Rudolf Kirchschläger

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Rudolf Kirchschläger

Rudolf Kirchschläger (* 20. März 1915 in Niederkappel, Oberösterreich; † 30. März 2000 in Wien) war ein österreichischer Richter, Diplomat, Außenminister und von 1974 bis 1986 österreichischer Bundespräsident.

Ausbildung und Karriere[Bearbeiten]

Kirchschläger wurde mit 11 Jahren Waise (sein Vater Johann Kirchschläger (1865-1926), früher Stiftsorganist in Wilhering, später Organist in Losenstein, Pottendorf, Leoben und Kronstorf, arbeitete als Waagmeister in der Papierfabrik Obermühl) und absolvierte das Bundesaufbaugymnasium Horn (Matura mit Auszeichnung; sehr gut in allen Fächern), wo er der Mittelschul-Verbindung K.Ö.St.V. Waldmark Horn im MKV angehörte. Er wurde bereits im Herbst 1939 zur Wehrmacht eingezogen und war in der Frühphase des Zweiten Weltkrieges als Soldat an der Front.

Legendär ist die Art, in der er das Studium der Rechtswissenschaften mit der Promotion zum Dr. jur. Ende 1940 abschloss. Bereits nach der Matura 1935 hatte Kirchschläger in Wien mit dem Studium begonnen, das er nur mit Hilfe eines Stipendiums und diverser Nebenjobs finanzieren konnte. Kirchschläger war Mitglied der Vaterländischen Front, eine Mitgliedschaft in der NSDAP lehnte er nach der Machtübernahme der Nazis ab. Nach dem Anschluss Österreichs an Deutschland musste er als Nicht-NSDAP-Mitglied das Studium deshalb abbrechen und wurde Bankangestellter. Dennoch erhielt er einen zweimonatigen Fronturlaub Ende 1939, um sich auf das Assessorexamen vorzubereiten. Da ein Examen gemäß österreichischer Studienordnung nur noch bis zum Ende desselben Jahres möglich war, war Eile geboten. Nach eigenen Aussagen schlief er in dieser Zeit nur zwei Stunden täglich, ernährte sich ausschließlich von leichter Kost und tauchte seine Füße in Essigwasser, um wach zu bleiben.[1] Der Erfolg blieb nicht aus: In einem der Rigorosa erhielt er sogar eine Auszeichnung.

Gegen Kriegsende und nach zwei schweren Verwundungen war Kirchschläger als Hauptmann Lehroffizier für Taktik an der damaligen Kriegsschule (heute wieder: Theresianische Militärakademie) in Wiener Neustadt. Als Kommandant führte er am 1. April 1945 bei Erlach eine gegen die heranrückende sowjetischen Truppen eingesetzte Fahnenjunker-Einheit, versprengte SS-Soldaten sowie Angehörige der Hitlerjugend und des Volkssturmes. Die Zeitschrift Profil berichtete in ihrer Ausgabe vom 21. April 2005, dass dabei innerhalb weniger Stunden 200 Kadetten und Soldaten getötet und mehrere hundert verwundet wurden; er selbst erlitt dabei eine schwere Beinverletzung.

Kirchschläger heiratete 1940. Mit seiner Frau Herma (* 1916; † 2009) hatte er zwei Kinder: Tochter Christa (* 1944) sowie Sohn Walter Kirchschläger (* 1947), Gründungsrektor der Universität Luzern.

1947 bis 1954 war er Richter an den Bezirksgerichten Horn und Langenlois sowie in Wien. Ab 1954 war er als Rechtsexperte im Außenministerium wesentlich an den Vorarbeiten und dem Zustandekommen von Staatsvertrag und Neutralitätsgesetz beteiligt. Von 1967 bis 1970 war er Leiter der österreichischen Gesandtschaft in Prag. In seine Amtszeit fiel der „Prager Frühling“, während dessen er sich über die Weisungen seines Vorgesetzten, des Außenministers Kurt Waldheim, hinwegsetzte und an alle Ausreisewilligen Visa erteilte.

1970 wurde er als Parteiloser zum Außenminister des SPÖ-Minderheitskabinetts unter Bundeskanzler Bruno Kreisky ernannt. Auch dem zweiten Kabinett Kreisky, das mit einer absoluten Mehrheit ausgestattet war, gehörte er bis zu seiner Wahl zum Bundespräsidenten 1974 an.

Bundespräsidentschaft[Bearbeiten]

Wahl 1974[Bearbeiten]

Bundespräsident Kirchschläger in Begleitung hochrangiger Offiziere und des Salzburger Landeshauptmanns Wilfried Haslauer sen. (rechts) beim Abschreiten einer Ehrenkompanie. Residenzplatz, Salzburg.

1974 mehrten sich nach dem Tod von Bundespräsident Franz Jonas bei der SPÖ zunächst die Stimmen, der populäre Bundeskanzler Bruno Kreisky solle selbst für dieses Amt kandidieren. Kreisky lehnte jedoch ab, weil ihm die Kompetenzen des Bundespräsidenten nicht ausgedehnt genug erschienen. Da die SPÖ bei früheren Bundespräsidentenwahlen immer mit dem Argument des Machtausgleichs mit der ÖVP argumentiert hatte (unter dem Stichwort „roter Präsident – schwarzer Kanzler“), kam diesmal bei der nunmehr ja selbst den Kanzler stellenden SPÖ schon aus wahltaktischen Gründen nur ein Nicht-SPÖ-Parteimitglied in Frage. Der parteilose, praktizierende Katholik Kirchschläger wurde als idealer Kandidat angesehen.

