Rüdiger von Wechmar

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Rüdiger Freiherr von Wechmar (* 15. November 1923 in Berlin; † 17. Oktober 2007 in München) war ein deutscher Journalist und Diplomat, in den 1970er Jahren Botschafter der Bundesrepublik Deutschland bei den Vereinten Nationen.

Leben und Beruf[Bearbeiten]

Rüdiger von Wechmar, einziger Sohn des Berufsoffiziers Irnfried von Wechmar und dessen Gattin Ilse von Binzer verw. von Trotha (1895–1980), wuchs in Berlin-Südende auf. Die Familie hat ihren Ursprung im thüringischen Günthersleben-Wechmar. Der Familientradition folgend, machte er eine militärische Ausbildung in einer Napola, der nationalsozialistischen Entsprechung der Kadettenschulen in kaiserlicher Zeit. Als 17-Jähriger mit Notabitur[1] meldete von Wechmar sich 1941 freiwillig zur Wehrmacht und wurde zwei Jahre im Afrikakorps unter General Rommel eingesetzt, in dem Regiment, das kurz zuvor sein Vater geführt hatte. Als Kriegsgefangener wurde er in die USA gebracht. In dieser Zeit war er einer von 500.000 deutschen Gefangenen dort.[1] In der dreieinhalbjährigen Kriegsgefangenschaft belegte er durch Vermittlung des US-amerikanischen YMCA einen Korrespondenzkurs in Journalismus an der University of Minnesota.[1]

Zurück in Deutschland begann er eine Laufbahn als Journalist, zunächst bei der Presseagentur UPI, für die er etwa über die Nürnberger Prozesse berichtete.[2] In Bonn war er 1950 einer der Mitbegründer der Bundespressekonferenz.[1]

1958 trat er als Pressereferent am Generalkonsulat in New York in den Auswärtigen Dienst ein. In New York war er auch Mitarbeiter bei der ständigen Beobachtermission bei den Vereinten Nationen.

1963 schied er zunächst aus, um Auslandskorrespondent des damals neu gegründeten Zweiten Deutschen Fernsehens (ZDF) in Osteuropa, mit Sitz in Wien, zu werden. Durch die Unterstützung seines Freundes Walter Cronkite konnte er zuvor das Fernsehgeschäft bei CBS Evening News kennenlernen.[3] 1968 wurde er wieder Beamter, zunächst als Direktor des German Information Center in New York,[4] dann 1969 unter Conrad Ahlers stellvertretender Regierungssprecher.

1973 wurde von Wechmar zum Regierungssprecher im Range eines beamteten Staatssekretärs ernannt und blieb bis zum Ende der Amtszeit von Bundeskanzler Willy Brandt dessen Regierungssprecher, bis er 1974 ständiger Vertreter der Bundesrepublik bei den Vereinten Nationen wurde. Er vertrat die Bundesrepublik 1977 und 1978 im UN-Sicherheitsrat, zwei Monate lang auch als dessen Präsident. 1980/1981 war er Vorsitzender der UN-Generalversammlung.

1981 bis 1983 war er Botschafter in Rom, 1983 bis 1988 Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in London. 1988 wurde er für die FDP als „Zugpferd“ in das Europäische Parlament gewählt. Nach fünf Jahren Abstinenz konnten die Freien Demokraten somit 1989 wieder für eine Legislaturperiode ins Europäische Parlament einziehen.

Rüdiger von Wechmar war zweimal verheiratet. 1947 heiratete er Rosemarie Warlimont, mit der er zwei Kinder hatte. 1958 trennte sich das Paar. In New York lernt er Susanne Woldenga kennen, heiratete und hatte mit ihr ein Kind. Er lebte zuletzt in München. Der 83-Jährige erlag in einem Krankenhaus den Folgen eines Schlaganfalls.

Abgeordneter[Bearbeiten]

Von 1989 bis 1994 war von Wechmar Mitglied des Europaparlaments für die FDP.

Ehrungen[Bearbeiten]

  • 1980: Großes Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland

Literatur[Bearbeiten]

  •  Rüdiger Wechmar: Akteur in der Loge. Siedler Verlag, München Februar 2000, ISBN 3886806928 (Originaltitel: Erinnerungen eines Diplomaten).

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Interview mit Jürgen Martin Möller, Sendung des Bayerischen Rundfunks vom 14. Mai 1999 (PDF; 39 kB), abgerufen am 28. Mai 2011
  2. Rüdiger von Wechmar: Akteur in der Loge, Siedler, München 2000, hier S. 106
  3. Rüdiger von Wechmar: Akteur in der Loge, Siedler, München 2000, hier S. 211
  4. Rüdiger von Wechmar: Akteur in der Loge, Siedler, München 2000, hier S. 222
Vorgänger Amt Nachfolger
Walter Gehlhoff Leiter der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik Deutschland bei den Vereinten Nationen
1974–1981
Günther van Well