Schenken von Limpurg

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Wappen der Schenken von Limpurg aus Scheiblers Wappenbuch 1450–1480
Stammbaum der Erbschenken von Limpurg zu Obersontheim 1593
Schloss Obersontheim

Die Schenken von Limpurg, eine zeitweise weitverzweigte schwäbisch-fränkische Adelsfamilie, brachte zahlreiche hochgestellte Reichsbeamte, Bischöfe und Domherren hervor. Ihren Namen tragen sie nach der Burg Limpurg bei Schwäbisch Hall. Noch heute wird ihr ehemaliges Herrschaftsgebiet, das sich zwischen Schwäbisch Hall, Schwäbisch Gmünd und Ellwangen erstreckte, als Limpurger Land bezeichnet. Hauptort der ehemaligen Grafschaft ist die Stadt Gaildorf (Landkreis Schwäbisch Hall).

Als sogenannte Reichserbschenken bekleideten die von Limpurg seit dem 12. Jahrhundert eines der Reichserbämter des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Formal war den Herren von Limpurg das Schenkenamt als Afterlehen der Erzschenken und Könige von Böhmen verliehen, deren Aufgabe sie im Krönungszeremoniell der deutschen Könige und Kaiser zu übernehmen hatten. Als solche werden sie in der Goldenen Bulle von 1356 genannt. Das Geschlecht erlosch 1713.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte [Bearbeiten]

Die ministerialischen Anfänge der Familie der Schenken von Limpurg werden in der Regierungszeit König Konrads III. (1138–1152) mit den (Reichs-) Schenken von Schüpf, mit Walter Kolbo (1144/57) und Konrad Pris (1138/46) erkennbar. Auch unter Kaiser Friedrich Barbarossa (1152–1190), Kaiser Heinrich VI. (1190–1197), König Philipp von Schwaben (1198–1208) und Kaiser Friedrich II. (1212–1250) treten die Schenken in Königsnähe auf. Einige Mitglieder der Familie übten das Hofamt, den Hofdienst eines Reichsschenken bei den staufischen Herrschern aus; die Schenken sind auf Hoftagen und Italienzügen nachweisbar. Das Geschlecht benannte sich nach der Stammburg Schüpf (Main-Tauber-Kreis), um die herum auch der Schwerpunkt der Besitzungen lag.

Ein Schenk Walter (1200/18) diente Philipp von Schwaben, Kaiser Otto IV. (1198–1218) und Friedrich II., sein Sohn Walter befand sich ab 1226 im Gefolge König Heinrichs (VII.) (1220–1235) und ist 1230/1234 als Walter (I.) Schenk von Limpurg bezeugt. Vor 1230 muss also Walter bei Schwäbisch Hall die Burg Limpurg wahrscheinlich auf Eigengut erbaut haben. Es wird vermutet, dass der Besitzkomplex im Haller Raum durch die Ehe des Vaters von Schenk Walter (I.) mit Adelheid von Bielriet in die Hand der Familie gekommen war. Bei der Empörung Heinrichs (VII.) gegen seinen Vater, Kaiser Friedrich II., standen die Schenken auf der Seite des Sohnes, mussten nach dem Zusammenbruch des Aufstandes Entschädigungen leisten und verloren ihre Stammgebiete an Main und Tauber. Immerhin übte Walter I. ab 1245 sein Schenkenamt unter König Konrad IV. (1237–1254) wieder aus. Als Walter starb, folgte ihm sein Sohn Walter II. (1249–1283) als Schenk. Dessen zweiter Sohn war der Minnesänger Schenk Konrad von Limpurg auf Bielriet (1255/86), ein nachgeborener Sohn war Ulrich von Lorbach (erw. ab 1277) auf Burg Lohrbach.

Im Verlauf des 13. Jahrhunderts wurde aus der Amtsbezeichnung „Schenk“ ein Familienname. Die Schenken, allen voran Walter II., bemühten sich, eine eigene Landesherrschaft zu erringen, und besaßen zeitweise Einfluss auf Schwäbisch Hall, doch wurde das Haller Gericht spätestens 1280 von den Schenken unabhängig. Die Limpurger blieben in der Folge auf ein Gebiet zwischen Kocher und Rot beschränkt. Die Goldene Bulle Kaiser Karls IV. (1347–1378) erwähnt die Limpurger als stellvertretende und erbliche Reichsschenken („Reichs-Erb-After-Schenken“) neben den böhmischen Königen als Erzmundschenken des Reiches.

Friedrich III. († 1414) erhob im Jahr 1404 Gaildorf zur Stadt. 1413 erwarben die Limpurger die Hälfte der Herrschaft Hohenlohe-Speckfeld. Im 15. und 16. Jahrhundert war das Limpurger Territorium geteilt unter den Linien Limpurg-Speckfeld und Limpurg-Gaildorf.

