Simon Grynaeus

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Simon Grynaeus

Simon Grynaeus (* 1493 in Veringendorf; † 1. August 1541 in Basel) war ein reformierter Theologe, Reformator und Humanist.

Leben[Bearbeiten]

Simon Grynaeus wurde als Simon Griner 1493 in Schwaben (Veringendorf bei Sigmaringen) geboren. Er besuchte die Lateinschule in Pforzheim mit den Lehrern Nikolaus Gerbel und Georg Simler. Hier beginnt eine lebenslange Freundschaft mit Philipp Melanchthon. Am 13. Oktober 1511 immatrikuliert sich Simon Grynaeus an der Universität Wien und macht dort seinen Magister artium. Hier macht er auch die Bekanntschaft des Humanisten Vadian.

Danach ist er Leiter einer Lateinschule in Buda, wo es eine große Zahl deutscher Siedler gab. Vom konservativen Klerus vertrieben begibt sich Grynaeus nach Wittenberg, wo er im April 1523 immatrikuliert wird. 1524 wird Grynaeus als Griechischprofessor an die Universität Heidelberg berufen, wo seine reformatorische Einstellung zwar nicht geteilt wird, seine Kenntnisse aber dringend benötigt werden. Als Hermann von dem Busche seine Lateinprofessur verlässt, wird Grynaeus angefragt, auch diese zu übernehmen. In Heidelberg entfernt Grynaeus sich von Martin Luthers Abendmahlsauffassung. Er nähert sich der Position Huldrych Zwinglis − unter anderem beeinflusst durch ein Treffen mit Andreas Bodenstein 1524 – an.

1525 disputiert er mit Johannes Brenz über seine neuen Positionen. Während des Reichstages 1529 besucht er Speyer und erneuert seine Freundschaft zu Melanchthon. Gleichzeitig gerät er mit Johann Fabri aneinander. 1529 wird er durch den Basler Stadtrat, der von Johannes Oekolampad und dem Basler Bürgermeister Jakob Meyer zum Hasen zu Grynaeus´ Gunsten beeinflusst wurde, als Griechischprofessor an die Universität geholt. Seit Mitte der zwanziger Jahre hatte er sich nicht nur als Dozent, sondern auch als geschickter Ermittler in Fragen alter Handschriften einen Ruf erworben. 1526 vertraute er einige von ihm aufgespürte Materialien Sebastian Münster an, der sie nutzte, um die Frobensche Herausgabe der „Hebräischen Grammatik“ des Elias Levitas zu unterstützen.

Vor allem im Umfeld der Druckerei Froben erregte Simon Grynaeus Aufsehen, als er fünf der verloren geglaubten Bücher des Titus Livius (Ab urbe condita) in der Bibliothek der Abtei Lorsch wiederentdeckte und Froben im September 1526 zukommen ließ, der sie in seine Liviusausgabe von 1531 aufnahm. Grynaeus begann seine Tätigkeit in Basel mit einer Vorlesung über Aristoteles´ Rhetorik, gleichzeitig versucht er sich an einer Erklärung des Neuen Testaments.

Erasmus von Rotterdam unterstützt ihn nach Kräften, obwohl er von Grynaeus religiösen Überzeugungen nicht begeistert ist. Grynaeus übersetzt für Erasmus einige Chrysostomos-Homilien über den 1. Korintherbrief und hilft der Frobendruckerei bei der Edition, so dass die Ausgabe 1530 in Druck gehen kann. Erasmus verfasst für Grynaeus´ griechische Aristotelesausgabe (gedruckt im Mai 1531 von Johannes Bebel) ein Vorwort.

1531 unternimmt Grynaeus mit dem Verleger Bebel eine Reise nach England, um alte Handschriften aufzuspüren und für den Druck vorzubereiten. Durch die Vorworte und Widmungen an Charles Blount im Livius und John More im Aristoteles von Bebel, aber auch Empfehlungsschreiben des Erasmus waren die beiden auf die Reise gut vorbereitet. Sie besuchten Freunde des Erasmus in Köln, Antwerpen, Gent, Calais und London. Am 6. Juni 1531 trifft Grynaeus in London auf Heinrich VIII.; außerdem knüpft er Kontakte zu Reginald Pole, Thomas Cranmer, Thomas More und John Claymond, dem Leiter des Corpus Christi College in Oxford. Dieser erlaubte Grynaeus eine Anzahl von Handschriften mit nach Basel zu nehmen, um sie zu edieren, vor allem von Proklus. Der bei Bebel 1531 verlegte Proklos wurde John Clement gewidmet, der griechische Euklid gedruckt bei Jakob Herwegens (1533) war Cuthbert Tunstall (1474-1559) gewidmet, einem Mathematiker und Juristen der später Bischof von London und Durham wurde, und Grynaeus lateinische Übersetzung von Bebels Plutarchedition (1534) schließlich wurde Cranmer gewidmet.

In seiner griechischen Ausgabe der Elemente von Euklid (der Editio Princeps des griechischen Textes) benutzte er zwei Manuskripte. Eines aus Venedig, das ihm der dortige französische Gesandte Lazare de Baïf zur Verfügung gestellt hatte (der heutige Codex Marcianus 301), und ein Kodex aus Paris aus dem 16. Jahrhundert, den ihm der Arzt und Humanist Jean Ruel zur Verfügung stellte (Codex Paris gr. 2343). Den Kommentar zu den Elementen von Proklos hatte er von Claymond aus Oxford.[1]

Grynaeus hat darüber nachgedacht, Frobens lateinischen Platon (1532), für den er Ficinos Übersetzung überarbeitet hatte, Thomas More zu widmen. 1534 schließlich widmete er Walders griechischen Platon John More, obwohl Thomas More da schon nicht mehr Kanzler war. Diese und andere von Grynaeus initiierte und vorbereitete Editionen, wie Herwagens Quellensammlung zu Entdeckung der Neuen Welt „Novus orbis“ (1532), belegen, dass Grynaeus „posterasmianische“ Veröffentlichungstendenzen in Basel stark geprägt hat, ähnlich wie Melanchthon in Wittenberg.

Kurz vor dem 25. Juli 1531, nach dem „Religionsgespräch“ mit dem Täufer Hans Pfyster Meyer am 13. Juli 1531 in Bern trifft Grynaeus wieder in Basel ein und beginnt in Übereinstimmung mit seinen Interessen vor den Studenten die logischen und wissenschaftlichen Schriften des Aristoteles zu lesen. Noch kurz vor seinem Tod hielt er eine Vorlesung über das Organon des Aristoteles. 1534 verließ Grynaeus mit Genehmigung des Stadtrates, der darum von Herzog Ulrich von Württemberg und Ambrosius Blarer gebeten worden war, Basel, um sich um die Reform der Universität Tübingen zu kümmern. Am 13. Juli 1535 kehrte er nach Basel zurück.

Die Einladung des Grynaeus und auch Blarers nach Württemberg zeigt das Bemühen Ulrichs, Zwinglianer und Lutheraner gleichmermaßen im Lande zu halten. Schnell sah Grynaeus sich in Tübingen vor einer Kontroverse über das Abendmahl, die er nach Martin Bucers Vorbild irenisch und im Dialog zwischen Lutheranern, Zwinglianern und Straßburgern beizulegen suchte. Es kam nach einem Kolloquium am 28. Mai 1535 in Tübingen zu einem Kompromiss auf der Grundlage von Luthers Eingabe in Marburg, die Zwingli ja abgelehnt hatte. Aber die lutherische Partei war größer und nach und nach wurde Württemberg ganz lutherisch. Ähnlich wie in Württemberg war Grynaeus auch in der Schweiz um die Einung der protestantischen Kirchen bemüht. Er arbeitete an der Ersten Basler Konfession von 1534 und an der Confessio Helvetica Prior/Zweite Basler Konfession von 1536 mit.

