Südthüringen

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Als Südthüringen werden im Allgemeinen alle fränkischen Gebiete im Freistaat Thüringen südlich des Rennsteiges und des Salzbogens, jedoch inklusive des kompletten ehemaligen Kreises Bad Salzungen bezeichnet. Das Gebiet ist, wenn man das Eisenacher Gebiet herausnimmt, nahezu identisch mit der Planungsregion Südwestthüringen im Freistaat Thüringen.

Der Rennsteig als historischer Grenzweg, der im Mittelalter die Grenze des Herzogtums Franken zum thüringisch-sächsischen Herrschaftsbereich markierte, stellt heute noch die Sprachgrenze zwischen den mainfränkischen Dialekten und dem thüringisch-obersächsischen Sprachgebiet Thüringens dar.

Der Dolmar bei Kühndorf, Christes und Metzels im Kreis Schmalkalden-Meiningen, zwischen den Mittelgebirgen Rhön und Thüringer Wald

Im Vergleich zu Thüringen nördlich und östlich des Rennsteigs gibt es einige Unterschiede, die in der geschichtlich begründeten Zugehörigkeit Südthüringens zur Region Franken liegen. Historisch deckt sich Südthüringen überwiegend mit dem Henneberger Land und der nördlichen Hälfte der Pflege Coburg.

Entstehung und Bedeutung des Begriffs Südthüringen[Bearbeiten]

Der Begriff Südthüringen hat sich erst seit der Deutschen Wiedervereinigung als eine Bezeichnung für das Gebiet des ehemaligen Bezirk Suhl der Deutschen Demokratischen Republik etabliert. Er bezeichnet den südlichsten Teil des 1990 gegründeten Freistaats Thüringen, welcher wiederum in etwa dem 1920 gegründetem Land Thüringen entspricht. Der Begriff Südthüringen bezeichnet somit keine Landschaft und keine ethnisch-kulturelle Zugehörigkeit der Bevölkerung.

Das historische Südthüringgau des 9. Jahrhunderts lag als Teil des ursprünglichen Thüringen wesentlich weiter nördlich.

Geographie[Bearbeiten]

Grenzen und Landschaft[Bearbeiten]

Blick vom Thüringer Schiefergebirge auf Buntsandsteinvorland und (dahinter) das von den Gleichbergen überragte Grabfeld
Der Große Beerberg (983 m), höchster Berg des Thüringer Waldes von Süden; nach links der Nebengipfel Wildekopf (943 m); im Vordergrund Suhl-Goldlauter
Der Große Inselsberg (916 m) im äußersten Nordwesten des Thüringer Waldes, vom Dolmar aus gesehen.
Der Umpfen (701 m) in der Vorderen Rhön
Die Talsperre Schönbrunn vom Damm der Vorsperre Schleusegrund aus gesehen
Blick auf die Talsperre Ratscher bei Schleusingen
Werratal bei Meiningen mit Blick auf Untermaßfeld

Südthüringen erstreckt sich im Süden des deutschen Bundeslandes Thüringen über eine Fläche von etwa 3000 km². Es umfasst im Wesentlichen die Landkreise Schmalkalden-Meiningen, Hildburghausen und Sonneberg sowie die Kreisfreie Stadt Suhl als Kernregion. Auch der südliche Wartburgkreis (Salzunger Land) im Nordwesten gehört zu Südthüringen. Definiert man den Rennsteig nach rein geographischen Kriterien als exakte Nordgrenze der Region, so werden die südlich dieses historischen Grenzweges gelegenen Gemeinden des Ilm-Kreises ebenfalls hinzugerechnet, während die nördlich des Rennsteigs gelegenen Gebiete des ehemaligen Kreises Neuhaus im heutigen Landkreis Sonneberg nicht zur Region zählen.

