Tagliamento

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Tagliamento
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Der Tagliamento von der Brücke bei Pinzano al Tagliamento (PN)

Der Tagliamento von der Brücke bei Pinzano al Tagliamento (PN)

DatenVorlage:Infobox Fluss/GKZ_fehlt
Lage Friaul, Italien
Flusssystem Tagliamento
Quelle am MauriapassVorlage:Infobox Fluss/QUELLKOORDINATE_fehlt
Quellhöhe 1195 m s.l.m.Vorlage:Infobox Fluss/NACHWEISE_fehlen
Mündung Adria zwischen Bibione und Lignano45.64263513.099360Koordinaten: 45° 38′ 33″ N, 13° 5′ 58″ O
45° 38′ 33″ N, 13° 5′ 58″ O45.64263513.099360
Mündungshöhe m s.l.m.Vorlage:Infobox Fluss/NACHWEISE_fehlen
Höhenunterschied 1195 m
Länge 170 kmVorlage:Infobox Fluss/NACHWEISE_fehlen
Einzugsgebiet 2900 km²Vorlage:Infobox Fluss/NACHWEISE_fehlen
AbflussVorlage:Infobox Fluss/NACHWEISE_fehlen MQ
70 m³/s
Linke Nebenflüsse Lumiei, Ledra, Fella
Rechte Nebenflüsse Arzino
Kleinstädte Tolmezzo, Gemona del Friuli, San Daniele del Friuli, Spilimbergo, Casarsa della Delizia, Codroipo, San Michele al Tagliamento

Der Tagliamento [taʎːa'mento] (mittelalterlich deutsch: Dülmende) im Friaul, Oberitalien, ist der bedeutendste der letzten Wildflüsse der Alpen. Er ist 170 Kilometer lang, entspringt am Mauriapass in der Provinz Belluno und mündet zwischen Bibione und Lignano Sabbiadoro in die Adria.

Ökologische Bedeutung[Bearbeiten]

Der Tagliamento, ein sogenannter Torrente, ist bis weit in die Ebene hinein (bis etwa Latisana) noch weitgehend unreguliert, die dynamischen Prozesse des Flusses laufen noch immer großräumig und ungestört ab und bestimmen die Topographie. Ausgedehnte Schotterflächen, bewachsene kleine Inseln und Auwälder bilden ein großes zusammenhängendes Ökosystem von etwa 150 km2, das einzigartig in Europa ist. Spätestens seit den 1990er Jahren wird es daher als Referenzökosystem intensiv wissenschaftlich untersucht. Seit einiger Zeit wurde von dieser Seite die Aufnahme in das europäische Natura 2000-Netzwerk von Schutzgebieten nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU gefordert, auch die Anerkennung als UNESCO-Biosphärenreservat ist im Gespräch.

Lage der geplanten Rückhaltebecken

Das Gebiet ist allerdings durch Baumaßnahmen bedroht, die Regionalregierung plant im Rahmen des Hochwasserschutzes bei Spilimbergo drei bis zu 8,5 km2 große Rückhaltebecken innerhalb des Auenkorridors als harte Bauwerke, durch die zahlreiche negative Auswirkungen auf das Ökosystem und den Grundwasserstand erwartet werden. Gegen das auf alte Planungen zurückgehende Projekt regte sich regionaler, aber auch internationaler Widerstand, etwa vom WWF[1], der Nichtregierungsorganisation Internationale Alpenschutzkommission (CIPRA)[2] und von der Seite der Forschung[3], Reinhold Messner stellte als Europaabgeordneter der Grünen eine Anfrage an die Europäische Kommission.[4] Auch die umliegenden Gemeinden sind gegen das Projekt, da sie negative Auswirkungen auf den zunehmenden (Natur-)Tourismus befürchten.[5] Bis heute (Stand Okt. 2011) ist das Projekt trotz weit fortgeschrittener Planungen noch nicht begonnen worden.

Ein geplanter massiver Kiesabbau bei Cimano, von Spilimbergo noch einige Kilometer flussaufwärts, konnte 2011 nach öffentlichen Protesten und Bedenken der zuständigen regionalen Wasserbaubehörde Autorità di Bacino verhindert werden, das Unternehmen zog sein Projekt zurück.[6]

Aufgrund der italienischen Straßenverkehrsordnung war der Tagliamento ein bevorzugtes Ziel vieler Geländewagenfahrer. Im Jahr 2004 führte dies zu ersten Sperrungen des Flussbettes für unautorisierten Kraftfahrzeugverkehr. Diese Sperre wird jedoch von etlichen Autofahrern ignoriert.

