Sherlock Holmes (2009)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Sherlock Holmes ist ein US-amerikanischer Abenteuer-Thriller des Regisseurs Guy Ritchie aus dem Jahr 2009. Der Film verwendet Figuren der Sherlock-Holmes-Reihe von Arthur Conan Doyle. Die Rolle des Holmes wird von Robert Downey jr. übernommen, seinen Assistenten Dr. Watson spielt Jude Law. Der Film hatte am 14. Dezember 2009 in London die offizielle Premiere und startete am 25. Dezember in den US-amerikanischen und am 26. Dezember 2009 in den britischen und australischen Kinos. Der deutsche Kinostart war am 28. Januar 2010.

Handlung[Bearbeiten]

Der berühmte Detektiv Sherlock Holmes verhindert 1891 in London, dass Lord Blackwood eine junge Frau ermordet. Er stoppt den Mann, der für okkulte Rituale schon fünf Mädchen ermordet hat, bevor Inspektor Lestrade von Scotland Yard überhaupt am Tatort eintrifft. Blackwood wird zum Tode verurteilt. Vor der Vollstreckung bittet er Holmes zu sich ins Gefängnis, wo seine Wärter und Mithäftlinge scheinbar seinen übernatürlichen Kräften erliegen. Er warnt Holmes, dass er auch nach seinem bevorstehenden Tod weiter morden werde. Nach der Exekution am Galgen erklärt Dr. Watson, der angesichts seiner geplanten Hochzeit mit Mary Morstan seinen Auszug aus der Baker Street vorbereitet, Blackwood für tot. Währenddessen erhält Holmes, der sein beschäftigungsloses Gehirn mit Drogen aufheitert, nach einem Boxkampf Besuch von seiner ehemaligen Gegnerin Irene Adler, der er bereits in einem früheren Fall unterlegen war und die ihn jetzt mit der Suche nach dem rothaarigen kleinwüchsigen Reordan beauftragt.

Holmes wird wenig später von Scotland Yard zu Blackwoods Grab bestellt, wo ein Zeuge von der Auferstehung Lord Blackwoods berichtet. Lestrade lässt daraufhin den Sarg Blackwoods öffnen und findet die Leiche Reordans. Die Uhr, die Reordan bei sich trägt, führt Holmes und Dr. Watson über einen Pfandleiher zu einem Haus, in dem das Opfer chemische Experimente durchgeführt hat. Die beiden Ermittler geraten dabei in eine Schlägerei, die damit endet, dass sie ein Schiff aus einer Werft in der Themse versenken.

Sie werden verhaftet, aber Miss Morstan hinterlegt nur für Watson die Kaution. Holmes’ Kaution wird von einer Geheimgesellschaft, dem Tempel der vier Orden, bezahlt, und er wird anschließend in das Hauptquartier des Ordens gebracht, wo er von Sir Thomas, Innenminister Lord Coward (engl.: „Feigling“) und Botschafter Standish empfangen wird. Mit seinen üblichen Methoden der Deduktion erkennt Holmes, der trotz verbundener Augen feststellen konnte, wohin er gebracht wurde, dass Sir Thomas Blackwoods Vater ist, der anschließend zugibt, seinen Sohn während eines rituellen Aktes gezeugt zu haben. Am gleichen Abend wird Sir Thomas von Blackwood ohne erkennbare Spuren in seiner Badewanne umgebracht. Bei einer anschließend einberaumten Versammlung, bei der das neue Oberhaupt des Ordens ernannt werden soll, stirbt auch Botschafter Standish beim Versuch, Blackwood zu stoppen. Es stellt sich heraus, dass Coward seinen Einfluss bei der Polizei nutzen will, um gemeinsam mit Blackwood die USA zu erobern.

Holmes und Watson erkennen an einem beim Angriff im Haus des Rothaarigen zufällig getöteten Schläger Spuren, die sie in ein Schlachthaus führen. Blackwood versucht dort, Irene Adler mit einer Knochensäge zu töten. Holmes rettet sie, doch Watson löst bei der Verfolgung von Blackwood eine Sprengfalle aus. Watson wird dabei ernsthaft verletzt und gegen Holmes ein Haftbefehl ausgestellt. Seine guten Kontakte zur Polizei verhelfen ihm jedoch zur Flucht. Er erinnert sich an Blackwoods Worte im Gefängnis und ahmt ein okkultes Ritual nach, um dessen Motive zu verstehen. Dabei erkennt er ein Muster in den Morden, bei dem der Fluch der Sphinx und die drei Figuren Mensch, Ochse und Adler eine Rolle spielen. Das vierte Symbol, der Löwe, verweist auf das britische Parlament.

Nach einer vorgetäuschten Verhaftung durch Inspektor Lestrade wird Holmes zu Lord Coward gebracht, der ihn töten will, aber an der Raffinesse seines Konkurrenten scheitert und Blackwoods Plan verrät. Mit Hilfe einer komplexen Maschine, die der Rothaarige entwickelt hat und die mit Radiowellen aktiviert wird, soll Zyanid in den Parlamentssaal strömen und alle Politiker töten, die nicht dem Orden angehören. Holmes rettet sich vor dem schießenden Coward mit einem Sprung in die Themse, wo ihn Watson und Adler bereits in einem Boot erwarten. Gemeinsam gelangen sie über die Kanalisation in den Keller des Parlaments, und Irene entschärft die Maschine.

