Sternberg

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Sternberg (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Sternberg
Sternberg
Deutschlandkarte, Position der Stadt Sternberg hervorgehoben
53.71168211.82931140Koordinaten: 53° 43′ N, 11° 50′ O
Basisdaten
Bundesland: Mecklenburg-Vorpommern
Landkreis: Ludwigslust-Parchim
Amt: Sternberger Seenlandschaft
Höhe: 40 m ü. NHN
Fläche: 67,67 km²
Einwohner: 4324 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 64 Einwohner je km²
Postleitzahl: 19406
Vorwahl: 03847
Kfz-Kennzeichen: LUP, HGN, LBZ, LWL, PCH, STB
Gemeindeschlüssel: 13 0 76 128
Stadtgliederung: 9 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Am Markt 1
19406 Sternberg
Webpräsenz: www.stadt-sternberg.de/
Bürgermeister: Jochen Quandt
Lage der Stadt Sternberg im Landkreis Ludwigslust-Parchim
Brandenburg Niedersachsen Schleswig-Holstein Schwerin Landkreis Mecklenburgische Seenplatte Landkreis Rostock Landkreis Nordwestmecklenburg Banzkow Plate Plate Sukow Bengerstorf Besitz (Mecklenburg) Brahlstorf Dersenow Gresse Greven (Mecklenburg) Neu Gülze Nostorf Schwanheide Teldau Tessin b. Boizenburg Barnin Bülow (bei Crivitz) Crivitz Crivitz Demen Friedrichsruhe Tramm (Mecklenburg) Zapel Dömitz Grebs-Niendorf Karenz (Mecklenburg) Malk Göhren Malliß Neu Kaliß Vielank Gallin-Kuppentin Gischow Granzin Obere Warnow Gehlsbach (Gemeinde) Kreien Kritzow Lübz Lübz Marnitz Passow (Mecklenburg) Siggelkow Suckow Tessenow Gehlsbach (Gemeinde) Werder (bei Lübz) Goldberg (Mecklenburg) Dobbertin Goldberg (Mecklenburg) Mestlin Neu Poserin Techentin Goldberg (Mecklenburg) Balow Brunow Dambeck Eldena Gorlosen Grabow (Elde) Karstädt (Mecklenburg) Kremmin Milow (bei Grabow) Möllenbeck (Landkreis Ludwigslust-Parchim) Muchow Prislich Steesow Zierzow Alt Zachun Bandenitz Belsch Bobzin Bresegard bei Picher Gammelin Groß Krams Hoort Hülseburg Kirch Jesar Kuhstorf Moraas Pätow-Steegen Picher Pritzier Redefin Setzin Strohkirchen Toddin Warlitz Alt Krenzlin Bresegard bei Eldena Göhlen Groß Laasch Leussow Lübesse Lüblow Rastow Sülstorf Uelitz Warlow Wöbbelin Blievenstorf Brenz (Mecklenburg) Neustadt-Glewe Neustadt-Glewe Cambs Dobin am See Gneven Pinnow (bei Schwerin) Langen Brütz Leezen (Mecklenburg) Pinnow (bei Schwerin) Raben Steinfeld Domsühl Domsühl Obere Warnow Groß Godems Zölkow Karrenzin Lewitzrand Rom (Mecklenburg) Spornitz Stolpe (Mecklenburg) Ziegendorf Zölkow Barkhagen Ganzlin Ganzlin Ganzlin Plau am See Blankenberg (Mecklenburg) Borkow Brüel Dabel Hohen Pritz Kobrow Kuhlen-Wendorf Langen Jarchow Mustin (Mecklenburg) Sternberg Sternberg Weitendorf (bei Brüel) Witzin Zahrensdorf Zahrensdorf Dümmer (Gemeinde) Holthusen Klein Rogahn Klein Rogahn Pampow Schossin Stralendorf Warsow Wittenförden Zülow Wittenburg Wittenburg Wittenburg Wittendörp Gallin Kogel Lüttow-Valluhn Vellahn Zarrentin am Schaalsee Boizenburg/Elbe Ludwigslust Lübtheen Parchim Parchim Parchim HagenowKarte
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Sternberg ist eine Kleinstadt im Landkreis Ludwigslust-Parchim in Mecklenburg-Vorpommern (Deutschland). Die Stadt ist Verwaltungssitz des Amtes Sternberger Seenlandschaft.

