Werd (Bodensee)

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Werd
Inselgruppe Werd
Inselgruppe Werd
Gewässer Rheinsee/Hochrhein, Untersee, Bodensee
Inselgruppe Im Werd (Werd-Inseln)
Geographische Lage 707279 / 27929947.6555555555568.8666666666667Koordinaten: 47° 39′ 20″ N, 8° 52′ 0″ O; CH1903: 707279 / 279299
Werd (Schweiz)
Werd
Länge 194 m
Breite 105 m
Fläche 1,5854 ha
Einwohner 9
568 Einw./km²
Hauptort Kloster Werd

Die Insel Werd ist die Hauptinsel der kleinen Inselgruppe Im Werd (Werd-Inseln) im westlichsten Teil des Untersees des Bodensees, bevor der Hochrhein den Seeteil Rheinsee verlässt. Sie liegt auf Schweizer Gebiet zwischen Stein am Rhein und Eschenz.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Werd wurde schon 5000 v. Chr. von Pfahlbauern bewohnt. Seit der Mittelsteinzeit sind Steingeräte von Jägern und Sammlern nachgewiesen. Im Neolithikum bot die Werd einen idealen Siedlungsplatz. Zwischen 1931 und 1935 fanden unter der Leitung von Karl Keller-Tarnuzzer Ausgrabungen statt. Zahlreiche Gegenstände wie Steinbeile, Pfeilspitzen, eine Sichel aus Feuerstein, Keramikscherben, Angelhaken aus Knochen aus der Jungsteinzeit und der Bronzezeit kamen ans Tageslicht. Aus der Bronzezeit fanden sich Werkzeuge, Waffen und Schmuck. Raymund Netzhammer verbrachte zu dieser Zeit seinen Lebensabend im Kloster Werd und erlebte die Ausgrabungen mit, er schrieb darüber einige Artikel. An der Grabung beteiligt waren Karl Albert Sulzberger, Louis Reverdin und Hans Bessler. Unter den zahlreichen Besuchern war unter anderem Eugen Tatarinoff.

Im Winter 2005/2006 kam es zu einem extremen Tiefstand des Bodensees, was grosse Uferflächen und prähistorische Objekte freilegte. Eine Auswahl davon sowie von römischen und mittelalterlichen Originalfunden sind beim Eingang des Refektoriums auf der Insel Werd ausgestellt. Weitere wichtige Funde werden im Museum für Archäologie in Frauenfeld und im Ortsmuseum in Eschenz aufbewahrt.

2011 wurden die ehemaligen Pfahlbausiedlungen mit 110 weiteren Fundstellen in 6 Alpenländern von der UNESCO in das Inventar des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen.

Die Römer bauten 50 n. Chr. eine Pfahljochbrücke zwischen Rätien und Germanien und benutzten die Inseln in der Rheinmitte als Widerlager. Die beiden Brückenteile hatten eine Länge von 220 beziehungsweise 217 Metern und eine Breite von sechs Metern. Die Römerstrasse, in der Literatur „rätische Grenzstrasse“[1] genannt, führte vom Vicus Tasgetium (Eschenz) über Rielasingen, Singen, Friedingen, Steisslingen, Orsingen, Vilsingen, Inzigkofen nach Laiz an eine Furt durch die Donau. In Orsingen gab es eine Abzweigung nach Pfullendorf und Burgweiler. In der Gegend des Dürren Ast gibt es eine Abzweigung über Schweingruben, über das Ablachtal nach Meßkirch, Krauchenwies und Mengen-Ennetach.[2]

Der heilige Otmar, erster Abt des Klosters St. Gallen, wurde im Jahr 759 auf Werd in die Verbannung geschickt, wo er am 16. November desselben Jahres starb. Zu seinem Andenken steht seit dem 15. Jahrhundert die St. Otmarskapelle auf der Hauptinsel. Die Insel gehört dem Benediktinerkloster Einsiedeln, ist aber von Franziskanern gepachtet, die in dem der Kapelle angebauten Haus leben.

Verbindung mit dem Festland[Bearbeiten]

Fussgängerbrücke zur Insel Werd

Eine 200 Meter lange Fussgängerbrücke aus Holz für die Klosterinsassen und die Besucher der Klosterkirche führt zur Insel.

Hauptartikel: Kloster Werd

Geographie[Bearbeiten]

Die Hauptinsel Werd mit einer Fläche von 1,59 Hektar gehört zur Gemeinde Eschenz (Ortsteil Untereschenz) des schweizerischen Kantons Thurgau. Sie ist über einen 125 Meter langen Holzsteg mit dem Festland von Eschenz verbunden.

Die übrigen beiden Inseln der Gruppe gehören zur Gemeinde Stein am Rhein des Kantons Schaffhausen. Sie sind unbewohnt und bilden das Natur- und Vogelschutzgebiet Mittleres und unteres Werdli. Die Insel Mittleres Werdli ist 0.4 Hektar gross, das Untere Werdli 0.6 Hektar.

Die Grenzziehung zwischen den Kantonen Thurgau und Schaffhausen folgt hier der Mittellinie des Rheins [3].

Als geographische Grenze zwischen Untersee bzw. Rheinsee und Hochrhein gilt die Rheinbrücke bei Stein am Rhein.[4] Die Werdinseln liegen etwas oberhalb der Brücke und sind deshalb Bodenseeinseln, nicht Flussinseln. Die Westspitze des Unteren Werdli liegt noch 320 Meter oberhalb der Rheinbrücke.

Literatur[Bearbeiten]

  • Heinz Finke: Inselspaziergänge. Werd, Liebesinsel, Reichenau, Mainau, Dominikanerinsel, Lindau., 1991, ISBN 387685122X.
  • Karl Keller-Tarnuzzer: Die Inselleute vom Bodensee 1935,

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Insel Werd – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Friedrich Hertlein und Peter Goessler: Die Strassen und Wehranlagen des römischen Württemberg. (Friedrich Hertlein, Oscar Paret, Peter Goessler: Die Römer in Württemberg. Teil 2). Kohlhammer, Stuttgart 1930, S. 172-177
  2. Hansjörg Schmid, Hans Eberhardt: Archäologie im Umland der Heuneburg. Neue Ausgrabungen und Funde an der oberen Donau zwischen Mengen und Riedlingen. Vorträge des 2. Ennetacher Arbeitsgespräches vom 18. März 1999 und Begleitheft zur Ausstellung im Heuneburgmuseum (21. Mai-31. Oktober 1999). Heuneburg, Landesdenkmalamt Baden-Württemberg, 1999. S. 101. Archäologische Informationen aus Baden-Württemberg 40 (Stuttgart 1999).
  3. http://www.stadtarchiv-schaffhausen.ch/Schaffhausen-Geschichte/Recht/Marti-Lämmli.htm#_ftn95
  4. Schweizerische Zeitschrift für Hydrologie, Volumes 21-22, Seite 49: Das Ende des Untersees und damit des gesamten Bodensees liegt unter der Rheinbrücke bei Stein.