Während mit dem über den Hauptkamm von Thüringer Wald und Thüringer Schiefergebirge verlaufenden Rennsteig eine sehr klare Nordostgrenze besteht, ist der Übergang im Süden und Westen zu den angrenzenden Regionen fließend und nicht genau definierbar. Einzelne Grenzgebiete der heutigen Regionen Osthessen, Unterfranken und Oberfranken waren zeitweise Bestandteile des historischen Henneberger Landes. Der im Südosten gelegene oberfränkische Landkreis Coburg als Territorium des sächsischen Herzogtums Sachsen-Coburg und Gotha, welches bis 1920 einer der acht Thüringischen Staaten war und bereits 1353 direkt zum Kurfürstentum Sachsen kam, gehörte bis 1291 ebenfalls zur Grafschaft Henneberg. Auch im Südwesten und Westen gehörten nennenswerte Teile des Grabfeldes und der bis zu 751 m hohen Vorderen Rhön (jedoch nur Minimalanteile der Kuppenrhön und der Hohen Rhön) in Unterfranken und Osthessen zur Region.

Landschaftsgliederung[Bearbeiten]

Insgesamt weist der Süden Thüringens neben der Hauptgliederung Thüringer Wald, Thüringer Schiefergebierge, Werratal, Rhön und Grabfeld im Wesentlichen neun Landschaftsuntergliederungen auf, die zu fünf Kategorien zusammengefügt werden können. Zudem beginnt östlich der Steinacher Flexur im Landkreis Sonneberg der Frankenwald[1]. Der südliche Landkreis Sonneberg gehört zum Obermainischen Hügelland[2].

Der bis zu 983 m (Großer Beerberg) hohe Thüringer Wald und das bis zu 869 m (Großer Farmdenkopf) hohe Thüringer Schiefergebirge überragen ihr Vorland meist um 300 bis 400 Meter. Während der Thüringer Wald als Bruchgebirge nur eine maximale Breite von ca. 20 km erreicht, ist das Thüringer Schiefergebirge mit teils über 50 Kilometern ein wesentlich breiterer Gebirgszug, der von engen, tiefen Tälern und weiten, teils unbewaldeten Hochflächen geprägt ist. Im südlichen Landkreis Sonneberg beginnt das Obermainische Hügelland respektive das Neustadt-Sonneberg-Becken. Die Steinacher Flexur trennt im Landkreis Sonneberg den Frankenwald vom Hohen Thüringer Schiefergebirge[1].

Das Buntsandsteinvorland am Südrand des Thüringer Waldes und das Salzunger Werrabergland schließen sich direkt an das Gebirge an und fallen zum Werratal hin kontinuierlich bis auf eine Höhe zwischen 430 m (Eisfeld) und 240 m (Bad Salzungen) über NN ab. An sanften Hängen öffnen sich hier die Täler in breite Wiesenauen und es entstanden durch Salzauslaugungen einige kleine Seen. Nur wenige Erhebungen dieser Zone übersteigen die 550m-Marke, sodass aus der Ferne lediglich der Dolmar bei Meiningen mit 739 m hervortritt.

Links der Werra erstreckt sich etwas oberhalb von Meiningen bis Eisfeld die durch Muschelkalk geprägte Werra-Gäuplatten (auch Meininger Kalkplatten genannt). Dieses Plateau erhebt sich mit vielen schmalen Tälern zu einer Hochfläche von etwa 400–500 Metern über NN. Weiter südöstlich wird diese Zone durch das ebenfalls muschelkalkhaltige Sonneberger Hinterland (Schalkauer Thüringer-Wald-Vorland oder Schalkauer Plateau, zwischen Eisfeld und Sonneberg) abgelöst.

Südlich dieser Platte schließt sich das nochmals deutlich flachere Grabfeld und der zu Thüringen gehörende Anteil des Itz-Baunach-Hügellandes an. Nur hier ist es durch die weite, offene Landschaft und ein trocken-warmes Klima in nennenswertem Umfang möglich, Landwirtschaft zu betreiben, was den meisten anderen Teilen der Region vorenthalten bleibt. Lediglich einige erloschene Vulkane (Gleichberge, Straufhain) überragen mit bis zu 679 m über NN diese flachwellige Landschaft deutlich.