Von 1540 an wurde in den Limpurger Landesteilen die Reformation eingeführt. Heinrich I. Schenk von Limpurg-Schmiedelfeld (1534–1585) unterzeichnete die Konkordienformel von 1577 und das Konkordienbuch von 1580.[1]

Die Speckfelder Linie sah sich nach dem Tode des letzten katholischen Schenken, Gottfried II. (1474–1530), einer so drückenden Schuldenlast ausgesetzt, dass sie schließlich 1541 die namensgebende Stammburg Limpurg an die Reichsstadt Schwäbisch Hall verkaufen musste und ihre Residenz auf das Schloss Obersontheim verlegte. Die Burg Speckfeld wurde im Bauernkrieg zerstört und später wieder aufgebaut. Im Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) wurde die Burg von schwedischen Truppen und Kaiserlichen mehrfach geplündert und ab 1693, nachdem die Schenken von Limpurg-Sontheim-Speckfeld in Markt Einersheim ein neues Schloss erbaut hatten, nicht mehr bewohnt.

Seit 1557 saß auf Schloss Schmiedelfeld eine Nebenlinie der Gaildorfer Linie, seit dem beginnenden 16. Jahrhundert in Speckfeld eine der Limpurg-Sontheimer Linie. Mit Wilhelm Heinrich († 1690) starb die Gaildorfer, mit Vollrat († 1713) die Sontheimer Linie im Mannesstamm aus. Die Erbtöchter heirateten in verschiedene Grafenfamilien ein, die Limpurger Landesteile zersplitterten weiter (Limpurger Erbstreit). Im 19. Jahrhundert wurden erhebliche Teile der ehemaligen Grafschaft unter dem Haus Waldeck-Limpurg wieder vereinigt.

Nachwirkungen [Bearbeiten]

Wappen der Schenken am Gaildorfer Schloss

Aus der Familie von Limpurg sind besonders hervorzuheben:

Bekannt ist eine Ballade von Johann Ludwig Uhland „Der Schenk von Limburg“, welche die legendenhafte Verleihung des Reichsschenkenamtes schildert.[2]

Schenken von (Schüpf bzw.) Limpurg [Bearbeiten]

  • Schenk Konrad Pris (1136/46)
  • Konrad (1152/85)
  • Walter (1200/18)
  • Walter I. Schenk von Limpurg (1226, † 1249)
  • Walter II. (1249/83)
  • Friedrich I. (1274/nach 1300)
  • Friedrich II. (?) († 1333)
  • Konrad II. († 1376)
  • Friedrich III. († 1414)

Gaildorf:

  • Konrad IV. († 1482)
  • Albrecht III. († 1506)
  • Christoph († 1516)
  • Wilhelm († 1552)
  • Christoph III. († 1574)
  • Albrecht VII. († 1619)
  • Joachim Gottfried († 1651)
  • Wilhelm Ludwig († 1657)
  • Philipp Albert († 1682)
  • Wilhelm Heinrich († 1690)

Limpurg, Obersontheim:

  • Friedrich V. († 1474)
  • Georg († 1475)
  • Gottfried († 1530)
  • Erasmus († 1553, ab 1541 in Obersontheim)
  • Friedrich VII. († 1596)
  • Heinrich († 1637)
  • Ludwig Kasimir († 1645)
  • Heinrich Kasimir († 1676)
  • Vollrat († 1713)

Literatur [Bearbeiten]

  • Gisela Kornrumpf: Schenk von Limburg. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 22, Duncker & Humblot, Berlin 2005, ISBN 3-428-11203-2, S. 673 f. (Digitalisat).
  • Karl Otto Müller: Das Geschlecht der Reichserbschenken von Limpurg bis zum Aussterben des Mannesstammes. In: Zeitschrift für württembergische Landesgeschichte 5 (1941), ISSN 0044-3786, S. 215–243.
  • Johann P. Prescher: Heinrich Preschers Geschichte und Beschreibung der zum fränkischen Kreise gehörigen Reichsgrafschaft Limpurg, worinn zugleich die ältere Kochergau-Geschichte überhaupt erläutert wird. 2 Bände. Erhard, Stuttgart 1789–1790 (Volltext Band 1 in der Google Buchsuche; Volltext Band 2 in der Google Buchsuche)
  • Gerd Wunder, Max Schefold, Herta Beutter: Die Schenken von Limpurg und ihr Land. Mit Abbildungen alter Ansichten. Thorbecke, Sigmaringen 1982, ISBN 3-7995-7619-3 (Forschungen aus Württembergisch Franken, Band 20)

Weblinks [Bearbeiten]

 Commons: Schenken von Limpurg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. Vgl. BSLK, S. 15, 765.
  2. Johann Ludwig Uhland: Der Schenk von Limburg Ballade bei Zeno.org