Staatliches Museum Auschwitz-Birkenau

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Luftaufnahme vom heutigen Museum KZ Auschwitz
In der Nähe des Eingangs zum Konzentrationslager Auschwitz I
1. September 1992: Erster Gedenkdiener im Museum Auschwitz-Birkenau
Wachturm im Konzentrationslager Auschwitz I Stammlager
Block 10 in Auschwitz I
Koffer der in Auschwitz ermordeten Menschen
Überreste des Effektenlagers Kanada in Auschwitz-Birkenau
Auschwitz I - eine Rose zum Gedenken

Das Staatliche Museum Auschwitz-Birkenau (polnisch Państwowe Muzeum Auschwitz-Birkenau, Abk. PMO) ist eine Gedenkstätte auf dem Gebiet der polnischen Stadt Oświęcim in Südpolen und umfasst die Überreste der zwei Konzentrationslager KZ Auschwitz I und KZ Auschwitz-Birkenau (auch KZ Auschwitz II, das eigentliche Vernichtungslager). Erinnert wird an die Morde und die Lager während der deutschen Besetzung Polens im Zweiten Weltkrieg. Das Museum hat verschiedene weitere Aufgaben, so wird zur Schoa/zum Holocaust an den Juden sowie zum Porajmos an den Sinti und Roma in Europa durch die deutschen Nationalsozialisten geforscht.

Allgemein[Bearbeiten]

Das Museum wurde am 2. Juli 1947 auf Beschluss des polnischen Parlaments gegründet. Die Fläche beträgt 191 Hektar, wobei 20 ha zum Konzentrationslagerteil Auschwitz I und 171 ha zu Auschwitz II gehören.

Über 25 Millionen Besucher haben seit der Eröffnung das Museum besichtigt. Seit 1979 gehört das ehemalige Konzentrationslager zur Weltkulturerbe-Liste der UNESCO.

Orte des Gedenkens sind: Auschwitz I (das zunächst ausgebaute Stammlager), Überreste des Vernichtungslagers Birkenau (Auschwitz II), die Bahn-Nebenrampe zwischen den Konzentrationslagern Auschwitz und Birkenau, die in den Jahren 1942–1944 als „Entladestation“ diente. Die drei Kilometer zwischen den ehemaligen Lagern Auschwitz und Birkenau können zu Fuß bewältigt werden, es werden auch (kostenlose) Busfahrten angeboten. Das Museum wurde zunächst in verschiedenen Originalbauten untergebracht.

Das internationale Interesse lässt das ehemalige deutsche Konzentrationslager Auschwitz zum wichtigsten Symbol für den Holocaust werden. So besichtigten es seit Beginn der 1990er Jahre jährlich eine halbe Million Menschen. Die Zahlen der Besucher der erhaltenen Gebäude und der Ausstellungen des staatlichen Museums sind über die Jahre hinweg konstant gestiegen. 2005 stieg die Anzahl von rund 700.000 auf über 900.000 Besuchende. 2006 besichtigten es ungefähr eine Million Menschen. 2007 waren es über 1,2 Millionen, 2008 1,1 Millionen und 2009 zählte das staatliche Museum 1,3 Millionen Besucher. Die große Mehrheit (821.000) stellten dabei Jugendliche dar. Die Aufgliederung der Besucher nach Herkunftsländern: Aus Polen 553.000. Die nächstgroßen Zahlen kommen aus Großbritannien (75.200), Italien (63.900), Israel (62.400), Deutschland (57.900), Frankreich (48.300), Tschechien (43.500), Slowakei (42.900), Norwegen (40.300), USA (39.800), Südkorea (35.400), Schweden (27.100), Spanien (26.700), Ungarn (18.200), Australien (13.500), Niederlande (11.700), Irland (11.000), Belgien (10.000), Japan (8.200), Dänemark (6.600), Kanada (6.600), China (5.600), Singapur (4.800), Österreich (4.400), Slowenien (4.000), Finnland (3.700), Griechenland (3.700), Kroatien (3.400), Rumänien (3.100), Portugal (3.000) und andere Länder (66.100).