Dass Kirchschläger in der Wahl gegen den von der ÖVP unterstützten Innsbrucker Bürgermeister Alois Lugger mit 51,7 % obsiegte, hatte seinen Grund allerdings nicht nur in der allseits anerkannten Persönlichkeit des Außenministers, sondern auch in der Uneinigkeit der ÖVP: Lugger selbst war in der ÖVP erst nach einem parteiinternen Putsch in letzter Minute gegen den von der Parteiführung bereits als Kandidat aufgestellten ehemaligen Generalsekretär Hermann Withalm installiert worden.

Wahl 1980[Bearbeiten]

Aufgrund seiner enormen Popularität gestaltete sich seine Wiederwahl 1980 zum Triumph: Kirchschläger wurde als nunmehr gemeinsamer Kandidat von SPÖ und ÖVP mit dem bis heute unerreichten Rekordergebnis von 79,9 % der abgegebenen gültigen Stimmen (Wahlbeteiligung: 91,6 %, davon gültige Stimmen: 92,7 %) – und damit sogar mehr als zwei Drittel aller Wahlberechtigten (exakt: 67,8 %) – gegen den von der FPÖ unterstützten Diplomaten Willfried Gredler sowie den Rechtsextremisten Norbert Burger wiedergewählt.

Amtsausübung[Bearbeiten]

Kirchschläger war, vor allem wegen seines bescheidenen Auftretens und der Volksnähe, der österreichische Bundespräsident mit bislang unangetasteter Autorität. Zum geflügelten Wort wurde sein Ausspruch über das „Trockenlegen der Sümpfe und sauren Wiesen“ (bei der Eröffnung der Welser Messe im August 1980 anlässlich des aktuellen AKH-Skandals geäußert). Vor der Popularisierung des Naturschutzes wurde dieses Bild durchwegs positiv empfunden.

Auszeichnungen und Ehrungen (Auszug)[Bearbeiten]

Würdigung[Bearbeiten]

Gedenktafel am Wohnhaus von Rudolf Kirchschläger

Anlässlich seines 65. Geburtstages im Jahr 1980 legte die österreichische Post eine Sonderbriefmarke auf.[5]

Im Jahr 2008 wurde in Wien-Neuwaldegg nach ihm der Rudolf-Kirchschläger-Platz benannt. An seiner Sommerfrische-Villa in Rosenburg am Kamp erinnert eine Gedenktafel an den Ehrenbürger der Gemeinde Rosenburg-Mold.

Schriften[Bearbeiten]

  • Der Friede beginnt im eigenen Haus. Gedanken über Österreich. Molden, 1980. ISBN 3-217-01070-1.
  • Ethik und Außenpolitik, in: Hans Köchler (Hrsg.), Philosophie und Politik. Dokumentation eines interdisziplinären Seminars. Innsbruck: Arbeitsgemeinschaft für Wissenschaft und Politik, 1973, S. 69–74.
  • Leben und Lesen, Gedanken eines österreichischen Pensionisten. Verlag Kremayr & Scheriau, Wien 1986.
  • Immer den Menschen zugewandt. Reden von Bundespräsident Dr. Rudolf Kirchschläger aus den letzten 25 Jahren. Verlag Österreich, Wien 2000. ISBN 3-7046-1495-5.
  • Meine Schulzeit an der Horner Aufbauschule. In: Erich Rabl, Anton Pontesegger: Erinnerungen an Horn. Horn (Museumsverein in Horn) 2001, S. 147–154. ISBN 3-902168-00-5.

Literatur[Bearbeiten]

  • Borys Jaminskyj (Autor), Karl Schleinzer (Herausgeber), Bruno Kreisky (Herausgeber), Hannes Androsch (Herausgeber), Rudolf Sallinger (Herausgeber), Friedrich Peter (Herausgeber), Anton Benya (Herausgeber): Der Weg in die Hofburg – Dr. Rudolf Kirchschläger. Astor, Wien (1975). ISBN 3-900277-00-1
  • Alois Mock, Herbert Schambeck (Hrsg.): Verantwortung in unserer Zeit. Festschrift für Rudolf Kirchschläger. Österreichische Staatsdruckerei, 1990.
  • Erich Rabl: Rudolf Kirchschläger (1915-2000), Jurist, Diplomat, Außenminister und Bundespräsident. In: Harald Hitz, Franz Pötscher, Erich Rabl, Thomas Winkelbauer (Hg.): Waldviertler Biographien, Bd. 3, Horn (Waldviertler Heimatbund) 2010, S. 399–428. ISBN 3-900708-26-6
  • Marco Schenz: Bundespräsident Rudolf Kirchschläger. Böhlau-Verlag, Wien 1984.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Schenz, Bundespräsident Rudolf Kirchschläger, S. 31f.
  2. Jean Schoos: Die Orden und Ehrenzeichen des Großherzogtums Luxemburg und des ehemaligen Herzogtums Nassau in Vergangenheit und Gegenwart. Verlag der Sankt-Paulus Druckerei AG. Luxemburg 1990. ISBN 2-87963-048-7. S. 344.
  3. AAS 82 (1990), n. 12, p. 1463.
  4. AAS 93 (2001), n. 8, p. 563.
  5. Eintrag zu Rudolf Kirchschläger in: Austria-Forum, dem österreichischen Wissensnetz – online  (als Briefmarkendarstellung)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rudolf Kirchschläger – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien