Weißenburg in Bayern

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Weißenburg i.Bay.
Weißenburg in Bayern
Deutschlandkarte, Position der Stadt Weißenburg i.Bay. hervorgehoben
49.03055555555610.971944444444422Koordinaten: 49° 2′ N, 10° 58′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Mittelfranken
Landkreis: Weißenburg-Gunzenhausen
Höhe: 422 m ü. NHN
Fläche: 97,55 km²
Einwohner: 17.689 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 181 Einwohner je km²
Postleitzahl: 91781
Vorwahl: 09141
Kfz-Kennzeichen: WUG, GUN
Gemeindeschlüssel: 09 5 77 177
Stadtgliederung: 27 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Marktplatz 19
91781 Weißenburg i.Bay.
Webpräsenz: www.weissenburg.de
Oberbürgermeister: Jürgen Schröppel (SPD)
Lage der Stadt Weißenburg i.Bay. im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen
Gunzenhausen Absberg Alesheim Muhr am See Bergen (Mittelfranken) Burgsalach Dittenheim Ettenstatt Haundorf Heidenheim (Mittelfranken) Höttingen Langenaltheim Markt Berolzheim Meinheim Nennslingen Pappenheim Pfofeld Polsingen Solnhofen Theilenhofen Treuchtlingen Weißenburg in Bayern Westheim (Mittelfranken) Raitenbuch Pleinfeld Gnotzheim Ellingen Landkreis Donau-Ries Landkreis Roth Landkreis Ansbach Landkreis EichstättKarte
Über dieses Bild

Weißenburg in Bayern (amtlich Weißenburg i.Bay., früher auch Weißenburg im Nordgau, Weißenburg am Sand) ist eine Große Kreisstadt im mittelfränkischen Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen und Sitz des Landratsamtes Weißenburg-Gunzenhausen.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Der nahe Wülzburger Berg mit der Wülzburg

Weißenburg in Bayern liegt im Süden des Regierungsbezirks Mittelfranken. Größere Städte in der Umgebung sind Ingolstadt (55,5 km), Nürnberg (61,7 km), Augsburg (85 km) und München (134,6 km), Nachbarstädte sind Ellingen (3 km), Treuchtlingen (12 km), Gunzenhausen (23 km), Eichstätt (25 km), Monheim (25 km) und Donauwörth (40 km).

Die Stadt liegt als Namensgeber der Weißenburger Alb, neben der Eichstätter Alb der zweite südwestliche Teil der Fränkischen Alb, im Naturpark Altmühltal. Etwas westlich fließt die Schwäbische Rezat an der Kernstadt vorbei und östlich erheben sich der Wülzburger Berg mit der Wülzburg und der Rohrberg.

Rund einen Kilometer südlich der Altstadt befindet sich der Ludwigswald an der Ludwigshöhe, der Stadtwald von Weißenburg. Weißenburg befindet sich im Fränkischen Keuper-Lias-Land. Zu diesem Gebiet gehört auch der vier Kilometer von Weißenburg entfernte Flüglinger Berg, ein Zeugenberg. Rund vier Kilometer südlich von Weißenburg fließt die Altmühl. Sie wird durch die Europäische Hauptwasserscheide zwischen Weißenburg und Treuchtlingen nach Süden umgelenkt.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Ellingen Höttingen, Ettenstatt Bergen
Alesheim Nachbargemeinden Burgsalach
Treuchtlingen Pappenheim Raitenbuch, Schernfeld

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Weißenburg hat 27 Stadtteile:[2]

Ausdehnung des Stadtgebiets[Bearbeiten]

Die Nord-Süd-Ausdehnung des Stadtgebiets beträgt 11,8 Kilometer, in Ost-West-Richtung sind es 15,2 Kilometer. Die Stadt hat einen Umfang von rund 61 Kilometern. Die Gesamtfläche beträgt 97,55 Quadratkilometer, damit ist Weißenburg nach der Fläche die zweitgrößte Stadt im Landkreis. 6,26 km² sind mit Häusern bebaut. Die Landwirtschafts- und Grünflächen umfassen 49,79 km², 5,34 km² werden als Verkehrsflächen genutzt und 35,75 km² sind Waldflächen. Die Wasserfläche beträgt 0,43 km².[3]

Klima[Bearbeiten]

Klimadiagramm von Weißenburg[4]

Weißenburg hat ein humides warmgemäßigtes Übergangsklima, das weder sehr kontinental noch sehr maritim ausgeprägt ist. Die monatlichen Durchschnittstemperaturen schwanken zwischen -1,7 °C im Januar und 17,1 °C im Juli. Die Durchschnittstemperatur beträgt 7,9 °C. Die jährliche Niederschlagsmenge beträgt insgesamt 670 mm, wobei es im März am trockensten und im Juli am feuchtesten ist. Die Gegend um Weißenburg ist wegen der Nähe zu den Bergen der Fränkischen Alb viel trockener als die Nachbargegenden.