Westlich des Werratales liegt das Basaltkuppenland der Vorderen Rhön, dem sich die Hohe Rhön im Länderdreieck zu Hessen und Bayern anschließt. In der Vorderrhön trifft man auf bis zu 751 m (Gebaberg) und in der Hohen Rhön bis zu 816 m (Ellenbogen) hohe Vulkanberge, deren Umgebung durch Weideland, steinige Bergäcker und Ödland geprägt ist.

Gewässer und Erhebungen[Bearbeiten]

Vom Thüringischen Kernland abgegrenzt durch den Rennsteig im Nordosten und einer oberhalb von Bad Salzungen verlaufenden Linie nach Vacha gehört der größte Teil Südthüringens zum Stromgebiet der Werra. Über etwa 120 Kilometer begleitet dieser bei Masserberg entspringende Fluss den Landstrich.

Die Werra ist zur Rechten durch Thüringer Schiefergebirge, Thüringer Wald und Vorland des Thüringer Waldes, zur Linken durch die Rhön in ein sich Richtung Salzbogen öffnendes Tal eingebettet.

Rechts der Werra[Bearbeiten]

Aus Thüringer Wald und Schiefergebirge nimmt die Werra die Schleuse und die Hasel sowie einige kleinere Bäche auf.

In ihrem Oberlauf speist die Schleuse die der Trinkwasserversorgung dienende Talsperre Schönbrunn, in ihrem Mittellauf den auch als Naherholungsziel bekannten Ratscher bei Schleusingen, während unmittelbar südlich des Adlersberg-Massives bei Suhl die Erle die kleinere Talsperre Erletor passiert.

Da die meisten Berge in Thüringer Schiefergebirge und Thüringer Wald – anders als die Kuppen der Rhön – durch tiefe Täler voneinander getrennt werden, spielen jene Flusstäler hier besonders als Verkehrswege (Straßen, Eisenbahnlinien), aber auch als Siedlungsraum (zahlreiche langgezogene Straßendörfer) eine wichtige Rolle.

Bekanntere Gipfel dieses Landstriches, die auch als Aussichtspunkte Bedeutung erlangt haben, sind u. a. der Bleßberg mit (866,9 m) östlich von Eisfeld, der zusammen mit seiner Funkanlage insgesamt 1060 Metern über NN misst und den höchsten Punkt Südthüringens markiert. Hinzu kommt der Eselsberg (841,5 m) und der Simmersberg (781 m) bei Masserberg, der Adlersberg (849 m) nahe Suhl, der Ruppberg (865 m) bei Zella-Mehlis und der Große Inselsberg (916 m) bei Brotterode. Hinzu kommt der solitär zwischen Thüringer Wald und Rhön östlich von Meiningen stehende geologisch zur Rhön gehörende Dolmar (739 m). Bekannt sind außerdem die Gleichberge bei Römhild, die dort weit aus der Landschaft ragen.

Links der Werra[Bearbeiten]

Die linken Nebenflüsse der Werra sind mehrheitlich kurze Bäche mit Ausnahme von Felda und Ulster, die aus der Nordrhön Richtung Werra bei Bad Salzungen fließen.

Zuflüsse des Mains[Bearbeiten]

Im Südosten Südthüringens verläuft die Wasserscheide Rhein-Weser über eine Linie zwischen dem 865 m hohen Bleßberg im Thüringer Schiefergebirge und den mit bis zu 679 m das Grabfeld überragenden Gleichbergen bei Römhild.

