Slowaken

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Slowaken (bis zum 19. Jh. auch Slawaken; slowakisch Slováci; Singular männlich Slovák, weiblich Slovenka) ist sowohl die Bezeichnung für eine Ethnie als auch für die Staatsbürger des mitteleuropäischen Staates Slowakei, in der ca. 4,6 Millionen ethnische Slowaken leben. Weltweit zählt die Volksgruppe über 6 Millionen Angehörige.

Name[Bearbeiten]

Die Selbstbezeichnung der westslawischen Slowaken (slowakisch: Slováci) leitet sich wie auch die der südslawischen Slowenen von der altslawischen Selbstbezeichnung aller Slawen (altslawisch: Sloveni) ab, dessen Wortstamm in der slowakischen Sprache bis heute in der weiblichen Form Slowakin (Sloven-ka), dem Adjektiv slowakisch (sloven-sky) und der Landesbezeichnung Slowakei (Sloven-sko) enthalten ist. Die männliche Form „Slovák“ entstand als Ergebnis einer Lautverschiebung im 15. Jahrhundert, bei welcher sich die Ursprungsform „Sloven(in)“ zu „Slovák“ umformte (ähnlich wie im Falle der polnischen Form von „Polan“ zu „Polak“).[1]

Historiker sind sich jedoch uneinig darüber, ab welchem Zeitpunkt die Slowaken ihre Slawenität zu ihrem Ethnonym gewählt haben. Grundsätzlich werden in der Fachwelt folgende drei Konzepte diskutiert:

  1. Die Slowaken waren ursprünglich Teil des westslawischen Stammes der Mährer. Diese Theorie stützt sich darauf, dass die Quellen des 9. Jahrhunderts außer den Mährern bzw. mährischen Slawen (Maravi, Sclavi Marahenses) von keinem weiteren slawischen Stamm auf diesem Gebiet berichten. Erst nach dem Ende des Mährerreiches und der Aufteilung der Mährer zwischen Böhmen und Ungarn hätten sich aus deren östlicher Hälfte innerhalb des Königreiches Ungarn die Slowaken entwickelt.[2]
  2. Die Slowaken haben die Bezeichnung „Sloveni“ bereits bei der Differenzierung der Slawen und der Herausbildung einzelner slawischer Stämme als ihren Stammesnamen beibehalten.[3] Diese These wird vor allem von Historikern vertreten, die dem slowakischen Kulturverein Matica slovenská nahestehen.
  3. Der ursprüngliche Stammesname der Slowaken im Frühmittelalter lautete „Nitraner“. Diese Bezeichnung wird für die slawische Bevölkerung Oberungarns in frühen ungarischen Chroniken verwendet (lateinisch: Nitrienses bzw. Nytrienses Sclavi). Das Ethnonym Sloven/Slowake hätten die Slowaken dann ab dem 12. Jahrhundert angenommen.[4] Hauptvertreter dieser These ist der slowakische Mediävist Ján Steinhübel.

Verbreitung[Bearbeiten]

Slowakische Minderheiten leben in den USA 797.764 (2000)[5], Tschechien (190.000 bis 350.000), Ungarn 17.693 (2001).[6], Kanada (50.000 bis 100.000), Serbien (59.000, davon über 56.000 in der AP Vojvodina), Polen (10.000 bis 47.000), Rumänien (18.000), der Ukraine (7.000 bis 17.000), Kroatien (vor allem in Ostslawonien), anderen EU-Ländern, Australien und in Lateinamerika.[7]

Sprache[Bearbeiten]

Slowakisch gehört – ebenso wie Tschechisch, Polnisch, Kaschubisch und Sorbisch – zu den westslawischen Sprachen. Durch die gemeinsame Geschichte, der Nähe der Sprachen und Verbindung in der Tschechoslowakei verstehen Slowaken und Tschechen einander relativ problemlos, allerdings tut sich die jüngere Generation, die nach der Trennung der Slowakei und Tschechiens sprachlich sozialisiert worden ist, schon deutlich schwerer.

Religionen[Bearbeiten]

In der Slowakei gibt es 15 staatlich anerkannte Glaubensgemeinschaften. Die eindeutig Größte ist die römisch-katholische Kirche. Laut der Volkszählung von 2011 gehören ihr 62 % der Bevölkerung an. Im 16. und 17. Jahrhundert waren die Slowaken jedoch mehrheitlich Lutheraner. Weitere Gemeinschaften sind:

Daneben existieren auch Baptistengemeinschaften und Gemeinden der Siebenten-Tags-Adventisten. Es gibt auch 11.469 aktive Zeugen Jehovas in der Slowakei, deren Glauben in der Zeit der ČSSR verboten war. Im Jahre 2007 waren sie in 160 Gemeinden in der ganzen Slowakei tätig.

13,4 % der Bevölkerung sind konfessionslos und 10,6 % geben keine Angabe. Unter den Sonstigen befinden sich unter anderem Juden, die vor dem Krieg zahlreiche Gemeinden hatten. Heute existieren wieder mehrere Gemeinden, zwei in Bratislava (800 Mitglieder), eine in Košice (700 Mitglieder) sowie in den Städten Prešov, Nové Zámky, Komárno, Dunajská Streda, Galanta, Nitra und Trnava. Während der Tschechoslowakei gab es in der Slowakei kein jüdisches Leben mehr. Viele Jahre hatten jüdische Gemeinden keine religiösen Oberhäupter. Erst nach der Samtenen Revolution kamen der heutige Oberrabbiner der Slowakei, Baruch Myers aus den USA, und Goldstein aus Israel, die heute die Gemeinden in Bratislava und Košice leiten.

Die offizielle Zahl der Muslime in der Slowakei ist nicht bekannt, da der Islam keine eigenständige Kategorie bei der Volkszählung 2011 war. Die Zahl der Gläubigen wird von der ansässigen Stiftung auf 5000 geschätzt.[9]

Allgemeine Entwicklung[Bearbeiten]

5. bis 9. Jahrhundert[Bearbeiten]

Die direkten slawischen Vorfahren der Slowaken lebten (nach herrschender Meinung) mindestens ab dem Ende der Völkerwanderungszeit (seit etwa 500) im Gebiet der heutigen Slowakei. Die heute gängigsten Theorien über ihre Herkunft besagen, dass sie in zwei Wellen sowohl vom Norden als auch vom Süden in die heutige Slowakei kamen.[10] Illyrisch-dalmatinische Flussnamen in der Mittelslowakei und thessalische Orts- und Flussnamen in der Ostslowakei sprechen für einen Weg über die Balkanhalbinsel. Aus der Sicht der slowakischen Sprachwissenschaftler begann mit der Ankunft der Slawen zugleich die erste Phase der Entwicklung der „urslawischen (gemeinslawischen)[11] Basis der slowakischen Sprache“.

Im 7. Jahrhundert waren die Vorfahren der Slowaken Bestandteil des Kerns der Bevölkerung des Reiches des Samo. Archäologischen Funden zufolge besteht zum Teil Kontinuität zwischen den Funden aus der Zeit des Reiches des Samo und späteren Funden aus dem 8. und 9. Jahrhundert.

Im 8. Jahrhundert haben die Vorfahren der Slowaken das Neutraer Fürstentum gegründet, das 833 Bestandteil des Kerngebiets Großmährens wurde. Die Vorfahren der Slowaken bildeten somit gemeinsam mit den Vorfahren der heutigen Mähren die Kernbevölkerung Großmährens. Aus der Sicht einer Gruppe von Slawisten zerfiel im 8. oder 9. Jahrhundert die urslawische (gemeinslawische) sprachliche Einheit (nach Sprachwissenschaftlern entwickelte sich die slowakische Sprache direkt aus dem Urslawischen (Gemeinslawischen)). Nach herrschender Meinung der slowakischen Sprachwissenschaftler begann im 8. Jahrhundert die zweite Phase der Entwicklung der urslawischen (gemeinslawischen) Basis der slowakischen Sprache. Ein wichtiges Ereignis im 9. Jh. war die Slawenmission der beiden aus Saloniki stammenden Brüder Konstantin (Kyrill) und Method in Großmähren (seit 863/864). Der Philosoph Konstantin entwickelte eigens für die Mission das erste slawische Alphabet, die Glagolitische Schrift (Hlaholica, Glagolica), brachte das Symbol des byzantinischen Doppelkreuzes mit (das heute im slowakischen Staatswappen enthalten ist), wählte das so genannte Altkirchenslawische als die während seiner großmährischen Mission zu verwendende Sprache aus und führte die mit Method bereits vorbereiteten ersten Übersetzungen liturgischer und biblischer Texte ins Altkirchenslawische ein. Das Altkirchenslawische nahm während der großmährischen Mission viele Elemente der in diesem Gebiet gesprochenen westslawischen Dialekte an. So enthält auch die damalige Version der Glagolica einen Buchstaben (Laut dz), der damals nur in den Dialekten auf dem Gebiet der heutigen Slowakei verwendet wurde. Anderseits hat das heutige Slowakische viele religiöse Wörter (Gewissen, Glaube, Seele, Schöpfer, beten, Heiliger Geist usw.) aus dem Altkirchenslawischen übernommen. Während der Mission in Großmähren übertrugen die Brüder die ganze Bibel ins Altkirchenslawische, aber auch zum Beispiel eine Gesetzessammlung, liturgische Texte und Anderes. Sie gelten dank dieser Mission als Begründer der (gesamten) slawischen Literatur. Im März 868 wurde sogar vom Papst auf Kyrill und Methods Initiative die slawische Liturgiesprache (Altkirchenslawisch) zugelassen – als vierte Sprache in der Westkirche neben Latein, Griechisch und Hebräisch (was kein Papst bis zum 20. Jahrhundert mehr für eine andere Sprache wiederholte). Das mit lokalen Elementen versehene Altkirchenslawische wurde also in Großmähren neben Latein (zumindest) für amtliche und religiöse Zwecke verwendet. Am Hofe und von den Gebildeten wurde in Großmähren parallel eine Kulturform der lokalen Sprache verwendet.

10. bis 15. Jahrhundert[Bearbeiten]

Anfang des 10. Jahrhunderts erfolgte der Untergang Großmährens und die Ankunft der altmagyarischen Stämme in der heutigen Südslowakei. Die Slowakei wurde im 10. und 11. Jahrhundert (kleinere nördliche Gebiete erst im 14. Jahrhundert) in das Königreich Ungarn eingegliedert. Bis Anfang des 12. Jahrhunderts bestand das Neutraer Fürstentum innerhalb des Königreichs Ungarn weiter.

Aus der Sicht einer Gruppe von Slawisten (vgl. oben) zerfiel die urslawische (gemeinslawische) sprachliche Einheit erst im 10. Jahrhundert. Nach herrschender Meinung der slowakischen Sprachwissenschaftler begann sich die slowakische Sprache im 10. Jahrhundert als eine eigenständige Sprache zu entwickeln.

Aus dem 10.-13. Jahrhundert sind slowakische Orts-, Gewässer- und Personennamen sowie vereinzelt auch andere Wörter in vielen Texten belegt. So enthält die Halotti beszéd (Ende des 12. Jh.) Wörter wie bratim, milostben und die Zoborská listina von 1111, die älteste erhaltene Urkunde aus dem Gebiet der Slowakei, enthält zahlreiche slowakische Personen- und Ortsnamen aus der Umgebung von Nitra. Um 1200 unterscheidet Anonymus in seiner Gesta Hungarorum eindeutig zwischen Slowaken (Sclavi oder Nytriensis Sclavi), Böhmen und Polen.

