Siegfried Palm

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Siegfried Palm (* 25. April 1927 in Barmen, heute Wuppertal; † 6. Juni 2005 in Frechen) war ein deutscher Cellist, der besonders als Interpret zeitgenössischer Musik bekannt wurde und zahlreiche Komponisten zu Werken anregte. Er war außerdem als Dozent, Theaterleiter und Musikfunktionär tätig.

Leben[Bearbeiten]

Siegfried Palm erlernte das Violoncello-Spiel mit neun Jahren beim Vater, später studierte er bei Enrico Mainardi. Nach seinem Studium spielte Palm als Solocellist in verschiedenen Orchestern, so u.a. in Lübeck, im NDR Sinfonieorchester Hamburg und dem WDR Sinfonieorchester Köln. Die letzte Anstellung behielt er bis 1968, danach widmete er sich ausschließlich seiner Lehrtätigkeit und einer solistischen Karriere, die ihn auf viele Festivals zeitgenössischer Musik führte.

Palm spielte sowohl Uraufführungen von Cellokonzerten als auch zeitgenössische Kammermusik, er war von 1950 bis 1962 Mitglied des Hamann-Quartetts, spielte lange Jahre im Duo mit Aloys Kontarsky (Klavier) und war Mitglied des Klaviertrios Rostal/Schröter/Palm. Er war seit 1962 Leiter einer Meisterklasse für Violoncello an der Staatl. Hochschule für Musik Köln und von 1972 bis 1976 Direktor der Musikhochschule Köln.

Palm hatte neben dem Cellospiel zahlreiche andere Engagements und Ämter, so war er Dozent bei den Internationalen Ferienkursen für Neue Musik in Darmstadt, 1976 bis 1981 Generalintendant der Deutschen Oper Berlin. Er leitete außerdem als Präsident die Internationale Gesellschaft für Neue Musik (IGNM) (1982–1988), war Präsident des Französischen Kulturrates und leitete Meisterkurse und Workshops wie an der Carl-Flesch-Akademie in Baden-Baden, am Banff Centre for Continuing Education in Kanada und am Dartmouth College in den USA. Auch war er Juror und Jury-Vorsitzender bei internationalen Wettbewerben.

Palm regte Komponisten zu neuen Werken für sein Instrument an und verfasste selbst auch Lehrwerke wie Studien zum Spiel neuer Musik. Palm hat nicht unerheblichen Anteil daran, dass das Violoncello in der zeitgenössischen Musik zu einem der wichtigsten (Solo-)Instrumente avancierte. Siegfried Palm spielte ein Violoncello aus dem Jahre 1708, erbaut von Gianbattista Grancino in Mailand. Dieses Instrument spielte früher Julius Klengel.

Aufnahmen (Auswahl)[Bearbeiten]

Einspielungen von Siegfried Palm erschienen bei verschiedenen Schallplattenlabels, u.a. Deutsche Grammophon, EMI – Electrola, Philips und Teldec.

  • Große Interpreten Neuer Musik: Siegfried Palm, Wergo.
  • Intercomunicazione, DG.

Uraufführungen[Bearbeiten]

Folgende Komponisten schrieben neue Stücke für Palm, viele widmeten sie ihm: Dieter Acker, Sven-Erik Bäck; Boris Blacher; Hans Ulrich Engelmann; Morton Feldman; Johannes Fritsch (SUL B); Cristobal Halffter; York Höller; Mauricio Kagel (Match für zwei Cellisten und einen Schlagzeuger); Milko Kelemen; Rolf Liebermann, György Ligeti (Cellokonzert); Tilo Medek; Krzysztof Penderecki (Sonate für Cello und Orchester); Robert HP Platz (* 1951); Aribert Reimann; Wolfgang Rihm; Giuseppe Sinopoli; Dimitri Terzakis; Graham Waterhouse (Three Pieces for Solo Cello); Robert Wittinger (* 1945); Iannis Xenakis (Nomos Alpha); Isang Yun; Bernd Alois Zimmermann (Konzert, Canto di Speranza, Solosonate).

Ämter, Mitgliedschaften[Bearbeiten]

  • Ehren-Präsident der ESTA (European String Teachers Association)
  • Präsident des „Internationalen Jugendfestspieltreffens Bayreuth“
  • Ehren-Präsident der GNM (Gesellschaft für Neue Musik; Deutsche Sektion in der IGNM)
  • Ehrenmitglied der Deutschen Oper Berlin
  • Ehrenbürger von Marsciano/Italien (Provincia Perugia)
  • Honorarprofessor der Musikhochschule Lübeck
  • Mitglied der Akademie der Freien Künste Mannheim
  • Mitglied des Dozenten-Teams beim Marlboro-Festival (USA)
  • Mitglied des Präsidiums der Ensemble-Akademie
  • Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung SinfoniMA
  • Mitglied des Kuratoriums der Max Reger-Stiftung

Preise und Auszeichnungen[Bearbeiten]

Literatur über Siegfried Palm[Bearbeiten]

  • Michael Schmidt: Capriccio für Siegfried Palm. Ein Gesprächsporträt. ConBrio, Regensburg 2005, ISBN 3-932581-71-7

Weblinks[Bearbeiten]