Baustelle der Tower Bridge 1892

Adler flüchtet mit den Zyanid-Zylindern auf die im Bau befindliche Tower Bridge. Holmes folgt ihr und stellt sie hoch oben über der Themse zur Rede. Als Blackwood hinzukommt, stürzt er Adler hinab und beginnt mit Holmes zu kämpfen. Der Detektiv erklärt, wie Blackwoods Verbrechen funktionierten: Eine poröse Platte bei seinem Grab, eine leicht entzündliche Flüssigkeit bei Standish, eine mit dem Kupfer der Wanne reagierende Chemikalie bei Thomas. Schließlich fällt Blackwood von der Brücke und wird von einer Kette stranguliert. Die bewusstlose Irene Adler offenbart Holmes nach ihrem Erwachen die Identität ihres Auftraggebers Professor Moriarty. Der Detektiv erkennt, wie sein (späterer) Erzfeind die Aufregung nutzte, um die Fernsteuerung der Maschine zu stehlen.

Watson kommt mit seiner Verlobten in die Baker Street, um seinen Auszug aus der Wohnung zu vollenden, wo Holmes abschließend im Selbstversuch demonstriert, wie Blackwood die Hinrichtung durch einen Trick überlebte.

Rezensionen[Bearbeiten]

Der Film wurde von Kritikern überwiegend positiv aufgenommen. Laut Rotten Tomatoes fallen 161 von 230 untersuchten Filmkritiken positiv aus. Der Kritikerkonsens stellt fest, dass Guy Ritchies Regiestil nicht unbedingt perfekt zu Sherlock Holmes passt, aber der Film von Robert Downey Jr’s starker Darstellung profitiert:

„Guy Ritchie's directorial style might not be quite the best fit for an update on the legendary detective, but Sherlock Holmes benefits from the elementary appeal of a strong performance by Robert Downey, Jr.“[3]

Todd McCarthy vom britischen Magazin Variety kommt zu der Erkenntnis, dass man den Film durchaus genießen könne, wenn man Holmes als Actionhelden akzeptiere:

„If you can get over the idea of Sherlock Holmes as an action hero – and if, indeed, you want to – then there is something to enjoy about this flagrant makeover of fiction’s first modern detective into a man of brawn as much as brain.“[4]

Der Rezensent von cinema.de betrachtet den Film „trotz glänzender Hauptdarsteller und erlesener Ausstattung“ als „eine actionreiche, aber uninspirierte Modernisierung des Detektivklassikers, die Fans des Original-Holmes enttäuschen wird“.[5]

Susan Vahabzadeh von der Süddeutschen Zeitung hält „Holmes für eine Renovierung zum Superhelden ganz gut geeignet, auch als literarische Figur schon durchtrainiert, und eh ein Mann mit irdischen Superkräften: ungemein gebildet und gewandt, physisch und psychisch gefährlich, klüger als irgendwer sonst – und irgendwie cool.“ Trotzdem ist sie nicht ganz zufrieden mit dem Film, denn „letztlich weckt er mehr Sehnsüchte, als er stillt“.[6]

Andreas Borcholte von Spiegel online hätte sich mehr Kammerspiel gewünscht und kritisiert fehlende Spannung:

„So werden Holmes und Watson viel zu oft zu Statisten vor CGI-verstärkten Action-Szenarien in alten Werften und Fabriken, statt sich kongenial zu kabbeln wie ein altes Ehepaar. Durch diese Spaßverderberei laufen Spannungsbögen und Dramaturgie leider völlig aus dem Ruder, so dass man sich weder für die Story des Films interessiert […] noch für das Auftauchen von Irene Adler.“[7]

Oliver Lysiak von moviepilot.de zieht nach Aufzählung seiner Kritikpunkte folgendes Fazit:

„Das alles macht Sherlock Holmes nicht zu einem schlechten Film, nur zu einem sehr vergessenswerten Popcorner, der sich schon kurz vor dem Abspann im Kopf wieder aufzulösen beginnt. Da er mehr nicht sein will, ist das verzeihlich, wenn auch ein wenig schade um eine klassische Figur, deren Potential hier nie auch nur annäherend ausgespielt wird.“[8]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Robert Downey Jr. wurde für seine Rolle als Sherlock Holmes bei den Golden Globe Awards 2010 in der Kategorie Bester Hauptdarsteller in einer Komödie oder einem Musical ausgezeichnet.

Der Film erhielt zwei Nominierungen für die Oscarverleihung 2010 in den Kategorien Bestes Szenenbild und Beste Filmmusik.

