Sierning

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Sierning (Begriffsklärung) aufgeführt.
Sierning
Wappen von Sierning
Sierning (Österreich)
Sierning
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Oberösterreich
Politischer Bezirk: Steyr-Land
Kfz-Kennzeichen: SE
Hauptort: Sierning
Fläche: 38,28 km²
Koordinaten: 48° 3′ N, 14° 19′ O48.04472222222214.31367Koordinaten: 48° 2′ 41″ N, 14° 18′ 36″ O
Höhe: 367 m ü. A.
Einwohner: 9.071 (1. Jän. 2014)
Bevölkerungsdichte: 237 Einw. pro km²
Postleitzahlen: 4522, 4523
Vorwahl: 07259
Gemeindekennziffer: 4 15 16
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Kirchenplatz 1
4522 Sierning
Website: www.sierning.at
Politik
Bürgermeister: Manfred Kalchmair (SPÖ)
Gemeinderat: (2009)
(37 Mitglieder)
11
21
4
1
11 21 
Von 37 Sitzen entfallen auf:
Lage der Marktgemeinde Sierning im Bezirk Steyr-Land
Adlwang Aschach an der Steyr Bad Hall Dietach Gaflenz Garsten Großraming Laussa Losenstein Maria Neustift Pfarrkirchen Reichraming Rohr im Kremstal Schiedlberg Sierning Steyr St. Ulrich bei Steyr Ternberg Waldneukirchen Weyer Wolfern OberösterreichLage der Gemeinde Sierning im Bezirk Steyr-Land (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
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Blick zur kath. Pfarrkirche hl. Stephan
Blick zur kath. Pfarrkirche hl. Stephan
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria

Sierning ist eine Marktgemeinde mit 9071 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2014) im Bezirk Steyr-Land im östlichen Teil von Oberösterreich.

Geografie[Bearbeiten]

Sierning liegt auf mehreren Terrassen zwischen der Eisenstadt Steyr und der Kurstadt Bad Hall am Steyr-Fluss. Der Ort verfügt über gut ausgebaute Fuß- und Radwege.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Das Gemeindegebiet umfasst folgende zwei Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand 31. Oktober 2011[1]):

  • Neuzeug (5075)
  • Sierning (4040)

Die Gemeinde besteht aus den Katastralgemeinden Gründberg, Hilbern, Neuzeug, Oberbrunnern, Pichlern, Sierning und Sierninghofen.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Schiedlberg Wolfern
Rohr im Kremstal, Bad Hall Nachbargemeinden Steyr
Waldneukirchen Garsten, Aschach an der Steyr

Geschichte[Bearbeiten]

Einige Streufunde belegen, dass das Gebiet bereits von den Römern besiedelt wurde. Zur Zeit der Völkerwanderung wurden dann slawische Siedler sesshaft, die in den ausgedehnten Wäldern lebten und jagten. Herzog Tassilo III. berichtet in der Stiftungsurkunde für das nahegelegene Kloster Kremsmünster (777) von ihnen und erwähnte dabei zum ersten Mal den Ortsnamen Sirnicha (slawisch Crnica). Vor 985/991 (Erwähnung in der „Synode von Mistelbach“) erfolgte auch die Gründung einer eigenen Pfarre durch das Bistum Passau. Aus dieser Mutterpfarre sind nicht weniger als 27 selbständige Tochterpfarren hervorgegangen, darunter so bedeutende wie die ehemaligen Stifte Garsten und Gleink.

1588 prägte Sierning die Geschichte Oberösterreichs erneut, als einer der ersten Bauernaufstände des Landes von hier seinen Ausgang nahm und sich auf die gesamte Eisenwurzen ausdehnte. Der Tumult konnte schließlich nur durch kaiserlichen Erlass beendet werden.

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „Über grünem Schildfuß in Silber ein roter, leicht aufgerichteter Wolf.“

In einem geteilten Schild befindet sich ein roter Wolf auf weißem Grund. Das untere Drittel ist in Grün gehalten, eine Erinnerung an die einstige Herrschaft Steyr. Das Wappentier verweist auf das Bistum Passau, das einst hier in der Pfarre ihren Einfluss ausübte.

Politik[Bearbeiten]

Der Gemeinderat hat 37 Mitglieder: 21 SPÖ, 11 ÖVP, 4 FPÖ, 1 BZÖ. Fraktionsobleute sind Bernhard Bräuer (SPÖ), Georg Platzer (ÖVP) Wolfgang Heumann (FPÖ), Helmut Wilhelm (BZÖ)

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

  • 1857 wurden 5539 Einwohner gezählt.
  • Um 1900 zählte man 6484 Bewohner, Sierning war dadurch die siebtgrößte Gemeinde Oberösterreichs.
  • 1934 war die Zahl auf 6236 zurückgegangen.
  • 1951 zählte man 7035 Einwohner.
  • 1971 wurden 8183 Einwohner registriert.
  • 1991 meldete man im Ort eine Abnahme der Bevölkerungszahl, es wurden 7845 Seelen gezählt.

Stand 1. Januar 2004: Hauptwohnsitze: 8738 und Nebenwohnsitze: 415 (Gesamt: 9153)

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Sierning
  • Kirche Hl. Stephan: im gotischen Stil errichtet, bereits 985/991 (Synode von Mistelbach) urkundlich erwähnt, somit eine der ältesten im Bezirk Steyr-Land. Altarbild "die Steinigung des Hl. Stephanus" stammt von Michael Rauscher (1904)
  • Schloss Sierning: errichtet um 1600, massiver Renaissancebau mit Arkaden im offenen Hof
  • Das Haus in der Bahnhofstraße 6 steht unter Denkmalschutz. Der Entwurf dürfte vom Steyrer Stadtbaumeister und Barockarchitekten Johann Gotthard Hayberger stammen.
  • Freisitz Wahlmühle
  • Kuhschellenböschung: Kaum ein Gebiet in der näheren Umgebung von Sierning ist so vielen Menschen ein Begriff wie der als Kuhschellenböschung bekannte Hang in Sierninghofen-Neuzeug. Die „gewöhnliche Kuhschelle“ ist die Leitpflanze des Gebietes.
  • Vereine: in Sierning existieren ca. 120 Vereine

Sonstiges[Bearbeiten]

Der im Jahre 2000 eingeweihte Gemeindekindergarten in Sierning-Letten ist nach Sidonie Adlersburg benannt. Das Mädchen war 1933 als Säugling von seiner leiblichen Mutter, einer Roma, vor dem Krankenhaus in Steyr ausgesetzt worden und wuchs bei Pflegeeltern in Letten auf. Unter dem Vorwand, es zu seiner leiblichen Mutter zurückzubringen, wurde das Mädchen 1943 den Pflegeeltern weggenommen und kurz darauf nach Auschwitz deportiert, wo es wenige Wochen später starb. Gerald Brandstötter schuf ein Denkmal, das vor dem Kindergarten errichtet wurde. Es zeigt eine Mutter, die sich schützend über ihr Kind beugt. Die Geschichte des Mädchens verarbeitete Erich Hackl zu einem Buch mit dem Titel Abschied von Sidonie, welches auch verfilmt wurde.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

  • Rudenkirtag: Der Rudenkirta oder Rudenkirtag[2] ist seit 1732 eine alljährliche Faschingsveranstaltung in Sierning anlässlich derer der sogenannte Rudentanz von den Ruden, kleineren Männergruppen aus verschiedenen Regionen Österreichs, aufgeführt wird. Ursprünglich waren die Ruden die örtlichen Dorfburschenschaften - heute sind es deren Nachfolgeorganisationen[3], die oft aus ganz Österreich nach Sierning anreisen, um den Rudenkirtag zu begehen. Beim Kirtag wird traditionell der Traunviertler Landler gemeinsam mit den Tänzerinnen aufgeführt. Besondere Bedeutung haben die bei dieser Gelegenheit dargebotenen Gstanzln: Dabei handelt es sich um achtzeilige Reime, mit denen Themen aus Politik, Wirtschaft oder auch lokale Themen humoristisch behandelt werden. Vor der Veranstaltung wird regelmäßig in den Bundesländer-Zeitungen spekuliert, welchen Personen in diesem Jahr ein Gstanzl gewidmet wird[4], womit diese - wie es umgangssprachlich heißt - "angesungen" werden. Im Jahr 2007 war es etwa der beim Rudenkirtag anwesende damalige Vizekanzler Wilhelm Molterer. Seit 2013 ist diese Veranstaltung in die Liste des immateriellen Weltkulturerbes der UNESCO aufgenommen.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Die Marktgemeinde Sierning ist die größte Gemeinde des Bezirkes Steyr-Land. Ihre Bedeutung in der Region Pyhrn-Eisenwurzen resultiert aus ihrer traditionsreichen Geschichte und der Lage an wichtigen Verkehrswegen. In wirtschaftlicher Hinsicht war die Gemeinde Sierning - mit dem bereits 1451 urkundlich erwähnten Ortsteil Neuzeug - eines der bedeutendsten Zentren der Eisenverarbeitung im heutigen Oberösterreich. Blankwaffen, Messer, Ahlen und viele andere Produkte aus Eisen wurden hier über Jahrhunderte erzeugt. Sogar der Industriepionier Josef Werndl nutzte die Wasserkraft der Steyr und errichtete im Ortsteil Letten ein Werk seiner Österreichischen Waffenfabriksgesellschaft. Ackerbau und Viehzucht im Umland sowie zahlreiche Gewerbebetriebe leisteten ebenfalls ihren Beitrag dazu, dass die Bevölkerung früh zu Wohlstand und Ansehen gelangte.

In der Gemeinde sind ca. 300 Betriebe ansässig.

Verkehr[Bearbeiten]

Bahn und Bus

Sierning war bis 1933 von Bad Hall aus und bis 1967 über eine Zweigstrecke der Steyrtalbahn von Garsten aus direkt mit der Eisenbahn erreichbar. Heute wird der öffentliche Verkehr über Postbusse abgewickelt. Es bestehen Direktverbindungen unter anderem nach Steyr, Wels und Linz. Die nächstgelegenen Bahnhöfe befinden sich in Steyr (rund 12 km von Sierning, Anschluss an die Rudolfsbahn) und Rohr im Kremstal (Bahnhof Rohr-Bad Hall, rund 10 km von Sierning, Anschluss an die Pyhrnbahn).

Straße

Sierning liegt an der Voralpen Straße B122 von Amstetten über Steyr nach Sattledt. Der nächste Autobahnanschluss befindet sich in Sattledt, rund 25 km von Sierning entfernt, wo beim Knoten Voralpenkreuz Anschluss an die West Autobahn A1, die Innkreis Autobahn A8 und die Pyhrn Autobahn A9 besteht.

Fahrrad

Sierning verfügt über gut ausgebaute Radwege.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter
Personen mit Bezug zur Gemeinde
  • Wilhelm Molterer (* 1955 in Steyr), österreichischer Politiker, ehemaliger Vizekanzler und Finanzminister sowie Bundesparteiobmann der ÖVP
  • Sabine M. Gruber (* 1960 in Linz), österreichische Schriftstellerin, in Sierning aufgewachsen
  • Gerald Nigl (* 1966 in Graz), österreichischer Schriftsteller und Maler, in Sierning aufgewachsen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistik Austria, Registerzählung vom 31. Oktober 2011
  2. vgl. Gerlinde Haid: Rudenkirtag. In: Oesterreichisches Musiklexikon. Online-Ausgabe, Wien 2002 ff., ISBN 3-7001-3077-5; Druckausgabe: Band 4, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2005, ISBN 3-7001-3046-5.
  3. Eintrag zu Rudenkirtag in: Austria-Forum, dem österreichischen Wissensnetz – online (in AEIOU Österreich-Lexikon)
  4. Vgl. etwa Oberösterreichische Nachrichten vom 22. Februar 2007, Seite 29 oder Oberösterreichische Rundschau vom 2. März 2006, Seite 38
  5. Slapnicka Harry, Oberösterreich - Die politische Führungsschicht 1918-1938 = Beiträge zur Zeitgeschichte Oberösterreichs 3 (Linz 1976) S. 236

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sierning – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien