Europäische Rundfunkunion

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Logo der EBU (seit Juli 2012)

Die Europäische Rundfunkunion (englisch European Broadcasting Union, EBU; französisch Union Européenne de Radio-Télévision, UER) ist ein Zusammenschluss von derzeit 74 Rundfunkanstalten in 56 Staaten Europas, Nordafrikas und Vorderasiens mit Sitz in Genf.[1] Hinzu kommen etwa halb so viele assoziierte Sender aus der ganzen Welt.[2]

Präsident der EBU ist der Intendant des frankophonen belgischen Rundfunksenders RTBF, Jean-Paul Philippot, Vizepräsident ist Claudio Cappon von der italienischen RAI. Hauptamtliche Generaldirektorin der EBU ist die Schweizerin Ingrid Deltenre, die vormalige Direktorin des Schweizer Fernsehens.

Mitglieder der EBU

Geschichte[Bearbeiten]

Ehemaliges Logo der EBU (bis 2012)

Die Europäische Rundfunkunion wurde am 12. Februar 1950 auf einer Konferenz in Torquay (Vereinigtes Königreich) mit dem Ziel gegründet, ein Netzwerk zum Austausch von Nachrichtenfilmen aufzubauen. Des Weiteren soll die EBU technische Entwicklungen im Radio- und Fernsehbereich vorantreiben und standardisieren. Gründungsmitglieder waren 23 Rundfunkanstalten aus Europa und dem Mittelmeerraum.

Im Jahre 1953 übertrug die EBU als erste internationale Livesendung überhaupt die Krönung von Königin Elisabeth II. Die erste „offizielle“ Eurovisionssendung war die Übertragung des Narzissenfestivals am 6. Juni 1954 aus Montreux.[3] 1956 fand die Ausstrahlung des ersten Eurovision Song Contest statt.

1993 schloss sich die EBU mit ihrem osteuropäischen Pendant OIRT zusammen.

Im November 2011 hat Andorra wegen finanzieller Schwierigkeiten seine Mitgliedschaft gekündigt.[4] Wann die Mitgliedschaft des Landes erlischt, ist noch nicht bekannt.

Projekte[Bearbeiten]

Hörfunk[Bearbeiten]

1991 wurde das Hörspiel „Das Treffen in Valladolid“ des britischen Schriftstellers Anthony Burgess (A Clockwork Orange, dt. Uhrwerk Orange) als Auftragsarbeit der EBU von allen ihren Mitgliedsländern in ihrer jeweiligen Sprache produziert und zeitgleich mit allen Sendeanstalten der ARD urgesendet.[5]

Fernsehen[Bearbeiten]

Die bekannteste Produktion der EBU ist der jährlich stattfindende Eurovision Song Contest, welcher jeweils von der Sendeanstalt des Landes produziert wird, die den Vorjahresgewinner gestellt hat.

Von 1965 bis 1999 wurde von der EBU die Spielshow Spiel ohne Grenzen ausgestrahlt. Darüber hinaus produziert sie in Eigenregie den Wettbewerb Eurovision Young Dancers sowie verschiedene Kinderprogramme und Dokumentarfilme.

Darüber hinaus betreibt die EBU einen Satellitenkanal, über den die Mitglieder-Sender sich gegenseitig eigenes (Video-)Material zur Verfügung stellen.

Erkennungsmelodien[Bearbeiten]

Die EBU verwendet verschiedene Erkennungsmelodien zur Kennzeichnung ihrer Sendungen. Die bekanntesten sind die Eurovisions-Fanfare mit einem Motiv aus dem Präludium zum Te Deum des französischen Komponisten Marc-Antoine Charpentier und die Euroradio-Fanfare nach einem Motiv aus der Ouvertüre zur Oper L’Orfeo von Claudio Monteverdi.

Technische Entwicklungen[Bearbeiten]

Zur Übertragung von Audiodateien in die einzelnen Mitgliedsländer wird das FLAC-Format verwendet.[6][7] Außerdem beteiligt sich die Organisation aktiv an der Forschung und Entwicklung von neuen Standards wie DAB, DVB und HDTV und konzipierte u.a. das Radio Data System (RDS).

Mitglieder[Bearbeiten]

Mit Stand von Mai 2011 hat die EBU 74 Vollmitglieder aus 56 Staaten und 43[2] assoziierte Mitglieder aus 22 weiteren Staaten – unter anderem aus Kanada, Japan, Mexiko, Brasilien, Indien, Hongkong und den Vereinigten Staaten. Die meisten Vollmitglieder sind staatseigene Sender oder private Rundfunkanstalten mit einem öffentlichen Informationsauftrag. In Deutschland gehören der EBU die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ARD und ZDF an; Österreich ist mit dem ORF, die Schweiz mit der SRG SSR und Südtirol mit Rai Bozen vertreten, der vor allem den „Grand Prix der Volksmusik“ mitüberträgt.

In Georgien gibt es sowohl assoziierte als auch Vollmitgliedssender.

Aktive Vollmitglieder[Bearbeiten]

Land Rundfunkanstalt Abkürzung
AgyptenÄgypten Ägypten Egyptian Radio and Television Union ERTU
AlbanienAlbanien Albanien Radio Televizioni Shqiptar RTSH
AlgerienAlgerien Algerien Entreprise nationale de radiodiffusion sonore ENRS
Entreprise nationale de télévision ENTV
Télédiffusion d’Algérie TDA
AndorraAndorra Andorra Ràdio i Televisió d'Andorra RTVA
ArmenienArmenien Armenien ARMR ARMR
ARMTV ARMTV
AserbaidschanAserbaidschan Aserbaidschan İctimai Televiziya və Radio Yayımları Şirkəti İTV
BelgienBelgien Belgien Vlaamse Radio- en Televisieomroep VRT
Radio-télévision belge de la Communauté française RTBF
Bosnien und HerzegowinaBosnien und Herzegowina Bosnien und Herzegowina Bosanskohercegovačka radiotelevizija BHRT
BulgarienBulgarien Bulgarien Bulgarischer Nationaler Hörfunk BNR
Bulgarisches Nationales Fernsehen BNT
DanemarkDänemark Dänemark Danmarks Radio DR
TV2 Danmark DK/TV2
DeutschlandDeutschland Deutschland Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland (einschließlich Deutschlandradio und Deutsche Welle) ARD
Zweites Deutsches Fernsehen ZDF
EstlandEstland Estland Eesti Rahvusringhääling ERR
FinnlandFinnland Finnland MTV3 MTV3
Yleisradio YLE
FrankreichFrankreich Frankreich Groupement des radiodiffuseurs français: Télévision Française 1, France Télévisions, Canal+, Radio France und Radio France Internationale GRF
Europe 1 E1
GeorgienGeorgien Georgien Öffentlicher Rundfunk Georgiens SSM
GriechenlandGriechenland Griechenland
*New Hellenic Radio, Internet and Television (Νέα Ελληνική Ραδιοφωνία, Ίντερνετ και Τηλεόραση) NERIT (* Mitgliedschaft beantrag, frühester Beitritt: Winter 2014)
IrlandIrland Irland Radio Telefís Éireann RTE
TG4 TG4
IslandIsland Island Ríkisútvarpið RÚV
IsraelIsrael Israel Israel Broadcasting Authority IBA
ItalienItalien Italien Radiotelevisione Italiana RAI
JordanienJordanien Jordanien Jordan Radio and Television Corporation JRTV
KroatienKroatien Kroatien Hrvatska Radiotelevizija HRT
LettlandLettland Lettland Latvijas Radio LR
Latvijas Televīzija LTV
LibanonLibanon Libanon Télé Liban TL
LitauenLitauen Litauen Lietuvos nacionalinis radijas ir televizija LRT
LuxemburgLuxemburg Luxemburg Radio Télévisoun Lëtzebuerg (ehem. Compagnie Luxembourgeoise de Télédiffusion) RTL
Établissement de Radiodiffusion Socioculturelle
du Grand-Duché de Luxembourg
ERSL
MaltaMalta Malta Public Broadcasting Services Ltd PBS
MarokkoMarokko Marokko Société nationale de radiodiffusion et de télévision SNRT
MazedonienMazedonien Mazedonien Makedonsko Radio-Televizija MRT
MoldawienMoldawien Moldawien Teleradio-Moldova TRM
MonacoMonaco Monaco Groupement de Radiodiffusion monégasque: Radio Monte Carlo, TMC Monte Carlo und Monte-Carlo Radiodiffusion GRMC
MontenegroMontenegro Montenegro Radio Televizija Crne Gore RTCG
NiederlandeNiederlande Niederlande Nederlandse Publieke Omroep NPO
NorwegenNorwegen Norwegen Norsk rikskringkasting NRK
TV 2 AS TV2
OsterreichÖsterreich Österreich Österreichischer Rundfunk ORF
PolenPolen Polen Polskie Radio i Telewizja PRT
PortugalPortugal Portugal Radiodifusão Portuguesa SA RDP
Radiotelevisão Portuguesa SA RTP
RumänienRumänien Rumänien Societatea Română de Radiodifuziune (Radio România) ROR
Societatea Româna de Televiziune: Televiziunea Română TVR
RusslandRussland Russland Perwy kanal C1R
Radio Dom Ostankino RDO
Rossija 1 RTR
San MarinoSan Marino San Marino San Marino RTV SMRTV
SchwedenSchweden Schweden Sveriges Television och Radio Grupp: Sveriges Television, Sveriges Radio und Sveriges Utbildningsradio STR
TV4 TV4
SchweizSchweiz Schweiz Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft SRG SSR
SerbienSerbien Serbien Radio-Televizija Srbije RTS
SlowakeiSlowakei Slowakei Rozhlas a televízia Slovenska RTVS
SlowenienSlowenien Slowenien Radio Televizija Slovenija RTV SLO
SpanienSpanien Spanien Radiotelevisión Española RTVE
Sociedad Española de Radiodifusión SER
Cadena de Ondas Populares Españolas COPE
TschechienTschechien Tschechien Český rozhlas ČRo
Česká televize ČT
TunesienTunesien Tunesien Établissement de la radiodiffusion-télévision tunisienne ERTT
TurkeiTürkei Türkei Türkiye Radyo ve Televizyon Kurumu TRT
UkraineUkraine Ukraine Natsionalna Telekompanija Ukraïny NTCU
Natsionalna Radiokompanya Ukraïny NRCU
UngarnUngarn Ungarn Magyar Rádió MR
Magyar Televizió HU/MTV
VatikanstadtVatikanstadt Vatikanstadt Vatikanisches Fernsehzentrum CTV
Radio Vatikan RV
Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich British Broadcasting Corporation BBC
United Kingdom Independent Broadcasting UKIB
WeissrusslandWeißrussland Weißrussland Belaruskaja Tele-Radio Campanija BTRC
Zypern RepublikRepublik Zypern Zypern Cyprus Broadcasting Corporation CyBC

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Europäische Rundfunkunion – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Mitgliedsliste, Mai 2011 (PDF, 759 KiB)
  2. a b Schwankende Angaben auf offizieller Website: 35 laut Angabe auf [1], 36 durch Nachzählen ebenda, 43 laut [2] (abgerufen 2. August 2010)
  3. Computer & Medien: Ein vereintes Fernsehpublikum - badische-zeitung.de. Abgerufen am 6. Juni 2014.
  4. http://eurovision.blog.ndr.de/2011/11/14/nachruf-auf-ein-tapferes-land/
  5. Deutschlandfunk, Das Hörspiel, 11. Februar 2012. In: dradio.de (12. Februar 2012)
  6. EBU.CH: Frequently Asked Questions
  7. Pro-Linux News: „European Broadcasting Union verwendet FLAC“