Stern (Heraldik)

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Facettierter Stern im Wappen

Der Stern ist als gemeine Figur im Wappenwesen (Heraldik) verbreitet.

Varianten[Bearbeiten]

Der Stern wird allein stehend im Wappenschild oder einem Wappenfeld abgebildet oder als stark vereinfachtes Sternbild (Kreuz des Südens) verwendet. In der Regel werden Sterne in der 2-1 oder 1-2-1 Stellung gezeigt, das heißt über einem Stern sind noch zwei symmetrisch angeordnet. Die letztere Stellung ergibt eine Raute und wird auch als solche blasoniert. Die Zahl der Strahlen reicht von vier bis acht.[1] Sterne können, wie viele andere Figuren, pfahlweise oder (schräg)balkenweise gestellt sein. Fünf- oder siebenstrahlige Sternen mit einer Spitze nach unten, werden als gestürzt blasoniert. Ein gesenkter Stern ist sechsstrahlig und hat zwei nach oben zeigende Strahlen, die länger sind als alle anderen.[2] Die Facettenausführung der Strahlen ist beliebt, da diese mehrfarbig tingiert werden können. Berühren die Spitzen des Sterns den Wappenrand, so wird aus der gemeinen Figur eine Schildteilung besonderer Art. Hierzu ist ein vierstrahliger Stern notwendig. Diese Teilung wird Sternkreuz genannt, ist aber kein Kreuz im eigentlichen Sinn. Eine Besonderheit ist der Schweifstern oder Komet. Hier ist die Richtung des Schweifes von Bedeutung: Zeigt der Schweif nach unten, ist es ein steigender, andernfalls ein fallender Komet.

Symbolik und Beispiele[Bearbeiten]

Im Sternenbanner der amerikanischen Flagge ist der Stern Symbol für die Anzahl der Einzelstaaten. Auch in anderen Staatswappen und Fahnen sind Sterne beliebt, wie im Wappen der Komoren. Oder nach der Verleihung durch die Königin der Niederlande 1964 sind sechs blaue Sterne in Gold Zeichen der Niederländischen Antillen. 1975 nahm die Republik Benin Sterne im Wappen auf. Im Wappen von Singapur symbolisieren fünf Sterne Frieden, Fortschritt, Recht und Gleichheit.[3] Im Wappen Italiens steht der Stern für die Stella d'Italia, dem Staatssymbol Italiens.

Viele sowjetische Städte haben einen goldenen Stern im Wappen. Dieser ist nach dem 2. Weltkrieg für Heldenstädte verliehen worden. Es sind Moskau, Leningrad, Kiew, Wolgograd, Odessa, Kertsch, Noworossijsk, Minsk, Tula, Woronesh, Murmansk, Festung Brest (Angaben chronologisch).

Der Davidstern gehört zu den wenigen Sternen mit einem festen Namen. Er ist ein sechszackiger Stern und wird auch Hexalpha genannt. Er besteht aus der Überlagerung eines aufrechten und eines gestürzten gleichseitigen Dreiecks, im Original ineineinander verflochten. Der Stern ist in Wappen und Fahne des Staates Israel dargestellt. Ein weiter sechsstrahliger Stern ist der Marienstern. Im Wappen von Hamburg ist er zweimal vertreten. Dort entspricht er einem gefüllten Davidstern, er wird aber auch als dreibalkiges Kreuz ähnlich dem Stern des Lebens ohne weitere Symbole dargestellt.[4]

Galerie sechsstrahliger Sterne[Bearbeiten]

Achtstrahliger Stern[Bearbeiten]

Als achtstrahliger Stern wird der Stern in Mitteleuropa seit dem 12. Jahrhundert nachweislich als Wappenfigur verwendet. Hierbei dient er oft als redendes Wappen für Familien und Gemeinden mit den Namensbezug Sternberg. Im Wappen ist in einigen Fällen der Stern über einen Dreiberg im Schild. Der Stern kann einfach sein oder er ist geschliffen, das heißt, eine dünne Linie in jedem Strahl mittig, verläuft zum Mittelpunkt der Figur. Diese Besonderheit ist in der Wappenbeschreibung zu erwähnen.

Der achtstrahlige Stern tritt gehäuft in englischen, französische und italienischen Wappen auf.[3] Die Heraldik dieser Länder kennen Sterne von fünf bis acht Strahlen. In der deutschen Heraldik sind die sechsstrahligen Sterne verbreitet.

Achtstrahlig ist der Stern in Wappen des böhmischen Uradels von Sternberg oder in denen der Dynastien Schwalenbergers. Im Wappen von Waldeck und Bad Wildungen (in Letzterem allerdings gestaucht) ist er auch vertreten. Die Grafen Sternberg (Gebiete südlich der Weser im heutigen Lippe), Waldeck und Schwalenberg stammten alle in direkter Linie von Widekind I. ab.

Diese Form des Stern, umgangssprachlich als Sternberger Stern bezeichnet, ist auch in die Kreiswappen der ehemaligen Altkreise Lemgo und Detmold übernommen worden, allerdings dort in vereinfachter, breiter Form ausgeführt. Ebenso ist er im Gemeindewappen von Extertal (Teilgebiet der ehemaligen Grafschaft Sternberg) in breiter Form noch vorhanden. Sogar im Wappen der Stadt Bad Salzuflen kommt er noch als ursprünglicher Sternberger Stern vor.[7] Zitat aus dieser Bad Salzufler Broschüre: Ein Ratssiegel lässt sich seit 1375 belegen. Das Siegelbild zeigt das auch heute noch verwendete Grundmotiv des städtischen Wappens, den SALZBRUNNEN UND DEN STERNBERGER STERN.

Im Wappen von Perleberg ist der Stern mit einer Perle und diese von einer Perlenschnur umgeben. Zwischen den Strahlen begleiten acht silberne Perlen den Stern. Das Wappen ist redend. Die Perleberger nennen das Wappenbild Perleberger Stern. Im Wappen ist er seit etwa 1300.[8]

Geometrisch gesehen, ist er rotationsinvariant unter Drehung eines Achtelkreises um seinen Mittelpunkt und der Innenwinkel jedes Sternzackens beträgt 360/16 ° = 22,5 °. In der vereinfachten Zackenform ist dieser Winkel auf 45 ° verdoppelt, so dass die Zackenkanten auf gegenüberliegende Sternspitzen zeigen. Historisch sind allerdings auch Zacken mit willkürlichem Winkel dazwischen konstruiert worden und sogar überspitze Sternzacken (Winkel kleiner als 1/16 des Vollkreises).

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. heraldik.se (schwedisch): Dags att bli bildad: Allmänna bilder (Zeit, sich zu bilden: Verschiedene Wappenbilder) abgerufen am 14. Juni 2014
  2. Oskar Mothes: Illustriertes Bau-Lexikon. Heft 15. Otto Spamer, Leipzig 1864, S. 138.
  3. a b Gert Oswald: Lexikon der Heraldik. Bibliographisches Institut, Leipzig 1984, S. 382.
  4. Kloster St. Marienstern
  5. Bischof Barthélémi Chuet (Schweiz)
  6. Wappen und Hausmarken
  7. www.staatsbad-salzuflen.de
  8. Heinz Machatscheck: Unerhaltsame Wappenkunde. Verlag Neues Leben, Berlin 1981, S. 187.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Stern in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien