Wander Bertoni

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Metallskulptur, 1961, Stuttgart

Wander Bertoni (* 11. Oktober 1925 in Codisotto, Provinz Reggio Emilia, Italien) ist ein österreichischer Bildhauer.

Leben[Bearbeiten]

Bertoni kam im Jahre 1943 als Zwangsarbeiter nach Österreich.

Nach dem Zweiten Weltkrieg studierte er in den Jahren 1946 bis 1952 an der Akademie der bildenden Künste Wien bei Fritz Wotruba. Er gehörte zusammen mit Anton Lehmden und Josef Mikl im Jahre 1947 zu den Gründervätern des Art-Club.

Restaurierung bombengeschädigter Denkmäler nach dem Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

Wiener Pestsäule, Detailansicht
Burgtheater, Feststiege

Das Bundesdenkmalamt bezahlte einer Reihe von später bedeutenden Malern und Bildhauern für Restaurierungen Honorare, die nicht nur das Überleben sicherten, sondern auch die Chance boten, ihren künstlerischen Weg weiterhin zu beschreiten, ihre schöpferische Tätigkeit nicht zu vernachlässigen. Zu diesem Kreis zählte auch Wander Bertoni.[1] Der damalige Leiter des Bundesdenkmalamtes Otto Demus übertrug dem jungen Akademiestudenten – zunächst über die Vermittlung seiner Freunde Heinz Leinfellner und Maria Biljan-Bilger und später, als man mit seiner Arbeit zufrieden war, unmittelbar – eine Reihe von Restaurierungsaufträgen an kriegsbeschädigten Denkmälern.

Als erste Arbeit wurde ihm ein prominentes Objekt übertragen: die beschädigte Pestsäule am Wiener Graben. An diesem bedeutenden, von Johann Bernhard Fischer von Erlach 1694 als Dreifaltigkeitssäule vollendeten Monument sollte der Künstler die Restaurierung und Wiederherstellung der auf der Schauseite situierten Figurengruppe „Fides stürzt die Allegorie der Pest in den Abgrund“ von Paul Strudel in die Wege leiten. Verloren gegangene Details mussten neu geformt, in Kunststein gegossen und schließlich an den dafür vorgesehenen Stellen montiert werden.

Ein weiterer Auftrag betraf den 1729/32 als Ehrenmal und Marktbrunnen von Joseph Emanuel Fischer von Erlach errichteten Vermählungsbrunnen auf dem Hohen Markt. Hier war der Kopf der hl. Maria beschädigt und musste wiederhergestellt werden. Die vor den korinthischen Säulen stehenden Engelsfiguren aus Carraramarmor von Antonio Corradini hatten während der Kampfhandlungen ihre Flügel zur Gänze eingebüsst. Sie wurden in Kunststein neu gegossen und sie sind schöner als es die originalen jemals waren.

Die hochbarocke steinerne Maria Immaculata-Statue an der Fassade des ehemaligen Hochholzerhofes (BAWAG, Tuchlauben 5) wurde 1949 von Bertoni restauriert, hier waren abgeschlagene Teile wie die zur Gänze verloren gegangenen Engelsköpfe erneuert worden. Die umfangreichste und schwierigste Aufgabe, die der Künstler für das Bundesdenkmalamt übernahm, betraf eine von einem Bombentreffer total zerstörte Skulptur im Inneren des Burgtheaters. Es handelte sich um den oberhalb der Feststiege an der Volksgartenseite situierten so genannten „Bacchus-Zug“ des Bildhauers Edmund Hofmann von Aspernburg. Der Treppenaufgang zum Zuschauerraum führt zu triumphbogenartigen Durchgängen, die von gekoppelten korinthischen Vollsäulen umrahmt und von diesem Bacchus-Zug tympanonartig bekrönt werden. Zwölf Plastiken, bis auf eine einzige durch den Bombentreffer völlig vernichtet, mussten ebenso wie ihr Umfeld neu gegossen werden. Da es so gut wie keine präzisen Vorlagen gab, an denen sich Bertoni hätte orientieren können, bekamen die Köpfe der Figuren ein Eigenleben. Seine Arbeit gedieh zur vollen Zufriedenheit des Bundesdenkmalamtes. Dazu folgende Begebenheit: Josef Zykan, Wiener Landeskonservator, äußerte sich kritisch .. sehr gut, Bertoni, bis auf die eine Figur links außen, die ist ihnen nicht gelungen, sie wirkt so unlebendig. Es handelte sich dabei um das einzige erhaltene Original.