Geschichte[Bearbeiten]

Besiedlung[Bearbeiten]

Rekonstruktionsversuch des Kastells
Tor des Kastells Biriciana
Tor des Kastells - Vorderansicht

Ausgehend von einer römischen Siedlung um das Kastell Biriciana – der Limes lag nur wenige Kilometer entfernt – und um das 9. Jahrhundert von einem fränkischen Königshof entwickelte sich die spätere Reichsstadt.

Um die Mitte des 2. Jahrhunderts wurde das um das Jahr 90 errichtete Holz-Erde-Kastell durch ein gemauertes Steinkastell von 3,1 Hektar Größe ersetzt. Wohl um 253, spätestens 254, wurden Kastell und Vicus im Zuge der Alemanneneinfälle zerstört. Die Schlussmünzen aus einem Münzschatzfund an der Via principalis dextra datieren auf die Jahre 251 und 253.

Das Kastell war bis auf eine kleinere Unterbrechung wohl durchgängig von der Ala I Hispanorum Auriana (1. Spanische Kavallerie-Einheit Auriana) belegt. Eine ebenfalls in Weißenburg bezeugte Cohors IX Batavorum equitata milliaria exploratorum (9. Batavische teilberittene 1000 Mann starke Aufklärungskohorte) muss wohl dem zweiten, im Osten gelegene Holzkastell zugerechnet werden, das sich etwa 1,6 km östlich im Flurstück Breitung befand und nur vorübergehend in trajanischer bzw. hadrianischer Zeit genutzt wurde. Nahe dem Kastell wurden in den Jahren 90, 130 und 180 ein Vicus und eine Therme erbaut und umgebaut.

Es gibt keine Belege für die direkte Fortführung der Siedlung um das Kastell nach dem Abzug der Römer. Vielmehr deuten Reihengräberfriedhöfe auf eine merowingische Neubesiedlung etwa 600 Meter östlich des ehemaligen Kastells hin. Dieses fränkische Dorf am heutigen Stadtbach bzw. Volkammersbach hob sich im 7. Jahrhundert nicht von den anderen Dörfern der Umgebung ab. Auch die erste Pfarrkirche St. Martin unterhalb der heutigen Schranne ist ein Hinweis auf ein Dorf in der späten Merowinger- bzw. frühen Karolingerzeit. Neben diesem Dorf entstand um das Ende des 7. Jahrhunderts im Westen ein Königshof, der wahrscheinlich zur sogenannten Regnitz-Rezat-Linie gehörte. 793 n. Chr hielt sich vermutlich Karl der Große in der Stadt während des Baus der Fossa Carolina weiter südlich auf.

Die erste urkundliche Erwähnung war am 14. Juni 867 als „Uuizinburc“ in der Schenkungsurkunde König Ludwigs des Deutschen an das Kloster Metten. Im Jahre 1028 wurde die Stadt Königsgut der Salier, später der Staufer. In dieser Zeit wurde das Kloster Peter und Paul auf dem Wülzburger Berg gebaut.

Mittelalter, Reformation und napoleonische Zeit[Bearbeiten]

Um 1725 entstandener Kupferstich von Johann Baptist Homann, der als Prospekt und Grundriss von Weißenburg diente.
Schießgrabenmauer
Seeweihermauer

Die erste Stadtmauer stammt aus dem 12. und 13. Jahrhundert (Obertor = 1110, Spitaltor = 1152). 1188 wurde Weißenburg daher erstmals als burgus bezeichnet. Zusätzlich zur Mauer wurde noch ein 30 Meter breiter Graben um die Stadt angelegt, der im südlichen Teil mit Wasser gefüllt war bzw. noch heute gefüllt ist. Die Stadtmauer hatte mehrere Dutzend Türme, von denen nur noch 38 erhalten sind. Die meisten Türme haben eine viereckige Grundform. Der Scheibleinsturm ist der einzige noch erhaltene runde Turm; der Fünfeckturm ist der einzige fünfeckige Turm.
siehe auch Alte Bürg