Geografie[Bearbeiten]

Umliegende Städte sind Warin, Brüel, Bützow, Wismar, Güstrow und Schwerin. Die Stadt liegt im Naturpark Sternberger Seenland, inmitten der gleichnamigen Seenplatte eines hügeligen Endmoränenzuges am Großen Sternberger See, der von der Mildenitz durchflossen wird. Die größten Seen der seenreichen Umgebung sind der Große Sternberger See, der Trenntsee, der Groß Radener See, der Luckower See, der Wustrowsee und der Obere See. Die Anhöhen erreichen mit dem Wahrsberg im Süden 66,6 m ü. NHN.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Zu Sternberg gehören die Ortsteile Gägelow, Groß Görnow, Groß Raden, Klein Görnow, Neu Pastin, Pastin, Sagsdorf, Sternberger Burg und Zülow.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Name[Bearbeiten]

Der Name der Stadt soll auf eine slawische Burganlage zurückgehen. Die Sterne (mittelniederdeutsch: sterne; altslawisch: sterro) sollten Burg und Stadt Glück bringen. Aus Sterneberg (1256) wurde Sterneberghe (1265), Sterneberch (1409) und Sterneberghe (1409). Das älteste Stadtsiegel zeigt einen halben Stern.

Großsteingräber[Bearbeiten]

Im Gemeindegebiet liegen z. B. die Anlagen Großsteingrab von Klein Görnow und Großsteingrab Dabel 2.

Mittelalter[Bearbeiten]

Sternberger Stadtmauer mit Mühlentor

In der Nähe der heutigen Siedlung befand sich eine alte slawische Burganlage. In der Nähe dieser Burg wurde um 1230 bis 1250 der Ort planmäßig mit einem rasterartigen Straßennetz in einem leicht elliptischen Grundriss angelegt. Im Jahr 1248 verlieh Fürst Pribislaw I. von der Linie Parchim-Richenberg der Siedlung Sternberg das Stadtrecht. 1260 wird es als oppidum erwähnt. Im Jahr 1256 kam Sternberg zum Fürstentum Mecklenburg. 1288 wurde das Heilig-Geist-Hospital erwähnt, welches 1659 abbrannte. Um 1300 wurde mit dem Bau der frühgotischen Kirche begonnen. Zur Jahreswende 1308/1309 ereignete sich ein großer Stadtbrand. 1322 wurde die Kirche durch den Turm ergänzt. 1310 wurde Sternberg zur Lieblingsresidenz des Fürsten Heinrich II. (des Löwen) von Mecklenburg. Dieser starb im Jahr 1329 in seiner Sternberger Residenz, wurde jedoch im Doberaner Münster beigesetzt. Die Stadt hatte während seiner Regierung ihre Blütezeit. Seine Frau, die Fürstin Agnes, die Sternberg als Wittum erhielt und sich Herrin von Sternberg nannte, wurde 1345 in der Sternberger Kirche beigesetzt. Im Jahr 1350 verpfändete Albrecht II. einem Nicolaus Kardorf und dessen Kindern die Vogtei über Stadt und Land Sternberg. 1352 teilten die Söhne Heinrich des Löwen das Land; Sternberg kam zu Mecklenburg-Stargard und war zeitweise Residenz von Herzog Johann I. 1366 wurde Sternberg nach einem Friedensschluss „Landfriedensort“. Um 1392 teilten Johannes’ Söhne nochmals das Stargarder Herzogtum, und Johann II. (Herr von Sternberg) wählte Sternberg zur Residenz der Länder Sternberg und Fürstenberg. Die Vogtei Sternberg mit dem Fürstenhof wurde 1425 an die Familie von Plessen verpfändet. 1450 grassierte die Pest im Ort. 1468 belagerte Herzog Heinrich IV. der Dicke die Stadt, die Stadt aber siegte. 1471 fiel die Stadt dann nach dem Tod des letzten Stargarder Herzogs doch an den Schweriner Herzog Heinrich den Dicken.

Judenpogrom und Wohlstand[Bearbeiten]

Feuertod der Juden (Schedelsche Weltchronik von 1493)

Am 24. Oktober 1492 wurden nach einem öffentlich geführten Prozess 27 Juden aus ganz Mecklenburg, denen man Hostienfrevel unterstellt hatte, vor den Toren der Stadt verbrannt. Die übrigen 247 wurden des Landes verwiesen. Der Hügel, auf dem der Scheiterhaufen gestanden hat, wird noch heute Judenberg genannt.[3][4][5][6]

Der Prozess wurde auf Veranlassung weltlicher und geistlicher Würdenträger nach kanonischem Recht geführt.[7] Der Priester Peter Däne – Vikar an dem Altare Aller Heiligen in Sternberg – hatte die Juden angezeigt. Er behauptete, die Frau des Juden Eleasar habe ihm geschändete und blutbefleckte Hostien übergeben, die anschließend von ihm vergraben worden waren. Die anscheinend von Blut rot verfärbten Hostien wurden an der von ihm bezeichneten Stelle gefunden.[8][9] Daraufhin wurden alle Mecklenburger Juden verhaftet, verhört und sofern sie mit dem angeblichen Hostienfrevel in Verbindung gebracht werden konnten, nach peinlicher Befragung angeklagt.[10][11] In einem abschließenden Verhör gestand Peter Däne, dem Juden Eleasar selbst die Hostien beschafft zu haben.[12] Er wurde nach Rostock gebracht, zum Feuertod verurteilt und dort 1493 auf dem Scheiterhaufen verbrannt.[13] Die Urgicht, das durch Folter erpresste Geständnis der Juden und des Priesters Peter Däne, wurde als Inschrift in eine Brettertafel eingearbeitet. Die Tafel war im Sternberger Rathaussaal angebracht − dem Versammlungsraum des Mecklenburger Landtages – bis ein Feuer sie 1659 zerstörte.[4]

Das Vermögen der Juden wurde von den Mecklenburger Herzögen eingezogen und sämtliche Schulden für ungültig erklärt. Die jüdischen Gemeinden außerhalb Mecklenburgs verhängten daraufhin einen Bann über das Land. Dieser verbot es den Juden fortan, sich in Mecklenburg niederzulassen. Erst als Anfang des 18. Jahrhunderts der Bann seine Wirkung verlor, siedelten sich wieder jüdische Familien in Mecklenburg an.[14][15]

Die angeblich geschändeten Sternberger Hostien mit dem „Heiligen Blut“ und die Tischplatte, auf welcher der Hostienfrevel begangen worden sein soll, bewahrte man in der dafür an die Sternberger Stadtkirche angebauten Kapelle des Heiligen Blutes als Objekte religiöser Verehrung auf.[8] Die Kapelle besuchten um 1500 Jahr für Jahr tausende Pilger. Dadurch brachte die Wunderverehrung jährlich die gewaltige Summe von 400 Gulden ein.[4][5]

Noch 1492 wurden Druckschriften über den angeblichen Sternberger Hostienfrevel in Magdeburg, Köln und Lübeck herausgegeben.[16] 1493 nahm der Nürnberger Hartmann Schedel die Ereignisse in seine weit verbreitete Weltchronik auf.[17] Infolge von Reformation und Aufklärung änderte sich die Sicht auf die Vorgänge im spätmittelalterlichen Sternberg. Unter anderen veröffentlichten David Franck (1721), Georg Christian Friedrich Lisch (1845 u.nd1847), Fritz Backhaus (1988) und das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege MV (2008) Publikationen zum Thema. Seit 2007 erinnert ein Mahnmal in der Kapelle des Heiligen Blutes an das „Stigma Sternbergs“.[18]

Landtage in Sternberg und Malchin[Bearbeiten]

Seit 1275 trafen sich an der Sagsdorfer Brücke bei Sternberg die mecklenburgischen Herrscher und die mecklenburgischen Stände, also Ritterschaft, Geistlichkeit und Bürgermeister, um über Steuern, Gesetze, Privilegien und Kriegszüge zu verhandeln. Ein außerordentlicher Landtag am 20. Juni 1549 beschloss dort die Einführung der Reformation in Mecklenburg. Mecklenburg wurde ein evangelisches Herzogtum. Nach dem Jahr 1549 fanden die Sternberger Landtage auf dem nahen Judenberg statt und wurden später in das Rathaus verlegt. Bis 1913 eröffnete man sie in der Stadtkirche.

1572 erfolgte die Verlegung des Landtages nach Sternberg. Die Stadt musste dieses Privileg nach der Landesteilung Mecklenburgs von 1621 (Güstrower Reversalen und Erbvertrag) in die beiden Herzogtümer Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Güstrow mit Malchin teilen. Die Landtage des mecklenburgischen Ständestaats nach 1628 bis 1918 fanden so abwechselnd in Sternberg, also im Schwerinschen, und in Malchin, also im Güstrowschen, statt.

Nach dem Hamburger Vergleich wurde Mecklenburg in zwei beschränkt autonome (Teil-)Herzogtümer geteilt, ab 1815 (Teil-)Großherzogtümer Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Strelitz. Diese bildeten einen gemeinsamen Staat und unterstanden einem gemeinsamen Landtag. Dieser jährlich im Herbst einberufene Landtag tagte in den jeweiligen Rathäusern von Sternberg und Malchin. Bis zum Ersten Weltkrieg gehörte Sternberg zum Herzogtum (ab 1815 Großherzogtum) Mecklenburg-Schwerin.

Dreißigjähriger Krieg bis zur Abschaffung der Monarchie[Bearbeiten]

1618 wurde die Sternberger Vogtei an die Familie von Grabow verpfändet. Ab 1622 tagte das Hofgericht im Rathaus von Sternberg. Während des Dreißigjährigen Krieges hielt Wallenstein 1628 einen Landtag in Sternberg ab und besetzten 1638 die kaiserlichen Truppen unter General Gallas die Stadt und nutzten sie einige Zeit als Hauptquartier. 1639 brach die Pest aus, die so stark wütete, dass die Stadt ein halbes Jahr nahezu verlassen war. Der verheerende Stadtbrand vom 23. April 1659 richtete großen Schaden an, nur eine Scheune blieb erhalten. Da für die Wiedererrichtung des ebenfalls abgebrannten Hof- und Landgerichts jetzt die nötigen Mittel fehlten, wurde dieses im Jahr 1667 von Sternberg nach Parchim verlegt. 1675/76 blieb die Stadt auch nicht vom Krieg der Schweden gegen die Brandenburger verschont. Durch eine Seuche der Soldaten fanden auch die Hälfte der Einwohner den Tod. Danach begann der Wiederaufbau der Stadt. Auch im Nordischen Krieg musste die Stadt durch schwedische und russische Truppen leiden.

Nach der Reichsexekution von 1717 bis 1728 kämpften Sternberger Schützen 1733 erfolglos zusammen mit dem abgesetzten Herzog Karl Leopold gegen die Ritterschaft und Herzog Christian Ludwig II. Im Gegenzug besetzten kaiserliche Truppen die Stadt. 4052 Taler Kosten musste allein Sternberg für diesen Bürgerkrieg berappen. Von 1774 bis 1848 war Sternberg Sitz einer Superintendentur. 1790 verkaufte dann die Familie Pressentin ihr landtagsfähiges Rittergut, das 1830 eingemeindet wurde.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts waren wieder Juden in Sternberg ansässig. Sie richteten 1825 am Fuße des Judenbergs ihren Jüdischen Friedhof ein, der in der Zeit des Nationalsozialismus mehrmals geschändet und zerstört wurde.

Empfangsgebäude des Bahnhofs Sternberg (2013)

1839 entstanden die Wallanlagen in der heutigen Form. Die Chaussee Schwerin–Sternberg–Güstrow wurde gebaut. Sternberg erhielt 1887 durch die 72 km lange Nebenlinie Wismar-Karow Anschluss an das Eisenbahnnetz und einen Bahnhof. Im Jahr 1855 hatte der Ort 2550 Einwohner. Ab 1865 verfügte der Ort über Straßenbeleuchtung mit Petroleum, und 1869 wurde die erste Telegraphenstation eingerichtet. Ein Postamt kam 1871, und 1888 wurde ein neues Reichspostgebäude am Markt errichtet. 1894 war Sternberg Gastgeber für das 18. Mecklenburger Sängerfest.

Sternberg verfügte über eine sechsklassige Bürgerschule sowie eine Volksschulklasse.

