Studio Ghibli
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
| Studio Ghibli | |
|---|---|
| Unternehmensform | Kabushiki-gaisha (Aktiengesellschaft) |
| Gründung | Juni 1985 |
| Unternehmenssitz | Kajino-chō, Koganei, Präfektur Tokio |
| Unternehmensleitung |
Kōji Hoshino (Präsident), |
| Mitarbeiter |
140 |
| Branche | Zeichentrick |
| Website | |
K.K. Studio Ghibli (jap. 株式会社スタジオジブリ, Kabushiki-gaisha sutajio jiburi) ist ein weltberühmtes japanisches Zeichentrickfilmstudio. Bekannte Anime-Produktionen des Studios sind zum Beispiel Prinzessin Mononoke, Chihiros Reise ins Zauberland und Das wandelnde Schloss.
Während heutzutage nahezu alle Anime-Produktionen ausschließlich am Computer entstehen, verwendet Studio Ghibli weiterhin „klassische“ Animationstechniken wie zum Beispiel das Abfotografieren handgezeichneter Folien und setzt Computeranimationen nur in sehr begrenztem Umfang ein.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Geschichte
Der Film Nausicaä aus dem Tal der Winde von Hayao Miyazaki war 1984 an den japanischen Kinokassen sehr erfolgreich und führte dazu, dass die Produktionsfirma Tokuma Shoten 1985 das Studio Ghibli gründete. Mit Sitz in Kichijoji wird es seitdem von Miyazaki und Isao Takahata geleitet.
Der Name Ghibli geht auf eine italienische Bezeichnung, die wiederum arabischen Ursprungs ist, zurück allerdings mit der Aussprache [dʑíbɯɺi] statt dem italienischen harten /g/. Sie steht für einen heißen Sahara-Wüstenwind (Gibli قبلی ) und wurde ab dem Zweiten Weltkrieg auch für italienische Flugzeuge verwendet. Als Luftfahrt-Interessierter wählte Miyazaki diesen Namen, um anzuzeigen, dass er im wahrsten Sinne des Wortes „frischen Wind“ in die japanische Anime-Industrie bringen wollte.
Der erste Zeichentrickfilm in Spielfilmlänge aus dem Hause Ghibli entstand 1986 mit Das Schloss im Himmel. Er handelt von der Abenteuergeschichte zweier Kinder, die sich auf die Suche nach einem legendären, fliegenden Schloss machen. Der Film konnte zwar Nausicaäs Popularität nicht überragen, war für einen Anime-Film aber ebenfalls außergewöhnlich erfolgreich und ermöglichte dem Studio weitere Produktionen. So setzten Miyazaki und Takahata 1988 gleich zwei Filme um: Mein Nachbar Totoro und Die letzten Glühwürmchen konnten die hohen Erfolgserwartungen zwar nicht erfüllen, wurden jedoch mehrfach ausgezeichnet, von Kritikern gelobt und machten das Studio bekannt. Während Die letzten Glühwürmchen ein trauriges Antikriegsdrama um zwei Geschwister ist, zeichnen den Kinderfilm Mein Nachbar Totoro vor allem die darin vorkommenden Fantasiewesen aus. Merchandise-Artikel zu Totoro verkaufen sich nach wie vor gut, und das Totoro-Titellied dürfte eines der bekanntesten Lieder in Japan überhaupt sein.
Der erste große finanzielle Erfolg kam 1989 mit Kikis kleiner Lieferservice. Der auf einem Kinderbuch von Eiko Kadono basierende Film über eine junge Hexe wurde zum erfolgreichsten japanischen Film aus dem Jahr 1989. Isao Takahatas Tränen der Erinnerung konnte 1990 einen ähnlichen Erfolg aufweisen.
Weil für die rund 90 Mitarbeiter nun nicht mehr ausreichend Platz im Studio war, baute man 1992 in Koganei ein neues Gebäude. Fast zur selben Zeit erschien Miyazakis melancholische Liebesgeschichte Porco Rosso, das abermals zum erfolgreichsten japanischen Film des Jahres wurde. Während Pom Poko 1994 erneut ein Erfolg im Kino war, wurde 1993 mit Umi ga kikoeru ein Fernsehfilm aus dem Studio Ghibli veröffentlicht, der erstmals ohne Beteiligung von Isao Takahata und Hayao Miyazaki entstand.
Nach Stimme des Herzens begann das Studio Ghibli 1995 mit der Arbeit an Prinzessin Mononoke. Dieses dramatische Märchen erschien 1997 und war zu der Zeit der in Japan erfolgreichste Film. Der Film erregte auch außerhalb Japans erstmals Aufmerksamkeit. Der wirkliche internationale Durchbruch für Ghibli kam erst 2001 mit Chihiros Reise ins Zauberland, einem komplexen Märchen um ein zehnjähriges Mädchen, das in eine Fantasiewelt gelangt. Chihiro war in Japan sogar erfolgreicher als Prinzessin Mononoke, erhielt 2003 den Oscar in der Kategorie „Bester Animationsfilm“ und den Goldenen Bären auf der Berlinale 2002 und ist der bislang am meisten ausgezeichnete Zeichentrickfilm aller Zeiten.
Nach Das Königreich der Katzen, einer Fortsetzung von Whisper of the Heart, folgte mit Das wandelnde Schloss der nächste Erfolg. Die Fantasy-Geschichte nach einem Roman der englischen Schriftstellerin Diana Wynne Jones hatte in Japan den erfolgreichsten Filmstart aller Zeiten und wurde 2006 für einen Oscar nominiert.
Die Chroniken von Erdsee, eine Fantasy-Geschichte nach dem Buch Das ferne Ufer der US-amerikanischen Schriftstellerin Ursula K. Le Guin, ist das Regiedebüt von Hayao Miyazakis Sohn Goro Miyazaki. Der Film kam im Juli 2006 in die japanischen Kinos und am 8. November 2007 in die deutschen Lichtspielhäuser.
Am 1. Februar 2008 löste Kōji Hoshino, früherer Präsident der Walt Disney Japan, Toshio Suzuki als Präsident von Studio Ghibli ab.[1]
Der zurzeit aktuelle Ghibli-Film, Gake no Ue no Ponyo unter der Regie von Hayao Miyazaki, kam am 19. Juli 2008 in die japanischen Kinos.
[Bearbeiten] Ghibli-Museum
In der Tokioter Vorstadt Mitaka gibt es ein in Anlehnung an den Stil des österreichischen Künstlers Friedensreich Hundertwasser gestaltetes Ghibli-Museum, in dem unter anderem Originalzeichnungen und -entwürfe besichtigt werden können und eigens für das Museum produzierte Anime-Kurzfilme gezeigt werden. Bei Kindern erfreut sich vor allem das riesige Plüschmodell des „Katzenbus“ aus Mein Nachbar Totoro großer Beliebtheit.
Für jeden Tag gibt es nur eine begrenzte Zahl von Eintrittskarten, die ausschließlich über Vorbestellung erhältlich sind. In Japan können sie frühestens einen Monat vorher bei der Supermarktkette Lawson erworben werden, im Ausland frühestens drei Monate vorher bei mehreren, weltweit verteilten offiziellen Verkaufsbüros.
[Bearbeiten] Filmografie
- 1984: Nausicaä aus dem Tal der Winde (風の谷のナウシカ Kaze no Tani no Naushika) ( wurde vor der offiziellen Gründung vom Studio Ghibli geschaffen)
- 1986: Das Schloss im Himmel (天空の城ラピュタ tenkū no shiro rapyuta)
- 1988: Mein Nachbar Totoro (となりのトトロ tonari no totoro)
- 1988: Die letzten Glühwürmchen (火垂の墓 hotaru no haka)
- 1989: Kikis kleiner Lieferservice (魔女の宅急便 majo no takkyūbin)
- 1991: Tränen der Erinnerung (おもひでぽろぽろ omohide poro poro)
- 1992: Porco Rosso (紅の豚 kurenai no buta)
- 1992: Sora Iro no Tane (そらいろのたね) (Werbespot)
- 1992: Nandarō (Werbespot)
- 1993: Umi ga kikoeru (海がきこえる)
- 1994: Pom Poko (平成狸合戦ぽんぽこ Heisei Tanuki Gassen Pompoko)
- 1995: On Your Mark (Musikvideo)
- 1995: Stimme des Herzens – Whisper of the Heart (耳をすませば mimi wo sumaseba)
- 1997: Prinzessin Mononoke (もののけ姫 mononoke hime)
- 1999: Meine Nachbarn die Yamadas (ホーホケキョとなりの山田くん hōhokekyo tonari no yamada-kun)
- 2000: Ghiblies (ギブリーズ giburīzu) (Kurzfilm)
- 2001: Chihiros Reise ins Zauberland (千と千尋の神隠し sen to chihiro no kamikakushi)
- 2001: Kujira Tori (くじらとり) (Kurzfilm)
- 2002: Das Königreich der Katzen (猫の恩返し neko no ongaeshi)
- 2004: Das wandelnde Schloss (ハウルの動く城 hauru no ugoku shiro)
- 2006: Die Chroniken von Erdsee (ゲド戦記 gedo senki)
- 2006: Taneyamagahara no Yoru (種山ヶ原の夜) (Kurzfilm)
- 2007: Iblard Jikan (イバラード時間) (Kurzfilm)
- 2008: Gake no Ue no Ponyo (崖の上のポニョ)
Zudem arbeitete das Studio an dem Videospiel Jade Cocoon: Die Tamamayu Legende.
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ AnimeNewsNetwork: Ghibli Head Suzuki Steps Down, Remains as Producer (1. Februar 2008)
[Bearbeiten] Weblinks
- Offizielle Homepage von Studio Ghibli (japanisch)
- Nausicaa.net und GhibliWorld.com – internationale inoffizielle Standardreferenzen für Ghibli-Informationen (englisch)
- Ghibli-Museum in Mitaka (japanisch, mit Ticketinformationen auf englisch)