Im Mittelalter (mindestens bis zum Spätmittelalter, teilweise aber auch viel später) erstreckte sich das Siedlungsgebiet der Slowaken noch auch ungefähr im heutigen Ungarn (neben magyarischen Siedlungen), im südöstlichen Mähren (so genannte Mährische Slowakei; bis zum Spätmittelalter gehörte dieses Gebiet teilweise zum Königreich Ungarn), im nordwestlichen Rumänien sowie kleinen Teilen Österreichs und der Ukraine. Der Verlauf der südwestlichen, südlichen und östlichen Grenze slowakischer Siedlungen kann (unter Verwendung heutiger geographischer Namen) ungefähr wie folgt beschrieben werden: Leitha/WienerwaldGüssing – Flusslauf der RaabNagykanizsaPécsSzeged – Flusslauf des MureșDevaCluj-NapocaBorșaChustMukatschewe – Oberlauf des Flusses Usch.

Ein relativer (nicht nur für die heutige Slowakei geltender) Mangel an erhaltenen schriftlichen Quellen aus dem 11. und 12. Jahrhundert ermöglichte es einigen, vor allem ungarischen, Historikern vor dem Zweiten Weltkrieg zu behaupten, die heutige Slowakei sei bis zum 12. Jahrhundert weitgehend unbesiedelt und von undurchdringbaren Wäldern bedeckt gewesen. Diese Ansicht vertrat auch der tschechische (vor dem Zweiten Weltkrieg bedeutende und offen tschechoslowakistisch orientierte) Historiker Václav Chaloupecký, der allerdings im Unterschied zu ungarischen Historikern in der Südwestslowakei eine Siedlungskontinuität aus der Zeit Großmährens akzeptierte. Angefangen mit einer von Daniel Rapant durchgeführten Analyse der Besiedlung Liptaus von 1934 haben weitere Untersuchungen schriftlicher Quellen sowie archäologische Funde diese Ansichten inzwischen eindeutig widerlegt. Es wurden zahlreiche slowakische Siedlungen praktisch in der gesamten Slowakei mit Ausnahme hoher Gebirge und der Gebiete Arwa und Kysuce belegt. Um 1250 gab es in der heutigen Slowakei bereits 1600 schriftlich belegte Siedlungen (heute gibt es in der Slowakei fast 2900 Gemeinden).

Seit Anfang des 13. Jahrhunderts werden die Slowaken in zahlreichen Texten sehr häufig erwähnt (bis 1400 in den Formen Slovyenyn, Slowyenyny; Sclavus, Sclavi, Slavus, Slavi; Tóth; Winde, Wende, Wenden). So erwähnt zum Beispiel eine Urkunde des Königs Andreas II. von 1217 unter den Menschen, die auf dem Land des Klosters von Sankt Benedikt (Hronský Beňadik) lebten, Sachsen, Magyaren und Slowaken („quatenus cuiuscumque nationis homines, Saxones videlicet, Hungarii, Sclaui seu alii ad terram monasterii sancti Benedicti de Goron“). Aus dem Jahr 1294 ist das Adjektiv/Adverb „slowakisch“ zum ersten Mal in seiner slowakischen Form (in einem lateinischen Satz) und in einem sich unumstritten auf die Slowaken beziehenden Zusammenhang erhalten geblieben („Venit ad parvam arborem mystra, slovenski breza ubi est meta“). 1444 ist aus dem Gebiet der Slowakei zum ersten Mal das Wort Slowake in seiner heutigen Form – als „Slowak“ – nachgewiesen (in einem Text, der von zwei Hauptleuten der Stadt Bardejov spricht – „Czech et Slowak“), 1458 wird in einem lateinisch-tschechischen Wörterbuch das lateinische Wort Sclauus mit „Slowak“ übersetzt.