Technikum: 1895 erhielt die Stadt eine „Höhere Lehranstalt für Bauberufe“ mit einem Neubau von 1899. Die Burschenschaften Obodritia und Teutonia entstanden 1895, die Arminia 1903, die Normania 1920 und 1925 die Germania. 1902 wirkte hier Heinrich Tessenow als Dozent. Von 1915 bis 1918 war das Technikumgebäude Kriegslazarett. 1934 wurde das Technikum aufgelöst, und die Post nutzte ab 1935 das Gebäude als „Postschutzschule“. Dorthin sollten 1945 die Akten und Einrichtungen der „Oberpostdirektion Königsberg“ verbracht werden. Als die Lastwagen eintrafen, wurden sie von der Roten Armee empfangen.[19]

Neuere Geschichte[Bearbeiten]

1919 bis 1933[Bearbeiten]

Nach 1918 gehörte Sternberg zum Freistaat Mecklenburg-Schwerin, dann ab 1934 zum Land Mecklenburg sowie bis 1933 zum Amt Wismar. 1933 wurde aus dem Amt Wismar der Kreis Wismar und ab 1939 der Landkreis Wismar.

1919 kam das bisherige Dominalamt Warin-Neukloster-Sternberg-Tempzin zum neugebildeten Kreis Wismar. 1922 entstand die Chaussee nach Demen, und die Stadtbibliothek richtete sich im Rathaus ein. An der Mildenitz bei Zülow ging 1924 ein Kraftwerk in Betrieb. 1929 wurde am Fischerteich ein neues Schulgebäude aufgebaut, nachdem das alte abgebrannt war. Auch wurde das Freibad Am Heidberg eröffnet.

Nationalsozialismus[Bearbeiten]

1932 konnte die NSDAP erstmals unter Missachtung der Wahlgesetze ihren Kandidaten als Bürgermeister durchsetzen. Die Nazis lösen verschiedene Vereine auf oder gliederten sie in ihre NS-Organisationen ein. 1934 wurde das Technikum aufgelöst, und eine SS-Sportschule nutzte das Gebäude vorübergehend sowie ab 1935 eine Postschutzschule. 1937 öffnete am Sternberger See die Badeanstalt. 1940 war die Stadt wieder „judenfrei“, die letzten beiden Juden mussten die Stadt verlassen. Ab 1939 waren Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter teils mit SS-Bewachung in Peeschen und im Ort. 1943 wurden ausgebombte Hamburger untergebracht. Am 3. Mai 1945 wurde Sternberg kampflos an die Rote Armee übergeben, die Rathaus, Post, Amtsgericht und andere Häuser zusammen mit dem NKWD beschlagnahmte. Durch die Flüchtlinge erhöhte sich die Einwohnerzahl schlagartig auf 4480.

Ab 1945[Bearbeiten]

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde 1952 das Land Mecklenburg und auch der Landkreis Wismar aufgelöst, und Sternberg wurde als Kreisstadt des gleichnamigen Kreises (der kleinste Kreis der DDR) dem Bezirk Schwerin zugeordnet. 1946 wurden im Zuge der Bodenreform die umliegenden großen Güter enteignet und an Neusiedler aufgeteilt. Verschiedene Unternehmer wurden ebenfalls enteignet. 1946 wurde das Hotel „Kaiser-Hof“ zu „Sternberger Hof“ umbenannt und war danach Volkshaus und bis 1990 Sitz der Kreisleitung der SED. Bei den Wahlen 1949 stimmten noch 28,3 % der Bürger gegen die Kandidaten der Liste der Nationalen Front. Das Postschulgebäude wurde 1952 Sitz des Rates des Kreises. Die LPG Sternberger Burg, später Freundschaft entstand. Das Ministerium für Staatssicherheit bezog 1953 die Villa der alten Faßfabrik.

Bis 1963 wurden 215 neue Wohnungen, vor allem an der Leonhard-Frank-Straße, gebaut und 1978 ein Kreiskulturhaus (heute „Seehotel“). Ab 1967 wurde auf dem Finkenkamp entschieden der drastischen Wohnungsnot durch den Bau von 465 Mietwohnungen begegnet. Von 1945 bis 1989 wurden insgesamt 1055 Wohnungen erstellt.

1974 entstand am Luckower See ein Campingplatz für 1000 Urlauber. Die slawische Burg Groß Raden am Sternberger See wurde rekonstruiert und ist seit 1987 als archäologisches Freilichtmuseum der Öffentlichkeit zugänglich.

Nach der Wende von 1989/1990 – das Land Mecklenburg-Vorpommern entstand – wurde seit 1991 der historische Stadtkern im Rahmen der Städtebauförderung grundlegend saniert; das Stadtbild dieser gut erhaltenen Landstadt, mit seiner teilweise erhaltenen Stadtmauer, hat sich stark verbessert. Weitere 325 Wohnungen entstanden von 1991 bis 1998. Nach der Auflösung des Kreises Sternberg 1994 kam die Stadt zum neugebildeten Landkreis Parchim.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. Januar 2000 wurde Pastin eingemeindet.[20] Am 1. Januar 2003 folgte Groß Görnow.[21]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Jahr 1819 1855 1905 1939 1945 1989 2000 2006 2011
Einwohner 1.852 2.550 2.735 2.743 4.480 5.200 5.049[22] 4.691[22] 4.340[22]

Politik[Bearbeiten]

Das Rathaus mit der Fassade von 1850 - Foto: 2007

Stadtvertretung[Bearbeiten]

Der Gemeinderat besteht aus 15 Mitgliedern. Nach der Kommunalwahl vom 25. Mai 2014 sind die Sitze wie folgt auf die einzelnen Parteien und Listen aufgeteilt:

CDU SPD Linke
8 Sitze 4 Sitze 3 Sitze

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen wurde am 10. April 1858 von Friedrich Franz II., Großherzog von Mecklenburg-Schwerin, festgelegt und unter der Nr. 42 der Wappenrolle von Mecklenburg-Vorpommern registriert.

Blasonierung: „Gespalten von Gold und Rot; vorn am Spalt ein halber hersehender schwarzer Stierkopf mit schwarzen Hörnern und goldener Krone; hinten am Spalt ein halber achtstrahliger goldener Stern.“[23]

Das Wappen wurde 1995 neu gezeichnet.

Flagge[Bearbeiten]

Flagge der Stadt Sternberg

Die Flagge ist gleichmäßig quergestreift von Rot und Gold (Gelb). In der Mitte des Flaggentuches liegt, auf jeweils einem Viertel der Länge des roten und des goldenen (gelben) Streifens übergreifend, das Stadtwappen.[23]

Partnerstadt[Bearbeiten]

Seit 1990 besteht eine Städtepartnerschaft zu Lütjenburg in Schleswig-Holstein.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Die Baudenkmale der Gemeinde sind in der Liste der Baudenkmale in Sternberg aufgeführt.

Stadt Sternberg[Bearbeiten]

  • Der historische Stadtkern mit einem rasterförmigen Straßennetz: Typisch im Stadtkern sind die Fachwerkhäuser (z. B. Kütiner Straße 7 und Luckower Straße 25), die nach dem großen Brand von 1741 errichtet wurden. Die Verzierungen am Querbalken im ersten Geschoss bilden einen charakteristischen Schmuck. Der Marktplatz wurde 2009 erneuert.
  • Die Stadtkirche St. Maria und St. Nikolaus ist eine frühgotische 5-jochige Hallenkirche mit drei Schiffen, bestehend aus Backsteinen; Baubeginn am Ende des 13. Jahrhunderts. Mit dem quadratischen Westturm, in der Breite des Mittelschiffes, wurde 1322 begonnen. Der Turm wurde nach einem Brand von 1750 restauriert. An der Südwestseite kamen 1496 nach dem Judenpogrom von 1492 als Bereicherung zur Erinnerung und für Wallfahrtszwecke die Heiligenblut-Kapelle und eine Vorhalle hinzu. Innen: Großer Altar von 1747, kleiner Schnitzaltar in der Sakristei von ca. 1500, Kanzel aus dem 18. Jh., Grabstein und Epitaph von Plessen (um 1580), Walker Orgel, Fresko mit der Darstellung der Einführung der Reformation von 1549.
  • Das Rathaus war ursprünglich ein zweigeschossiger Fachwerkbau aus der Mitte des 18. Jahrhunderts, welcher 1850 die Marktfront mit seiner tudorgotischen Putzarchitektur erhielt und um 1994 grundsaniert wurde.
  • Die Stadtmauer mit dem teilweise erhaltenen Pastiner Tor.
  • Das Heimatmuseum Sternberg mit 14 Ausstellungsräumen zur Ur- und Frühgeschichte. Für geologisch Interessierte: Der „Sternberger Kuchen“ ist ein Sternberger Gestein.
  • Die ehemaligen Quartiere der Landtagskommissare Am Markt 4 und Kütiner Straße 8
  • Ehrenmal für die Befreiung vom Faschismus aus dem Jahre 1975 am Mecklenburgring, 1991 umgewidmet für die Opfer von Kriegen und Gewaltherrschaft
  • Gedenkstein aus dem Jahre 1958 am ehemaligen Jüdischen Friedhof für die Toten ihrer Gemeinde, seit 1992 als Gedenkstätte für den 1937 von den Nazis geschändeten Guten Ort
  • Stadtbefestigung, welche die Stadt fast vollständig umgibt. Darunter befindet sich das Mühlentor, welches die Reste eines größeren Stadttores darstellt. Dieses Tor wurde im Jahr 1629 während des Dreißigjährigen Krieges zerstört und 1839 teilweise wieder aufgebaut. Das Tor wurde 1998 umfassend saniert.

