Ulrich Wilhelm

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Ulrich Wilhelm (* 8. Juli 1961 in München) ist seit 1. Februar 2011 Intendant des Bayerischen Rundfunks. Zuvor war er zwischen 2005 und 2010 Chef des Bundespresseamts und Regierungssprecher der Bundesregierung für das Kabinett Merkel I und Merkel II. Er hatte den Rang eines beamteten Staatssekretärs. Seit November 2011 ist Wilhelm zudem Vorstandsmitglied beim MedienCampus Bayern.

Leben[Bearbeiten]

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Wilhelm besuchte in München zwischen 1967 und 1980 Grundschule und das Ludwigsgymnasium. Von 1980 bis 1981 absolvierte er seinen Grundwehrdienst. Zwischen 1981 bis 1983 hat er eine Ausbildung in der Deutsche Journalistenschule in München erhalten. Diese schloss er mit dem Redakteursdiplom ab. Journalismus bezeichnet Wilhelm als seine „erste berufliche Leidenschaft“. Bereits als Journalistenschüler knüpfte Wilhelm vor knapp 30 Jahren Kontakte zum Bayerischen Rundfunk. Während seines Studiums der Rechtswissenschaften an den Universitäten Passau und München und seiner Referendarzeit (1983–1990) arbeitete Wilhelm als freier Journalist u. a. für Hörfunk- und Fernsehsendungen des Bayerischen Rundfunks. 1990 war er auch für die Chefredaktion des BR tätig. In diesem Jahr war er beteiligt an einem 45-Minuten-Film zur Deutschen Einheit im Ersten.

1991 trat Ulrich Wilhelm in den Staatsdienst ein, zunächst im Bayerischen Innenministerium. Hier war er in der Kommunalaufsicht tätig, später im Pressereferat. Im Juni 1993 – kurz nach der Wahl von Edmund Stoiber zum Bayerischen Ministerpräsidenten – wechselte Wilhelm in die Bayerische Staatskanzlei. Von Januar 1995 bis Ende 1998 war er dort verantwortlich für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. 1999 wurde er Pressesprecher des Ministerpräsidenten und der Bayerischen Staatsregierung. In der Staatskanzlei leitete Wilhelm in dieser Zeit die Medienabteilung, in der neben den klassischen Referaten Rundfunkrecht und Medienrecht auch die Filmförderung, das Verlagswesen, der Fernsehpreis und der Filmpreis angesiedelt waren. 2004 wurde Wilhelm Amtschef des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst. Er arbeitete als jüngster bayerischer Ministerialdirektor für Minister Thomas Goppel. In dieser Funktion begleitete er auch die Münchner Hochschule für Fernsehen und Film.

Nach der Bundestagswahl 2005 holte Angela Merkel Wilhelm im November als Chef des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung sowie Regierungssprecher im Rang eines (beamteten) Staatssekretärs nach Berlin. Seine Bilanz als Regierungssprecher während der schwarz-roten und schwarz-gelben Koalition gilt als positiv: Er präsentierte sich den Hauptstadtjournalisten als stets gut vorbereitet, wie ihm der Vorsitzende der Bundespressekonferenz Werner Gößling attestierte. Er denkt „in langen Linien“, bescheinigte ihm der „Spiegel“ („Land ohne Lächeln“, 2. August 2010). Frank Schirrmacher, Herausgeber der „FAZ“, sagte 2010, Wilhelm habe „den Blick des Historikers“. Die Bild-Zeitung zog das Fazit: „Wilhelms größtes Pfund als Regierungssprecher war aber seine intellektuelle Brillanz. Sie war sein Schlüssel zum Herz der Kanzlerin.“ (Bild: „Merkels bester Mann“, 28. Juli 2010). Auch die Süddeutsche Zeitung bilanzierte, dass Wilhelm im Verlauf der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise „immer mehr von einem Regierungssprecher zu einem der wichtigsten Berater der Kanzlerin auch in politischen und nicht zuletzt juristischen Fragen wurde“ (SZ: „Beliebter als die Chefin“, 29. Juli 2010).

Wilhelm, der im Vergleich mit früheren Regierungssprechern eine der längsten Amtszeiten verzeichnen konnte, bewarb sich schließlich um den Posten des Intendanten des Bayerischen Rundfunks. Am 6. Mai 2010 wählte ihn der BR-Rundfunkrat mit 40 von 44 Stimmen zum Chef der viertgrößten ARD-Anstalt.[1]

Seine Regierungsämter legte Wilhelm Ende Juli 2010 nieder. Zwischen Ende der Regierungstätigkeit und dem Amtsantritt als Intendant lag ein halbes Jahr. Diskussionen, ob er als ehemaliger Regierungssprecher mit CSU-Parteibuch für die Staatsferne des BR garantieren könne, begegnete Wilhelm mit einem Bekenntnis zum unabhängigen Journalismus: Zur Verabschiedung seines Vorgängers Thomas Gruber (27. Januar 2011) sagte Wilhelm, er sei überzeugt, dass nur freier und unabhängiger Journalismus die Autorität und Glaubwürdigkeit von Medien erhalte. Die Unabhängigkeit sei für ihn eine „zentrale Verpflichtung“. Wilhelm hatte nie Parteiämter inne.