Jenseits dieser Linie fließen (von Ost nach West geordnet) aus dem Thüringer Schiefergebirge die Flüsse Engnitz, Rögitz, Steinach, Göritz, Röthen, und Grümpen durch zunächst tiefe, landschaftsprägende Täler in Richtung Itz bzw. Main. Die Itz entspringt zwar noch am Westhang des Bleßberges, verlässt jedoch das Mittelgebirge sofort in Richtung Süden.

In flacheren Gefilden folgen schließlich Rodach, Kreck und Milz und passieren den zum Grabfeld gehörigen Heldburger Zipfel.

Zuflüsse der Saale[Bearbeiten]

Die Wasserscheide Rhein-Elbe verläuft im Thüringer Schiefergebirge von Ernstthal am Rennsteig aus durch Neuhaus am Rennweg über die Hochfläche um Scheibe-Alsbach/Steinheid bis hin zum 868 m hohen Kieferle im Süden.

Jenseits dieser Linie liegt das sehr tiefe Tal der Schwarza, aus deren Oberlauf sich am 869 m hohen Großen Farmdenkopf das mit 877 m über NN noch etwas höhere Pumpspeicherwerk Goldisthal speist, das das größte seiner Art in Deutschland ist und als Puffer in der Stromversorgung der Region eine wichtige Rolle einnimmt. Überdies ist das Oberbecken seiner unvergleichlichen Rundumsicht wegen ein beliebtes Ausflugsziel.

Die ebenfalls aus dem Oberlauf des Flusses gespeiste Talsperre Scheibe-Alsbach wird dem gegenüber u.a. als Badesee genutzt.

Allerdings sei erwähnt, dass sich die hier erwähnten Gewässer allesamt nördlich des Rennsteiges, der nordwestlich zur Wasserscheide Weser-Elbe-Weser wird, befinden, somit also nicht geographisch, sondern nur verwaltungstechnisch der Region Südthüringen zuzuordnen sind.

Städte[Bearbeiten]

Wichtigste Städte Südthüringens sind heute die drei Mittelstädte Suhl, Sonneberg und Meiningen. Die Kreisfreie Stadt Suhl – hier haben zahlreiche Regionalbehörden ihren Sitz – ist das Wirtschaftszentrum, das Veranstaltungszentrum (CCS) und ein Verkehrsknoten der Region. Die Kreisstadt Sonneberg ist das Wirtschaftszentrum sowie wichtiger Verwaltungsstandort im östlichen Südthüringen und ein traditionelles Zentrum der Spielzeugindustrie. Die Kreisstadt Meiningen mit dem berühmten Meininger Theater ist das kulturelle Zentrum der Region, ein bedeutender Bahn- und Straßenknoten, ein Behördenstandort und das Justiz- und Finanzzentrum von Südthüringen.

Stadt Einwohner
(31. Dezember 2013)
Landkreis
Suhl 35.665 kreisfrei
Sonneberg 23.796 Sonneberg
Meiningen 20.966 Schmalkalden-Meiningen
Schmalkalden 19.505 Schmalkalden-Meiningen
Bad Salzungen 15.582 Wartburgkreis
Hildburghausen 11.746 Hildburghausen
Zella-Mehlis 10.785 Schmalkalden-Meiningen
Bad Liebenstein 7.874 Wartburgkreis
Römhild 7.019 Hildburghausen
Neuhaus 6.917 Sonneberg
Brotterode-Trusetal 6.398 Schmalkalden-Meiningen
Eisfeld 5.661 Hildburghausen
Vacha 5.464 Wartburgkreis
Schleusingen 5.394 Hildburghausen
Steinbach-Hallenberg 5.053 Schmalkalden-Meiningen
Geisa 4.677 Wartburgkreis
Steinach 4.044 Sonneberg
Lauscha 3.502 Sonneberg
Wasungen 3.448 Schmalkalden-Meiningen
Kaltennordheim 3.342 Wartburgkreis
Schalkau 3.027 Sonneberg
Themar 2.968 Hildburghausen
Stadtlengsfeld 2.428 Wartburgkreis
Bad Colberg-Heldburg 2.070 Hildburghausen
Oberhof 1.631 Schmalkalden-Meiningen
Neustadt am Rennsteig 986 Ilm-Kreis
Ummerstadt 488 Hildburghausen