Nach seiner Rückkehr aus Tübingen wurde klar, dass er die geistige Leitung der Basler Kirche wurde, denn Myconius fragte ihn immer öfter um Rat. 1536/37 war er Dekan der Philosophischen Fakultät, sein Rektorat wurde durch seinen Tod am 1. Mai 1541 beendet. Während des Berner Synodus von 1537 verteidigte Grynaeus die Straßburger Position gegen die Angriffe der Lutheraner und erneuerte seine persönliche Beziehung zu Johannes Calvin, dem er half, seine Rückkehr nach Genf 1541 vorzubereiten. Calvin widmet daraufhin seinen Römerbrief von 1539 Grynaeus. Auch die Beziehungen zwischen Altgläubigen und Protestanten lagen ihm am Herzen. So vertritt er etwa Basel auf dem Religionsgespräch in Worms 1540/41.

In Basel unterstützte er Oswald Myconius in seinen Auseinandersetzungen mit dem Basler Stadtrat und der Universität, die verlangten, der Klerus müsse akademische Grade vorweisen. Grynaeus propagierte die Freiheit der Pastoren von der Obrigkeit, hier stand er zum ersten Mal mit seiner Meinung gegen seinen Freund Amerbach. Schließlich siegte die Position von Rat und Universität – aber der Konflikt kochte immer wieder hoch. Vielleicht war auch die Wahl Grynaeus´ zum Rektor der Basler Universität 1541 Zeichen des Wiederauflebens.

Seit seinem Englandaufenthalt hatte das Verhältnis Grynaeus´ zu Erasmus stark gelitten. Grynaeus verlangte in Anbetracht von Warhams Gesundheit und Alter eine Einmalzahlung einer Summe statt der jährlichen Zahlungen an Erasmus und als er von seinen Erfolgen, die er in Übereinstimmung mit Erasmus getätigt hatte, erzählte, regte dieser sich auf. Grynaeus scheint sich in England nicht sonderlich taktvoll benommen zu haben, vor allem, was religiöse Belange anging. Nach öffentlicher Kritik von Erasmus kritisierte auch sein englischer Gastgeber Thomas More sein Verhalten. Simon Grynaeus´ Unfähigkeit, komplexen Sachverhalten mit Taktgefühl und Umsicht zu begegnen wird an anderer Stelle auch von seinem Freund Martin Bucer erwähnt.

Während seines Empfangs bei Heinrich VIII. wurde Grynaeus darum gebeten, zur Angelegenheit der Scheidung Heinrichs von Katharina von Aragon protestantische Positionen einzuholen. Im August 1531 schickte Grynaeus eine erste Sendung von Briefen nach London, die die Positionen von Oekolampad, Paul Phrygio, Wolfgang Capito, Zwingli und Bucer enthielt, die alle mehr oder weniger moderat des Königs Anliegen unterstützten. Im Oktober sandte er die Positionen von Melanchthon und Luther hinterher, die nicht gar so positiv ausfielen.

Warum genau Erasmus sich gegen Grynaeus auf einmal so feindselig verhielt, ist ungeklärt, mit der Scheidungsaffäre scheint es jedoch nichts zu tun gehabt zu haben, da Erasmus die negativen Briefe von Thomas More, die Grynaeus betrafen, zusammen mit einer Schrift veröffentlichte, nämlich De praeparatione ad mortem, die Thomas Boleyn zugedacht war. Es mag dennoch sein, dass Grynaeus anwesend war, als Erasmus in Frobens Haus in Basel 1536 starb. Simon Grynaeus war zweimal verheiratet, er hatte einen Sohn und starb am 1. August 1541 an der Pest.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Simon Grynaeus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thomas Heath The thirteen books of Euclids elements, Cambridge 1908, Band 1, S. 100