Wilhelm sagte laut BR zum Amtswechsel, er setze weiter auf fundierte Berichterstattung: „Wir werden unsere Kernkompetenzen Information, Bildung und Qualitätsjournalismus ausbauen.“ Journalisten müssten verlässliche Begleiter der Bürger sein, so Wilhelm. Sie sollten objektiv berichten und die wachsende Nachrichtenfülle für Hörer, Zuschauer und Internet-Nutzer überschaubar machen. Es sei Aufgabe des Journalismus, in einer sich ständig verändernden Umwelt Orientierung zu geben. „Qualitätsjournalismus ist die Voraussetzung für die dauerhafte Akzeptanz des öffentlich-rechtlichen Rundfunks“, betonte Wilhelm laut Bayerischem Rundfunk.

Wilhelm setzte sich auch zum Ziel, die „Heimat-Kompetenz“ des BR weiter zu stärken. Der BR müsse zudem das „größte Kulturinstitut Bayerns“ bleiben. Zu Beginn der zweitägigen Sitzung der Intendanten der ARD im Februar 2011 unterstrich Wilhelm auch die Bedeutung der ARD für seine künftige Arbeit. Der Bayerische Rundfunk werde sein Gewicht und seine Kompetenz – wie in den zurückliegenden Jahrzehnten – in der ARD einbringen, so Wilhelm laut Pressemitteilung des WDR. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk habe als einer der wichtigen Anbieter von Qualitätsjournalismus und umfassender Informationen eine entscheidende Rolle im öffentlichen Diskurs, der er dauerhaft gerecht werden müsse.

Qualitätsjournalismus leisten laut Wilhelm insbesondere viele Zeitungen. Der BR-Intendant sieht den öffentlich-rechtlichen Rundfunk und die Qualitätszeitungen in einer „Verantwortungsgemeinschaft“. Dies unterstrich er erneut im Interview mit der Süddeutschen Zeitung (21. Mai 2011): „Nur die Gesamtheit aus Qualitätszeitungen und öffentlich-rechtlichen Sendern arbeiten das Geschehen umfassend auf, beispielsweise das, was auf den Finanzmärkten passiert.“ Die Stabilität der Demokratie basiere auch auf der Qualität der Berichterstattung: „Wenn eine Säule der Medien bricht, leidet das gesamte Angebot. Deshalb müssen wir unseren Beitrag leisten, die Qualitätszeitungen in Deutschland zu stützen.“ Wilhelm bekräftigte seine Haltung im Interview mit der „Zeit“ (1. September 2011): „Ich halte es für wichtig, und zwar im Interesse der ganzen Gesellschaft, dass die wirtschaftliche Grundlage der Zeitungen auch im digitalen Zeitalter erhalten bleibt. Deshalb setze ich mich dafür ein, dass es Raum für Verständigung, für Kompromisse und auch für Kooperationen mit den Verlagen gibt, zum Beispiel bei der Überlassung von Nachrichtenfilmen.“ Die „Süddeutsche Zeitung“ (4. September 2011) wertete Wilhelms permanentes Eintreten für Verständigung mit den Verlegern in der schwierigen, digitalen Umbruchsphase der Medienbranche folgendermaßen: „BR-Intendant Ulrich Wilhelm gibt sich konziliant und schwingt sich zunehmend zum ARD-Chefdiplomaten auf. (...) Er ist in kurzer Zeit bereits Außenminister der ARD geworden.“

Die FAZ beschrieb Intendant Wilhelm nach zweijähriger Amtszeit („Wir sollten jetzt aus den Gräben herauskommen“ vom 9. März 2013) wie folgt: „In der ARD ist er mit seinem Gespür für die großen gesellschaftspolitischen Themen ein Vordenker.“

2013 wurde Ulrich Wilhelm mit dem Bayerischen Verdienstorden und dem "Tutzinger Löwen" ausgezeichnet. Dieser steht für "Toleranz und Weltoffenheit und für visionären Gestaltungswillen". Die „Pionierleistung“ Wilhelms sei, den ersten großen Sender der ARD auf Trimedialität umzustellen, sagte der Direktor der Evangelischen Akademie Tutzing Udo Hahn in seiner Laudatio. Wilhelm ist nach dem früheren Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU), der ehemaligen FDP-Politikerin Hildegard Hamm-Brücher, dem SPD-Politiker Egon Bahr, dem Physiker Carl-Friedrich von Weizsäcker sowie den früheren bayerischen Landesbischöfen Hermann von Loewenich und Johannes Friedrich die siebte Persönlichkeit, die mit der Bronzeplastik, dem „Tutzinger Löwen“ geehrt wurde.

Wilhelm ist Mitglied des Hochschulrats der Technischen Universität München und Mitglied im Kuratorium der Eberhard von Kuenheim Stiftung der BMW AG[2]

Wilhelm ist der Sohn des langjährigen Münchner Landtagsabgeordneten Paul Wilhelm.[3]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. BR-online: Ulrich Wilhelm zum neuen Intendanten gewählt
  2. Webseite der Eberhard von Kuenheim Stiftung der BMW AG: Das Kuratorium. http://kuenheim-stiftung.de/#default/stiftung/bilder.
  3.  Alfred Vogel: Zum Tode von Dr. Paul Wilhelm. In: Neue Stenografische Praxis. 58 (2009), Nr. 1, Verband der Parlaments- und Verhandlungsstenografen, Berlin, ISSN 0028-3371, S. 15 f.