Saint-Martin-de-Londres

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Saint-Martin-de-Londres (Sant Martin de Londras)
Wappen von Saint-Martin-de-Londres
Saint-Martin-de-Londres (Frankreich)
Saint-Martin-de-Londres
Region Languedoc-Roussillon
Département Hérault
Arrondissement Lodève
Kanton Saint-Martin-de-Londres
Gemeindeverband Communauté de communes du Grand Pic Saint Loup.
Koordinaten 43° 48′ N, 3° 44′ O43.7916666666673.7325Koordinaten: 43° 48′ N, 3° 44′ O
Höhe 91–488 m
Fläche 38,20 km²
Einwohner 2.473 (1. Jan. 2011)
Bevölkerungsdichte 65 Einw./km²
Postleitzahl 34380
INSEE-Code

Saint-Martin-de-Londres – Église Saint-Martin
.

Saint-Martin-de-Londres (okzitanisch: Sant Martin de Londras) ist eine Gemeinde mit 2473 Einwohnern (Stand 1. Januar 2011) im südfranzösischen Département Hérault in der Region Languedoc-Roussillon.

Lage[Bearbeiten]

Der Pic Saint-Loup (rechts) und das Felsplateau der Montagne de l’Hortus (links)

Die Gemeinde Saint-Martin-de-Londres liegt in einer Ebene Plaine des Londres am Rand der südlichen Ausläufer der Cevennen in einer Höhe von etwa 200 Metern ü. d. M. etwa 27 Kilometer (Fahrtstrecke) nordwestlich von Montpellier bzw. etwa 75 Kilometer westlich von Nîmes in der alten Kulturlandschaft des Languedoc; das ehemalige Benediktinerkloster von Saint-Guilhem-le-Désert befindet sich etwa 26 Kilometer südwestlich. Die umgebende Landschaft wird dominiert vom 658 Meter hohen Kalksteinmassiv des Pic Saint-Loup und vom 528 Meter hohen Felsplateau der Montagne de l’Hortus.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2006
Einwohner 645 710 720 1.065 1.623 1.894 2.127

Im 19. Jahrhundert hatte die Gemeinde meist deutlich über 1.000 Einwohner; infolge der Reblauskrise im Weinbau und der Mechanisierung der Landwirtschaft sank die Einwohnerzahl danach kontinuierlich auf die Tiefststände der 1940er bis 1960er Jahre ab. Wegen der Nähe zu Montpellier und den auf dem Lande deutlich niedrigeren Immobilienpreisen ist in den letzten Jahrzehnten wieder ein deutlicher Anstieg der Bevölkerungszahlen zu verzeichnen.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Die Einwohner der Gemeinde lebten jahrhundertelang als Selbstversorger (Getreide, Wein, Gemüse, Käse) von der Landwirtschaft; nur die Stadt Montpellier kam wegen ihrer geringen Entfernung als Marktort für Käseprodukte etc. infrage. Der Weinbau ist noch immer von Bedeutung, doch spielt seit den 1960er Jahren der Tourismus eine zunehmend wichtige Rolle im Wirtschaftsleben der Gemeinde.

Geschichte[Bearbeiten]

In der Montagne de l’Hortus wurden Spuren von Neanderthalerrn entdeckt und auch andere vorzeitliche Kleinfunde wurden gemacht. Funde aus der Zeit der Megalithkulturen und aus römischer Zeit fehlen. Im Jahr 1088 wurde die bestehende Pfarre dem Benediktiner-Kloster von Saint-Guilhem-le-Désert übereignet, das hier kurz darauf eine Prioratskirche errichtete. Zwischen dem Priorat und der örtlichen Grundherrenfamilie, den Seigneurs de Montarnaud kam es im Verlauf des 12. Jahrhunderts zu Streitigkeiten, die in der Errichtung einer Mauer mündeten, durch die sich das Priorat gegenüber dem Ort abgrenzte; im Jahr 1250 schließlich verkaufte die Grundherrenfamilie ihren Besitz an die Abtei. In der Zeit des Hundertjährigen Krieges (1337–1453) und der Hugenottenkriege (1562–1598) lagen Priorat und Ort – im Gegensatz zum Mutterkloster von Saint-Guilhem – zu weit abseits und blieben somit von Plünderungen und Zerstörungen verschont. In der Französischen Revolution wurde sämtlicher Kirchenbesitz verstaatlicht; das Priorat wurde aufgelöst, doch die ehemalige Prioratskirche blieb als Pfarrkirche des Ortes erhalten.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Vierung und Apsis der Kirche
  • Die heutige Pfarrkirche (Église Saint-Martin) entstammt – abgesehen von einem nicht belichtenden Laternenaufsatz über der Kuppel und dem westlichen Joch des Langhauses mitsamt der Fassade – der Zeit um 1100. Besonders markant und im Süden Frankreichs nur selten anzutreffen ist die kleeblattförmige Gestaltung der Ostteile (Apsis und Querhausarme) in der Form eines Dreikonchenchors, wobei die Mittelapsis allerdings durch ein Vorchorjoch nach Osten verlängert ist und über Fenster mit eingestellten Säulen und primitiv anmutenden Kapitellen verfügt. Alle drei Apsiden sind gleich hoch und architektonisch in gleicher Weise mit Lisenen, Rundbogenfriesen und Zahnschnittornamenten unterhalb der Dachtraufen gestaltet. Oberhalb der Vierung erhebt sich ein oktogonaler Tambour mit einem Ostfenster. Über dem Türsturz des mehrfach zurückgestuften aber weitgehend schmucklosen Südportals befindet sich eine Reiterfigur des mantelteilenden hl. Martin. Das einschiffige Innere ist tonnengewölbt; die Kapitelle der Wandvorlagen (Halbsäulen) sind dekorlos. Die Vierung ist von einer auf Pendentifs ruhenden Kuppel überspannt und die von teilweise durchfensterten Blendarkaden umstellte Apsis zeigt die übliche halbkugelförmige Kalottenwölbung, die sich auch in den insgesamt etwas einfacher gestalteten Querhausapsiden wiederfindet. Die Kirche wurde im Jahr 1900 als Monument historique[1] anerkannt.
  • Vor der Kirche steht ein frühbarockes Kalvarienkreuz aus dem Jahr 1642 mit einem Kruzifixus auf der einen und einer betenden Marienfigur auf der anderen Seite, welches ebenfalls als Monument historique[2] anerkannt ist.
  • Der Tour de l’horloge ist ein Rundturm der mittelalterlichen Ortsbefestigung (remparts), dem später eine Uhr und ein Spitzhelm mit einer Sturmglocke hinzugefügt wurde..
  • Viele der Häuser im alten Ortskern sind aus Bruchsteinen gemauert – der in späterer Zeit aufgebrachte Verputz wurde bei Restaurierungsarbeiten in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wieder entfernt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Autorenkollektiv: Saint-Martin-de-Londres - Église, villages et garrigues du vallon de Londres. Édition Foyer Rural Saint-Martin-de-Londres, 2007.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Saint-Martin-de-Londres – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Église Saint-Martin, Saint-Martin-de-Londres in der Base Mérimée des französischen Kulturministeriums (französisch)
  2. Croix en pierre, Saint-Martin-de-Londres in der Base Mérimée des französischen Kulturministeriums (französisch)