Der Tagliamento in der Literatur[Bearbeiten]

Der italienische Filmregisseur, Dichter und Publizist Pier Paolo Pasolini verbrachte die Jahre während des Zweiten Weltkrieges in Casarsa della Delizia unweit des Tagliamento. In dieser Zeit schrieb er dort seine ersten Romane Amado Mio und Atti impuri, die erst 1982 posthum veröffentlicht wurden. Weite Teile der Handlung von Amado Mio sind am Ufer des Tagliamento angesiedelt, an dem sich die Jungen der umliegenden Dörfer zum Baden treffen: „Die Biegung des Tagliamento glich einem Wespennest: In hunderterlei Farben blinkten die Unterhosen und die Halstücher der Jungen in der Sonne. Nichts stand still: Selbst die Luft über dem Kiesbrett flirrte, die angekohlten und entrindeten Akazien bewegten sich mit derselben Lebhaftigkeit wie die Jungen. ... Sowohl das Ufer als auch die Sandbank jenseits des Flusslaufes waren ein einziges Schlachtfeld, ein einziger Aufschrei.“[7]

Galerie[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Furio Bianco, Aldino Bondesan, Aldino Bondesan, Michele Zanetti, Adriano Zanferrari (Hrsg.): Il Tagliamento. Cierre u. a., Sommacampagna u. a. 2006, ISBN 88-8314-372-8 (italienisch).
  • J. Kollmann, M. Viele, P. J. Edwards, K. Tockner, J. V. Ward: Interactions between vegetation development and island formation in the Alpine river Tagliamento. In: Applied Vegetation Science. Vol. 2, Nr. 1, 1999, ISSN 1402-2001, S. 25–36, (englisch).
  • Walter Kretschmer: Hydrobiologische Untersuchungen am Tagliamento (Friaul, Italien). In: Verein zum Schutz der Bergwelt. Jahrbuch. Bd. 61, 1996, ISSN 0171-4694, S. 123–144.
  • Klaus Kuhn: Beobachtungen zu einigen Tiergruppen am Tagliamento. In: Verein zum Schutz der Bergwelt. Jahrbuch. Bd. 60, 1995, S. 71–86.
  • Klaus Kuhn: Die Kiesbänke des Tagliamento (Friaul, Italien) - ein Lebensraum für Spezialisten im Tierreich. In: Rettet den Tagliamento (= Jahrbuch des Vereins zum Schutz der Bergwelt. Bd. 70, 2005, Sonderdruck). Verein zum Schutz der Bergwelt, München 2005,S. 37–44.
  • Wolfgang Lippert, Norbert Müller, Susanne Rossel, Thomas Schauer, Gaby Vetter: Der Tagliamento – Flußmorphologie und Auenvegetation der größten Wildflußlandschaft der Alpen. In: Verein zum Schutz der Bergwelt. Jahrbuch. Bd. 60, 1995, S. 11–70.
  • Norbert Müller: Die herausragende Stellung des Tagliamento (Friaul, Italien) im Europäischen Schutzgebietssystem NATURA 2000. In: Rettet den Tagliamento (= Jahrbuch des Vereins zum Schutz der Bergwelt. Bd. 70, 2005, Sonderdruck). Verein zum Schutz der Bergwelt, München 2005, S. 19–35.
  • Livio Poldini, Giuseppe Oriolo, Marisa Vidali: Vascular Flora of Friuli-Venezia Giulia. An annotated Catalogue and synonimic Index. In: Studia Geobotanica. Vol. 21, Nr. 1, 2001, ISSN 0394-9125, S. 1–227.
  • Klement Tockner, Nicola Surian, Nicoletta Toniutti: Geomorphologie, Ökologie und nachhaltiges Management einer Wildflusslandschaft am Beispiel des Fiume Tagliamento (Friaul, Italien) – ein Modellökosystem für den Alpenraum und ein Testfall für die EU-Wasserrahmenrichtlinie. In: Rettet den Tagliamento (= Jahrbuch des Vereins zum Schutz der Bergwelt. Bd. 70, 2005, Sonderdruck). Verein zum Schutz der Bergwelt, München 2005, S. 3–17.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tagliamento – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Monte, Magazin für alpine Lebensart: Tagliamento im Friaul: Kies im Fluss - Zement in den Köpfen (abgerufen 10. Oktober 2011)
  2. vgl. Webseite der CIPRA (abgerufen 10. Oktober 2011)
  3. „Mehr als 600 Forscher und Forscherinnen aus Italien, Österreich, Frankreich, Deutschland und der Schweiz unterschrieben eine Petition Pro Friuli Pro Tagliamento“, siehe Nadja Neumann: Immer noch ein König. Dank der Zusammenarbeit von Naturschützern und Wissenschaftlern konnte eine einzigartige Flusslandschaft in Italien bislang erhalten bleiben. In: Verbundjournal 2009 (79), S. 8–9 (Magazin des Forschungsverbund Berlin, abgerufen 10. Oktober 2011)
  4. SCHRIFTLICHE ANFRAGE E-2145/03 von Reinhold Messner (Verts/ALE) an die Kommission. Erhalt des Wildflusses Tagliamento (Friaul-Julisch Venetien, Italien)
  5. scinexx.de, das Wissensmagazin: Letzte große Wildflusslandschaft Europas in Gefahr, 3. August 2005 (abgerufen 10. Oktober 2011)
  6. Webseite der CIPRA: Verschnaufpause für den König der Alpenflüsse, 25. Mai 2011 (abgerufen 10. Oktober 2011)
  7. Pier Paolo Pasolini: Amado mio, preceduto da Atti impuri. Garzanti: Mailand 1982. Deutsche Ausgabe: Amado Mio. Zwei Romane über die Freundschaft. Aus dem Italienischen von Maja Pflug. Wagenbach: Berlin 1984, S. 164.