Calais
| Calais | ||
|---|---|---|
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| Region | Nord-Pas-de-Calais | |
| Département | Pas-de-Calais | |
| Arrondissement | Calais | |
| Kanton | Hauptort von 4 Kantonen | |
| Koordinaten | 50° 57′ N, 1° 51′ O50.94751.85555555555563Koordinaten: 50° 57′ N, 1° 51′ O | |
| Höhe | 0–18 m | |
| Fläche | 33,50 km² | |
| Einwohner | 73.636 (1. Jan. 2010) | |
| Bevölkerungsdichte | 2.198 Einw./km² | |
| Postleitzahl | 62100 | |
| INSEE-Code | 62193 | |
| Website | www.mairie-calais.fr | |
Calais [kaˈlɛ] (lateinisch Caletum; niederländisch veraltet Kales; deutsch veraltet Kalen; Walisisch Caled; Bretonisch Kaled; Irisch Calad) ist eine Hafenstadt im Norden Frankreichs mit 73.636 Einwohnern (Stand 1. Januar 2010).
Inhaltsverzeichnis |
Geographie [Bearbeiten]
Calais liegt an der französischen Küste der Straße von Dover, der Verbindung des Ärmelkanals (frz. la Manche) mit der Nordsee (frz. Mer du Nord), nur 34 km von der Südküste Englands entfernt. Bei guter Sicht sind die Kreidefelsen von Dover sichtbar. Der Ort ist die größte Stadt, aber nicht Präfektur des Départements 62, Pas-de-Calais und neben Boulogne der wichtigste Hafen für den Schiffsverkehr mit England. In der Nähe liegt das französische Portal zum Eurotunnel in Coquelles/Sangatte. Calais ist Mittelpunkt der Tourismus-Region Opalküste (frz. Côte d’Opale).
Der Kernbereich der Stadt unterteilt sich in den Altstadtbereich innerhalb der alten Stadtbefestigung, sowie den jüngeren Vorort St. Pierre, welche durch einen Boulevard verbunden sind.
Geschichte [Bearbeiten]
Da Calais an der engsten Stelle des Ärmelkanals liegt, hatte es seit früher Zeit Bedeutung. Die Römer nannten die hier gelegene Siedung Caletum. Von hier oder einem Ort der näheren Umgebung aus startete Julius Caesar mindestens einen seiner beiden Feldzüge der Jahre 55 und 54 v. Chr. nach Britannien. Das mittelalterliche Calais entstand wahrscheinlich aus einem Petresse genannten Fischerdorf, das 938 urkundlich erwähnt wird. Graf Balduin IV. von Flandern vervollständigte 997 die Befestigungen von Calais. Aufgrund der Unterwerfung Englands unter die Herrschaft der Normannen (1066) und der Ausbildung des Tuchgewerbes Flanderns entwickelte es sich zu einer wichtigen Hafen- und Handelsstadt. 1224 erneuerte der Graf von Boulogne die Befestigungen und ein Schloss wurde in der Nähe errichtet.
Zu Beginn des Hundertjährigen Krieges wurde Calais nach der Schlacht von Crécy vom englischen König Eduard III. elf Monate belagert (siehe Belagerung von Calais (1346)) und schließlich im August 1347 durch Aushungern der Eingeschlossenen eingenommen. Es fungierte als Brückenkopf für die englische Wollwirtschaft auf dem Kontinent sowie als stark verteidigter Stützpunkt in Frankreich. 1436 misslang dem burgundischen Herzog Philipp den Guten die Rückeroberung der Stadt, die durch ein vom Herzog Humphrey von Gloucester angeführtes englisches Heer entsetzt wurde.
Als letzte englische Besitzung am Kontinent gelangte Calais am 8. Januar 1558 wieder unter französische Kontrolle, als es von François de Lorraine, duc de Guise erobert wurde.[1] Seitdem erhielt das Gebiet der Stadt (Calaisis) zusammen mit der angrenzenden Grafschaft Guines den Namen Pays Reconquis und bildete eine Unterstatthalterschaft der Picardie. Mit dem Verlust von Calais ging die Phase der englischen Handelspolitik, die bis dahin auf der Ausübung des Stapelrechts beruht hatte, zu Ende.[2]
1596 eroberten die Spanier unter Erzherzog Albrecht VII. von Habsburg Calais, das jedoch bereits 1598 durch den Frieden von Vervins wieder an Frankreich kam. Ein Teil der für einen geplanten, allerdings nie durchgeführten Einfall in England bestimmten Armee Napoleons bezog 1805 in Calais Quartier. 1885 wurden Calais und St. Pierre zu einer Stadt vereint.
Calais war im Ersten Weltkrieg der Haupthafen der englischen Armee in Frankreich. Während des Zweiten Weltkriegs wurde es im Mai 1940 von deutschen Truppen erobert. Im Verlauf des Kriegs kam es zu großen Zerstörungen. Zuerst wurde die Stadt von der Luftwaffe der deutschen Wehrmacht und später von den Alliierten bombardiert. Das bereits Ende September 1944 zurückeroberte Calais erlitt im Februar 1945 zusätzlich ein schweres irrtümliches Bombardement, als britische Bomberpiloten eigentlich Dünkirchen bombardieren wollten, das noch bis zur Kapitulation am 8. Mai 1945 von der Wehrmacht gehalten wurde. Ein Wiederaufbau der historischen Innenstadt von Calais hat in nennenswertem Maße nicht stattgefunden.
Migranten [Bearbeiten]
Durch Calais kommen jährlich mehrere Hundert Transitmigranten auf ihrem Weg nach Großbritannien. Da Großbritannien dem Schengen-Abkommen nur eingeschränkt beigetreten ist, werden die Grenzübergänge zwischen Frankreich und England kontrolliert. Einwanderer, die ohne Einreiseerlaubnis auf dem Landweg nach Großbritannien einreisen möchten, versuchen diese Grenze zu passieren, indem sie sich beispielsweise auf oder unter LKW verstecken. Viele dieser Reisenden halten sich wochen- oder monatelang in Calais auf und versuchen jede Nacht aufs Neue den Ärmelkanal zu überqueren. Während ihrer Zeit in Calais sind sie obdachlos. Unterkunft finden sie in leerstehenden Häusern oder so genannten Jungles, im Unterholz errichteten Hüttendörfern aus Plastikplanen und Paletten.
Kultur und Sehenswürdigkeiten [Bearbeiten]
Museen [Bearbeiten]
- Musée des Beaux-Arts et de la Dentelle mit Ausstellung zur Stadtgeschichte
- Musée de la Seconde Guerre Mondiale (Kriegsmuseum) gegenüber dem Rathaus mit Exponaten zur Zeit der Besetzung 1940–1944
Bauwerke [Bearbeiten]
Auf dem Platz vor dem Rathaus steht das Denkmal Les Bourgeois de Calais („Die Bürger von Calais“) von Auguste Rodin. Es wurde 1895 errichtet. Das historische Rathaus selbst wurde von 1910 bis 1922 im Stil der flämischen Renaissance erbaut. Der Belfried (Glockenturm) des Rathauses zählt wie auch der in der Altstadt stehende Tour de Guet mit 21 weiteren Belfrieden der nordfranzösischen Region zum Weltkulturerbe.
Der Tour de Guet ist 38 Meter hoch und geht auf einen Befestigungsturm des 13. Jahrhunderts zurück. Er diente in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts sowohl als optischer Telegraf, wie auch als Leuchtturm. Einen guten Blick auf den Hafen bietet der 50 Meter hohe um 1848 erbaute Leuchtturm (frz. Phare). Das historische Theatergebäude steht am Boulevard de Jacquard.
Ungewöhnlich ist der Baukomplex der Kirche Notre Dame (13.–15. Jh.), vor allem auf seiner Südseite. Das südliche Querschiff und eine sich an das südliche Langhaus anschließende Zisterne verleihen dem Bau einen festungshaften Charakter und verdeutlichen die exponierte Stellung von Calais als englischer Brückenkopf für zwei Jahrhunderte. Am 23. September 1944 wurde sie versehentlich von den Alliierten eine Woche vor der Befreiung der Stadt bombardiert.
Wirtschaft und Infrastruktur [Bearbeiten]
Calais verzeichnet als Hafenstadt und Ausgangspunkt zu Kanalüberquerungen jährlich 30 Millionen Durchreisende. In den letzten Jahrzehnten sind viele Arbeitsplätze in den Bereichen Fischerei, Textilindustrie und Schifffahrt verloren gegangen. Die Arbeitslosigkeit liegt bei 15 % mit allen daraus resultierenden Nebenwirkungen. Durch Touristen aus England, den booze cruisers, die billig Alkohol und Zigaretten kaufen, profitiert der Tunnel-Terminal bei Sangatte, ein riesiger Einkaufskomplex neben dem Eurotunnel.
Durch das Projekt Mission 2012 wurden Investitionen von 100 Millionen Euro in touristische Infrastrukturen geplant. Insbesondere ein Teil der Besucher der Olympischen Spiele 2012 in London sollte so angezogen werden.[3]
Verkehr [Bearbeiten]
Calais ist der zweitgrößte Passagierhafen Europas, nach Dover. Der Seehafen liegt im Norden der Stadt an der Straße von Dover. Die meisten der täglich 60 Fährverbindungen der Reedereien SeaFrance und P&O verbinden Calais mit Dover. 1,7 Mio. LKW setzen hier jährlich über. Die Reederei SeaFrance ist der größte Arbeitgeber der Stadt.[4]
Ab 1972 bestand zudem eine Hovercraft-Verbindung nach Dover, die von der Reederei Hoverspeed betrieben wurde. Die Hovercrafts verkehrten vom Hoverport Calais, östlich des Haupthafens, und benötigten etwa 30 Minuten für die Überfahrt. Sie wurden im Jahr 2000 durch Katamarane ersetzt, deren Betrieb im November 2005 aufgrund des Konkurses der Reederei Hoverspeed eingestellt wurde.
Die Autoroute A26 verbindet Calais mit Paris (295 km). Südöstlich der Stadt kreuzt die A 26 die Küstenautobahn Autoroute A16, die im Westen nach Boulogne-sur-Mer (36 km) und im Osten nach Belgien führt.
Partnerschaften [Bearbeiten]
Duisburg, Nordrhein-Westfalen, Deutschland, seit 1964[5]
Wismar, Mecklenburg-Vorpommern, Deutschland, seit 1971
Dover, England, Vereinigtes Königreich, seit 1973
Riga, Lettland, seit 1976
Brăila, Rumänien, seit 2002
Bardejov/Bartfeld, Slowakei, seit 2002
Persönlichkeiten [Bearbeiten]
- Jean Nicolas Grou, Jesuit, Theologe, Schriftsteller
- Joseph Crèvecoeur, Komponist
- Gérard Debreu, Nobelpreisträger (Wirtschaft)
- Ida Gotkovsky, französische Komponistin und Pianistin
- Raymond Lefèvre, französischer Orchesterleiter und Komponist
- Didier Lockwood, französischer Jazz-Geiger und Komponist
- Yvonne Vendroux, Frau von Charles de Gaulle
Literatur [Bearbeiten]
- Fernand Lennel: Histoire de Calais: Calais sous la domination anglaise. (2 Bände, 1910–1913).
Weblinks [Bearbeiten]
- calais.fr Offizielle Seite (frz.)
- calais-port.com Offizielle Seite des Hafens
- pas-de-calais.com Regionale Tourismus-Seite
- Abbildung der Stadt 1598 in Civitates orbis terrarum von Georg Braun und Frans Hogenberg
- calaismigrantsolidarity.wordpress.com
- Historische Karte als Digitalisat der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Illustration von Frans Hogenberg von 1596: Cales fast ein unwinbar ort, Nach acht und dreissig Jar must fort, so lange es under Frankreich war, ... (Digitalisat der ULB Düsseldorf)
- ↑ Joseph A. Schumpeter, Elizabeth B. Schumpeter (Hrsg.): Geschichte der ökonomischen Analyse. 1. Teilband, Vandenhoeck-Ruprecht-Verlag, Göttingen 1965, S. 429 (Anmerkung 10).
- ↑ Lizzy Davies: Calais wants to be 'part of England' for Olympics. In: The Guardian. 26. Januar 2010, abgerufen am 9. Februar 2011.
- ↑ Christian Schubert: Französischer Staat will Seafrance retten. faz.net, 4. Januar 2012, abgerufen am 5. März 2012
- ↑ Kurzinfo zur Geschichte der Partnerschaft auf der Seite der Stadt Duisburg, abgerufen am 5. März 2012
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