Košice

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Košice (Begriffsklärung) aufgeführt.
Košice
Wappen Karte
Wappen von Košice
Košice (Slowakei)
Košice
Košice
Basisdaten
Staat: Slowakei
Kraj: Košický kraj
Okres: Košice
Region: Košice
Fläche: 237,047 km²
Einwohner: 240.688 (31. Dez. 2011)
Bevölkerungsdichte: 1.015,36 Einwohner je km²
Höhe: 210 m n.m.
Postleitzahl: 040 XX
Telefonvorwahl: 0 55
Geographische Lage: 48° 43′ N, 21° 15′ O48.72027777777821.255833333333210Koordinaten: 48° 43′ 13″ N, 21° 15′ 21″ O
Kfz-Kennzeichen: KE, KI
Kód obce: 599981
Struktur
Gemeindeart: Stadt
Gliederung Stadtgebiet: 4 Stadtbezirke mit 22 Stadtteilen
Verwaltung (Stand: November 2010)
Oberbürgermeister: Richard Raši
Adresse: Magistrát mesta Košice
Trieda SNP 48/A
04011 Košice
Webpräsenz: www.kosice.sk
Statistikinformation auf statistics.sk

Košice ([ˈkɔʃɪʦɛ] Aussprache?/i, deutsch Kaschau, ungarisch Kassa, romani Kasha, neulateinisch Cassovia) ist eine Stadt in der Ostslowakei, nahe der Grenze zu Ungarn am Fluss Hornád. Sie hat 240.688 Einwohner (Stand: 31. Dezember 2011) und ist damit die zweitgrößte Stadt des Landes.

Košice ist Zentrum der Ostslowakei, Sitz eines Landschaftsverbands (Košický kraj) und gliedert sich in vier Bezirke (okresy). Die Stadt ist griechisch-katholischer und evangelisch-reformierter Bischofssitz. Seit 1995 befindet sich hier auch der Sitz des römisch-katholischen Erzbistums in der Ostslowakei. Košice ist überdies Universitätsstadt, Sitz des Verfassungsgerichtes und ein Zentrum der slowakischen Minderheit der Roma.

Neben slowakisch-sprachigen Bühnen gibt es dort auch ein Theater in Romani, der Sprache der Roma, und Aufführungen in der Sprache der ungarischen Minderheit.

Zudem besitzt die Stadt eine wichtige Funktion für den Ost-West-Verkehr, der Italien und Österreich mit der Ukraine und Russland verbindet.

Košice und Umgebung auf einem Satellitenfoto

Geographie[Bearbeiten]

Lage[Bearbeiten]

Košice liegt im Kaschauer Kessel (Košická kotlina) am Fluss Hornád, bei den östlichen Ausläufern des Slowakischen Erzgebirge, bei den Gebirgszügen Čierna hora (im Nordwesten) und Volovské vrchy (im Südwesten); an der östlichen Stadtgrenze fließt die Torysa, der Kessel wird im Osten von der Bergformation Slanské vrchy begrenzt. Die Stadt ist durch eine Reihe von Gemeinden mit der drittgrößten Stadt Prešov (36 km nördlich) verbunden und liegt etwa 400 km östlich der Hauptstadt Bratislava. Die Grenzen zu Ungarn, zur Ukraine und zu Polen sind jeweils 20, 80 und 90 km entfernt. Die Stadtfläche erstreckt sich über 242,77 km²; die höchste Stelle befindet sich im Nordwesten auf dem Hügel Vysoký vrch (wörtlich „Hoher Hügel“, 851 m ü. HN), der niedrigste Punkt liegt im Südosten auf 184 m ü. HN. Das Stadtzentrum liegt auf 208 m ü. HN.

Panorama vom Südosten aus; Altstadt mit Elisabeth-Dom rechts

Klima[Bearbeiten]

Košice liegt in der gemäßigten Zone und im Bereich des Kontinentalklimas mit vier ausgeprägten Jahreszeiten. Die Sommer sind in der Regel warm und trocken, die Winter kalt und feucht.

Košice
Klimadiagramm
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Temperatur in °C,  Niederschlag in mm
Quelle: Slovak Hydrometeorological Institute (SHMÚ)
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Košice
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 0,5 3,2 9,3 15 20,3 23,2 25,1 25,1 20,3 14,3 6,2 1,4 Ø 13,7
Min. Temperatur (°C) -5,6 -3,9 -0,4 4,2 8,9 11,8 13,4 13,1 9,2 4,5 -0,2 -3,9 Ø 4,3
Niederschlag (mm) 25 24 26 49 70 86 83 70 53 47 42 33 Σ 608
Regentage (d) 13 11 10 12 14 14 13 11 10 10 13 14 Σ 145
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Geschichte[Bearbeiten]

Kaschau im Jahr 1617

Die Gegend ist alter Siedlungsraum (Jungsteinzeit, Bronzezeit). Im 7. Jahrhundert siedelten Awaren, slawische Funde datieren ab dem 8. Jahrhundert. Im 9. Jahrhundert war die Stadt Bestandteil des Neutraer Fürstentums und danach von Großmähren.

Gegen Ende des 11. Jahrhunderts wurde die Stadt in das Königreich Ungarn eingegliedert. Den Siedlungskern des heutigen Košice bildete eine slawische Siedlung in der heutigen Kováčska-Straße. Parallel zu dieser alten Siedlung, deren genauer Entstehungszeitpunkt unbekannt ist, gründeten deutsche Kolonisten am Anfang des 13. Jahrhunderts in der Nachbarschaft eine Handelssiedlung. Noch im 13. Jahrhundert verschmolzen die beiden Siedlungen und die so entstandene slawisch-deutsche Siedlung erhielt um 1248 als eine der ersten Städte im Königreich ihre ersten Stadtrechte. Kurz zuvor, aus dem Jahre 1230 stammt die erste schriftliche Erwähnung der Stadt (als villa Cassa).[1]

In den nachfolgenden Jahrhunderten war Kaschau eine der bedeutendsten und größten Städte des Königreichs Ungarn. Durch seine Lage an einem Handelsweg nach Polen und verschiedene Privilegien blühte der Handel und die Bedeutung wuchs. Die ersten Zunftregeln sind aus dem Jahr 1307 überliefert. Nach der Niederlage der Familie Aba gegen die Truppen von Karl I. in der Schlacht von Rozhanovce im Jahr 1312 wurden als Entgelt der Stadt mehrere Rechte entlehnt. 1347 wurde Kaschau die zweite königliche freie Stadt im Königreich Ungarn nach der Hauptstadt Buda. 1369 erhielt die Stadt von König Ludwig dem Großen ihr Stadtwappen verliehen. Dabei handelte es sich um die erste landesfürstliche Verleihung eines Wappens an eine juristische Person in Europa. Bis dahin gab es dieses Privileg nur für natürliche Personen.[2] Im 14. und 15. Jahrhundert erreichte die Entfaltung der Stadt ihren Höhepunkt. Im 15. Jahrhundert spielte die Stadt eine wichtige Rolle in der Pentapolitana – einem Städtebund aus fünf Städten in der heutigen Ostslowakei – Košice, Prešov, Bardejov, Sabinov und Levoča. Mitte des 15. Jahrhunderts geriet sie in die Gewalt von Johann Giskra (Jan Jiskra). Sie blieb jedoch auch im 16. und 17. Jahrhundert eines der wichtigsten und größten Zentren.

Kaschau um das Jahr 1900

Im 16. Jahrhundert wurde die Stadt von den Kriegen zwischen Ferdinand I. und Johann Zápolya in Mitleidenschaft gezogen. Im 17. und 18. Jahrhundert war Kaschau Residenz von Franz II. Rákóczi (ungarisch Rákóczi Ferenc, slowakisch František Rákoci). Hier flammten auch die antihabsburgischen Aufstände am heftigsten auf. 1670 ließen die Habsburger eine Festung errichten. In den 1670ern wurde Kaschau einige Male von Kuruzen belagert. 1682 wurde die Stadt von Imre Thököly erobert, der sie 1685 aber wieder verlor. Die Festung wurde im Jahr 1713 zerstört. Im 17. Jahrhundert war Kaschau de facto Hauptstadt Oberungarns, was damals die Bezeichnung für die heutige Ostslowakei und Teile des heutigen Nordostungarns – und damit für die nördliche Hälfte des damaligen Ungarns – war. 1563 bis 1686 war die Stadt Sitz des „Kapitanats Oberungarn“ und 1567 bis 1848 Sitz der Zipser Kammer, einer Zweigstelle der obersten Finanzbehörde in Wien für Oberungarn.

Am Anfang des 18. Jahrhunderts wurden die Osmanen zurückgeschlagen, die Bedeutung der Stadt schwand, da neue Handelswege an der Stadt vorbeiführten. Die reiche mittelalterliche Stadt entwickelte sich in der Folge in eine landwirtschaftlich geprägte Provinzstadt.[3] Die Stadtmauern wurden größtenteils im 18. Jahrhundert abgerissen. 1802 wurde ein Bistum gegründet. Die ersten Fabriken wurden in den 1840er Jahren errichtet. Das Umland der Stadt war Schauplatz mehreren Schlachten im Zuge der Revolutionen von 1848/49. Die ungarische Armee hat die Stadt am 15. Februar 1849 erobert, sie wurde jedoch von russischen Interventionstruppen am 24. Juni 1849 zurückgeschlagen. Die erste Bahnlinie wurde 1860 von Miskolc aus gebaut. Kurz danach folgten die Linien nach Tschop, Prešov und Žilina.

Eine Plattenbausiedlung im Stadtteil Staré Mesto im Jahr 1971

Nach dem Zerfall Österreich-Ungarns fiel Kaschau am 29. Dezember 1918 an die Tschechoslowakei und war im Sommer 1919 kurze Zeit Sitz der „Slowakischen Räterepublik“. Die tschechoslowakische Herrschaft wurde durch den Vertrag von Trianon bestätigt. Nach dem Ersten Wiener Schiedsspruch gehörte Kaschau von 1938–1945 wiederum zu Ungarn. Während der ungarischen Herrschaft im Zweiten Weltkrieg wurde die Stadt am 26. Juni 1941 bombardiert. Daraufhin erklärte die ungarische Regierung den Krieg an die Sowjetunion. 1945 wurde die Stadt von der Roten Armee erobert und fungierte für kurze Zeit als Hauptstadt der Tschechoslowakei. Hier verabschiedete die Regierung am 5. April 1945 das Kaschauer Programm.

Unter der Herrschaft der Kommunistischen Partei, die im Februar 1948 an die Macht gelangte, wurden zahlreiche Plattenbausiedlungen gebaut, infolge der Industrialisierung, insbesondere des Baus des Ostslowakischen Eisenwerks (heute U. S. Steel Košice) wuchs die Stadt schnell und war die fünftgrößte der Tschechoslowakei.

Die Stadt war gemeinsam mit Marseille Kulturhauptstadt Europas 2013.

Name des Ortes[Bearbeiten]

Der deutsche, ungarische und slowakische Name stammt vom Personennamen Koša oder vom slowakischen Wort koša (etwa „Waldlichtung“ oder eher „Rodung“ wie Roth oder Rodenkirchen; abgeleitet vom Verb kosiť „mähen“).

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung[4][5]
Jahr Einwohner Jahr Einwohner
1480 10.000 1930 58.100
1800 6.000 1942 67.000
1820 8.700 1950 60.700
1846 13.700 1961 79.400
1869 21.700 1970 142.200
1890 28.900 1980 202.400
1910 44.200 1991 235.160
1921 52.900 2001 236.091
Andrassy-Haus

Laut der Volkszählung 2011 hatte die Stadt 240.433 Einwohner (Volkszählung 2001: 236.091). Die durchschnittliche Bevölkerungsdichte betrug 1.014,3 Einw./km². Der bevölkerungsreichste der fünf Bezirke ist Košice II mit 82.676 Einwohnern (2001: 79.850), gefolgt von Košice I mit 68.467 (2001: 68.262), Košice IV mit 59.242 (2001: 57.236) und Košice III mit 30.048 (2001: 30.745). Die größte Ethnie sind die Slowaken mit 177.581 Einwohnern (73,86 %, 2001: 210.340), gefolgt von Magyaren mit 6.379 (2,65 %, 2001: 8.940), Roma mit 4.892 (2,03  %, 2001: 5.055), Russinen mit 1.643 (0,68 %, 2001: 1.279) und Tschechen mit 1.293 (0,54 %, 2001: 2.803). Weitere ethnische Gruppen sind Ukrainer (758 Einw., 2001: 1.077 Einw.) und Deutsche (308 Einw., 2001: 398 Einw.). Bei 45.922 Einwohnern (19,10 %, 2001: 4.936) konnte die Ethnie nicht festgestellt werden .[6][7][8]

Im Jahr 2011 waren 108.278 Einwohner (45,03 %, 2001: 137.642) Römisch-Katholiken, 14.732 (6,13 %, 2001: 17.831) Griechisch-Katholiken, 7.418 (3,09 %, 2001: 9.301) Lutheraner, 4.881 (2,03 %, 2001: 6.286) Calvinisten, 2.984 (1,24 %, 2001: 3.412) Orthodoxe, 1.336 Apostolen (2001: 700) und 782 (2001: 1.276) Zeugen Jehovas; 1.196 Einwohner waren anderer, nicht in Statistiken geführten Konfession (2001: 515). 39.909 Einwohner (16,60 %, 2001: 45.683) bezeichneten sich als Atheisten und bei 57.127 Einwohnern (23,76 %, 2001: 11.533) konnte die Religionszugehörigkeit nicht festgestellt werden.[9][10]

Im folgenden werden jeweils nur offizielle (bis 1918 ungarische, dann tschechoslowakische, 2001 slowakische) Volkszählungsergebnisse verwendet.

Eine größere und dauerhafte ungarische Besiedlung erhielt die ursprünglich slowakisch-deutsche Stadt erst am Anfang des 16. Jahrhunderts, als das heutige Ungarn von den Türken besetzt war und zahlreiche Ungarn in den Norden flüchteten. Den Zuzug der ungarischen Bevölkerung förderte auch die vorübergehende Besetzung der Stadt durch Johann Zapolya, der im Zuge der Thronkämpfe die deutsche Bevölkerung, die den Gegenkönig Ferdinand von Habsburg unterstützte, aus der Stadt verjagte und durch eine ungarische Bevölkerung ersetzte. Obwohl der Anteil der ungarischen Bevölkerung in den nachfolgenden Jahrhunderten sukzessive anstieg, lag bis ins frühe 19. Jahrhundert der Anteil der Ungarn unter dem Anteil der Slowaken. Weitere wichtige Volksgruppen waren Deutsche und Juden.

Von 1784 bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts halbierte sich die Zahl der Einwohner von 12.000 auf 6.000. Die klare Mehrheit stellten Slowaken, erst an zweiter Stelle kamen Ungarn. Im Zuge des Zeitalters der Nationalstaaten trat auch im Königreich Ungarn und somit in Košice eine offene Magyarisierung ein. In den Jahren um 1850 zählte Kaschau bereits 13.200 Einwohner, die Bedeutung der Stadt nahm zu und die Anzahl der Slowaken und Ungarn war ungefähr ausgeglichen. Noch in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts jedoch beschrieb der Deutsche Wilhelm Richter nach seiner Erkundungsreise durch das Königreich Ungarn Kaschau als eine Stadt, in der zumeist „Slawen und Deutsche, weniger Magyaren“ lebten.

Nach dem Österreichisch-ungarischen Ausgleich von 1867 wurde die gezielte Magyarisierung intensiviert und innerhalb von 20 Jahren (1880–1900) stieg nach ungarischen Angaben der Anteil der ungarischen Bevölkerung der Stadt von 41 % auf 67 % an, während der Anteil der Deutschen und Slowaken deutlich sank. Somit ist Košice (so wie viele andere Städte der südlichen Slowakei) erst nach 1880 infolge der Magyarisierung zu einer überwiegend ungarischen Stadt geworden.

Nach der Entstehung der Tschechoslowakei 1918 nahm der Anteil der Slowaken sukzessive wieder zu, weil viele Ungarn die Stadt verlassen mussten, ungarische Beamte und Lehrer durch tschechische (später slowakische) ersetzt wurden und viele Slowaken in die nunmehr größte Stadt im gesamten östlichen Teil der Tschechoslowakei zuwanderten. Dieser Prozess wurde nur kurz dadurch aufgehalten, dass Kaschau nach dem Ersten Wiener Schiedsspruch zwischen 1938–1945 noch einmal zu Ungarn gehörte und 1938 noch einmal 30.000 Slowaken und Tschechen die Stadt verlassen mussten. Nach 1945 mussten wiederum mehrere Tausend Ungarn die Stadt verlassen und der Anteil der übrig gebliebenen ungarischen Bevölkerung sank durch Zuzug slowakischer Bevölkerung aus den benachbarten eher armen Gebieten der Slowakei. Bei der letzten Volkszählung im Jahr 2001 gaben nur noch 3,8 % der Bevölkerung an, Ungarn zu sein.

Die Bevölkerungsentwicklung in den letzten 150 Jahren:

1850: ? % Slowaken, 39,71 % Ungarn, ? % Deutsche
1880: 42 % Slowaken, 41 % Ungarn, 17 % Deutsche.
1900: 23 % Slowaken, 67 % Ungarn, 9 % Deutsche
1910: ? % Slowaken, 75,4 % Ungarn, ? % Deutsche
1930: 60,2 % Slowaken/Tschechen, 16,4 % Ungarn, 4,7 % Deutsche, 8,1 % Juden
1950: 95 % Slowaken/Tschechen, ? % Ungarn, ? % Deutsche, 0 % Juden
1970: 95 % Slowaken/Tschechen, 3,9 % Ungarn, ? % Deutsche

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Blick auf den Elisabeth-Dom
Musikbrunnen am Staatstheater

Das Stadtzentrum und die meisten historischen Gebäude sind an oder um der Hauptstraße (Hlavná ulica) gelegen. In der Stadt befindet sich das größte denkmalgeschützte Stadtgebiet der Slowakei.[11] Die Dominante der Stadt ist zweifellos der aus dem 15. Jahrhundert stammende Elisabeth-Dom, die größte Kirche der Slowakei. Die Henkersbastei und Mühlbastei sind die Reste der ehemaligen Stadtbefestigung. Andere historische Sehenswürdigkeiten sind die Michaels-Kirche, der Urban-Turm, das alte Rathaus und das Bischofspalais. Es gibt auch einen Stadtpark zwischen der Hauptstraße und dem Bahnhof und einen Zoo im Stadtteil Kavečany.

Siehe auch:

Kultur[Bearbeiten]

Darstellende Kunst[Bearbeiten]

Das Staatstheater

Es gibt einige Theater in Košice. Das Staatstheater Košice (Štátne divadlo Košice) wurde im Jahr 1945 gegründet, unter dem Namen Ostslowakisches Theater. Er besteht aus drei Ensembles: Drama, Oper und Ballet. Sein stattliches Gebäude in prominenter Lage stammt von 1899 und ist ein Werk des Siebenbürgener Architekten Adolf Láng, der vor allem in Ungarn, aber auch in den Niederlanden tätig war. Andere Theater sind das Marionettentheater (Bábkové divadlo) und das Altstadt-Theater (Staromestské divadlo). Aufgrund der Präsenz der ungarischen Roma-Minderheiten auch das ungarische Thália und das erste professionell betriebene Romatheater (Theater Romathan) haben seinen Sitz hier. Von überregionaler Bedeutung ist auch das Staatliche Philharmonische Orchester Košice (Štátna filharmónia Košice, SFK) mit Sitz im Haus der Künste (Dom umenia), welches sich durch eine herausragende Akustik auszeichnet. Konzertreisen haben das Orchester in viele Länder der Welt geführt, Chefdirigent ist der aus Tschechien stammende Zbyněk Müller.

Museen, Galerien[Bearbeiten]

Das Ostslowakische Museum (Východoslovenské múzeum) ist das älteste Museum der Stadt, das wurde im Jahr 1872 als Oberungarisches Museum (Felsőmagyarországi Múzeum) gegründet. Es umfasst neun Expositionen in der Stadt, einschließlich der Geschichte der Stadt auch dem Denkmal von Franz II. Rákóczi. Das im Jahr 1947 gegründete Slowakische Technische Museum (Slovenské technické múzeum) umfasst ein Planetarium und ist das einzige Museum in der Slowakei, das sich mit der Geschichte der Wissenschaft und Technologie befasst. Luftfahrtmuseum Košice ist auch eine Tochteranstalt des Technischen Museums und präsentiert einen Querschnitt durch die Fluggeschichte. Die Ostslowakische Galerie wurde 1951 als die erste regionale Galerie gegründet und ist auf die Kunst der heutigen Ostslowakei spezialisiert. Vojtech Löffler Museum repräsentiert die Werke des Bildhauers Vojtech Löffler. Mihal gallery ist eine kleinere Galerie die sich in einem Hotel befindet und die in ihrer Sammlung Originalwerke von Andy Warhol besitzt. Im Jahr 2013 wurde der Stadt Košice der Titel Kulturhauptstadt Europas vergeben und bei dieser Gelegenheit, wurden die alten Kaserne zu einem neuen Kulturzentrum umgebaut. Unter dem Namen Kasárne/Kulturpark dient es auch mit der neuen Kunsthalle der Präsentation der Zeitgenössische Kunst.

Sport[Bearbeiten]

Der Košice-Marathon wird seit 1924 mit wenigen Unterbrechungen durchgeführt und ist damit der älteste Marathonlauf Europas und nach dem Boston-Marathon der zweitälteste der Welt. Er wird jährlich am ersten Oktobersonntag durchgeführt.

Der Fußballverein MFK Košice spielt in der höchsten slowakischen Liga, der Corgoň liga. Andere historisch bedeutende Fußballvereine sind 1. FC Košice, der erste slowakische Teilnehmer der UEFA Champions League und Lokomotíva Košice. Der Eishockeyklub HC Košice nimmt an der slowakischen Extraliga teil und ist ein vierfacher slowakischer Meister. Er trägt seine Heimspiele in der Steel Aréna (Kapazität 8.340) aus. Ein anderer Verein in der Stadt ist der Basketballklub Maxima Broker Košice.

Politik und Verwaltung[Bearbeiten]

Die 22 Stadtteile von Košice

Die Stadt ist Sitz einen der acht Landschaftsverbände der Slowakei, den Košický kraj mit etwa 766.000 Einwohnern. Das Verfassungsgericht (Ústavný súd Slovenskej republiky) hat seinen Sitz in Košice und auch eine der Exposituren der Nationalbank der Slowakei hat ihren Platz hier. Außerdem befinden sich hier das Konsulat Ungarns.

Die Struktur der Stadtverwaltung besteht aus dem Oberbürgermeister (primátor), der Stadtvertretung (mestské zastupiteľstvo), dem Stadtrat (mestská rada), den Kommissionen der Stadtvertretung (Komisie mestského zastupiteľstva) und dem Magistrat (Magistrát). Der Oberbürgermeister wird alle vier Jahre für eine vierjährige Amtszeit gewählt. Amtierender Oberbürgermeister ist Richard Raši, der im November 2010 als Kandidat der Linkspartei SMER mit Unterstützung von Most-Híd gewählt wurde.[12]

Die Stadt unterteilt sich in 4 Stadtbezirke mit 22 Stadtteilen:

  1. Košice I mit den Stadtteilen Džungľa, Kavečany, Sever, Sídlisko Ťahanovce, Staré Mesto und Ťahanovce
  2. Košice II mit den Stadtteilen Lorinčík, Luník IX, Myslava, Pereš, Poľov, Sídlisko KVP, Šaca und Západ
  3. Košice III mit den Stadtteilen Dargovských hrdinov und Košická Nová Ves
  4. Košice IV mit den Stadtteilen Barca, Juh, Krásna, Nad jazerom, Šebastovce und Vyšné Opátske

Neben dieser Einteilung wird die Stadt in 29 Katastralgemeinden (katastrálne územia) unterteilt. In dieser Einteilung sind fünf der oben genannten Stadtteile weiter geteilt:[13]

  1. Sever – in Severné Mesto, Kamenné und Čermeľ
  2. Staré Mesto – in Letná, Huštáky und Stredné Mesto
  3. Šaca – in Šaca und Železiarne
  4. Juh – in Skladná und Južné Mesto
  5. Vyšné Opátske – in Vyšné Opátske und Nižná Úvrať

Des Weiteren tragen einige Stadtteile einen anderen Namen als Katastralgemeinde:

  1. Džungľa als Brody
  2. Sídlisko Ťahanovce als Nové Ťahanovce
  3. Luník IX als Luník
  4. Sídlisko KVP als Grunt
  5. Západ als Terasa
  6. Dargovských hrdinov als Furča
  7. Nad jazerom als Jazero

Symbole[Bearbeiten]

Heutiges Wappen mit historischen Varianten

Die Symbole Košices sind das Wappen und die Flagge. Das Wappen ist seit 1369 in Gebrauch, als König Ludwig der Große der Stadt das Recht gewährte, ein eigenes Wappen zu führen. Das erste Wappen zeigte nur rot-weiße Streifen und drei Lilien im Hintergrund. Die heutige Form ist seit 1502 in Gebrauch.

Die Flagge besteht aus zwei gleich breiten, waagerechten Streifen, der obere ist gelb, der untere ist blau, mit dem Wappen in der Mitte.

Partnerstädte[Bearbeiten]

Die Stadt Košice unterhält mit folgenden Städten eine Städtepartnerschaft:

Wirtschaft[Bearbeiten]

Košice ist das wirtschaftliche Zentrum der Ostslowakei. Die Stadt erwirtschaftet rund 9 % des slowakischen Bruttoinlandsprodukts (2005). Der größte Arbeitgeber der Stadt sind die Stahlwerke U. S. Steel Košice mit rund 15.000 Beschäftigten. Weitere wichtige Zweige sind Maschinenbau, Lebensmittelindustrie, Dienstleistungen und Handel.[14]

Bildung[Bearbeiten]

Košice ist nach Bratislava die bedeutendste Universitätsstadt in der Slowakei mit mehreren Hochschulen mit zum Teil internationalem Ruf: die Pavol-Jozef-Šafárik-Universität Košice (7.868 Studenten), die Technische Universität Košice (15.321 Studenten), die Veterinärmedizinische Universität Košice (1.459 Studenten), die Theologische Fakultät der Katholischen Universität Ružomberok, die Fakultät für Betriebswirtschaft der Wirtschaftsuniversität Bratislava sowie die private Hochschule für Sicherheitsmanagement in Košice (2.066 Studenten).

Es gibt 38 öffentliche, sechs private und drei konfessionelle Grundschulen mit insgesamt 20.158 Schülern. Das System der weiterführenden Schulen in der Stadt umfasst 20 Gymnasien mit 7.692 Studenten, 37 spezialisierenden weiterführenden Schulen mit 8.812 Studenten und 27 Berufsschulen mit 6.616 Studenten (Stand 2007).[15]

Verkehr[Bearbeiten]

Straße[Bearbeiten]

Anschlussstelle Prešovská-Sečovská östlich des Stadtzentrums, Knotenpunkt der Straßen 1. Ordnung I/50 und I/68

Košice liegt an der Europastraße 50, die aus Frankreich kommend durch die Ukraine ins russische Machatschkala (Dagestan) führt sowie an der Europastraße 58 von Wien nach Rostow am Don. Ferner endet in Košice die aus Richtung Split/Zagreb/Budapest kommende Europastraße 71. Es gibt eine vierspurige, mehrheitlich als Autostraße ausgeschilderte Transitstrecke von Šaca nach Budimír (Länge etwa 25 km), die als Straßen 1. Ordnung I/50 bzw. I/68 gewidmet ist. Eine direkte Autobahnverbindung Richtung Bratislava und Prag, die Autobahn D1, befindet sich im Bau bzw. ist teilweise fertiggestellt. Es ist geplant, diese über Michalovce bis zum slowakisch-ukrainischen Grenzübergang Vyšné NemeckéUschhorod fortzuführen. Richtung Budapest wurde im November 2013 ein Teilstück der Schnellstraße R4 zum Grenzübergang MilhosťTornyosnémeti eröffnet; es ist geplant, eine Ortsumgehung von Šaca bis Košické Olšany als Teil der Schnellstraße R2 zu errichten.

Eisenbahn[Bearbeiten]

Der Bahnhof Košice ist Endpunkt mehrerer EuroCity-, InterCity- und Expresszugverbindungen. Es bestehen unter anderem Direktverbindungen nach Wien, Bratislava, Prag (teils als Autoreisezug), Budapest, Kiew, Lemberg (Lwiw), Krakau (Kraków) und Cheb. Die Hauptachse sind dabei zweigleisige Bahnstrecken Košice–Žilina und Košice–Tschop.

Nahe Košice, in Haniska, endet die Breitspurstrecke Uschhorod–Košice, eine einspurige Eisenbahnlinie in russischer Breitspur (1520 mm) vom Grenzort Maťovské Vojkovce her. Am 7. Mai 2007 unterzeichneten die russische Eisenbahngesellschaft RŽD und das slowakische Ministerium für Verkehr, Post und Telekommunikation eine Absichtserklärung, die u. a. die Verlängerung dieser Strecke bis Bratislava vorsieht[16].

Flughafen Košice

Flugverkehr[Bearbeiten]

Der internationale Flughafen Košice wurde 2006 privatisiert, wobei der neue Mehrheitseigentümer der Flughafen Wien-Schwechat wurde. Er befindet sich sechs Kilometer südlich der Stadt und bietet einige regionale Linienflüge sowie Charterverbindungen.

Öffentlicher Personennahverkehr[Bearbeiten]

Der ÖPNV wird durch den Dopravný podnik mesta Košice (Verkehrsunternehmen der Stadt Košice, DPMK) betrieben. 1891 wurde die erste Pferdestraßenbahn in Betrieb genommen, 1914 erfolgte die Elektrifizierung. Das heutige Liniennetz besteht aus 40 Omnibuslinien, zwei Oberleitungsbuslinien und 15 Straßenbahnlinien. Den Nachtverkehr übernehmen vier Buslinien.[17]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Michael Okroy: Kaschau war eine europäische Stadt / Košice boli európskym mestom – Ein Reise- und Lesebuch zur jüdischen Kultur und Geschichte in Košice und Prešov / Sprievodca a čítanka židovských dejín v Košiciach und Prešove (übersetzt von Adam Bžoch, herausgegeben im Auftrag der „Begegnungsstätte Alte Synagoge Wuppertal e.V.“). Arco, Wuppertal 2005, ISBN 978-3-938375-01-3 (deutsch/slowakisch).
  • Michael Okroy: Am Beispiel Kaschau, in: Kafka. Zeitschrift für Mitteleuropa. Herausgegeben von Goethe-Institut, München #14, 2004, ISSN 1619-0793 S. 58–66[18]
  • Tobias Weger, Konrad Gündisch: Kaschau/Košice. Eine kleine Stadtgeschichte. Friedrich Pustet, Regensburg 2013. ISBN 978-3-7917-2479-9.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Košice – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Košice – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ein Artikel über die Geschichte der Košice (slowakisch)
  2. Dietrich Blandow, Michael J. Dyrenfurth (Hrsg.): Technology education in school and industry. emerging didactics for human resource development. Verlag Springer, Berlin 1994, ISBN 3-540-58250-9, S. 6.
  3. Geschichte der Stadt Košice auf der offiziellen Seite – 18. Jahrhundert (slowakisch)
  4. Historische demografische Daten – populstat.info
  5. Daten auf statistics.sk
  6. Volkszählung 2011: Bevölkerung nach Ethnie (PDF; 256 kB) – Statistisches Amt der Slowakischen Republik (slowakisch), abgerufen am 17. September 2013
  7. Zusammenfassung Volkszählung 2001 – Statistisches Amt der Slowakischen Republik
  8. Volkszählung 2001: Ständige Wohnbevölkerung nach Ethnie – Statistisches Amt der Slowakischen Republik
  9. Ständige Wohnbevölkerung nach Konfession – Statistisches Amt der Slowakischen Republik
  10. Volkszählung 2011 – Bevölkerung nach Konfession (PDF; 256 kB) – Statistisches Amt der Slowakischen Republik (slowakisch), abgerufen am 17. September 2013
  11. Touristische Informationen zur Košice auf slovakia.travel
  12. VOTE: Bratislava changes its political orientation after two decades, official results confirm, The Slovak Spectator, abgerufen am 29. November 2010
  13. Úrad geodézie, kartografie a katastra SR (Geodäsie-, Kartographie- und Katastralamt der Slowakischen Republik), abgerufen am 30. Mai 2011
  14. UrbanAudit – Košice (englisch)
  15. Základné školy k 15. September 2007 (PDF; 131 kB), Košický kraj Gymnáziá k 15. September 2007 (PDF; 121 kB), Košický kraj Stredné odborné školy k 15. September 2007 (PDF; 143 kB), Košický kraj (PDF; 142 kB), Košický kraj Stredné odborné ucilištia k 30. September 2007 (PDF; 148 kB): Daten von Ústav informácii a prognóz školstva (Institut der Informationen und Prognosen des Schulwesens)
  16. http://www.eng.rzd.ru/news.html?action=view&nav_id=15&ti_id=2414
  17. MHD Košice(siehe unter „Mapy a trasy“ > „Trasy liniek“)
  18. über Košice als zentralen Verschiebebahnhof von Deportationszügen zur Shoah