Niederfinow

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Wappen Deutschlandkarte
Die Gemeinde Niederfinow führt kein Wappen
Niederfinow
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Niederfinow hervorgehoben
52.83361111111113.9280555555566Koordinaten: 52° 50′ N, 13° 56′ O
Basisdaten
Bundesland: Brandenburg
Landkreis: Barnim
Amt: Britz-Chorin-Oderberg
Höhe: 6 m ü. NHN
Fläche: 13,29 km²
Einwohner: 628 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 47 Einwohner je km²
Postleitzahl: 16248
Vorwahl: 033362
Kfz-Kennzeichen: BAR, BER, EW
Gemeindeschlüssel: 12 0 60 172
Adresse der Amtsverwaltung: Eisenwerkstraße 11
16230 Britz
Webpräsenz: Gemeinde Niederfinow
Bürgermeister: Hartmut Teichmann
Lage der Gemeinde Niederfinow im Landkreis Barnim
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Über dieses Bild

Niederfinow [niːdɐ̯ˈfiːnoː] ist eine amtsangehörige Gemeinde im Landkreis Barnim im Land Brandenburg (Deutschland). Sie wird vom Amt Britz-Chorin-Oderberg verwaltet. Zum Ort gehört auch der Wohnplatz Stecherschleuse.[2] Überregional bekannt ist die Gemeinde u. a. aufgrund des Schiffshebewerks Niederfinow.

Etymologie[Bearbeiten]

Der Name Finow stammt aus vorslawischer Zeit. Das mittelniederdeutsche Wort fino(u)we bedeutet vermutlich Wurzel. Es setzt sich aus den indogermanischen pen = Schlamm, Sumpf, Wasser, feucht und uei, ui = drehen, biegen, winden zusammen, die mit dem westgermanischen Suffix -n bzw. dem slawischen -ov kombiniert wurden. Finow bedeutet also frei übertragen sich windender Fluss mit Sümpfen.[3] Zur Zeit der Besiedlung der Gegend um Hohen- und Niederfinow durch die Slawen war die Anhöhe südlich des Flusses Finow strategisch bedeutend. Die Furt bei Niestadt (heute Eberswalde) war durch die topografischen Gegebenheiten weniger übersichtlich, die heutige Kreisstadt gewann erst 1317 durch eine Bestimmung von Markgraf Waldemar an Bedeutung. Waldemar verfügte, dass die Handelsstraße von Frankfurt (Oder) und Berlin nach Stettin nicht mehr über Hohenfinow/Niederfinow zu verlaufen habe, sondern über Niestadt und Eberswalde. Dazu ließ er eine Brücke über die Ragöse errichten. Die Errichtung der Burg Finow sowie des Ortes Hohenfinow als damals wichtigste Siedlung am 35 Kilometer langen Fluss begründet die Namensgebung. Etwa zeitgleich mit Niederfinow entstand wenige Kilometer südlich Hohenfinow, das wegen der Zollstelle für Land- und Wasserzoll am Fluss via Vienouie genannt wurde.[4]

Später entstanden weitere Orte, die den Fluss im Namen führen: Finow und Finowfurt.

Geographie[Bearbeiten]

Nördlich grenzt das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin mit dem Totalreservat Plagefenn an Niederfinow. Der Ort liegt am nördlichen Rand des Eberswalder Urstromtals und erstreckt sich über etwa 5 km entlang der Hebewerkstraße.

Der Ort liegt unterhalb der Diluvialplatte im Eberswalder Urstromtal, welches in der jüngsten, der Weichseleiszeit entstanden ist. Durch den Ort verläuft der Finowkanal und die Alte Finow.

Als Baugrund ist überwiegend Sand und Kiessand anzutreffen, der Grundwasserspiegel ist sehr niedrig. Niederfinow erstreckt sich über 5 km in Ost-West- und 1,5 km in Nord-Süd-Richtung.

Geschichte[Bearbeiten]

Frühzeit[Bearbeiten]

Nach der Weichseleiszeit wanderten Menschen in das Gebiet um Hohenfinow ein. In der Nähe von Liebenstein wurden bronzezeitliche Scherben gefunden. Zwischen Hohenfinow und Amalienhof, an der Abbruchkante des Urstromtals wird ein vorzeitliches Gräberfeld vermutet, die Steinkisten wurden zwar im 18. Jahrhundert zerstört, es wurden aber einzelne Waffenreste gefunden. So wurde in der Nähe von Karlswerk ein Schwert aus der jüngeren Bronzezeit im Moor gefunden.

Die Burg Finow[Bearbeiten]

Blick vom Struwenberg nach Niederfinow

Der Ort ist slawischen Ursprungs. Die Region wurde um 1200 von den Askaniern erobert. Nach dem Bau der etwa 10 km entfernten Burg Oderberg (damals niederdeutsch „Aderburg“) im Jahr 1213 wurde an der strategisch wichtigen Stelle oberhalb der Finow die Burg Finow gegründet. 1904 wurde bei Ausgrabungen am Hohenfinower Schloss in 2,50 m Tiefe ein mecklenburgischer Stierkopfbrakteat gefunden, der um 1220 geprägt wurde. Dieses Jahr wird als Baujahr der Burg vermutet.

Die Burg hatte die Aufgabe, die Furt der Finow (heute Hubbrücke von Niederfinow) zu schützen. Die nächsten Furten waren jeweils zehn Kilometer westlich und östlich bei den damals noch nicht gegründeten Städten Eberswalde und Bad Freienwalde gelegen. Die im Norden und Osten gelegenen Slawen sollten abgeschreckt werden, die Burg bot Schutz für die rundum gelegenen landwirtschaftlich genutzten Gebiete.

Namen des Ortes[Bearbeiten]

Der Ort hat mehrmals in der Geschichte seinen Namen gewechselt, die ursprüngliche Bedeutung blieb jedoch erhalten.

  • 1258 Vinow
  • 1267 in molendino Vinaie inferioris (Mühle Niederfinow)
  • 1288 Datum Vinow (gegeben zu Finow)
  • 1308 Civitas Vinow (Stadt Finow)
  • 1334 oppidum Niederfinow (Städtchen Niederfinow)
  • 1350 nedder Vinow
  • 1421 Stedeken genomet nedder vynow
  • 1482 Stedeken vino
  • 1542 Städtlein Niedervinow
  • 1688 Neder Vinn an der Wein Ranke
  • 1718 Nieder Vinow und Niedervienow
  • ab 1769 Niederfinow bzw. Nieder Fihnow[5].
  • 1805 Flecken Nieder-Finow

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung in den heutigen Grenzen seit 1875
Niederfinow:
Bevölkerungsentwicklung in den Grenzen von 2013
Jahr Einwohner
1875 1 336
1890 1 551
1910 1 625
1925 1 386
1933 1 585
1939 1 564
1946 1 517
1950 1 484
1964 1 176
1971 1 099
Jahr Einwohner
1981 849
1985 795
1989 704
1990 673
1991 670
1992 681
1993 639
1994 642
1995 634
1996 646
Jahr Einwohner
1997 681
1998 706
1999 703
2000 701
2001 682
2002 674
2003 663
2004 645
2005 647
2006 654
Jahr Einwohner
2007 638
2008 610
2009 612
2010 632
2011 595
2012 611
2013 628

Die Quellen der Daten finden sich detailliert in den Wikimedia Commons[6].

Politik[Bearbeiten]

Die Gemeindevertretung von Niederfinow besteht aus 8 Mitgliedern sowie dem ehrenamtlichen Bürgermeister mit folgender Sitzverteilung:

Wahlvorschlag Sitze
Allgemeine Wählergruppe Niederfinow 5
Wählergruppe für Niederfinow 2
Einzelbewerber Dr. Gollner 1

Der Bürgermeister wurde von der Gemeindevertretung gewählt.

(Stand: Kommunalwahl am 28. September 2008)[7]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Bahnhof Niederfinow 1901
Zug der ODEG am Bahnhof Niederfinow 2008

An Niederfinow vorbei verläuft der Oder-Havel-Kanal. Um einen Höhenunterschied von 36 Metern zu überwinden, wurden hier einst vier Schleusen betrieben, die aber bald an ihren Kapazitätsgrenzen angelangt waren. So wurde das Schiffshebewerk Niederfinow errichtet, das die Schleusen ersetzte. Am 21. März 1934 wurde es eröffnet. Der Finowkanal führt ebenfalls durch Niederfinow und erfreut sich immer größerer touristischer Beliebtheit.

Der Bahnhof Niederfinow liegt an der Bahnstrecke Eberswalde–Frankfurt (Oder) im Ort Hohenfinow. Er wird durch die Ostdeutsche Eisenbahn bedient. Die Barnimer Busgesellschaft fährt Niederfinow mit der Linie 916 an.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

Neben dem vom Wasser- und Schifffahrtsamt Eberswalde betriebenen Schiffshebewerk befindet sich in Niederfinow die Schleuse Stecher (km 84,39 des Finowkanals). Um das Schiffshebewerk herum gibt es mehrere gastronomische Einrichtungen und ein Hotel, im Ortsteil Stecherschleuse gibt es einen Zeltplatz. Neben Landwirtschaftsbetrieben gibt es auch Firmen der Nahrungsmittelherstellung. Weiterhin sind einige Unternehmen in der Dienstleistungsbranche tätig.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

In der Liste der Baudenkmale in Niederfinow und in der Liste der Bodendenkmale in Niederfinow sind die Kulturdenkmale der Gemeinde aufgeführt.

Geschichtsdenkmale[Bearbeiten]

  • Gedenkstein von 1956 auf dem Friedhof Choriner Straße/Hebewerkstraße für die Opfer des Faschismus
  • Gedenkstein 750 Jahre Niederfinow 2008 an der Kreuzung

Freizeit- und Sportanlagen[Bearbeiten]

Der Sportplatz Niederfinow befindet sich hinter dem Bahnhof im Ort Hohenfinow. In der Choriner Straße ist eine Turnhalle zu finden.

Bauwerke[Bearbeiten]

unter Denkmalschutz stehen

Literatur[Bearbeiten]

  • Siegfried Schiefelbein: Niederfinow: Ein Ort mit schwebenden Schiffen, Verlag Kloster Chorin 2008, ISBN 978-3936932195
  • Tourist- Wanderheft: Chorin und Umgebung : Schiffshebewerk Niederfinow, Plagefenn, Tourist Verlag, Berlin Leipzig 1978

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Niederfinow –  Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerung im Land Brandenburg nach amtsfreien Gemeinden, Ämtern und Gemeinden 31. Dezember 2013 (XLS-Datei; 83 KB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Dienstleistungsportal der Landesverwaltung Brandenburg
  3. G. Schlimpert: Die Ortsnamen des Barnim - Brandenburgisches Namenbuch Bd. 5, Weimar 1984, S. 135
  4. Siegfried Schiefelbein: Niederfinow, ein Ort mit schwebenden Schiffen, 1258–1267–2008, herausgegeben von Gisela Gooß, Förderverein Kloster Chorin e. V., Amt Britz-Chorin, ISBN 3-936932-19-0
  5. Karte des OberUndUnterbarnimischen Creises Anno 1769
  6. Population Projection Brandenburg at Wikimedia Commons
  7. statistik-berlin-brandenburg.de (PDF; 2,4 MB), S. 13