2013 vom 16. September 2013, S. 138−141 (Online).
  • A. W. Brian Simpson: Cannibalism and the Common Law: The Story of the Tragic Last Voyage of the Mignonette and the Strange Legal Proceedings to Which It Gave Rise., University of Chicago Press 1984, ISBN 0226759423.
  • Glanville Williams: A Commentary on R. v. Dudley and Stephens. In: Cambrian Law Review Vol. 94 (1977), 8.

Weblinks[Bearbeiten]