Gescher

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Dieser Artikel befasst sich mit der Stadt Gescher im Regierungsbezirk Münster. Für weitere Bedeutungen siehe Gescher (Begriffsklärung).
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Gescher
Gescher
Deutschlandkarte, Position der Stadt Gescher hervorgehoben
51.9569444444447.005555555555659Koordinaten: 51° 57′ N, 7° 0′ O
Basisdaten
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Regierungsbezirk: Münster
Kreis: Borken
Höhe: 59 m ü. NHN
Fläche: 80,84 km²
Einwohner: 16.889 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 209 Einwohner je km²
Postleitzahl: 48712
Vorwahlen: 02542, 02863 (Hochmoor)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: BOR, AH, BOH
Gemeindeschlüssel: 05 5 54 016
Stadtgliederung: 6 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Marktplatz 1
48712 Gescher
Webpräsenz: www.gescher.de
Bürgermeister: Hubert Effkemann (CDU)
Lage der Stadt Gescher im Kreis Borken
Kreis Borken Nordrhein-Westfalen Kreis Kleve Kreis Wesel Kreis Coesfeld Kreis Coesfeld Niedersachsen Kreis Steinfurt Niederlande Raesfeld Heiden Rhede Bocholt Borken Reken Velen Stadtlohn Heek Ahaus Gescher Legden Schöppingen Gronau Vreden Südlohn IsselburgKarte
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Die Stadt Gescher [ˈgɛʃɐ] (plattdeutsch Gesker) liegt im westlichen Münsterland im Nordwesten von Nordrhein-Westfalen und ist eine Kreisangehörige Gemeinde des Kreises Borken im Regierungsbezirk Münster. Seit dem 8. Juli 2013 trägt Gescher den offiziellen Namenszusatz Glockenstadt.

Geographie[Bearbeiten]

Räumliche Lage[Bearbeiten]

Brauchtum verbindet
Die Berkel

Durch Gescher fließt die Berkel. Im Nord-Osten streift der Fluss Dinkel das Stadtgebiet und bildet für etwa 3 km die Grenze zur Nachbargemeinde Rosendahl. Gescher liegt rund 3 km westlich der Autobahn A 31, die Emden mit dem Ruhrgebiet verbindet. Über die Anschlussstelle (33) Gescher-Coesfeld und die kreuzende B 525, die die deutsch-niederländischen Grenze bei Südlohn-Oeding mit der Autobahn A 43 verbindet, ist der Ort verkehrsgünstig gelegen.

Stadtgebiet[Bearbeiten]

Ortsteil Hochmoor[Bearbeiten]

Ortsteil, in dem auch Vertriebene nach 1945 eine neue Heimat gefunden haben (Vorwahl: 02863). Das dort befindliche Hochmoor wurde erst in den 1960er Jahren mittels Tiefpflug trockengelegt.

Bauerschaften[Bearbeiten]

Nachbargemeinden/-städte[Bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten]

Frühgeschichte und Mittelalter[Bearbeiten]

Frühgeschichtlich liegt Gescher an der Stammesgrenze zwischen Brukterern und Chamaven. Die Grenze lag in den Feuchtgebieten im Westen von Gescher (Estern). Entlang dieser Grenzen finden sich auch die Fluchtburgen versunkene Borg, Rauschenburg und Hengelborg. Der Name Gescher leitet sich ab von Gasgare, später dann Gaschari, einem Oberhof des Stiftes Borghorst. Nach dem Bau einer Kirche durch das Stift um das Jahr 1000 und der Einrichtung der dazugehörenden Pfarrei entwickelte sich allmählich eine dörfliche Siedlung. Gescher wurde im Feuchtgebiet der Siepen gegründet, wobei diese Siepen nicht trockengelegt oder umgeleitet, sondern überbaut wurden. Noch heute finden sich entsprechende Namen wie Waterstegge oder Armlandstraße (ein ehemaliger Knüppeldamm über die Siepe) wieder. Es zogen sich Siepen von der Katharinenstraße (Waterstegge) und auch von der Inselstraße in Richtung Wenings Feuchtgebiete. Weitere Siepen aus den südlichen und östlichen Gebieten wurden in der Gräfte gesammelt und von dort unter der Armlandstraße weitergeleitet. Diese verläuft heute noch an der linken Seite der Pankratius-Kirche. Diese Siepen existieren noch immer, teils verrohrt oder als weitläufiges Feuchtgebiet.

Neuzeit[Bearbeiten]

1570 brannte die Siedlung fast vollständig nieder. Der Wiederaufbau sowie Plünderungen und Einquartierungen während der Niederländischen Befreiungskriege und des Dreißigjährigen Krieges behinderten die Entwicklung der Siedlung.

Infolge der französischen Revolutionskriege wurde im Jahr 1803 das Fürstbistum Münster, zu dessen Amt Ahaus Gescher gehört hatte, auf dem Reichsdeputationshauptschluss aufgelöst. Das Kirchspiel gelangte unter die Herrschaft des Fürsten zu Salm. Von 1811 bis 1813 war Gescher Teil Frankreichs und ab 1816 als Teil des Kreises Coesfeld preußisch.

Aus der in Heimarbeit zu leistenden Verarbeitung von Flachs zu Leinen erwuchs während des 19. Jahrhunderts die technisierte Textilindustrie, die für das Wirtschaftsleben bis Mitte des 20. Jahrhunderts prägend werden sollte. 1904 wurde die Eisenbahnteilstrecke Coesfeld-Gescher-Borken in Betrieb genommen. Das 1906 gegründete Torfwerk im Süden der Bauerschaft Tungerloh-Pröbsting stellte die Keimzelle des heutigen Ortsteils Hochmoor dar.

Kriegsgräberstätte

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges war die bischöfliche Stiftung Haus Hall Kriegslazarett. Die Bausubstanz von Gescher blieb weitgehend unversehrt. Am 30. März 1945 (Karfreitag) übergab Bürgermeister Niemann die Gemeinde Gescher an die herannahenden englischen Alliierten. Es kam vereinzelt zu kurzen Feuergefechten mit abrückenden deutschen Soldaten. Mr. Ball übernahm als Vertreter der britischen Besatzung die Hoheit über die Stadt.

1980 eröffnete das Glockenmuseum als eines der wichtigsten Aushängeschilder der Stadt, es wurde 2010 umfassend renoviert und erweitert.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. Juli 1969 wurden in der ersten Phase der Kommunalen Neugliederung die Gemeinden Büren, Estern, Gescher, Harwick, Tungerloh-Capellen und Tungerloh-Pröbsting unter Auflösung des Amtes Gescher zur Stadt Gescher zusammengeschlossen.[2] Am 1. Januar 1975 kam sie im Zuge des zweiten Neugliederungsprogramms vom Kreis Coesfeld zum Kreis Borken.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung 1834-2002
Jahr Einwohner
1834 3.784
1846 3.807
1849 3.790
1855 3.876
1858 3.806
1864 4.002
1871 3.912
1885 3.962
Jahr Einwohner
1890 4.048
1900 4.206
1905 4.486
1914 5.219
1926 5.943
1939 7.223
1950 10.177
1961 10.795
Jahr Einwohner
1981 14.397
1990 15.092
1995 16.154
2000 16.851
2005 17.146
2010 17.164
2011 16.869
2012 16.889

Laut Zensus 2011 wohnten zum Stichtag 9. Mai insgesamt 16.869 Menschen in Gescher.

Religion[Bearbeiten]

Kirchen[Bearbeiten]

Konfessionen[Bearbeiten]

81,0 % römisch-katholisch
10,1 % evangelisch
8,9 % sonstige/keine/ohne Angabe

Politik[Bearbeiten]

Rathaus

Im Rathaus der Stadt sind vertreten:

2004 2009
Partei Stimmanteil Sitze Stimmanteil Sitze
CDU 40,1 % 13 46,5 % 16
SPD 27,9 % 9 20,5 % 7
UWG 16,2 % 5 13,0 % 4
GRÜNE 8,1 % 2 11,4 % 4
FDP 7,7 % 3 8,6 % 3

Wappen und Flagge[Bearbeiten]

Der Stadt ist mit Urkunde der Bezirksregierung Münster vom 20. Januar 1971 das Recht zur Führung eines Wappens und einer Flagge verliehen worden.

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „Das Wappen der Stadt Gescher stellt auf grünem Schild zwei voneinander abgekehrte silberne (weiße) Jagdhörner dar.“

Das Wappen geht auf alte Jagdrechte, verliehen durch den Bischof von Münster, zurück. Auch die seit 1421 in Gescher ansässige einflussreiche Familie von der Beeke führte die Jagdhörner im Wappen.[3]

Flagge[Bearbeiten]

Beschreibung der Flagge: „Die Flagge ist in drei Bahnen im Verhältnis 1 : 3 : 1 von Grün auf Weiß zu Grün längsgestreift (gemeint ist quergestreift) und zeigt in der weißen Bahn das Stadtwappen im Schild.“[4]

Bürgermeister und Stadtdirektoren[Bearbeiten]

Bürgermeister der Gemeinden Gescher

  • 1832–1835: Bürgermeister Lüders
  • 1918–1943: Anton Huesker
  • 1945: Bürgermeister Niemann

Amtsbürgermeister des Amts Gescher

ehrenamtl. Bürgermeister der Stadt Gescher

  • 1956-1969: Anton Cramer (CDU)
  • 1969–1977: Heinrich Hörnemann (CDU)
  • 1977–1994: Hermann Horstick (CDU)
  • 1994–1999: Heiner Theßeling (SPD)

Stadtdirektoren der Stadt Gescher

  • 1969–1982: Gerhard Willerding
  • 1982–1997: Dr. Klaus-Peter Schulz-Gadow (CDU)
  • 1997–1999: Hans Beuker (CDU)

hauptamtl. Bürgermeister der Stadt Gescher

  • 1999–2009: Heiner Theßeling (SPD)
  • seit 2009: Hubert Effkemann (CDU)

Mit der Auflösung des Amtes Gescher 1969 und dem Zusammenschluss der umliegenden Gemeinden zur Stadt Gescher erlischt das Amt des Amtsbürgermeisters.

Aufgrund der geänderten Gemeindeordnung von 1994 entfällt 1999 die Doppelspitze - Stadtdirektor und ehrenamtlicher Bürgermeister. Seitdem gibt es nur noch den hauptamtlichen Bürgermeister. Er wird direkt gewählt. Dieser ist Vorsitzender des Rates, Leiter der Stadtverwaltung und Repräsentant der Stadt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Glockenstadt[Bearbeiten]

Glockengießerei

Der seit 1790 angesiedelten Glockengießerei Petit & Gebr. Edelbrock verdankt Gescher den Ruf als „Glockenstadt“. 1980 wurde das westfälische Glockenmuseum eröffnet. Eine der wohl berühmtesten und größten Glocken aus Gescher ist die Weltjugendtagsglocke „Johannes Paul II“ im Geläut der Kölner Basilika von St. Aposteln.

Lokale Brauchtümer[Bearbeiten]

  • Äppelken poop Äppelken (Äpfelchen, kleine Äpfelchen): Bei diesem alten Heischebrauch, der jedes Jahr am Tag des Erzengels Michael (29. September) stattfindet, ziehen die Kinder von Haus zu Haus und singen ein altes niederdeutsches Lied, worauf hin sie von den Bewohnern des Hauses Süßigkeiten bekommen. Bei diesem alten Brauch wurden den Kindern ursprünglich die Äpfel geschenkt, die als Fallobst oder ihrer geringen Größe wegen nicht brauchbar waren.
  • Karneval: Der jährliche Karnevalsumzug in Gescher mit dem Ruf Gescher Helau! findet traditionell zwei Wochen vor Rosenmontag statt. Begründet ist diese alte Tradition im vierzigstündigen Gebet, das im 19. Jahrhundert vielerorts im Münsterland auf den Rosenmontag gelegt wurde, um gegen das Karnevalstreiben vorzugehen. Die Gescheraner jedoch umgingen durch die Vorverlegung der Fastnacht diese Einschränkung. Auch wenn das vierzigstündige Gebet heute nicht mehr am Rosenmontag stattfindet, hat sich diese Tradition in Gescher über die Jahrzehnte erhalten.

Museen[Bearbeiten]

Museumshof
Imkereimuseum

Die Stadt Gescher ist über ihre Grenzen hinaus durch ihre Vielzahl an Museen bekannt:

Baudenkmäler[Bearbeiten]

Darüber hinaus haben sich in Gescher eine ganze Reihe sehenswerter denkmalgeschützter Bauwerke erhalten.

Bildung[Bearbeiten]

Schulen[Bearbeiten]

Haus Hall
  • Gesamtschule Gescher
  • Pankratiusschule
  • Von-Galen-Schule
  • Schule auf dem Hochmoor, kath. Grundschule Hochmoor
  • Don-Bosco-Schule, gem. Hauptschule der Stadt Gescher
  • Städtische Realschule für Jungen und Mädchen Gescher
  • Brüder-Grimm-Schule, Förderschule mit dem Förderschwerpunkt Sprache
  • Haus Hall, Priv. Förderschule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung

Kindergärten[Bearbeiten]

  • Ev. Kindergarten Garten Gethsemane
  • Kindergarten Kleine Welt
  • Kindergarten St. Ludgerus
  • Kindergarten St. Pankratius
  • Kindergarten St. Maria Goretti
  • Kindergarten St. Marien
  • Kindergarten St. Stephanus
  • Kindergarten Haus Hall

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Gescher liegt, mit einer eigenen Abfahrt, an der A 31 und an der B 525.

An das Schienennetz ist Gescher heute nicht mehr angeschlossen. Bis 1985 war der Bahnhof Gescher ein Teil der Bahnstrecke Münster-Coesfeld-Borken-Empel-Rees.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

Die bischöfliche Stiftung Haus Hall ist Wohnort und Arbeitsplatz für behinderte Menschen und größter Arbeitgeber in Gescher. Die d.velop AG ist ein mittelständischer Softwarehersteller und laut einer Bewerbungsschrift für die Regionale 2013 / 2016 [5] erfolgreicher „hidden Champion“. Mit Windhoff Software Services GmbH hat ein wichtiger Software-Dienstleister seinen Hauptsitz in Gescher. In Gescher-Hochmoor befindet sich der internationale Unternehmenssitz von Ruthmann.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

Bisher einziger Ehrenbürger der Stadt Gescher ist Anton Huesker, ehemaliger Textilfabrikant, der wegen seiner besonderen sozialen Leistungen am 25. Juni 1936 zum Ehrenbürger ernannt wurde. Auch der westfälische Textilverband erwähnt in seinen Schriften die herausragenden Leistungen von Anton Huesker.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gescher – Sammlung von Bildern
 Wiktionary: Gescher – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungszahlen auf Basis des Zensus vom 9. Mai 2011. Landesbetrieb Information und Technik Nordrhein-Westfalen (IT.NRW), abgerufen am 31. Juli 2013. (Hilfe dazu)
  2.  Martin Bünermann: Die Gemeinden des ersten Neugliederungsprogramms in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1970, S. 96.
  3. Juli 2012.pdf Hauptsatzung der Stadt Gescher, § 2. Abgerufen am 4. Februar 2013.
  4. Wappen und Flagge der Stadt Gescher. Abgerufen am 4. Februar 2013 (PDF; 664 kB).
  5. http://www.regionale2016international/ info/fileadmin/pdf/Regionale2016/zukunftsland_regionale_Bewerbung_2.pdf