Schiffshebewerk Niederfinow

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Das Schiffshebewerk Niederfinow

Das Schiffshebewerk Niederfinow wurde 1934 in Betrieb genommen und ist damit das älteste noch arbeitende Schiffshebewerk Deutschlands. Es liegt am Oder-Havel-Kanal bei Niederfinow in Brandenburg. Am Nordrand des Eberswalder Urstromtals überwindet das technische Bauwerk einen Höhenunterschied von 36 Metern.

Das Bauwerk ist ein geschütztes Industriedenkmal nach der Haager Konvention zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten. Im Dezember 2007 erhielt es die von der Bundesingenieurkammer erstmals verliehene Auszeichnung Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland[1].

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geschichte

Luftaufnahme
Blick in das Hebewerk von der oberen Ebene

Am 17. Juni 1914 wurde der Großschifffahrtsweg BerlinStettin feierlich eröffnet. Bei Niederfinow wurde dabei der Höhenunterschied mit einer Schleusentreppe von vier Schleusen überwunden. Die Reste dieser heute nicht mehr betriebenen Schleusen kann man noch in unmittelbarer Nähe des Hebewerks besichtigen (in nebenstehendem Luftbild im Vordergrund erkennbar).

Die Kapazität der Schleusentreppe war allerdings schnell erschöpft und so wurde zwischen 1927 und 1934 das Schiffshebewerk errichtet und am 21. März 1934 eingeweiht. Am Bau, der 27,5 Mio. Reichsmark kostete, waren folgende Unternehmen beteiligt:

Leitung
  • Detig, Regierungsbaumeister
  • Eberhard Fischer, Bauführer
Grundbau
  • Beton- und Monierbau AG, Berlin
  • Chistoph & Unmack GmbH, Berlin
  • Philipp Holzmann AG, Berlin
Stahlbau
Maschinenanlagen
Elektrische Anlagen
Grund- und Stahlbau der Kanalbrücke
  • Beuchelt & Co, Grünberg

Bereits am 26. Januar 1939 wurde der Kahn des Schiffers Haak als 100.000stes Schiff geschleust. Der Güterverkehr betrug im Gründungsjahr 2.832.000 Tonnen.

1980 wurde das Hebewerk einer Generalüberholung unterzogen, 1984/1985 auch die Tragseile erneuert.

Heute ist das Schiffshebewerk für Schubverbände zu kurz, sodass die Einheiten getrennt werden müssen. Es ist heute mit jährlich ca. 11.000 Schiffen[2] an seiner Kapazitätsgrenze angelangt, weswegen 1997 der Neubau eines größeren Hebewerkes beschlossen wurde.

Das Schiffshebewerk Niederfinow ist ein beliebtes Ausflugsziel, das jährlich etwa 500.000 Menschen besuchen.[2] Aufgrund dessen wurde im Jahr 2003 ein neuer, größerer Parkplatz eröffnet.

[Bearbeiten] Technik

Informationstafel
Stahlkonstruktion des Oberhauptes
Die Gegengewichte des Troges
Die stets trockene Grundplatte
Bauzustand des neuen Hebewerkes im September 2008
Modell des alten (links) und neuen Schiffshebewerks