(Datenquelle: Thüringer Landesamt für Statistik, veröffentlicht nach der Datenbasis des Mikrozensus 2011 am 19. August 2014)

Eine Sonderrolle nehmen die Gebiete des ehemaligen Kreises Ilmenau ein. Diese werden – je nach Definition – manchmal zu Südthüringen und manchmal zu Mittelthüringen gerechnet, wobei die historisch-kulturellen Verbindungen zu Mittelthüringen von jeher stärker waren, als die zu Südthüringen. Deutlich wird dies z. B. dadurch, dass in Ilmenau sowohl die mittelthüringische Lokalzeitung, die Thüringer Allgemeine, als auch die südthüringische Lokalzeitung Freies Wort mit eigenen Lokalausgaben erscheinen. Die IOV Omnibusverkehr GmbH Ilmenau ist Mitglied in den ÖPNV-Verbänden Mittelthüringen und Südthüringen und bei diversen Behörden wird Ilmenau ebenfalls teilweise zu den südthüringischen und teilweise zu den mittelthüringischen Dienststellen gerechnet.

Geschichte[Bearbeiten]

Im 6. Jahrhundert begann, nach nur schwacher prähistorischer und bronzezeitlicher Besiedlung, eine stärkere Welle von Ortsgründungen durch Alemannen, Chatten und Thüringern, wobei die schriftlichen Überlieferungen erst im späten 8. Jahrhundert, während der Fränkischen Ostkolonisation, einsetzten (z. B. Jüchsen, Salzungen, Themar und Kaltennordheim). Hauptsächlich wurde der heutige Süden Thüringens vom Main her, fränkisch besiedelt. Eine Ausnahme bildet der Raum um Bad Salzungen und der angrenzenden Rhön bis zum Salzbogen, diese Region wurde schon vorher von Nord – Nordwest her besiedelt und nur noch teilweise in die Ostkolonialisierung einbezogen, was der hier gesprochenen westthüringische Mischdialekt aus Hennebergisch, Osthessisch und Zentralthüringisch noch heute verdeutlicht. Die gesamte Region stand vom 8. bis 11. Jahrhundert unter dem Einfluss der fränkischen Machtzentren Fulda, Bamberg, Würzburg und Hersfeld von wo aus auch die christliche Missionierung durch die Missionare Sankt Kilian und Bonifatius ausging. Die weltliche Macht lag zumindest zum Teil weiterhin bei Grafen, die z. B. den Schwabengau und den Grabfeldgau verwalteten.

Mit Ausnahme von Meiningen und Walldorf, die bis Mitte des 16. Jahrhunderts dem fränkischen Hochstift Würzburg angehörten, übernahmen Ende des 11. Jahrhunderts die Grafen von Henneberg im nördlichen Grabfeld und den angrenzenden Gebieten die weltliche Herrschaft. Die Gebiete östlich des Grabfeldes kamen als Erbe der Markgrafen von Schweinfurt an die Herzöge von Andechs-Meranien und nach deren Aussterben ebenfalls an die Grafen von Henneberg. Die von ihnen begründete Grafschaft Henneberg existierte etwa 500 Jahre bis zum Abbrechen der männlichen Erbfolge im Jahr 1583. Laut Vertrag kamen nun die noch hennebergisch gebliebenen Gebiete unter wettinische Hoheit, die ihren Regierungssitz in Meiningen einrichteten. Daraus entstanden ab 1680 die ernestinische Staaten Sachsen-Meiningen, Sachsen-Hildburghausen und Sachsen-Römhild. Sie gingen später zum größten Teil in den Herzogtümern Sachsen-Meiningen, dessen Territorium den größten Teil von Südthüringen einnahm, und Sachsen-Coburg und Gotha auf. Schmalkalden und seine Umgebung kamen zu Hessen-Kassel (1866 zu Preußen), die Stadt Suhl mit dem angrenzenden Landkreis Schleusingen zur preußischen Provinz Sachsen und die nördliche Rhön im Gebiet um Dermbach und Vacha wurde im Kreis Eisenach Teil des Großherzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach.