Produktion[Bearbeiten]

  • Warner Bros. Pictures
  • Village Roadshow Pictures
  • Silver Pictures

Dreharbeiten[Bearbeiten]

Guy Ritchie übernahm im Juni 2008 die Regie des Films.[9] Besondere Bedeutung hatten für ihn die Actionszenen, die in den bisherigen Verfilmungen nicht so präsent waren wie in Doyles Geschichten.[10] Die Dreharbeiten begannen im Oktober 2008.[11] Gefilmt wurde außer in London und anderen britischen Städten auch in den USA und Australien.[12]

Synchronisation[Bearbeiten]

Rolle Darsteller Synchronsprecher
Sherlock Holmes Robert Downey jr. Charles Rettinghaus
Dr. John Watson Jude Law Florian Halm
Irene Adler Rachel McAdams Ranja Bonalana
Lord Blackwood Mark Strong Tom Vogt
Inspektor Lestrade Eddie Marsan Stefan Krause
Mary Morstan Kelly Reilly Alexandra Wilcke
Sir Thomas James Fox Jochen Schröder
John Standish William Hope Udo Schenk
Lord Coward Hans Matheson Sven Hasper
Mrs. Hudson Geraldine James Marianne Groß

Bezüge zu Arthur Conan Doyles Geschichten[Bearbeiten]

In diesem Film gibt es zahlreiche Anspielungen auf die Original-Geschichten sowie Zitate aus Conan Doyles Werken. Irene Adler überlistete Holmes in der Erzählung Ein Skandal in Böhmen und tritt nun im Film als Holmes’ hinterlistige Geliebte auf. Der Name Blackwood erinnert an Negretto Sylvius aus der Geschichte Der Mazarin-Stein, in der auch der Krondiamant den Adler trägt und die zusätzlichen Türen in der Baker Street 221b erwähnt werden. Die Analyse der Uhr findet sich sehr ähnlich im Roman Das Zeichen der Vier. Mary Morstan kommt im gleichen Roman vor. Ebenso erscheint die Figur des Professor Moriarty, Holmes’ Erzfeind. Dieser wird jedoch erst gegen Ende namentlich erwähnt. Auch findet Mycroft Holmes, Bruder des Detektivs, Erwähnung im Film. Dieser war in der literarischen Vorlage an dem einen oder anderen Fall als Unterstützer oder Auftraggeber beteiligt.

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

Der DVD- und Blu-Ray-Start war in Deutschland am 28. Mai 2010. Der Film ist in vier verschiedenen Ausführungen erschienen. Auf DVD ist einmal die Single-Disc im Amaray-Case und das limitierte Steelbook mit zwei Discs erschienen. Auf Blu-Ray ist einmal die Single-Disc im Amaray-Case und das hochwertige limitierte Steelbook erschienen. Am 25. März 2012 lief der Film erstmals im deutschen Free- TV.

Fortsetzungen[Bearbeiten]

Die Fortsetzung knüpft zwar nicht an den Diebstahl der Erfindung an, dennoch steht das Katz-und-Maus-Spiel zwischen Moriarty und Holmes im Vordergrund. Wieder nimmt die Handlung Bezug zu Doyles Geschichten, dieses Abenteuer ist jedoch eine neue, eigenständige Geschichte. Weiter werden sowohl neue als auch alte bekannte Figuren der Sherlock-Holmes-Erzählungen eingeführt, beispielsweise Col. Sebastian Moran (Paul Anderson) und Holmes' Bruder Mycroft (Stephen Fry).

Ein dritter Teil ist bereits in Planung, wieder konnten Guy Ritchie als Regisseur und Robert Downey jr. und Jude Law als Detektiv-Duo gewonnen werden.[13] Für das Drehbuch hat Warner Bros. den Autoren Drew Pearce beauftragt.[14]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Freigabebescheinigung (PDF; 81 kB) der FSK
  2. Freigabe der Jugendmedienkommission
  3. http://www.rottentomatoes.com/m/sherlock_holmes_2009/
  4. Todd McCarthy: New U.S. Release Sherlock Holmes. Variety, 14. Dezember 2009, abgerufen am 29. Januar 2010.
  5. Sherlock Holmes Über diesen Film. cinema.de, abgerufen am 29. Januar 2010.
  6. Susan Vahabzadeh: Darauf wäre Watson nie gekommen. Süddeutsche, 28. Januar 2010, abgerufen am 29. Januar 2010.
  7. Andreas Borcholte: Zickenkrieg in der Baker Street. Spiegel online, 27. Januar 2010, abgerufen am 29. Januar 2010.
  8. Oliver Lysiak: Sherlock Homes – Filmkritik. moviepilot.de, 19. Januar 2010, abgerufen am 4. Februar 2010.
  9. Orlando Parfitt: Elementary, My Dear Ritchie. IGN, 4. Juni 2008, abgerufen am 29. Januar 2010.
  10. Anita Singh: Jude Law to star in Sherlock Holmes remake. Telegraph, 19. September 2008, abgerufen am 29. Januar 2010.
  11. Sherlock Starts Shooting. IGN, 1. Oktober 2008, abgerufen am 29. Januar 2010.
  12. Sherlock Holmes. outnow.ch, abgerufen am 29. Januar 2010.
  13. http://www.filmstarts.de/nachrichten/18472070.html
  14. http://www.cinefacts.de/kino-news/27789-warners-sherlock-holmes-3-bereits-in-arbeit.html

Weblinks[Bearbeiten]