Die Höhe des Hebewerks beträgt 60 Meter, die Länge 94 Meter und die Breite 27 Meter. Zur Überwindung des Höhenunterschieds von 36 Metern benötigt der Trog fünf Minuten. Die Gesamtdauer einer Schleusung beträgt 20 Minuten. Das Schiffshebewerk besteht aus einer 14.000 Tonnen schweren und mit fünf Millionen Nieten zusammengehaltenen Stahlkonstruktion, die auf Stahlpfeilern steht. Gegründet wurde das Bauwerk mit stahlbewehrtem Beton, der bis zu 22 Meter tief eingebracht wurde. Die Grundplatte ist vier Meter dick. Der Oder-Havel-Kanal wird mit einer ebenfalls genieteten Trogbrücke mit einem Gewicht von 4000 Tonnen an das Oberhaupt des Hebewerkes herangeführt. Der mit Wasserfüllung 4290 Tonnen schwere Trog ist 85 Meter lang, 12 Meter breit und hat eine Wassertiefe von 2,50 Metern. Er hängt hier an 256 Stahlseilen (Durchmesser 52 mm), die über Umlenkrollen (Durchmesser 3,50 Meter, Gewicht jeweils fünf Tonnen) geführt mit 192 Ausgleichsgewichten aus Beton mit einem Gewicht von ebenfalls 4290 Tonnen den Trog ausbalancieren. Um die wandernde Seillast der Stahlseile zu eliminieren, werden vier Seilgewichtsausgleichsketten verwendet. Die Sicherheit der Führung an den Seilen wird durch eine Spannvorrichtung erreicht, bei der die Hälfte der Seile den Trog tatsächlich trägt und die andere Hälfte ungespannt als Reserve mitgeführt wird.

Den symmetrischen Antrieb über eine Triebstockverzahnung realisierte man mit Gleichstrommotoren in Leonardschaltung, die ihrerseits mit einer Ringwelle untereinander verbunden sind. Durch diese Anordnung wird eine genaue Synchronität der Drehzahl aller vier Triebstockritzel erreicht. Die vier Leonardsätze haben eine Leistung von (4 × 55 =) 220 Kilowatt. Weiterhin werden vier Schneckenwellen angetrieben, die ihrerseits in ein halbiertes Innengewinde entlang des Fahrweges des Troges eingreifen. Die Gänge der Schnecken greifen im Normalfall nicht, sondern stellen eine Absturzsicherung des Troges bei einem eventuellem Seilbruch dar.

Das Schiffshebewerk arbeitet praktisch ohne Wasserverluste. Dies ist in Bezug auf die Sicherstellung der Wasserhaltung ein Vorteil gegenüber den Schleusen. Die Treppenschleusen wurden als Sparschleusen betrieben, was den Wasserverlust teilweise ausglich.

[Bearbeiten] Das neue Schiffshebewerk

Nachdem in den vergangenen Jahren der Schiffsverkehr auf dem Oder-Havel-Kanal immer weiter zugenommen hat, wurde 1997 der Neubau des neuen, größeren Schiffshebewerks Niederfinow Nord beschlossen. Im Herbst 2006 begannen die Erdarbeiten zwischen dem heutigen Hebewerk sowie der Schleusentreppe und es erfolgte der Teilabriss der vierten (untersten) Schleuse. Die Grundsteinlegung erfolgte am 23. März 2009 durch Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee und Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck.[3] Die Fertigstellung ist für 2013 geplant. Der Trog soll 115 Meter lang, 12,5 Meter breit und vier Meter tief werden (geeignet für Großmotorgüterschiffe) und gefüllt 9000 Tonnen wiegen.[4] Die Kosten sollen sich auf 285 Mio. Euro belaufen.[5] Das alte Hebewerk soll aber noch bis mindestens 2025 in Betrieb bleiben.

[Bearbeiten] Literatur

  • Haesler-Braun-Grotenwold: Karten des Großschiffahrtsweges, bautechnische Erläuterungen 1914
  • Rudolf Schmidt: Festschrift zur Eröffnung des Hohenzollernkanals, 1914
  • Rudolf Schmidt: Handel und Industrie am Großschiffahrtsweg Berlin-Stettin, 1914

[Bearbeiten] Weblinks

Commons Commons: Schiffshebewerk Niederfinow – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Auszeichnung als Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland
  2. a b Das Original, Berliner Zeitung, 16. Okbtober 2006
  3. tagesschau.de Grundstein für Schiffshebewerk gelegt
  4. Zeitschrift Binnenschifffahrt Heft 4/2009, S. 12f
  5. welt.de Große Binnenschiffe sollen von Berlin nach Stettin fahren können

52.84888888888913.941388888889Koordinaten: 52° 50′ 56″ N, 13° 56′ 29″ O

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