Geschichte[Bearbeiten]

Nachdem die Sowjetunion das Lager 1947 an Polen übergab, erklärte das Parlament am 2. Juli 1947 das Gelände zu einem Museum. Gleichzeitig wurde die erste Ausstellung in den Baracken des Stammlagers gezeigt.

Zum siebten Jahrestag des ersten Transports polnischer Gefangener ins KZ Auschwitz wurde die Ausstellung unter der Mithilfe von ehemaligen Häftlingen überarbeitet. Diese wurde aber stark durch die Zeit des Kalten Kriegs beeinflusst, indem neben Bildern von jüdischen Ghettos auch Fotos aus Slums in den USA zu sehen waren. In den 1950er Jahren wurde das Stammlager restauriert.

Nach dem Tod von Stalin wurde 1955 eine neue Ausstellung konzipiert, die in dieser Form noch heute vorhanden ist. 1959 erhielt jedes Land mit Opfern in Auschwitz das Recht eine eigene Ausstellung zu präsentieren. Hingegen wurde Opfergruppen wie Homosexuellen, Zeugen Jehovas oder Roma dieses Recht verwehrt. Dem Staat Israel verweigerte die polnische Regierung 1963 die Erlaubnis für eine eigene Ausstellung mit der Begründung, dass die im Lager Auschwitz ermordeten Juden nicht Staatsbürger Israels waren. Im April 1968 eröffnete die Jüdische Ausstellung nach einem Entwurf von Andrzej Szczypiorski. 10 Jahre später wurde die Jüdische Ausstellung neu gestaltet. Zu einem Eklat kam es 1979, als Papst Johannes Paul II. auf seiner ersten Polenreise in Birkenau eine Messe zelebrierte und das Lager als Golgatha unserer Zeit bezeichnete.

1962 wurde eine Schutzzone um das Museum in Brzezinka/Birkenau und 1977 eine um das Museum in Oświęcim (das ehemalige Auschwitz) festgelegt, um den historischen Zustand des Lagers zu erhalten. Diese Zonen wurden 1999 als Gesetz durch das polnische Parlament bestätigt.

1967 wurde auf dem Gebiet von Auschwitz II zwischen den Krematorien das erste größere Denkmal, das Internationale Mahnmal für die Opfer des Faschismus, eingeweiht. Erst in den 1990er Jahren begann man damit, Informationstafeln aufzustellen. Zu dieser Zeit wurden auch die Gleise der Rampe im Lager erneuert. Der Stacheldraht wird auch ständig ausgetauscht. Die Betonpfosten sind nach dem Ibachverfahren (Acrylharzvolltränkung) dauerhaft konserviert.

Die Nationalausstellungen[Bearbeiten]

Seit 1960 befinden sich im ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz I, dem Stammlager, die so genannten „Nationalausstellungen“. Sie entstanden in Zusammenarbeit des jeweiligen Landes, das während des Zweiten Weltkrieges von den Nationalsozialisten besetzt und dessen Einwohner nach Auschwitz deportiert worden waren, mit dem Museum. Den jüdischen Opfern und (seit 2001) den Sinti und Roma sind jeweils eine eigene Ausstellung gewidmet. Die meisten Ausstellungen wurden im Laufe der Jahre durch neue ersetzt. Dies gilt unter anderen für Belgien, Frankreich, Niederlande, Slowakei, Tschechien und die ehemalige UdSSR. Eine deutsche Ausstellung, die bis zum Fall der Berliner Mauer von der DDR unterhalten wurde, wurde bisher nicht ersetzt.

Die erste Nationalausstellung der früheren UdSSR wurde im Jahre 1961 eröffnet. Sie wurde 1977 und 1985 erneuert. Im Jahre 2003 machten die russischen Organisatoren den Vorschlag, eine völlig neue Ausstellung zu eröffnen. Daraufhin wurde dieser Ausstellungsteil geschlossen. Differenzen über Fragen der territorialen Situation in der UdSSR in den Jahren 1939 – 1941, nach dem Molotow-Ribbentrop-Pakt (den deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt), verzögern die Wiedereröffnung. Dabei geht es um die Staatsangehörigkeit der Bevölkerung in den Territorien der Baltischen Staaten, die östlichen Gebiete des damaligen Polens und einen Teil Rumäniens. Russlands Staatspräsident Putin wurde bei einem Besuch im Konzentrationslager 2005 darüber informiert.

Die 1978 eröffnete Österreich-Ausstellung stellte Österreich nur als Opfer des Nationalsozialismus dar. Diese einseitige Darstellung motivierte den österreichischen Politikwissenschaftler Andreas Maislinger über die deutsche Aktion Sühnezeichen 1980/81 im Museum mitzuarbeiten und den Österreichischen Gedenkdienst zu gründen.[1] Der damalige österreichische Bundespräsident Rudolf Kirchschläger hatte Maislinger zu verstehen gegeben, dass er als junger Österreicher in Auschwitz nichts zu sühnen hätte. Wegen dieser ablehnenden Haltung der Repräsentanten der Republik Österreich konnte der erste Gedenkdiener erst am 1. September 1992 seinen Dienst antreten. Später gestand Kirchschläger Maislinger gegenüber ein, dass der Gedenkdienst "heilsamer geworden ist, als ich mir seinerzeit vorgestellt habe."[2] Im Jahre 2005 wurde im Rahmen der österreichischen Delegation bei der Task Force for International Cooperation on Holocaust Education, Remembrance, and Research (ITF) eine Initiative „Neugestaltung der Österreichischen Gedenkstätte im Staatlichen Museum Auschwitz-Birkenau“gebildet, die sich zur Aufgabe gemacht hat, die österreichische Nationalausstellung grundlegend zu überarbeiten. Am 15. November 2005 wurde die ursprüngliche Eingangsplakette, die Österreich als “erstes Opfer des Nationalsozialismus” darstellte, durch ein neues Banner ersetzt, das darauf hinweist, dass diese Darstellung nicht mehr dem Geschichtsbild des heutigen Österreich entspricht. Die Österreich-Ausstellung wurde im Oktober 2013 geschlossen und soll 2016 neueröffnet werden.

Museumsorganisation[Bearbeiten]

Im Museum sind über 200 Personen in den folgenden Abteilungen als Angestellte tätig: Archiv,[3] Computersektion, Informationsbüro über ehemalige Häftlinge, Sammlungen, Konservatorische Abteilung, Bibliothek, Wissenschaftliche Forschungsabteilung, Sektion für ehemalige Häftlinge, Ausstellungen, Bildung und Erziehung und die für wissenschaftliche Publikationen der Museumsmitarbeiter (Schnittstelle zum Verlag). Besucher und Besuchergruppen kommen also vor allem mit den beiden Abteilungen Ausstellungen bzw. Bildung und Erziehung in Kontakt.

Erhalt des Weltkulturerbes[Bearbeiten]

World Heritage Emblem

Das Museum wurde von der UNESCO unter dem Namen "Auschwitz-Birkenau – deutsches nationalsozialistisches Konzentrations- und Vernichtungslager (1940–1945)" zum Teil des Weltkulturerbes erklärt.[4] Mit der Erweiterung des Namens sollte einer Gleichsetzung des von Deutschen verübten Völkermords mit Polen vorgebeugt werden, weil sich die Lagerteile auf polnischem Gebiet befanden und als Museumsbestandteile heute dort befinden.

Siehe auch den Weblink zum


Der Erhalt des 191 ha großen Gedenkstättengeländes stellt Polen und die Museumsleitung vor große Herausforderungen, zumal sich auf dem Gelände 155 Gebäude und 300 Ruinen befinden, unter ihnen die von der SS vor ihrer Flucht gesprengten Gaskammern und Krematorien. Dazu wurde im Januar 2009 unter Leitung von Prof. Wladyslaw Bartoszewski, dem Auschwitz-Überlebenden und ehemaligen Außenminister Polens, die "Stiftung Auschwitz-Birkenau" begründet. Sie hat es sich zum Ziel gesetzt bei Regierungen Spenden zum Erhalt von Auschwitz-Birkenau in Höhe von 120 Millionen Euro einzuwerben, um so aus dem dann erwarteten jährlichen Zinsertrag von circa 4-5 Millionen Euro die notwendigen Erhaltungs- und Restaurierungsarbeiten systematisch und langfristig planen und durchführen zu können. Neben der deutschen Regierung, die sich mit 60 Millionen Euro an der Stiftung beteiligt, haben die USA, Frankreich, Kanada, die Niederlande und Israel neben anderen Ländern ihre Beteiligung an dieser Stiftung zugesagt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Danuta Czech: Kalendarium der Ereignisse im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau 1939–1945. Rowohlt, Hamburg 1989. ISBN 3-498-00884-6
  • Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma: Der nationalsozialistische Völkermord an den Sinti und Roma. Katalog zur ständigen Ausstellung im Block 13. Heidelberg, 2001.
  • Franciszek Piper: Die Zahl der Opfer von Auschwitz aufgrund der Quellen und der Erträge der Forschung 1945 bis 1990. Verlag Staatliches Museum in Oświęcim 1993, ISBN 83-85047-17-4.
  • Jonathan Huener: Auschwitz, Poland, and the Politics of Commemoration, 1945-1979. Ohio University Press, Athen 2003, ISBN 0-8214-1507-7.
  • Verlag Staatliches Museum in Oświęcim: An information and guidebook to the Museum exhibitions. Arranged according to the accepted visitors‘ route through the main exhibition (blocks 4, 5, 6, 7, 11) and specific objects (the crematorium, gas chamber, and gallows). (engl.; Kurzer Führer durch das Museum)
  • Verlag Staatliches Museum in Oświęcim: Protecting For the Future. An International Preservation Conference in Oświęcim, June 23-25, 2003. 2004, ISBN 83-88526-55-3 (engl. Wissensch. Konferenz um Erhalt und Präsentation der Museen in Oswiecim)

| Link zur Literaturliste zum KZ A.II-BirkenauLink zur Literaturliste zum KZ Auschwitz-I (Stammlager)Zur Literaturliste zum KZ A. III-Monowitz |

Film[Bearbeiten]

  • Emil Weiss: Auschwitz, premiers témoignages. Trilogie 'Hourban'. Filmdokumentation , Frankreich, 2009, Erstsendung der deutschen Fassung in der BRD bei Arte, 26. Januar 2011 (Gesprochen werden die Niederschriften von Marc Klein über Auschwitz I und Rajsko, Suzanne Birnbaum und Robert Levy über Auschwitz II Birkenau und Robert Waitz über Auschwitz III Monowitz. Die Gegenwartsbilder aus dem Museumsgebiet werden zum Teil kontrastiert mit historischen Schwarz-/Weißfotografien vom selben Ort aus der Nachkriegszeit.)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bilder aus dem Museum Deutsches KZ Auschwitz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Andreas Maislinger, Gedenkdienstpflicht. Jüdische Rundschau 13. Februar 1992.
  2. Pressearchiv Auslandsdienst.at
  3. offizielle Abkürzung APMO, Archiwum Państwowe Muzeum Auschwitz-Birkenau; hier lagern u. a. die Texte der Verhöre, die Jan Sehn 1947 in Deutsch mit Rudolf Höß geführt hatte und die bisher nur in Ausschnitten erschienen sind (wohl aber in Polnisch). Eine Übersicht (kein Inhalt!) dieser Verhöre bei Manfred Deselaers, Gewissensbisse, Lpz. 1997, S. 27–31
  4. Vgl. DPA-Meldung vom 27. Juni 2007. Eingetragen seit 1979 in die Liste des Weltkultur- und Naturerbes der Menschheit.
  5. mehrsprachig. Dort gibt es auch Informationen zum Bildungszentrum und dem Internationalen Auschwitz Komitee

50.03583333333319.178333333333Koordinaten: 50° 2′ 9″ N, 19° 10′ 42″ O