Seit dem Ende des 14. Jahrhunderts bis etwa 1800 verwendeten die Slowaken, insbesondere die Protestanten, neben Latein und Slowakisch sehr häufig auch die tschechische Sprache – sehr oft jedoch in slowakisierter Form – als Literatur- und Rechtssprache. Diese Tatsache sowie vor allem die spätere Existenz der Tschechoslowakei sind die Ursache für die heutige Ähnlichkeit der beiden Sprachen.

Seit dem 14. Jahrhundert sind bereits ganze slowakischsprachige Sätze bzw. Satzgruppen in (vor allem lateinischen) Texten belegt, so zum Beispiel „Poydem na huby do lessa“ (vgl. in heutigem Slowakisch „Pôjdem na huby do lesa“, in heutigem Tschechisch „Půjdu na houby do lesa“). Auch das älteste erhaltene Gedicht, das in (je nach Sichtweise) Slowakisch oder slowakisiertem Tschechisch verfasst wurde, und zugleich das älteste slowakischsprachige Literaturdenkmal – „Maria matko“ (Mutter Maria) – ist im 14. Jahrhundert (1380) entstanden.

Aus dem Jahr 1415 stammt die älteste erhaltene (zur Gänze) tschechischsprachige Urkunde, aus dem Jahr 1422 die älteste erhaltene (zur Gänze) in slowakisiertem Tschechisch verfasste Urkunde aus dem Gebiet der Slowakei. Aus dem gleichen Jahrhundert sind auch die ersten slowakischsprachigen zusammenhängenden Texte und Urkunden erhalten. 1451 fangen slowakischsprachige (bzw. in stark slowakisiertem Tschechisch verfasste) juristische Einträge im Stadtbuch von Žilina an.

Seit dem 14. Jahrhundert, vor allem jedoch im 16. Jahrhundert, sind juristische Streitigkeiten auf ethnischer Basis zwischen Slowaken und Deutschen (später zum Teil auch Magyaren) um Rechte in der Führung der Städte in der Slowakei häufig belegt. So musste 1381 der König persönlich festlegen, dass die Slowaken und Deutschen im Stadtrat von Žilina die gleiche Vertretung haben müssen, wobei betont wurde, dass eine derartige gerechte Vertretung bereits bei der Gründung der Stadt (d. h. spätestens um 1300) vereinbart wurde.

16. und 17. Jahrhundert[Bearbeiten]

Als das heutige Ungarn Anfang des 16. Jahrhunderts vom Osmanischen Reich erobert wurde, wurde die Slowakei zum Kern des nunmehr deutlich kleineren Königreichs, das bis zum Ende des 17. Jahrhunderts als Königliches Ungarn bezeichnet wurde. Pressburg, die heutige slowakische Hauptstadt Bratislava, wurde bis (1784/1848) zur Hauptstadt des Königlichen Ungarns. Nachdem das Osmanische Reich gegen 1700 von den habsburgischen Truppen geschlagen wurde, wurden Tausende Slowaken systematisch in entvölkerten Teilen des gebietsmäßig wiederhergestellten Königreichs Ungarn angesiedelt. Die Slowaken bezeichnen diese Gebiete generell als Dolná zem (das „Untere Land“). Durch diese Umsiedlungen sind die bis heute bestehenden, noch im 19. Jahrhundert sehr beträchtlichen, slowakischen Sprachinseln in den heutigen Ländern Ungarn, Rumänien, Serbien und Kroatien entstanden.

Seit dem 15. (vor allem jedoch 16. Jahrhundert) ist in der Slowakei die Existenz einer Kultursprache (Kulturkoine) schriftlich belegt (in mündlicher Form gab es sie wahrscheinlich bereits im 12. Jahrhundert). Diese hatte drei Varianten: die westslowakische, eine mittelslowakische und eine ostslowakische. Am Ende des 18. Jahrhunderts/Anfang des 19. Jahrhunderts wurde diese Kultursprache durch kodifiziertes Slowakisch ersetzt (siehe dazu slowakische Sprache).

Seit dem 16. Jahrhundert ist in Texten, die von slowakischen Gebildeten geschrieben wurden, der Begriff „natio Slavonica“ (Latein) bzw. „slovenský národ“ (Slowakisch), d. h. „slowakische Nation“, belegt. Dieser wird in Kontexten, die von wachsendem Nationalbewusstsein zeugen, verwendet. So werden die Slowaken vom Magnaten Peter Révay um 1596 in seinem Werk „De monarchia et sacra corona Hungariae“ mit besonderem Stolz beschrieben und Georg Thurzo, der Palatin des Königlichen Ungarns und ein stolzer Slowake, schreibt Anfang des 17. Jahrhunderts in seiner amtlichen Korrespondenz „nostra natio slavica“ (lat.) und übersetzt dies ins Slowakische mit „naša slovenská nácia“ (slow.), das heißt "unsere slowakische Nation". Der bekannte ungarische Dichter Bálint Balassa schrieb im 16. Jahrhundert einen Teil seiner Gedichte auch auf Slowakisch. Anfang des 16. Jahrhunderts bezeichnete ein Teil des ungarischen Adels Johann Zápolya als einen „slowakischen König“ und seine Truppen als „slowakische Büttel“. In der Mitte des 16. Jahrhunderts wird ein Teil des im Königreich Ungarn bedeutendsten Gesetzbuchs Tripartitum ins Slowakische übersetzt.

Um 1600 spitzten sich ethnische Streitigkeiten zwischen Slowaken und Deutschen (nicht nur in den Städten) in der Slowakei derart zu, dass bspw. der Stadtrat von Banská Bystrica unter Androhung mit Todesstrafe den Slowaken verbot, gegen die Deutschen zu rebellieren. Eine ähnliche Situation gab es damals in den Städten Karpfen und Kremnitz. 1608 erschien im Königreich Ungarn das erste Nationalitätengesetz; es garantierte den Deutschen, Magyaren und Slowaken gleiche Rechte in den Städten.

18. bis 21. Jahrhundert[Bearbeiten]

Aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts stammt die älteste erhaltene Übersetzung der gesamten Bibel ins Slowakische (sgn. Kamaldulská Biblia). Vorher wurden tschechische und polnische (bzw. noch früher altkirschenslawische) Übersetzungen verwendet.

Im 18. Jahrhundert begannen die Slowaken – ähnlich wie die Magyaren, Tschechen etc. – sich zu einer modernen Nation zu entwickeln – siehe dazu Nationale Wiedergeburt der Slowaken. Parallel dazu mussten die Slowaken die Bestrebungen der ungarischen Hegemonialmacht, sie zu magyarisieren, bekämpfen – siehe dazu Magyarisierung.

Nach der österreichischen Volkszählung von 1785 lebten auf dem Gebiet der heutigen Slowakei über 2 Millionen Einwohner, davon rund 80 % Slowaken. Der Anteil der Slowakischsprachigen in den insgesamt 11379 Gemeinden im gesamten Königreich Ungarn, einschließlich Kroatien-Slawonien, betrug 24,2 % (magyarisch 32,2 %, kroatisch und „illyro-dalmatinisch“ 20,23 %, rumänisch 9,04 %, deutsch 7,8 %, ruthenisch 6,16 % und 18 Gemeinden serbisch). Spätere (nicht unbedingt miteinander kompatiblen) Volkszählungen in Österreich-Ungarn ergaben für das Königreich Ungarn ohne Kroatien-Slawonien folgende Anteile und Zahlen für die Slowaken und Magyaren:

  • 1850 – Slw.: 14,1 % (1 738 741) ; Mag.: 39 % (4 812 438)
  • 1857 – 12,7 % (1 628 542); 37,9 % (4 858 044)
  • 1880 – 13,5 % (1 855 451); 46,6 % (6 404 070)
  • 1890 – 12,5 % (1 896 665); 48,5 % (7 357 936)
  • 1900 – 11,9 % (2 002 165); 51,4 % (8 651 520)
  • 1910 – 10,7 % (1 946 357); 54,5 % (9 944 627)

Nach der Verlegung der Hauptstadt des Königreichs nach Ofen/Pest (später Budapest), wo im Laufe des 19. Jahrhunderts zahlreiche Zentralisierungs- und Magyarisierungsanstrengungen eingeleitet wurden, wurden die Slowaken im Laufe des Jahrhunderts sukzessive praktisch überwiegend zu einem Bauern- und Arbeitervolk ohne nennenswerte Vertretung im Parlament degradiert. Die Magyarisierungsbestrebungen führten im Königreich Ungarn bis zum Vorabend des Ersten Weltkriegs zu einem überwiegenden Abbau der slowakischsprachigen Schulen. Ohne die spätere Entstehung der Tschechoslowakei nach dem Ersten Weltkrieg wären die Slowaken Anfang des 20. Jahrhunderts zumindest sprachlich gesehen langfristig vom Aussterben bedroht gewesen. Die wirtschaftlich und politisch äußerst ungünstige Situation der Slowaken im Königreich Ungarn führte seit der Mitte des 19. Jahrhunderts bis etwa zur Zwischenkriegszeit zu einer Massenauswanderung in die USA und Kanada, wo bis heute mehrere bedeutende US-amerikanische Persönlichkeiten slowakische Vorfahren haben. Details siehe unter Geschichte der Slowakei.

1918 wurde die Slowakei Bestandteil der Tschechoslowakei. 1939-45 bestand die Erste Slowakische Republik, ein von NS-Deutschland abhängiger Marionettenstaat. 1993 erfolgte die Aufteilung der Tschechoslowakei in Tschechien und die Slowakei. Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg wurden zehntausende Slowaken (neben Tschechen und einigen Magyaren) systematisch im damals durch die Vertreibung der dortigen deutschen Bevölkerung entvölkerten Sudetenland angesiedelt; diese Slowaken wurden inzwischen größtenteils tschechisiert. Außerdem fand nach dem Zweiten Weltkrieg ein teilweiser Bevölkerungsaustausch mit Ungarn statt (etwa 70.000 ungarische Slowaken gegen slowakische Ungarn). Weitere bedeutende Auswanderungswellen fanden nach der Machtübernahme der Kommunisten in der Tschechoslowakei (1948) sowie nach dem Fehlschlagen des Prager Frühlings (1968) statt. In beiden Fällen gingen die Auswanderer in der Regel nach Amerika oder nach Westeuropa. Eine neue – diesmal meist rein wirtschaftlich bedingte – Auswanderungswelle bahnt sich Anfang des 21. Jahrhunderts im Zusammenhang mit der Grenzöffnung nach dem Zusammenbruch des Kommunismus (1989) und insbesondere nach dem EU-Beitritt der Slowakei (2004) an.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Überblicksdarstellungen

  • Hannes Hofbauer, David X. Noack: Slowakei: Der mühsame Weg nach Westen. Promedia Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-85371-349-5.
  • Dušan Kováč: Dejiny Slovenska [= Geschichte der Slowakei]. Nakladatelství Lidové Noviny, Prag 2000, ISBN 80-7106-268-5. [slowakisch]
  • Antoine Marès: Histoire des Tchèques et des Slovaques. Perrin Editions, Paris 2005, ISBN 978-2-262-02323-2. [französisch]
  • Roland Schönfeld: Slowakei: Vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 2000, ISBN 3-7917-1723-5.

Spezialstudien

  • Lubomír E. Havlík: Kronika o Velké Moravě [= Chronik über Großmähren]. 3. Ausgabe, Jota, Brünn 2013, ISBN 978-80-8561-706-1. [tschechisch]
  • Eduard Krekovič: Kto sme a odkedy sme tu? [= Wer sind wir und seit wann sind wir hier?]. In: Eduard Krekovič, Elena Mannová, Eva Krekovičová (Hrsg.): Mýty naše slovenské [= Unsere slowakischen Mythen]. 2. Ausgabe, Premedia Group, Bratislava 2013, ISBN 978-80-8159-026-9. S. 19–23. [slowakisch]
  • Titus Kolník: Sloveni – starí Slovaci – Slováci [= Sloveni – Altslowaken – Slowaken]. In: Richard Marsina, Peter Mulík (Hrsg.): Etnogenéza Slovákov. Kto sme a aké je naše meno [= Ethnogenese der Slowaken. Wer wir sind und wie unser Name lautet]. Matica slovenská, 2011, ISBN 978-80-8128-023-8. S. 24–32. [slowakisch]
  • Matúš Kučera: Postavy veľkomoravskej histórie [= Gestalten der großmährischen Geschichte]. 4. Ausgabe, Perfekt, Bratislava 2013, ISBN 978-80-8046-632-9. [slowakisch]
  • Richard Marsina: Ethnogenesis of Slovaks. In: Human Affairs, 7, 1997, 1, S. 15–23.
  • Richard Marsina: K problematike etnogenézy Slovákov a ich pomenovania [= Zur Problematik der Ethnogenese der Slowaken und ihrer Benennung]. In: Richard Marsina, Peter Mulík (Hrsg.): Etnogenéza Slovákov. Kto sme a aké je naše meno [= Ethnogenese der Slowaken. Wer wir sind und wie unser Name lautet]. Matica slovenská, 2011, ISBN 978-80-8128-023-8. S. 14–23. [slowakisch]
  • Ján Steinhübel: Odkedy môžeme hovoriť o Slovensku a Slovákoch [= Ab wann wir von einer Slowakei und Slowaken sprechen können]. In: Eduard Krekovič, Elena Mannová, Eva Krekovičová (Hrsg.): Mýty naše slovenské [= Unsere slowakischen Mythen]. 2. Ausgabe, Premedia Group, Bratislava 2013, ISBN 978-80-8159-026-9. S. 24–29. [slowaksch]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Slowaken – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Marsina: The Ethnogenesis of Slovaks. S. 22.
  2. Krekovič: Kto sme a odkedy sme tu? S. 22-23; Havlík: Kronika o Velké Moravě. S. 380-382.
  3. Kučera: Postavy veľkomoravskej histórie. S. 67.
  4. Steinhübel: Odkedy môžeme hovoriť o Slovensku a Slovákoch. S. 25.
  5. Volkszählung in USA, 2000 (PDF; 480 kB)
  6. Volkszählung in Ungarn (auf Ungarisch), 2001, Volkszählung in Ungarn (auf Englisch), 2001
  7. Eine Übersicht über die offizielle und geschätzte Anzahl der Slowaken findet sich hier (MS Word; 124 kB).
  8. Bevölkerung nach Konfession, Statistisches Amt der Slowakischen Republik (PDF; 202 kB)
  9. Moslimovia na Slovensku by chceli mať mešitu, hnonline.sk am 11. August 2010, abgerufen am 1. Oktober 2010.
  10. Heinrich Kunstmann: Die Slaven, Ihr Name, ihre Wanderung nach Europa und die Anfänge der russischen Geschichte in historisch-onomastischer Sicht. Steiner, Stuttgart 1996, ISBN 3-515-06816-3, S. 161f.
  11. In deutschen (nicht jedoch in slawischen) Texten ist es heute üblich die zweite Phase der Entwicklung des Urslawischen als Gemeinslawisch zu bezeichnen