1918 wurden die sieben thüringischen Herzog- und Fürstentümer zu Frei- und Volksstaaten, die 1920 gemeinsam das Land Thüringen gründeten. In ihm gingen auch die Sachsen-Meiningschen Gebiete auf. Die Kreise Schmalkalden und Schleusingen blieben zunächst bis 1945 preußische Enklaven im Regierungsbezirk Erfurt. 1952 wurde das Verwaltungssystem der DDR reformiert. Die Länder, also auch Thüringen, wurden aufgelöst und durch neue Bezirke ersetzt. Nun war der gesamte Südthüringer Raum erstmals in seiner Geschichte ein einheitliches Verwaltungsgebilde, namentlich der Bezirk Suhl. 1990 wurde das Land Thüringen nach der Wiedervereinigung wiederhergestellt. 1994 erfolgte eine Kreisreform, bei der die heutigen Landkreise gebildet wurden.

Kultur[Bearbeiten]

Dialekte und Mundarten[Bearbeiten]

Für den Südthüringer Raum sind die Mainfränkischen Dialekte Itzgründisch, Hennebergisch und Grabfeldisch kennzeichnend. Im Bad Salzunger Raum werden die Mischdialekte Westthüringisch und Rhöner Platt gesprochen. Im Landkreis Sonneberg abseits der Bamberger Schranke wird Oberfränkisch gesprochen.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Südthüringen weist eine hohe Dichte an Kulturdenkmälern auf. Es gibt zahlreiche Burgen und Burgruinen (allerdings sind diese alle kleinere Burganlangen) sowie sehenswerte Schlösser (zum Beispiel die Schlösser Elisabethenburg und Landsberg in Meiningen, Schloss Wilhelmsburg in Schmalkalden, Schloss Bertholdsburg in Schleusingen, Park und Schloss Altenstein bei Bad Liebenstein). In Suhl kann außerdem das Waffenmuseum Suhl sowie das Fahrzeugmuseum besichtigt werden. Schmalkalden ist für sein Schloss und vor allem für seinen historischen Fachwerk-Stadtkern bekannt. Meiningen besitzt neben dem Theater und den Schlössern noch zahlreiche weitere Repräsentativbauten, Parkanlagen, ein Theatermuseum, mit den Meininger Museen die umfangreichste Kunstsammlung Thüringens und dem Dampflokwerk einen Magneten für Technikfans. Das Hennebergische Freilichtmuseum in Kloster Veßra zeigt, unter anderem, Ausschnitte des mittelalterlichen Lebens in der Region des heutigen Südthüringens. Im Landkreis Sonneberg sind unter anderem das Deutsche Spielzeugmuseum und das Astronomie-Museum in der ehemaligen Weltspielwarenstadt Sonneberg sowie das Museum für Glaskunst in Lauscha als besondere Sehenswürdigkeiten hervorzuheben.

Verkehr[Bearbeiten]

Straße[Bearbeiten]

Die wichtigen Verkehrsachsen für Südthüringen stellen die mit zahlreichen spektakulären Brückenbauwerken und dem längsten Straßentunnel Deutschlands neu erbauten Autobahnen A 71 Sangerhausen–Erfurt–Schweinfurt sowie A 73 Suhl–Bamberg–Nürnberg dar. Weitere wichtige Verkehrsadern sind die Bundesstraßen entlang der Werra, namentlich die B 19 Eisenach–Meiningen und die B 89 Meiningen–Sonneberg. Von Bedeutung ist auch die B 281 von Eisfeld nach Saalfeld. Die Stadt Schmalkalden wird durch die Verlängerung der B 62 Vacha–Bad Salzungen–Barchfeld nach Schmalkalden–Zella-Mehlis erstmals Anschluss ans Bundesfernstraßennetz erhalten.

Bahn[Bearbeiten]

Die erste Eisenbahnstrecke durch Südthüringen war die Werrabahn von Eisenach nach Lichtenfels im Jahre 1858. Sie führt durch die Städte Bad Salzungen, Meiningen, Hildburghausen, Eisfeld und Coburg (heute zwischen Eisfeld und Coburg abgebaut). Eine ebenfalls 1858 eröffnete Nebenlinie der Werrabahn verband Coburg mit Sonneberg. 1874 wurde mit der Main-Rhön-Bahn zwischen Meiningen und Schweinfurt eine weitere bedeutende Bahnstrecke eröffnet. Suhl erhielt mit dem Bau der dritten wichtigen Bahnstrecke in Südthüringen, der Bahnstrecke Neudietendorf–Ritschenhausen, im Jahr 1882 einen Anschluss. Später folgten noch zahlreiche Nebenstrecken (u. a. auch die steilste regelspurige Bahnstrecke Deutschlands von Suhl nach Schleusingen mit abschnittsweise knapp 7 % Steigung sowie Deutschlands erste Meterspurbahn von Bad Salzungen nach Kaltennordheim und Vacha), von denen heute einige wieder stillgelegt sind. Auf denen noch in Betrieb befindlichen Eisenbahnstrecken wird der Personenverkehr durch die Süd-Thüringen-Bahn und die Erfurter Bahn (Unterfrankenshuttle) durchgeführt. Linien der Deutschen Bahn AG in Südthüringen sind die tagsüber im 2-Stundentakt verkehrenden acht Regional-Express-ZugpaareMainfranken-Thüringen-Express“ Erfurt–Würzburg, die fünf Regional-Express-Verbindungen Erfurt–Meiningen (RE 14) sowie die Regionalbahn/Regionalexpress-Verbindung Sonneberg–Coburg–Lichtenfels–Nürnberg.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Die wirtschaftlichen Zentren in Südthüringen bilden insbesondere die Städte Suhl (15.587 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze), Meiningen (11.312), Sonneberg (11.013), Schmalkalden (8.391), Bad Salzungen (7.144) und Hildburghausen (5.410).[3]

Die Stadt Sonneberg ist seit 1. Oktober 2013 assoziiertes Mitglied der Metropolregion Nürnberg.[4]

Hauptwirtschaftszweige in der verarbeitenden Industrie sind hier die Metall- und Kunststoffindustrie (Schmalkalden, Sonneberg, Steinbach-Hallenberg, Suhl), der Maschinen- und Fahrzeugbau (Meiningen, Sonneberg), die Spielzeugindustrie (Sonneberg), die Keramische Industrie (Sonneberg) sowie die Elektrotechnik- und Hightech-Branche (Meiningen, Sonneberg, Suhl). Weitere Bedeutung hat die Jagd- und Sportwaffenfertigung in Suhl.

In der Nahrungsmittelindustrie sind die Fleisch- und Wurstwarenhersteller in Meiningen (Meininger), Schmalkalden (Thüringer Landstolz) und Suhl (Zimbo) hervorzuheben. Die bedeutendste Großbäckerei bildet das Backhaus Nahrstedt in Meiningen mit mehr als 400 Beschäftigten und 82 Filialen. Zu nennen sind weiterhin der Getränkehersteller Thüringer Waldquell in Schmalkalden, die Schüerholz GmbH Meiningen (Liköre, Rhöntropfen) und die Brauereien in Dingsleben, Schwarzbach (Auengrund), Kaltennordheim (Rhönbier) und Sonneberg (Gessner).

Im Gesundheitswesen haben das SRH Zentralklinikum Suhl mit 582 Betten und das Klinikum Meiningen mit 558 Betten eine überregionale Bedeutung.[5] In hochmodern ausgerüsteten Kliniken bieten beide Häuser Krebsbehandlung, Notfallmedizin sowie neurologische, orthopädische und chirurgische Eingriffe nach neuesten Erkenntnissen. Weitere Kliniken und Fachkrankenhäuser befinden sich in Bad Salzungen, Hildburghausen, Schmalkalden, Sonneberg und Meiningen (Geriatrie). Eine große Bedeutung haben die Kurkliniken und Kureinrichtungen in Bad Salzungen, Bad Liebenstein und Bad Colberg-Heldburg. Die Henneberg-Kliniken Hildburghausen/Schleusingen und die Medinos-Kliniken Sonneberg gehören zur regioMed-Kliniken GmbH, einem länderübergreifenden Klinikverbund mit 1400 Betten und 3000 Beschäftigen.[6]

Bildung[Bearbeiten]

Mit der Fachhochschule Schmalkalden mit 3.000 Studenten und der Fachhochschule Polizei in Meiningen mit zirka 500 Studenten sind in Südthüringen zwei Hochschulen angesiedelt. Die Staatliche Berufsbildende Schule Sonneberg hat ein überregionales Einzugsgebiet, welches ganz Südthüringen und auch die drei fränkischen Regierungsbezirke des Freistaats Bayern umfasst. Weiter arbeitet sie mit der Universität Ilmenau und der Hochschule Coburg zusammen. Ebenfalls von überregionaler Bedeutung sind die Höhere Berufsfachschule für Gesundheits- und Krankenpflege Suhl, die Fachschule für Rettungsassistenten Meiningen und die Höhere Berufsfachschule für Gesundheits-, Sozial, Pflege- und Assistentenberufe Meiningen.

Medien[Bearbeiten]

In Südthüringen erscheinen die Zeitungen Freies Wort (FW) mit seinen Lokalausgaben, die Südthüringer Zeitung (STZ) in Bad Salzungen, der Rhön und Schmalkalden sowie das FW Meininger Tageblatt (MT) in Meiningen, Rhön, Grabfeld und Werratal. Zentralredaktion und Verlag für das FW und STZ befindet sich in Suhl, für das MT die Zentralredaktion in Suhl und Lokalredaktion und Verlag in Meiningen. Gedruckt werden alle Zeitungen seit Anfang 2010 im Druckhaus der Thüringer Allgemeinen in Erfurt.

Weitere Medien sind unter anderem das Südthüringer Regionalfernsehen Sonneberg (SRF), Rennsteig TV Suhl, der Rhön-Rennsteig-Verlag Suhl („RennsteigBlick“, „Treffpunkt“ u.a.), das Medienzentrum Henneberger Land e.V. und die Meininger Mediengesellschaft (MMG).

Literatur[Bearbeiten]

  • Zwischen Rennsteig und Sonneberg (= Werte unserer Heimat. Band 39). 2. Auflage. Akademie Verlag, Berlin 1986, S. 27–31.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Heinz Späth: Geographische Landesaufnahme: Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 141 Coburg. Bundesanstalt für Landeskunde, Bad Godesberg 1987. → Online-Karte (PDF, 5,0 MB)
  2. Bundesamt für Naturschutz - Obermainisches Hügelland
  3. Statistik der Bundesagentur für Arbeit, 30. Juni 2013
  4. Sonneberg ist Mitglied der Metropolregion Nürnberg (PDF; 21 kB)
  5. 6. Thüringer Krankenhausplan, Tabelle 4d (pdf; 4,7 MB)
  6. Homepage regioMed - Geschichte

Weblinks[Bearbeiten]