Gesamtes Gemeindegebiet[Bearbeiten]

Hünengrab bei Klein Görnow

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Sternberg liegt an der B 104 Schwerin–Güstrow und an der B 192 Wismar–Neubrandenburg.

Der Personenverkehr auf der Wismar-Karower Eisenbahn von Blankenberg über Sternberg in Richtung Goldberg wurde 1996 (Karow–Sternberg) beziehungsweise 1998 (Sternberg–Blankenberg–Wismar) eingestellt. Über den Busverkehr ist Sternberg jedoch weiterhin an Blankenberg und somit an den Zugverkehr angebunden. Es verkehren auch Busse in Richtung Güstrow, Parchim und der Landeshauptstadt Schwerin.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Persönlichkeiten, die im Ort wirken oder gewirkt haben[Bearbeiten]

  • Pribislaw I. (1224–1275), Herr zu Parchim-Richenberg, gründete um 1240 bis 1250 Sternberg
  • Heinrich II., der Löwe (1266–1329), Fürst zu Mecklenburg, starb in Sternberg
  • Faustinus Labes (1533–1545), führte 1533 die Reformation in Sternberg ein und wurde dadurch zum Reformator Sternbergs
  • David Franck (1682–1756), Historiker, ab 1713 Schulrektor und ab 1717 Pastor in Sternberg, Namensgeber des örtlichen Gymnasiums
  • August Albrecht Christian Tischbein (1768–1848), Maler, Lithograph und Zeichenlehrer, Vater von Albrecht Tischbein, lebte zeitweilig in Sternberg
  • Carl Johann Friedrich Diederichs (1785–1838), ab 1821 Bürgermeister von Sternberg
  • August Friedrich Bard (1881–1961), Pastor, wohnte bis 1935 in Sternberg, schrieb 1926/27 Die Geschichte der Stadt Sternberg
  • Karl-Heinz Aeberlin (1920–1992), ab 1950er Jahre Schuldirektor in Sternberg, prägte das kulturelle Leben von Sternberg
  • Hans Hamann (1922–1978), Kaufmann, Stadtrat und 1964–1974 Bürgermeister von Sternberg

Literatur[Bearbeiten]

  • Friedrich Schlie: Kunst- und Geschichtsdenkmäler des Großherzogtums Mecklenburg-Schwerin. Band 4, 1901, S. 134 ff.
  • Ingo Ulpts: Die Bettelorden in Mecklenburg. Ein Beitrag zur Geschichte der Franziskaner, Klarissen, Dominikaner und Augustiner-Eremiten im Mittelalter. (Saxonia Franciscana, Bd. 6). Werl 1995.
  • Stadt Sternberg (Hrsg.): 750 Jahre Sternberg. Sternberg 1998, OCLC 246403688.
  • David Franck: Gründlicher und Ausführlicher Bericht Von denen durch die Jüden zu Sterneberg Anno 1492 zerstochenen und dahero Blutrünstigen Hostien. 1721. (online)
  • Georg Christian Friedrich Lisch: Hauptbegebenheiten in der ältern Geschichte der Stadt Sternberg. In: Jahrbücher des Vereins für mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde. Bd. 12 (1847), S. 187–306. (online)
  • Fritz Backhaus: Die Hostienschändungsprozesse von Sternberg (1492) und Berlin (1510) und die Ausweisung der Juden aus Mecklenburg und der Mark Brandenburg. In: Jahrbuch für Brandenburgische Landesgeschichte. Band 39 (1988), S. 7–26.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sternberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Landesamt M-V – Bevölkerungsentwicklung der Kreise und Gemeinden 2013 (XLS-Datei) (Einwohnerzahlen in Fortschreibung des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. § 2 der Hauptsatzung (PDF; 352 kB) der Stadt
  3. Fritz Backhaus: Die Hostienschändungsprozesse von Sternberg (1492) und Berlin (1510)... 1988, S. 10, Zahlenangaben unter Verweis auf Simon Koch: Van der mishandelinge des hilligen Sacraments der bößen ioden to den Sternberge. 6 Bl. 4°, Magdeburg 149.
  4. a b c Johannes Erichsen: Geschichte und Kunst einer europäischwen Region, Landesausstellung Mecklenburg−Vorpommern 1995. Katalog zur Landesausstellung im Schloß Güstrow (23. Juni–15. Oktober 1995) Staatliches Museum Schwerin. Hinstorff-Verlag, Rostock 1995, ISBN 3-356-00622-3, S. 247/248, unter Bezug auf: Fritz Backhaus: Die Hostienschändungsprozesse von Sternberg (1492) und Berlin (1510)... 1988, S. 7–26.
  5. a b Rosemarie Schuder, Rudolf Hirsch: Der gelbe Fleck, Wurzeln und Wirkungen des Judenhasses in der deutschen Geschichte. Berlin 1989, S. 129–144.
  6. Peter Ortag: Jüdische Kultur und Geschichte. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2004, S. 7: Vorwort.
  7. Volker Honemann: Die Sternberger Hostienschändung und ihre Quellen. In: Literaturlandschaften, Schriften zur deutschsprachigen Literatur im Osten des Reiches. (Kultureller Wandel vom Mittelalter zur frühen Neuzeit). Band 11, 2008, ISBN 978-3-631-57078-4, S. 187ff unter Bezug auf den 1–Blattdruck von Simon Koch: Van der mishandelinge des hilligen Sacraments der bößen ioden to den Sternberge. Magdeburg 1492.
  8. a b Sternberg. In: Meklenburg in Bildern 1845. bei: lexikus.de
  9. G. Ch. F. Lisch: Hauptbegebenheiten in der ältern Geschichte der Stadt Sternberg. 1847, S. 214.
  10. G. Ch. F. Lisch: Hauptbegebenheiten in der ältern Geschichte der Stadt Sternberg. 1847, S. 215.
  11. Fritz Backhaus: Die Hostienschändungsprozesse von Sternberg (1492) und Berlin (1510)... 1988, S. 10 unter Bezug auf G. Ch. F. Lisch: Hauptbegebenheiten in der ältern Geschichte der Stadt Sternberg. 1847, S. 236 u. 257, Nr. 12 (der auf das im Staatsarchiv Schwerin aufbewahrte Erste Verhörprotokoll vom 29. August 1429 verweist)
  12. G. Ch. F. Lisch: Hauptbegebenheiten in der ältern Geschichte der Stadt Sternberg. 1847, S. 211–215.
  13. G. Ch. F. Lisch: Hauptbegebenheiten in der ältern Geschichte der Stadt Sternberg. 1847, S. 217.
  14. Heinz Hirsch: Spuren jüdischen Lebens in Mecklenburg. (Geschichte Mecklenburg-Vorpommern, Nr. 4). Schwerin 2006, ISBN 3-86077-654-1, S. 12. (Digitalisat, PDF, 5,7 MB)
  15. Jürgen Borchert: Dr. Donaths »Geschichte der Juden«. In: Des Zettelkastens anderer Teil. Hinstorff Verlag, Rostock 1988, ISBN 3-356-00149-3, S. 81–83 unter Bezug auf Ludwig Donath: Geschichte der Juden in Mecklenburg. Leipzig 1874.
  16. Sternberger Hostienschändung und ihre Quellen
  17. Schedelsche Weltchronik, Blatt 258
  18. Evelyn Bubber-Menzel: Zeichen gegen das Vergessen (abgerufen am 13. Juni 2012 )
  19. Robert Albinus: Königsberg Lexikon. Würzburg 2002, ISBN 3-88189-441-1.
  20. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2000
  21. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2003
  22. a b c Mecklenburg-Vorpommern: Statistisches Amt
  23. a b § 1 der Hauptsatzung (PDF; 352 kB) der Stadt