Die Stadtwerdung erfolgte im 13. Jahrhundert. In einem Krieg zwischen den Herzögen von Oberbayern und den Marschällen von Pappenheim wurde Weißenburg im Jahr 1262 durch Ludwig den Strengen völlig zerstört. 1296 wurde das wieder aufgebaute Weißenburg eine Freie Reichsstadt, die allerdings die ärmste fränkische Reichsstadt war. 1322 nahm vermutlich eine Gruppe von Weißenburgern in der Schlacht bei Mühldorf unter Seyfried Schweppermann teil. 1327 wurde die St.-Andreas-Kirche, die Stadtkirche Weißenburgs, geweiht. 1338 schenkte Ludwig der Bayer der Stadt den Stadtwald, der jahrhundertelang die wichtigste Geldquelle der Stadt war. 1377 wurde die Ratsverfassung verfasst, wodurch im Rat der Stadt das Patriziat vom Bürgertum abgelöst wurde. 1447 wurde der Stadt ein bürgerliches Spital gestiftet, welches mit dem Spital der Karmeliter konkurrierte. 1481 überschuldete sich die Stadt so sehr, dass der König den gesamten Rat ins Gefängnis werfen ließ und einen neuen Rat einsetzte. 1490 schien die Finanzkrise überwunden zu sein, weswegen man einen Umbau der Stadtkirche plante, welcher wegen Geldmangels kürzer gesetzt werden musste. Von 1449 bis 1450/51 verzögerten sich mehrere Bauprojekte wegen des süddeutschen Städtekriegs. Ab 1500 gehörte Weißenburg zum Fränkischen Reichskreis. Am 15. November 1530 wurde mit einer großen Mehrheit in der St.-Andreas-Kirche beschlossen, die Confessio Augustana anzunehmen und dadurch evangelisch zu werden. Um diese Zeit besuchte Philipp Melanchton zweimal nachweislich die Stadt. Als eine der ersten Reichsstädte erklärte sie auf dem Reichstag in Augsburg 1530 öffentlich ihr Bekenntnis zur Confessio Augustana. Von 1588 bis 1610 baute das Fürstentum Ansbach das Kloster auf dem Wülzburger Berg zur Artilleriefestung Wülzburg um, trotz des Widerstands des Deutschen Ordens, des Bistums Eichstätt, der Marschälle von Pappenheim und der Reichsstadt Weißenburg.

Die Festung Wülzburg 1656

Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Stadt wegen der nahen Festung Wülzburg mehrfach belagert, beschossen und geplündert, am folgenschwersten im Januar 1647. 1631 wurde die Festung von den Truppen von Tilly eingenommen und 1634 niedergebrannt. 1688, 40 Jahre nach dem Ende des Krieges, standen immer noch 29 Gebäude in Weißenburg leer und erst am Ende des 17. Jahrhunderts wurden Neubauten erstellt. Trotzdem gelang es der Stadt, nach dem Friedensschluss alle früheren Rechte zurückzuerhalten. Während der Napoleonischen Kriege wurde die Stadt wiederholt besetzt. 1798 wurden die Räuber der Großen Fränkischen Diebes- und Räuberbande in der Wülzburg inhaftiert, darunter Franz Troglauer. Einige wurden hingerichtet, andere brachte man ins Zuchthaus. Ab 1801 verkaufte Weißenburg aus Geldnot seine Stadtmauer. Im September 1802 verlor die Stadt ihre Reichsfreiheit, kam zuerst an Kurbayern, dann 1804 an Preußen und 1806 endgültig zum Königreich Bayern. Erst im 19. Jahrhundert wuchs Weißenburg über seine mittelalterlichen Mauern hinaus.

Jüngere Geschichte[Bearbeiten]

1808 wurde das Landgericht Weißenburg errichtet, das zunächst zum Altmühlkreis, ab 1810 zum Oberdonaukreis und ab 1817 zum Rezatkreis gehörte, der 1838 in Mittelfranken umbenannt wurde. Die Landgerichte von Ellingen und Pappenheim bildeten ab 1862 mit dem Landgericht Weißenburg das Bezirksamt Weißenburg. Die Stadt Weißenburg schied 1863 aus dem Bezirksamt Weißenburg aus und wurde eine kreisunmittelbare Stadt. Im Rahmen der Gebietsreform in Bayern 1972 wurden der Landkreis Weißenburg in Bayern, der Landkreis Gunzenhausen sowie die bisher kreisfreie Stadt Weißenburg zu einem neuen Landkreis vereinigt mit dem Namen Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen.

Postkarte von 1914 mit französischen Kriegsgefangenen auf der Wülzburg

Im 19. Jahrhundert wurden viele Gebäude in der Altstadt abgerissen, zum Beispiel das Frauentor (1878), das Obertor (1874), der Schrecker-Turm (1824/1825) und ein Teil der Schanzmauer (1874). Der geplante Abriss des Ellinger Tors und des Alten Rathauses wurden aber nie realisiert. 1882 kaufte die Stadt Weißenburg (fast) die gesamte Wülzburg auf, die seit Jahren leer steht. Am 29. Juli 1821 unterschrieb König Maximilian I. Joseph ein Edikt, mit dem die Stadt den nahen Stadtwald als Kommunaleigentum erhielt. 1904 entschied man sich für den Namenszusatz in Bayern; der Zusatz in Franken war nie im Gespräch. Die Festung Wülzburg war während des Ersten und Zweiten Weltkriegs ein Gefangenenlager. 1918 war der spätere französische Präsident Charles de Gaulle Kriegsgefangener in der Wülzburg. Bei einem Bombenangriff auf Weißenburg am 23. Februar 1945 wurden 22 Menschen getötet; Kriegsende war in Weißenburg am 23. April mit dem kampflosen Einmarsch der Amerikaner. Von 1946 bis 1947 wurden während des Weißenburger Pogromprozesses 57 Personen verurteilt, darunter auch der damalige Weißenburger Bürgermeister Michael Gerstner.[5] Weißenburg gehörte zur Amerikanischen Besatzungszone. Etwa 6000 Heimatvertriebene aus dem Sudetenland und Schlesien ließen sich in Weißenburg nieder.

Das historische Stadtbild mit der weitgehend erhaltenen Stadtmauer, dem gotischen Rathaus und dem Ellinger Tor zeugt von der Zeit als Handelsstadt und der Nähe zum wohlhabenden Nürnberg.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Jahr 1840 1871 1900 1925 1939 1950 1961 1970 1987 2000 2009 2011
Einwohner[6] 7.952 8.238 9.638 10.952 11.634 18.112 17.591 18.076 17.445 17.763 17.519 17.420

Mit einer Einwohnerzahl von 17.420 ist Weißenburg die größte Stadt im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen. Davon waren im Jahr 2009 9.103 weiblich und 8.416 männlich. 2009 gab es 130 Lebendgeborene, 246 Verstorbene, 756 Zugezogene und 738 Weggezogene. In der Stadt gibt es 4.398 Wohngebäude mit 8.593 Wohnungen. Die Einwohner haben durchschnittlich eine Wohnfläche von 44,97 m² zur Verfügung, was leicht über dem bayrischen Durchschnitt von 42 m² liegt. Gut 53 % der Bevölkerung gehören dem evangelischen Glauben, knapp 29 % dem katholischen Glauben und rund 17 % anderen Glaubensrichtungen an, hauptsächlich der islamischen.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Die Eingemeindungen fanden am 1. Juli 1972[7] und am 1. Mai 1978[8] statt. Von der am 1. Mai 1978 aufgelösten Gemeinde Weiboldshausen wechselten damals etwa 250 Einwohner nach Weißenburg.

Ehemalige Gemeinde Eingemeindungsdatum
Dettenheim 1. Juli 1972
Emetzheim 1. Mai 1978
Haardt 1. Mai 1978
Holzingen 1. Juli 1972
Kattenhochstatt 1. Juli 1972
Oberhochstatt 1. Mai 1978
Rothenstein 1. Juli 1972
Suffersheim 1. Mai 1978
Weimersheim 1. Juli 1972

Politik[Bearbeiten]

Kommunalwahl 2014[9]
 %
50
40
30
20
10
0
40,6 %
34,5 %
9,0 %
9,4 %
3,8 %
2,8 %

Stadtrat[Bearbeiten]

Zusammensetzung des Stadtrates (Stand Kommunalwahl am 16. März 2014):[10]

Die (Ober-)Bürgermeister der Stadt[Bearbeiten]

  • 1807–1821 Johann Jakob Roth
  • 1821–1825 Georg Friedrich Zencker
  • 1826–1832 Karl Meyer
  • 1832–1834 Christian Böhm
  • 1834–1846 Georg Adam Voltz
  • 1846–1854 Karl Castner
  • 1854–1887 August Fleischmann
  • 1887–1897 Wilhelm Söldner
  • 1897–1898 Friedrich Krebs
  • 1898–1905 Hans Küfner
  • 1906–1920 August Lober
  • 1920–1927 Karl Danler
  • 1927–1933 Hermann Fitz
  • 1934–1945 Michael Gerstner (NSDAP)
  • 1945–1948 Friedrich Traber
  • 1949–1960 Ludwig Thumshirn
  • 1960–1972 Horst Lenz
  • 1972–1984 Günther W. Zwanzig
  • 1984–2008 Reinhard Schwirzer (CSU)
  • seit 2008 Jürgen Schröppel (SPD)

Patenschaft[Bearbeiten]

1955 wurde die Patenschaft für die vertriebenen Sudetendeutschen aus der Städten Kaaden, Duppau und Klösterle an der Eger und dem Kreis Kaaden übernommen. Zum 50-jährigen Jubiläum der Patenschaft wurde 2005 das Haus Kaaden im Reichsstadtmuseum eröffnet.

Wappen[Bearbeiten]

Wappen von Weissenburg.png

1481 erhielt Weißenburg vom Kaiser Friedrich III. sein Stadtwappen.[11] Die Blasonierung lautet: “In Rot eine silberne Burg mit zwei Zinnentürmen, darüber schwebend ein goldener Schild mit schwarzem Doppeladler.“ Der schwarze Doppeladler ist der Reichsadler und weist auf das Heilige Römische Reich Deutscher Nation hin, als Weißenburg eine Freie Reichsstadt war. Von 1808 bis 1835 stand im kleinen Schild anstelle des Adlers ein großes W.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

Kirchen[Bearbeiten]

Die Urpfarrei St. Martin entstand um 700 im ältesten Teil der Altstadt. 1329 wurde die Martinskirche als Stadtkirche von der St.-Andreas-Kirche abgelöst. Im Zuge der Reformation im Jahr 1534 wurde die Kirche profaniert. 1863 wurde sie abgebrochen und durch einen von Eduard Bürklein entworfenen Neubau, der heutigen Schranne, ersetzt. Eine weitere, nicht mehr existierende Kirche wurde 1182 vermutlich auf den Grundmauern einer Kapelle gebaut, die 1290 abgerissen wurde. 1520 war anstelle der Synagoge eine hölzerne Marienkapelle geplant, die allerdings wegen der Reformation nie gebaut wurde.

Die gotische, jetzt evangelische Stadtpfarrkirche St. Andreas wurde 1327 geweiht, um 1400 erweitert, 1891 erhöht und 1958 in ihre ursprüngliche gotische Gestalt zurückverwandelt. Der Hallenchor der denkmalgeschützten Kirche ist relativ hoch und gilt als herausragendes Werk der süddeutschen Spätgotik.

1447 wurde die jetzt evangelische Spitalkirche zum Heiligen Geist errichtet und 1729 durch Gabriel de Gabrieli barockisiert. Sie bildete eine große Geldquelle für die Reichsstadt.

Die katholische St.-Willibalds-Kirche wurde 1871 geweiht und mehrmals renoviert und restauriert. Die katholische Heilig-Kreuz-Kirche vom Architekten Alexander von Branca wurde in den 1960er Jahren in Form eines griechischen Kreuzes erbaut.

Die evangelisch-methodistische Kirchengemeinde von Weißenburg hat ein eigenes Kirchengebäude, die Christuskirche.

Klöster[Bearbeiten]

Das älteste Kloster der Stadt wurde 1238 als Frauenkloster nach den Regeln des Augustinus außerhalb der Stadtmauer gegründet. 1276 zogen die Nonnen nach schweren Schäden am Kloster im Städtekrieg 1262 nach Adlersberg. Durch die Stadterweiterung befand sich das leerstehende Gebäude mitten in der Kernstadt und wurde 1331 Spital, 1536 Sitz des markgräflichen Verwalters und ist seit 1812 ein Teil des Bezirksamts, jetzt Landratsamt Weißenburg-Gunzenhausen.

1325 zogen die Karmeliter nach Weißenburg und gründeten das Kloster Weißenburg. Das barockisierte Kirchengebäude ist jetzt das Kulturzentrum der Stadt.

Kultur[Bearbeiten]

Büchereien[Bearbeiten]

Die Stadtbibliothek Weißenburg befindet sich in der Alten Post neben dem Landratsamt. Es gibt dort einen öffentlichen Internetanschluss und über 42.000 Medieneinheiten auf einer Fläche von 1000 m².[12] Die Bücherei wurde nach der Renovierung und Erweiterung im Juli 2001 wiedereröffnet.

Die Katholische Öffentliche Bücherei Weißenburg in der Heilig-Kreuz-Kirche hat über 9000 Bücher.

Im Ellinger Tor befindet sich die Historische Ratsbibliothek Weißenburg, die jedoch nicht öffentlich zugänglich ist.

Parkanlagen[Bearbeiten]

Der Klostergarten des Karmeliterklosters wurde früher als Brauereihof genutzt. 1976 erwarb die Stadt Weißenburg die gesamte Anlage samt Klostergebäude. Während das Kloster zu einem Kulturzentrum umgebaut wurde, wurde der 719 m² große Klostergarten im Jahr 2000 eröffnet. Dort befinden sich eine Statue der heiligen Walburga von Ernst Steinacker und ein Brunnen als Nachbildung eines Brunnens im Reichsstadtmuseum.

Der Stadtgarten war früher die Gartenanlage des Krankenhauses und ist seit 1985 ein öffentlicher Park von einer Größe von einem Hektar. Der Stichvillenpark, auch Seeweiherpark genannt, wurde 1835 um die klassizistische Stichvilla im Stil der Englischen Gärten angelegt. Die Parkanlage befindet sich an der Seeweihermauer und ist 1,3 Hektar groß.

Museen[Bearbeiten]

Apothekenmuseum

Im Apothekenmuseum in den Kellergewölben des Blauen Hauses an der Rosenstraße wird eine Apothekeneinrichtung aus der Zeit Ende des 19. Jahrhunderts gezeigt. Der Betreiber ist die 1979 gegründete Stiftung Kohl’sche Einhorn-Apotheke zur Erinnerung an den Apotheker und Limesforscher Wilhelm Kohl.

Das Römermuseum mit dem 1979 gefundenen Weißenburger Römerschatz ist ein Zweigmuseum der Archäologischen Staatssammlung München. Schwerpunkte der Ausstellung sind die vor- und frühgeschichtlichen Kulturen der Region. Im Römermuseum befindet sich das Bayerische Limesinformationszentrum. Das Reichsstadtmuseum mit den Themenbereichen Musik und Wissenschaft, Handel, Kirche, Handwerk und Zünfte macht die Geschichte der ehemaligen Reichsstadt Weißenburg anschaulich. 2005 wurde das Museum mit der Abteilung Haus Kaaden erweitert, das die Vertreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei thematisiert.

Das Brauereimuseum der Brauerei Schneider zeigt historische Braugeräte.

Gedenkstein an Erwin Schulhoff auf dem Russischen Friedhof

Gedenkstätte Fallgarten/Russischer Friedhof[Bearbeiten]

Von den während des Zweiten Weltkriegs auf der Wülzburg als Zwangsarbeiter untergebrachten sowjetischen Kriegsgefangenen verloren über 40 ihr Leben. Sie wurden im Fallgarten begraben, an sie erinnert ein Mahnmal ohne nähere Angaben zum Sachverhalt.[13]

Kulturzentrum Karmeliterkirche[Bearbeiten]

Das Kulturzentrum (links) vom Kaiser-Ludwig-Brunnen aus gesehen

1325 gründeten die Karmeliter ein Kloster in Weißenburg. 1544 kaufte die Reichsstadt Weißenburg das Kloster. Eine Barockisierung fand 1729 statt. 1976 erwarb die Stadt Weißenburg das einsturzgefährdete Gebäude und ließ es von 1981 bis 1983 renovieren. Am 15. Oktober 1983 wurde das Kulturzentrum Karmeliterkirche als Tagungs-, Ausstellungs- und Kongressgebäude der Stadt eröffnet.

Weißenburger Kirchweih[Bearbeiten]

Hauptartikel: Weißenburger Kirchweih

An der Kerwa (Kirchweih) vom 3. bis 4. Sonntag im August treffen sich Weißenburger aus der ganzen Welt. Die erste urkundliche Erwähnung der Kirchweih war 1455. Der Kirchweihfestzug findet am 4. Augustsonntag statt. Mit geschätzten 70.000 Besuchern ist die Weißenburger Kirchweih das größte Volksfest im südlichen Franken. Die Auswanderer nach Amerika feierten im 19. Jahrhundert die Weißenburger Kirchweih in New York.

Weißenburger Stadtwald[Bearbeiten]

Der 1338 von Ludwig dem Bayern geschenkte Weißenburger Stadtwald an der Ludwigshöhe, östlich der Stadt, hat eine Fläche von 2540,1 Hektar. 1350 vergrößerte sich die Fläche durch eine zweite Waldschenkung. 1821 überließ König Maximilian I. Joseph den gesamten Wald der Stadt. Er ist jetzt ein Mischwald mit großem Fichten- und Buchenbestand und das Erholungs- und Wandergebiet der Weißenburger. Innerhalb des Waldes gibt es zwei Naturschutzgebiete und zwei Naturdenkmäler. Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt im Stadtwald 7 °C; der Jahresniederschlag 750 mm.

Religion[Bearbeiten]

Statue Martin Luthers am Vorplatz der Stadtkirche

Christentum[Bearbeiten]

Ursprünglich gehörte Weißenburg zum Bistum Eichstätt. Am 15. November 1530 wurde mit einer großen Mehrheit unter Peter von Preu (1464-1550) als Herr des Innern Rates und Wahlherr in der St.-Andreas-Kirche zu Weißenburg beschlossen, die Confessio Augustana anzunehmen und evangelisch zu werden. Seit den 1850er Jahren stieg der Anteil der Katholiken in Weißenburg an: 1860 hatte die Stadt 156 Katholiken, 1872 waren es bereits 470 und 1970 lebten 5.844 Katholiken und 11.690 Protestanten in Weißenburg. Der starke Anstieg an Katholiken, aber auch an Konfessionslosen und Methodisten nach dem Zweiten Weltkrieg beruht auf den rund 6.000 Heimatvertriebenen, die nach Weißenburg kamen. Heute gehören gut 53 % der evangelischen Konfession, knapp 29 % der katholischen Kirche und rund 17 % anderen Glaubensrichtungen an, hauptsächlich dem Islam.

Judentum[Bearbeiten]

Ende des 13. Jahrhunderts siedelten sich die ersten Juden in Weißenburg an. 1298 wurden mehrere Juden während der Rintfleisch-Verfolgung umgebracht. 1348 und 1349 gab es wegen der Pest ebenfalls eine Judenverfolgung. Die noch bestehende Judengasse wurde 1514 erstmals erwähnt. Nach der Vertreibung der Juden 1520 ist in Weißenburg mit Ausnahme während des Dreißigjährigen Krieges keine jüdische Gemeinde mehr nachweisbar, wohl aber in den Nachbardörfern. An die Juden der Stadt erinnert ein Grabstein mit hebräischer Inschrift im Reichsstadtmuseum.

Christliche Gemeinden[Bearbeiten]

Islam[Bearbeiten]

  • Fatih Camii der Türkisch Islamischen Gemeinde Weißenburg

Wirtschaft & Infrastruktur[Bearbeiten]

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Wirtschaft[Bearbeiten]

  • Industrie- u. Handelskammergremium Weißenburg

Verkehr[Bearbeiten]

Bei Weißenburg treffen die Bundesstraßen Bundesstraße 2 und 13 aufeinander, die gemeinsam eine Ortsumgehung östlich des Ortes bilden. Im Westen befindet sich der 1869 eröffnete Bahnhof Weißenburg an der Bahnstrecke Nürnberg–Augsburg. Der öffentliche Personennahverkehr wird durch den Verkehrsverbund Großraum Nürnberg sichergestellt.

Durch den Ort führt der Deutsche Limes-Radweg. Er folgt dem Obergermanisch-Raetischen Limes über 818 km von Bad Hönningen am Rhein nach Regensburg an der Donau.

