Sigismund Alexandrowitsch Lewanewski

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Sigismund Alexandrowitsch Lewanewski

Sigismund Alexandrowitsch Lewanewski (russisch Сигизмунд Александрович Леваневский, * 2. Maijul./ 15. Mai 1902greg. in Sankt Petersburg; verschollen am 13. August 1937 im Nordpolargebiet) war ein sowjetischer Pilot und Held der Sowjetunion.

Leben[Bearbeiten]

Lewanewski trat während der Oktoberrevolution in die Rote Garde ein und wechselte 1918 zur Roten Armee. Während des Bürgerkrieges war er Kompanie-, später Bataillonsführer. Nach Kriegsende besuchte er die Seefliegerschule in Sewastopol und schloss sie 1925 ab. Kurze Zeit später wurde er zum Leiter der OSSOAWIACHIM-Fliegerschule in Nikolajew ernannt. 1931 wechselte zur Schule in Poltawa.

1933 wechselte er zur Zivilluftfahrt und flog bei der GLAWSEWMORPUT (Hauptverwaltung des Nördlichen Seeweges). Im selben Jahr flog er den in Tschukotka bruchgelandeten amerikanischen Piloten James Mattern nach Alaska aus. Im März/April 1934 war er einer der sieben Piloten, die die schiffbrüchige Besatzung des untergegangenen Dampfers Tscheljuskin von einer Eisscholle retteten. Für diese Leistung wurde Lewanewski am 20. April 1934 der aus diesem Anlass gestiftete Orden „Held der Sowjetunion“ verliehen.

Bei dem Versuch, einen Transpolarflug von der Sowjetunion in die USA durchzuführen verschwand das Flugzeug Lewanewskis am 13. August 1937 über dem Nordpol. Die Besatzung gilt seither als vermisst.

Lewanewski ist Autor der Bücher „Mein Element“ und „Rostow am Don“ von 1935.

Gescheiterter Polarflug[Bearbeiten]

1937 unternahm Lewanewski den Versuch, mit einem viermotorigem Bombenflugzeug DB-A einen Fernflug UdSSR – USA über den Nordpol durchzuführen. Bereits im Frühjahr 1935 wandte er sich mit der Bitte an Josef Stalin, mit einer ANT-25 über den Nordpol nach San Francisco fliegen zu dürfen. Stalin gab seine Zustimmung. Lewanewski startete am 3. August 1935 zusammen mit Copilot Baidukow zum Rekordversuch, brach diesen über der Barentssee jedoch ab, da er den durch Überfüllung leckenden Öltank irrtümlich als Havarie ansah. Bei der abschließenden Auswertung des Fluges bezeichnete Lewanewski den Konstrukteur Andrei Tupolew als Volksschädling und Verräter und erklärte, niemals wieder in einem von dessen Flugzeugen fliegen zu wollen.

Im Mai 1937 gab er den Beschluss bekannt, mit der DB-A den Flug durchführen zu wollen. Baidukow, der das Flugzeug schon geflogen hatte, äußerte seine Bedenken wegen der noch nicht ausreichend getesteten Maschine, wurde jedoch von Stalin abgeblockt.

Kurze Zeit später flog eine ANT-25 mit Tschkalow, Baidukow und Beljakow über den Pol in die USA, einen Monat später eine zweite mit der Besatzung Gromow, Jumaschew (1902–1988) und Danilin (1901–1978). Lewanewski geriet unter Zeitdruck. Die sechsköpfige Besatzung wurde eilig zusammengestellt und hatte nicht die notwendige Zeit, sich aufeinander einzuspielen. Noch einem Monat vor dem Flug wurde der Funker Leonid Kerber (1903–1993, später einer der stellvertretenden Chefkonstrukteure des OKB Tupolew), im Zuge der stalinistischen Säuberungen verhaftet[1] und durch Nikolai Galkowski (* 1905) ersetzt.

Am 12. August 1937 stand der Prototyp der DB-A auf dem Flugplatz Schtscholkowo bei Moskau bereit. Das Flugzeug hatte für den Flug eine blaue Rumpflackierung erhalten, das Tragwerk besaß einen signalroten Anstrich. Aufgrund der ungünstigen Vorzeichen des Fluges beantworteten Bordingenieur Nikolai Godowikow (* 1893) und Navigator Wiktor Lewtschenko (* 1906) die Abschiedsgrüße des Bodenpersonals mit „Lebt wohl!“ anstatt des üblichen „Auf Wiedersehen!“. Der Start wurde von Copilot Nikolai Kastanajew (* 1904) durchgeführt.

Nach Überquerung des Pols unter schlechten Wetterbedingungen meldete die Besatzung nach 19:27 Stunden Flugzeit über Funk den Ausfall des rechten äußeren Motors. Nach einer Weile brach jeglicher Funkkontakt ab. Trotz umfangreicher Suche seitens sieben amerikanischer sowie 24 sowjetischer Flugzeuge konnte von der DB-A mit der Kennung SSSR N-209 keine Spur gefunden werden. Im Mai 1938 wurde die Suchaktion eingestellt, nachdem eine Fläche von 58.000 km² abgesucht worden war.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

  • Biografie in der Großen Luftfahrtsenzyklopädie (russisch)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ulrich Unger: 1937 – Moskau–Nordpol in Flieger Revue 3/1997, S. 52