Tanzlinde
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Eine Tanzlinde ist eine meist mehrere hundert Jahre alte Linde, die ein Podest trägt, welches zum Tanzen genutzt wird.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Konstruktion
Eine Tanzlinde besteht aus einer meist älteren Linde, die um den Stamm herum ein begehbares Podest in mehreren Metern Höhe trägt. Dieses Podest trägt ein Geländer und ist über eine Treppe zu erreichen.
Die ersten und stärksten Äste des Baumes wachsen unter dem Podest entlang, tragen es und wachsen dann außerhalb wieder nach oben, bis der ganze Aufbau vom Baum verdeckt ist. So entsteht ein imposanter, hoher Baumpavillon, der innen einen luftigen und schattigen Raum mit guter Aussicht bietet.
[Bearbeiten] Geschichte
Tanzlinden wurden oft in einer doppelten Funktion auch als Gerichtslinden genutzt, auf dem Podest wurde getanzt und unter der Linde wurde Gericht abgehalten. Dies kam noch aus der vorchristlichen germanischen Zeit, wo die Linde als der Baum Freyas, der Göttin der Liebe, Lustbarkeit und Wahrheit galt. Deshalb wurden alle Feste, Vermählungen und Feiern unter Linden abgehalten (oder später auf den Podesten), aber auch alle Thingversammlungen fanden dort statt. In diesen Versammlungen ging es um Pfründe, Recht und Wahrheit. Die Rechtsfindung wurde getragen von der Überzeugung, dass niemand es wagen würde, unter einer Linde zu lügen, denn er hätte ja den Zorn Freyas auf sich gezogen. Diese hohe Einschätzung des Lindenbaumes blieb grundsätzlich erhalten – auch nach der Einführung des christlichen Glaubens – und wird oft besungen („…wo wir uns finden, wohl unter Linden…“).
[Bearbeiten] Verbreitung
Tanzlinden sind oft in kleinen Orten zu finden, die das Recht der Gerichtsbarkeit besaßen. In größeren Orten sind sie oftmals Baumaßnahmen zum Opfer gefallen. Folgende Orte besitzen eine Tanzlinde:
- Bärstadt (Hessen)
- Bedheim (Südthüringen)
- Eishausen (Thüringen)
- Effelder (Südthüringen)
- Effeltrich (Bayern, Oberfranken)
- Galenbeck (Mecklenburg-Vorpommern)
- Grettstadt (Bayern, Unterfranken)
- Kaltennordheim (Thüringen)
- Kersbach (Stadtteil von Forchheim) (Bayern, Oberfranken)
- Langenbeutingen (Baden-Württemberg, Landkreis Heilbronn)
- Limmersdorf (Ortsteil von Thurnau) (Bayern, Oberfranken)
- Peesten (Ortsteil von Kasendorf) (Bayern, Oberfranken)
- Langenstadt, (Ortsteil von Neudrossenfeld) (Bayern, Oberfranken)
- Tanzlinde in Sachsenbrunn (Thüringen)
- Schenklengsfeld (Osthessen)
- Steinfeld (bei Hildburghausen)
- Himmelsberg
- Rheine
- Stein am Rhein, (Schweiz, Kanton Schaffhausen)
[Bearbeiten] Literatur
- Anette Lenzing: Gerichtslinden und Thingplätze in Deutschland (Die Blauen Bücher), Königstein im Taunus 2005, ISBN 3-7845-4520-3

