Thomas Nast

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Porträt aus Harper's Weekly, 1867
Thomas Nast (1840–1902)

Thomas Nast (* 27. September 1840 in Landau, Pfalz; † 7. Dezember 1902 in Guayaquil, Ecuador) war ein deutsch-amerikanischer Karikaturist und wird als Vater des amerikanischen politischen Cartoons angesehen.

Karikatur zu William Tweeds Wahlfälschungen

Leben[Bearbeiten]

Nast wurde in einer Kaserne in Landau in der Pfalz geboren, er war der Sohn eines Musikers in der Kapelle des 9. bayrischen Regiments. Seine Mutter wanderte mit ihm 1846 nach New York aus, um den ärmlichen Verhältnissen in der Heimat zu entfliehen. Sein Vater kam 4 Jahre später nach. Er hatte etwa ein halbes Jahr lang Zeichenunterricht bei Theodor Kaufmann und an der National Academy of Design. Nach dem Studium begann er mit 15 Jahren als Zeichner für Frank Leslie’s Illustrated Newspaper zu arbeiten, drei Jahre später auch für Harper’s Weekly. Um 1860 ging er nach England für die New York Illustrated News. In den frühen 1860er Jahren heiratete er Sarah Edwards.

Seine erste ernsthafte Karikatur war der Cartoon „Peace in 1862“, der gegen diejenigen aus dem Norden gerichtet war, die gegen die Fortsetzung des amerikanischen Bürgerkriegs protestierten. Dieser und ein weiterer Cartoon wurden während des Bürgerkriegs in Harper’s Weekly veröffentlicht. Er war bekannt dafür, Schlachtfelder aus den sogenannten border states und den Südstaaten zu zeichnen. Diese erregten große Aufmerksamkeit, weshalb Nast von Präsident Abraham Lincoln zum best recruiting sergeant (besten Rekrutierungsoffizier) ernannt wurde.

Seine Karikaturen über die Korruption der Tammany Hall und deren „Parteimaschine“ unter William Tweed führten maßgeblich zur Absetzung und Verurteilung von Tweed. So soll dieser gesagt haben: „Es ist mir gleichgültig, was die Zeitungen über mich veröffentlichen, da meine Schäfchen ohnehin nicht lesen können. Aber sie verstehen diese Zeichnungen.“ Nast fuhr mit seiner Arbeit gegen Tweed trotz Morddrohungen und Bestechungsversuchen fort.

Es waren auch die Karikaturen von Nast, die als Grundlage der Steckbriefe gegen Tweed genutzt wurden. Als Tweed 1874 schließlich wegen Korruption verurteilt wurde und eine Kaution nicht zahlen konnte, floh er 1875 nach Kuba. Auf seiner weiteren Flucht in die galicische Hafenstadt Vigo in Spanien erkannten Beamte Tweed auf Grund der Karikaturen von Nast, verhafteten ihn und lieferten ihn 1876 an die USA aus.

Nast lebte von 1872 bis 1902 in Morristown, New Jersey in der "Villa Fontana" [1] Seine letzte Karikatur erschien 1886 in Harper’s weekly, da er mit dem neuen Herausgeber immer öfter Meinungsverschiedenheiten hatte. Seine Beiträge in anderen Zeitschriften waren unregelmäßig - vielleicht aufgrund seiner Schmerzen in den Händen. Bei der Insolvenz des Bankhauses Grant & Ward verlor er 1884 seine Ersparnisse.

Um 1890 veröffentlichte er Thomas Nast’s Christmas Drawings for the Human Race. Später versuchte er, eine Zeitschrift zu gründen. Dies misslang jedoch und so sandte ihn Theodore Roosevelt 1902 als Generalkonsul nach Guayaquil, Ecuador in Südamerika. Während einer tödlichen Gelbfieberepidemie blieb Nast standhaft und half bei zahlreichen diplomatischen Missionen und Geschäften, bis er sich schließlich selbst infizierte und 1902 im Alter von 62 Jahren starb.

Sein Leichnam wurde in die USA überführt und auf dem Woodlawn Cemetery in Brooklyn, New York bestattet.

Es leben in Offenbach und Mannheim immer noch seine Nachkommen. Alljährlich findet in Landau in der Pfalz der Thomas-Nast-Nikolausmarkt statt.

Die während des Kalten Krieges bis Anfang der 1990er Jahre auf dem Landauer Ebenberg von den amerikanischen Streitkräften unterhaltene Raketenstation (zuerst Nike Hercules, später PATRIOT) verdankt ihm ebenfalls ihren Namen: Camp Thomas Nast.

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

Sein Erbe[Bearbeiten]

Nast schuf eine Vielzahl von Cartoons, meist in Holzschnitttechnik. Einige sind noch heute sehr bekannt. So schuf er die Symbolfigur Elefant für die Republikanische Partei der USA. Den Esel für die Demokratische Partei erfand er zwar nicht, aber er verwendete ihn ebenfalls und machte dadurch die beiden Parteisymbole populär. Außerdem trug er maßgeblich zur Bekanntheit der Figur Uncle Sam bei.

Bild vom Weihnachtsmann[Bearbeiten]

Merry Old Santa Claus, Holzschnitt in Harper's Weekly – 1. Januar 1881

Nasts Vorstellungen vom Weihnachtsmann gehen auf den pfälzischen Pelznickel[2], den deutschen Weihnachtsmann und den niederländischen Sinterklaas zurück und nehmen auch neuere US-amerikanische Einflüsse auf ("Santa Claus").[3] Während seines Engagements für die Unionisten im Bürgerkrieg begann er 1863 mit Darstellungen eines in deren rot-weißen Farben gehaltenen Santa Claus, der vom Schlitten herab die tapferen Soldaten beschenkt. Später wurde daraus der Pfeife rauchende gemütliche und fidele Alte. Diese Geschichten malte Nast bis an sein Lebensende, doch erst 1923 wurde nach dieser Vorlage im Zuge einer Werbekampagne des New Yorker Getränkehersteller White Rock Beverages für sein beliebtes Dry Ginger Ale der heute bekannte Weihnachtsmann gezeichnet.[4][3]


Thomas-Nast-Preis[Bearbeiten]

Die Thomas-Nast-Stiftung Landau e.V. vergibt seit 1977 jährlich den undotierten Thomas-Nast-Preis an verdiente deutsche und amerikanische politische Karikaturisten.[5]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Thomas Nast – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Deutschsprachig

  • Thomas Nast – Die 100 größten Rheinland-Pfälzer bei swr.de

Englischsprachig

Quellen[Bearbeiten]

  1. Villa Fontana, in Morristown, NJ
  2. Pfälzisches Wörterbuch: 'Pelz(e)-Nickel', vgl. den ähnlichen Pelzmärtel
  3. a b manager magazin: Wie Coca-Cola den Weihnachtsmann nicht erfand
  4. Wie Abraham Lincoln den Weihnachtsmann erfand – spiegel.de
  5. Informationen zum Thomas-Nast-Preis.