Semperit AG

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Semperit AG
Logo der Semperit AG
Unternehmensform Aktiengesellschaft
ISIN AT0000785555
Gründung 1910
Unternehmenssitz Wien, Österreich
Unternehmensleitung
  • Rainer Zellner
  • Richard Stralz
  • Richard Ehrenfeldner
Mitarbeiter

7.118 (2007) [1]

Umsatz

607,8 Mio[1]

Branche Kautschuk- und Kunststoffindustrie
Produkte

technische Gummierzeugnisse

Website

www.semperit.at

Semperit AG, Unternehmen der Gummiindustrie und ehemals bedeutender Reifenhersteller, besteht seit 1912 und war in den 1950er Jahren eines der größten Unternehmen Österreichs.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Entstehung

Johann Nepomuk Reithoffer, Gründer der SEMPERIT Gummiwerke AG, Wien.

Auf Initiative des Wiener Bankvereins kam es 1910–1912 zu einer Fusion mehrerer Unternehmen der österreich-ungarischen Kautschukindustrie, aus dem die Semperit österreich amerikanische Gummiwerke Aktiengesellschaft entstand. Teil dieser Fusion war die vom Ungarn Josef Miskolczy (1858–1921) 1898 bei Traiskirchen gegründete Gummiwarenfabrik Miskolczy, die um 1906 in Semperit Gummiwerke GmbH umbenannt wurde. Der Name Semperit – eine Marketingschöpfung Miskolczys – bedeutet auf Latein „geht immer“. Auch die 1861 in Wien gegründete Firma Schneck & Kohnberger, die 1889 in eine Aktiengesellschaft mit dem Namen Österreichische Amerikanische Gummifabriken AG umgewandelt wurde, sowie deren Tochterunternehmen, die Ungarische Gummiwarenfabrik AG gingen in der Semperit AG auf. Die Österreichische Amerikanische Gummifabriken AG stellten mit ca. 1000 Arbeitern 1897 in Zusammenarbeit mit der Continental-Caoutchuc und Gutta-Percha-Companie, Hannover in Wien vor allem den Continental-Pneumatics Reifen her. Die Semperit AG war damit vor dem Ersten Weltkrieg die größte Gummifabrikation im Gebiet der Habsburger Monarchie.

Den Ersten Weltkrieg überstand Semperit mit Schwierigkeiten, nach dem Krieg expandiert die Firma weiter. In der Wirtschaftskrise 1923 sah sich die Vereinigte Gummiwaren Fabriken Harburg-Wien gezwungen, ihre Gummifabrik in Wimpassing in Niederösterreich an die Semperit AG zu verkaufen. Diese 1824 von Johann Nepomuk Reithoffer (1781–1872) gegründete Gummifabrik war die älteste Europas. Auch sein Halbbruder Johann Reithoffer (1796–1858) hatte, nachdem er zuvor Leiter der Gummifabrik in Wien gewesen war, 1832 eine eigene Gummifabrik gegründet. Dieses Unternehmen, das nach dem Tod seines Gründers in Gummi und Kabelwerke Josef Reithoffer's Söhne umbenannt wurde, stellte erfolgreich Reifen her. 1925 mussten auch die Gummi und Kabelwerke Josef Reithoffer's Söhne mit der Semperit AG fusionieren.

1925 beschäftigte die Semperit ca. 9.000 Mitarbeiter an 9 Standorten.

[Bearbeiten] Anschluss

Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich blieb die Semperit AG formal selbständig, wurde aber durch ein gegenseitiges Hilfsabkommen an die Continental AG aus Hannover gebunden, von dort erhielt sie Wissen und Maschinen. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde die Semperit AG auf Kriegswirtschaft umgestellt, so wurden neben Reifen auch Panzerketten produziert. Während des Krieges wurden verstärkt polnische Zwangsarbeiter eingesetzt, um Arbeitskräfte zu ersetzen und die Produktion aufrecht zuhalten. Der damalige Generaldirektor Dr. Franz Josef Messner wurde Ende März 1944 von der Gestapo verhaftet, da er einer Wiener Widerstandszelle angehört hatte, und am 23. April 1945 im KZ Mauthausen mit 39 weiteren Häftlingen durch den Kommandanten Franz Ziereis persönlich vergast.

[Bearbeiten] Der Wiederaufstieg

Nachdem die Rote Armee den größten Teil der Maschinen demontiert hatten, begann unter großen Schwierigkeiten im August 1945 die Wiederaufnahme der Produktion. Im Oktober 1945 waren 410 Mitarbeiter bei der Semperit AG beschäftigt. 1951 waren die Schäden des Krieges behoben, bis 1972 konnte die Semperit AG stark expandieren. Ende 1972 beschäftigte die Semperit AG über 15.000 Mitarbeiter und war das zweitgrößte Unternehmen Österreichs.

Im Jahr 1972 kam auch wieder das Werk von Sava im slowenischen Kranj, das bereits früher zu Semperit gehörte und 1940 unter Kontrolle von Continental fiel, zurück an Semperit. Zur Gruppe gehörten aber auch Unternehmen, die nichts mit Reifen zu tun hatten, wie der Fensterhersteller Semperdur oder Perfekta. In Dublin wurden Reifen für den Export nach Großbritannien, Skandinavien und in die USA erzeugt.[2]

Mehrheitsaktionär der Semperit AG war seit Ende des Krieges die staatseigene Creditanstalt, die gleichzeitig auch als Hausbank fungierte. Dieser Mehrheitsaktionär sorgte auch für den Untergang der Semperit AG, da dieser für eine dauernde Unterfinanzierung sorgte. Die Creditanstalt ließ keine Kapitalerhöhung zu, sondern vergab selber Kredite, mit der Folge, dass die Semperit AG sich zunehmend verschuldete. Während Wachstumsphasen war das kein Problem, in Krisenzeiten konnten die Verbindlichkeiten jedoch nicht mehr gezahlt werden.

[Bearbeiten] Krise

1973 kam es im Zuge der ersten Ölkrise zu Absatzschwierigkeiten auf dem Reifenmarkt und zu großen Verlusten bei der Semperit AG. Daraufhin wurde eine Kooperation mit einer Michelin Tochterfirma vereinbart und die Semkler AG gegründet. Doch die Hoffnungen erfüllten sich nicht und die Kooperation wurde 1979 wieder aufgelöst. Noch 1980 erhielt Semperit die Staatliche Auszeichnung und durfte damit das Bundeswappen im Geschäftsverkehr führen. Die Semperit AG machte weiterhin Schulden, bis der österreichische Staat einsprang und eine Kapitalerhöhung ermöglichte. Damit sollte das Unternehmen für einen Verkauf gestärkt werden. 1981 erzielte Semperit weltweit einen Jahresumsatz von 400 Millionen US-Dollar und hatte einen Weltmarktanteil bei Autoreifen von 1,4 Prozent. 1983 wurde eine Holding gegründet und die Semperit AG in mehrere Teilfirmen aufgespalten, die dann sukzessive verkauft wurden.

[Bearbeiten] Die Semperit Reifen Ges.m.b.H.

Die Reifensparte wird 1983 als Semperit Reifen Ges.m.b.H vollkommen verselbständigt und wird 1985, als sie wieder Gewinn erwirtschaftet, von der Creditanstalt verkauft, und zwar an den Konkurrenten, die Continental AG Hannover, versehen mit einer Bestandsgarantie für die nächsten 10 Jahre. In den folgenden Jahren wurde die Belegschaft systematisch abgebaut. 2002 wurde die Reifenproduktion von Traiskirchen komplett nach Tschechien verlegt. Der letzte Reifen in Traiskirchen wurde am 19. Juli 2002 hergestellt.[3] Dort und in Sava (Slowenien) befanden sich zwei Semperit-Tochterfirmen, die Anfang der 1980er Jahre ebenfalls in den Continental-Konzern eingebracht worden waren. Continental hält bis heute die Markenrechte am Namen „Semperit“. Mit Ende 2009 soll auch das Mischwerk, in dem noch ca. 200 Mitarbeiter beschäftigt werden. geschlossen werden.[3]

[Bearbeiten] Die heutige Semperit AG

Etwa 6.200 Mitarbeiter, davon ungefähr 1.000 in Österreich, sind zur Zeit bei der Semperit AG Holding in folgenden Tochterfirmen: Sempermed, Semperflex, Semperform und Sempertrans, beschäftigt. In Österreich ist der Firmensitz in Wien, die Produktionsstätte in Wimpassing im Schwarzatale in Niederösterreich ist das Stammwerk, das 1850 von Johann Nepomuk Reithoffer, der die Produktion seiner 1824 in Wien gegründeten Kautschukfabrik nach Wimpassing verlegte, erbaut wurde. In Thailand gehört die weltweit größte Erzeugung für Untersuchungshandschuhe zum Konzern. Das sonstige Erzeugungsprogramm spannt einen weiten Bogen über die verschiedensten Gummierzeugnisse in weltweit 16 Produktionsstätten.

Die Aktien notieren als eine der ältesten an der Wiener Börse, aber auch in Frankfurt, Berlin-Bremen und Stuttgart. Knapp über 50 % der Aktien hält die B&C Holding GmbH, eine Holding, welche die Beteiligungen der Bank Austria Creditanstalt AG verwaltet. Der Umsatz betrug 2005 515 Millionen Euro.

[Bearbeiten] Kennzahlen

Jahr 2002 2003 2004 2005 2006 2007
Umsatz
in Mio
451,2 463,5 477,4 515,0 574,1 607,8
Mitarbeiter 5.691 5.886 5.710 6.185 6.689 7.118

Stand: 1. Juni 2009

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. a b Geschäftsbericht 2007 der Semperit AG
  2. Es war einmal ein Semperit-Konzern ... auf Die Arbeit-Das Monatsmagazin des GLB abgerufen am 1. Juni 2009
  3. a b Continental schließt Reifener Traiskirchen auf ORF abgerufen am 16. Juni 2009

[Bearbeiten] Literatur

  • Alfred Artmäuer, Manfred Bauer, Julius Böheimer: Ohne jede Chance. Der Fall Semperit, 2. Auflage Wien 2003, ISBN 3-7035-0983-X
  • 150 Jahre österreichische Kautschukindustrie, 1824 - 1974, Molden Verlag Wien 1974

[Bearbeiten] Weblinks

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