Ein eigenständiger, unverwechselbarer Stil[Bearbeiten]

Die Skulpturen von Bertoni auf dem Theodor-Herzl-Platz in Wien (zwischen Parkring und Coburgbastei)

Wander Bertoni, wohl der bedeutendste der aus der Wotruba-Schule hervorgegangene Bildhauer, auf der Suche nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten. .. wir waren frei, zu allem frei, und es ging darum, das herauszufinden was unseren Anlagen und Möglichkeiten am besten entsprach. Der Drang zur Abstraktion steckte intuitiv in mir, nur wusste ich nicht, wie ich dazu kommen könnte. Auch für meinen damaligen Lehrer Wotruba war es das Problem. Kontakte mit ausländischen Künstlern und deren Arbeiten, zum Beispiel jenen von Giacometti oder Arp, werden Anknüpfungspunkte für ihn.

Zu seinen ersten Versuchen, eine ungegenständliche Aussage zu wagen, zählt ein für die Triennale Mailand im Jahre 1947 im Auftrage von Architekt Oswald Haerdtl geschaffenes polychromiertes Gipsrelief. Damit wollte er die Dynamik vermitteln, die damals Österreich und sein Leben bestimmte.

Meisterklasse für Bildhauerei[Bearbeiten]

Von 1965 bis 1994, dem Jahr seiner Emeritierung Professur und Leiter einer Meisterklasse für Bildhauerei an der Universität für angewandte Kunst Wien. Bertoni vollzog mit seinen Skulpturen in den 1950er Jahren den Schritt vom Figürlichen zur Abstraktion, später zum Symbolischen.

1965 kaufte Bertoni eine Wassermühle in Winden am See, am Fuße des Leithagebirges, welche umfangreich restauriert wurde, wo in freiem Gelände zahlreiche Großplastiken des Künstlers stehen. Weiters wurde ein eigener Ausstellungspavillon mit Planung von Architekt Johannes Spalt errichtet, wo in einem Rundgang sein Schaffen in zeitlicher Folge zu sehen ist.

Weinende Brücke 1999 Wien Floridsdorf Station Siemenstrasse

Er besitzt eine der umfangreichsten Eiersammlungen weltweit, von Grabbeigaben bis zum Kitsch, rund 3000 Stück.[2]

Bertoni war mit der 2002 verstorbenen Wiener Schauspielerin Inge Konradi verheiratet. Seit 1992 ist er mit der Augenärztin Waltraudt Bertoni, geborene Stanek, verheiratet.

Der Künstler wurde 2005 eingeladen, das 8. Europa-Symposium Kaisersteinbruch mit einer Festansprache zu eröffnen. Teilnehmer waren Bildhauer aus Frankreich, Schweiz und Bosnien-Herzegowina.

Teilnahme an internationalen Biennalen und Auszeichnungen[Bearbeiten]

Ausstellung[Bearbeiten]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wander Bertoni – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Verena Keil-Budischowsky: Restaurierung bombengeschädigter Denkmäler und das Entstehen einer neuen Kunstströmung nach dem Zweiten Weltkrieg - Wander Bertoni zum 80. Geburtstag. In: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege LVIII, 2004, Heft 3/4. Aus Trümmern wiedererstanden. Denkmalpflege 1945 bis 1955. S. 541-556.
  2. Beatrix Neiss: Fruchtbarkeits- und Heilssymbol. Der Bildhauer Wander Bertoni besitzt 3.000 verschiedene Eier (Wiener Zeitung, 29. März 2002).