Behörden und Institutionen[Bearbeiten]

Neben der Stadtverwaltung selbst befinden sich noch folgende Behörden in der Stadt:

Große ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

Hauptgebäude der Gutmann AG, des größten Arbeitgebers Weißenburgs

Medien[Bearbeiten]

In Weißenburg erscheinen folgende Medien:

  • Weißenburger Tagblatt, örtliche Tageszeitung
  • Stadtzeitung Weißenburg, wöchentliches Anzeigenblatt
  • Wochenanzeiger, wöchentliches Anzeigenblatt
  • Wochen Zeitung Weißenburg, wöchentliches Anzeigenblatt
  • Carpe Diem, monatliches Kulturmagazin
  • Weissenburg Aktuell, Online-Stadtmagazin

Schulen[Bearbeiten]

  • Grundschule Weißenburg mit drei Schulhäusern
  • Mittelschule
  • Staatliche Realschule
  • Staatliche Berufsschule
  • Landwirtschaftsschule
  • Staatliche Fachoberschule und Staatliche Berufsoberschule
  • Werner-von-Siemens-Gymnasium
  • Berufsbildungszentrum Weißenburg der Rummelsberger Anstalten e. V.
  • Berufsfachschule für Krankenpflege auf der Wülzburg
  • Fachschule für Kunststofftechnik (staatlich anerkannt)
  • Private Schule zur individuellen Lebensbewältigung der Lebenshilfe e. V.
  • Sonderpädagogisches Förderzentrum (Biberschule)
  • Sing- und Musikschule Weißenburg e. V.

Klinik Weißenburg[Bearbeiten]

Die Kreisklinik Weißenburg ist eines von drei Krankenhäusern im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen und gehört seit 2002 zusammen mit der Klinik Gunzenhausen zum selbständigen Kommunalunternehmen Kliniken des Landkreises Weißenburg-Gunzenhausen. Die Klinik gibt es seit 1985,[14] nachdem das Städtische Krankenhaus nach 100 Jahren seinen Betrieb eingestellt hatte.

Die Klinik Weißenburg dient der Grund- und Regelversorgung. Sie hat 190 Betten und 350 Beschäftigte in den Fachabteilungen Innere Medizin, Interdisziplinäres Bauchzentrum, Intensivmedizin, Allgemein-, Viscural- und Thoraxchirurgie, Gynäkologie, HNO-Heilkunde, Onkologie und Urologie. Jährlich werden rund 8000 Patienten behandelt und 5000 operative Eingriffe vorgenommen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Volkszählung und Bevölkerungsfortschreibung: Gemeinden, Bevölkerung (Volkszählungen und aktuell) vom 5. Juli 2013 (XLS-Datei; 2,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Bayerische Landesbibliothek Online: Weißenburg i.Bay., GKSt
  3. Werte auf baylink.de
  4. Geoklima 2.1
  5. Weißenburger Pogromprozess von 1946: www.wugwiki.de; Abgerufen am 18. März 2013
  6. Statistik für die Stadt (PDF; 1,3 MB) 2011.
  7.  Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C.H.Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 602.
  8.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 731.
  9. http://weissenburg.de/wahlen/app/gw2014.html
  10. Weißenburger Tagblatt vom 18. März 2014
  11. fraenkisches-seenland.bayern-online.de
  12. senatsbibliothek.de
  13. Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation. Band 1. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 198.
  14. Geschichte des Krankenhauses

Literatur[Bearbeiten]

  • Arbeitsgemeinschaft Weißenburger Heimatforschung: UUIZINBURC WEISSENBURG 867 - 1967, Beiträge zur Stadtgeschichte. Weißenburg i. Bay. 1967, DNB 458497495.
  • Peter Fleischmann: Das Reichssteuerregister von 1497 der Reichsstadt Nürnberg (und der Reichspflege Weißenburg). Nürnberg 1993 (Quellen und Forschungen zur fränkischen Familiengeschichte, 4).
  • Rainer Kammerl: Weißenburg i. Bayern. Regensburg 2003, ISBN 3-7954-1547-0.
  • Stadt Weißenburg i. Bay: Riedersche Chronik, Band 1–3. Weißenburg 2004, DNB 96536416X.
  • Wolfgang Wüst (Hrsg.): Frankens Städte und Territorien als Kulturdrehscheibe. Kommunikation in der Mitte Deutschlands. Interdisziplinäre Tagung vom 29. bis 30. September 2006 in Weißenburg i. Bayern. (Mittelfränkische Studien 19), Ansbach 2008, ISBN 978-3-87707-713-9.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Weißenburg in Bayern – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien