Steißlingen

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Steißlingen
Steißlingen
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Steißlingen hervorgehoben
47.8002777777788.9241666666667465Koordinaten: 47° 48′ N, 8° 55′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Freiburg
Landkreis: Konstanz
Höhe: 465 m ü. NHN
Fläche: 24,52 km²
Einwohner: 4510 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 184 Einwohner je km²
Postleitzahl: 78256
Vorwahl: 07738
Kfz-Kennzeichen: KN
Gemeindeschlüssel: 08 3 35 077
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Schulstraße 19
78256 Steißlingen
Webpräsenz: www.steisslingen.de
Bürgermeister: Artur Ostermaier
Lage der Gemeinde Steißlingen im Landkreis Konstanz
Bodensee Bodenseekreis Landkreis Waldshut Schwarzwald-Baar-Kreis Landkreis Tuttlingen Landkreis Sigmaringen Aach (Hegau) Allensbach Bodman-Ludwigshafen Büsingen am Hochrhein Stockach Eigeltingen Engen Gaienhofen Gailingen am Hochrhein Gottmadingen Hilzingen Hohenfels (bei Stockach) Konstanz Mainau Moos (am Bodensee) Mühlhausen-Ehingen Mühlingen Öhningen Orsingen-Nenzingen Radolfzell am Bodensee Reichenau (Landkreis Konstanz) Reichenau (Landkreis Konstanz) Reichenau (Landkreis Konstanz) Reichenau (Landkreis Konstanz) Rielasingen-Worblingen Singen (Hohentwiel) Steißlingen Stockach Tengen Volkertshausen SchweizKarte
Über dieses Bild
Steißlingen

Steißlingen ist eine Gemeinde im Landkreis Konstanz in Baden-Württemberg.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Der staatlich anerkannte Erholungsort Steißlingen liegt nördlich des Bodensees im Hegau.

Gewässer[Bearbeiten]

Der Steißlinger See ist 11,19 Hektar groß. Der aus eingeschotterten Eismassen hervorgegangene See weist eine Länge von 600 Metern auf und misst an seiner breitesten Stelle 255 Meter.[2] Die tiefste Stelle des Sees beträgt 21,4 Meter, der Mittelwasserstand 445,56 m.ü.NN und das Gesamtvolumen 1.152.286 m³ (Messung des Instituts für Seenforschung im Oktober 2011).[3] Der als Naturdenkmal anerkannte See bietet in seinem Schilfgürtel Schutz für brütende Vögel und andere Tiere.[2] Das touristisch bedeutende Freibad des Sees hat pro Badesaison etwa 50.000 Besucher.[4]

Flächennutzung[Bearbeiten]

Die folgende Tabelle zeigt die Flächenerhebung nach Art der tatsächlichen Nutzung jeweils zum 31. Dezember des angegebenen Jahres:

Flächennutzung[5] 1988 2000 2010
Landwirtschaftsfläche 57,4 % 53,2 % 52,2 %
Waldfläche 28,8 % 29,6 % 29,7 %
Siedlungs- und Verkehrsfläche 10,0 % 14,2 % 15,7 %
Wasserfläche 0,7 % 0,7 % 0,8 %
übrige Nutzungsarten 3,1 % 2,3 % 1,7 %

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Die Gemeinde grenzt im Norden an Orsingen-Nenzingen, im Osten an die Stadt Stockach, im Süden an die Stadt Radolfzell am Bodensee und im Westen an die Stadt Singen (Hohentwiel) und Volkertshausen.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Zur Gemeinde Steißlingen mit der früher selbstständigen Gemeinde Wiechs gehören sieben Dörfer, Weiler und Höfe. Zur Gemeinde Steißlingen im Gebietsstand vom 30. Juni 1972 gehören das Dorf Steißlingen, der Weiler Maiershöfe sowie die Höfe Hardmühle und Ziegelhof. Zur ehemaligen Gemeinde Wiechs gehören das Dorf Wiechs und der Weiler Schoren.[6] Auf der Gemarkung Steißlingen befinden sich ebenfalls das Gewerbegebiet Hard Nord und das im Jahr 2009 entstandene Industriegebiet Hard Süd.

Geschichte[Bearbeiten]

Umweltgeschichtliche und archäologische Untersuchungen an jahreszeitlich geschichteten Sedimenten des Steißlinger Sees zeigen beispielhaft für Mitteleuropa die Entwicklung der Landschaft im Laufe der letzten 16.000 Jahre. Erste Bodenfunde auf der Steißlinger Gemarkung reichen bis in die mittlere Steinzeit zurück. Der Name Steißlingen selbst ist alemannischen Ursprungs. Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte im Jahr 1155, Steißlingen wird in der so genannten Barbarossaurkunde erwähnt und als Besitzung des Bistums Konstanz ausgewiesen. Um 1400 kam der Ort zur Landgrafschaft Nellenburg und mit dieser 1465 an Vorderösterreich. Einen großen Einschnitt in die Entwicklung brachte das Jahr 1499, als die Dörfer Steißlingen und Wiechs im Schweizerkrieg von den Eidgenossen geplündert und abgebrannt wurden.

Die Steißlinger Grundherren waren seit 1672 die Ebinger von der Burg. Seit 1780 bewohnen die Freiherren von Stotzingen das Schloss in Steißlingen. 1810 wurde Steißlingen badisch.

Als der Landkreis Stockach 1973 aufgelöst wurde, wurde Steißlingen dem Landkreis Konstanz zugeordnet.

Religionen[Bearbeiten]

Aufgrund der Zugehörigkeit zu Vorderösterreich ging die Reformation an Steißlingen vorbei, so dass auch heute noch die Mehrheit der Bevölkerung zur römisch-katholischen Kirche gehört. Neben der St. Remigius-Kirche im Hauptort bestehen auch noch drei römisch-katholische Kapellen. Seit 1957 gibt es mit der Friedenskirche auch ein evangelisches Gotteshaus im Ort.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Die Gemeinde Steißlingen hat 4627 Einwohner, davon 4464 im Ortsteil Steißlingen und 173 im Ortsteil Wiechs (31. Dezember 2013).[4] Das Bevölkerungswachstum war bis 2006 aufgrund von Zuzügen verhältnismäßig hoch, seitdem ist die Einwohnerzahl weitgehend konstant. Im Jahr 2013 gab es in Steißlingen 336 Anmeldungen und 250 Abmeldungen sowie 44 Geburten und 43 Sterbefälle.[4]

Demografische Daten 1871 (V) 1880 (V) 1890 (V) 1900 (V) 1910 (V) 1925 (V) 1933 (V)
Einwohnerzahl 1466 1523 1522 1462 1441 1547 1552
Bevölkerungswachstum n. a. 0,4 % 0,0 % −0,4 % −0,1 % 0,5 % 0,0 %
Demografische Daten 1939 (V) 1950 (V) 1956 (V) 1961 (V) 1970 (V) 1980 (F) 1987 (V)
Einwohnerzahl 1623 1881 2038 2139 2851 3122 3296
Bevölkerungswachstum 0,7 % 1,4 % 1,3 % 1,0 % 3,2 % 0,9 % 0,8 %
Ausländeranteil n. a. n. a. n. a. 1,6 % 7,2 % n. a. n. a.
Demografische Daten 1990 (F) 1995 (F) 2000 (F) 2005 (F) 2010 (F) 2012 (R) 2013 (R)
Einwohnerzahl 3427 4012 4248 4541 4608 4565 4627
Bevölkerungswachstum 1,3 % 3,2 % 1,1 % 1,3 % 0,3 % −0,5 % 1,4 %
Ausländeranteil 4,1 % 6,6 % 5,6 % 5,6 % 6,0 % n. a. n. a.

Abkürzungen: V = Volkszählungsergebnisse; F = Fortschreibungen des Bevölkerungsstands zum 31. Dezember des Jahres; R = Rathausstatistik der Gemeinde zum 31. Dezember des Jahres; n. a. = nicht angegeben

Quellen: V, F[5]; R[4]

Politik[Bearbeiten]

Die Gemeinde gehört der Vereinbarten Verwaltungsgemeinschaft der Stadt Singen (Hohentwiel) an.

Gemeinderat[Bearbeiten]

Gemeinderatswahl 2009
(Stimmen in %)[7]
 %
50
40
30
20
10
0
40,8 %
39,2 %
20,0 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2004[7]
 %p
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
+4,6 %p
-1,4 %p
-3,2 %p

Dem Gemeinderat gehören nach der Kommunalwahl vom 7. Juni 2009 neben dem Bürgermeister als Vorsitzenden 14 Mitglieder an. Die Wahl ergab folgende Sitzverteilung: Freie Wähler 6 (+1), CDU 5 (–1) und SPD 3 (±0) Sitze.

Bürgermeister[Bearbeiten]

Bürgermeister von Steißlingen ist seit dem 16. Januar 1978[8] Artur Ostermaier (* 1951, Freie Wähler). Es handelt sich derzeit um seine fünfte Amtszeit, die am 18. Januar 2010 begann und voraussichtlich bis Januar 2018Vorlage:Zukunft/In 3 Jahren dauern wird.

Die letzte Bürgermeisterwahl fand am 8. November 2009 bei einer Wahlbeteiligung von 48,8 % statt. Ostermaier wurde als einziger Bewerber mit einem Stimmenanteil von 97,4 % wiedergewählt. Die nächste Bürgermeisterwahl findet voraussichtlich im November 2017Vorlage:Zukunft/In 3 Jahren statt.

Bundestagswahlen[Bearbeiten]

Die Bundestagswahlen ergaben in Steißlingen folgende Ergebnisse:

2009 2005 2002 1998
CDU 35,5 % 41,9 % 44,0 % 40,8 %
FDP 22,7 % 13,5 % 10,5 % 9,1 %
SPD 17,8 % 28,7 % 33,1 % 34,1 %
Grüne 12,5 % 8,5 % 9,6 % 9,3 %
Die Linke 5,9 % 3,7 % 0,5 % 1,1 %
Piratenpartei 2,0 %
Tierschutzpartei 0,8 %
NPD 0,7 % 1,1 % 0,2 % 0,2 %
PBC 0,7 % 0,2 % 0,2 % 0,2 %
REP 0,6 % 0,6 % 0,7 % 2,3 %
sonstige 0,8 % 1,8 % 1,2 % 2,9 %

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: In Gold (Gelb) auf einer liegenden, vierendigen blauen Hirschstange (Zinken nach unten) stehend ein flugbereiter, rot bezungter schwarzer Geier. Der Geier repräsentiert die früheren Grundherren Ebinger von der Burg, während die Hirschstange für die Landgrafen von Nellenburg steht.

Partnergemeinden[Bearbeiten]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

  • Die Steißlinger Torkel: Als Torkel (lat. torquere = drehen; torculum = Kelter) werden Weinpressen, aber auch das Gebäude, in dem sie stehen, bezeichnet. Um 1500 war Baubeginn der jetzigen Torkel, 1620 standen acht große trukh (Torkeln) in der Steißlinger Herrentorkel. Im 19. Jahrhundert folgte der Niedergang des Weinbaus durch Missernten und Rebkrankheiten, 1912 brach ein Brand in der Torkel aus. Aufgrund neuer Rebkrankheiten wich 1929 der Weinbau dem Obstanbau, in den 1960er und 1970er Jahren verfiel die Herrentorkel zusehends. 1976 bis 1979 erfolgten erste Restaurierungsmaßnahmen, 1991 kaufte die Gemeinde die Torkel, 2003 bis 2004 wurden grundlegende Sanierungsmaßnahmen am Gebäude durchgeführt (Restaurierung der Torkelbäume und der Quetsche). Im Mai 2004 fand die Einweihung und Übergabe der sanierten Torkel an die Bevölkerung statt.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Raumplanung[Bearbeiten]

Steißlingen gehört gemäß Landesentwicklungsplan 2002 des Wirtschaftsministeriums Baden-Württemberg zum Mittelbereich Singen (Hohentwiel) und zum Oberbereich Konstanz.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

In Steißlingen sind 369 Gewerbebetriebe (31. Dez. 2012, einschließlich Nebengewerbe) gemeldet. Dies entspricht im Jahr 2012 einem Rückgang von 0,3 %.[9]

Bildungseinrichtungen[Bearbeiten]

Der Ort verfügt über die Grund- und Hauptschule Steißlingen (GHS) mit integrierter Werkrealschule. An der Grundschule wird eine sichere Betreuungszeit im Rahmen der verlässlichen Grundschule angeboten. In der Schule arbeiten 21 Lehrer; sie wird von 355 Schülern in 16 Klassen besucht.[10] Die durchschnittliche Klassengröße lag mit 22,5 Schülern an der Grundschule und 21,6 an der Hauptschule im Schuljahr 2006/07 im Durchschnitt der Region. Im gleichen Jahr waren 26 % der Schulübergänge von der Grundschule an Hauptschulen, 33 % an Realschulen und 41 % an Gymnasien.[11]

Die folgende Tabelle zeigt die Schulen sowie Schüler an öffentlichen allgemeinbildenden Schulen im Schuljahr 2010/11 nach Schularten. Angegeben wird nicht die Anzahl der organisatorischen Einheiten einer Schulart, sondern die Anzahl der jeweils vorhandenen Schulgliederungen.

Öffentliche
Schulen[5]
Anzahl
Schulen
Anzahl
Schüler
Anteil ausländ.
Schüler
Grundschulen 1 205 2,4 %
Haupt-/Werkrealschulen 1 118 4,2 %
insgesamt 2 323 3,1 %

In Steißlingen gibt es keine privaten allgemeinbildenden Schulen.

In Steißlingen gibt es den kommunalen Kindergarten Storchennest und den römisch-katholischen Kindergarten St. Elisabeth. Im Kindergarten Storchennest werden seit September 2006 Kinder ab zwei Jahren aufgenommen. Außerdem gibt es für Kinder bis drei Jahre eine privat organisierte Spielgruppe.

Im sanierten Bürgerhaus im Ortszentrum residiert die Gemeindemusikschule sowie die katholische öffentliche Bücherei.

Freizeit- und Sportanlagen[Bearbeiten]

Das Sportareal im Mindlestal sowie der Bolzplatz in der Gartenstraße können außerhalb der Schul- und Trainingszeiten von jedermann genutzt werden.

Für Kinder und Jugendliche stehen im gesamten Gemeindegebiet zehn Spielplätze zur Verfügung. Besonders zu erwähnen ist der mehrfach ausgezeichnete Spiel- und Turngarten an der Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule sowie der neu entstandene Spielplatz am Rehmenbach. Beide Spielplätze sind zu großen Teilen in Eigenleistung erbaut worden und sollen die Spiel- und Bewergungsfreude der Kinder und Jugendlichen nachhaltig fördern. Für Jugendliche zwischen 14 und 20 Jahren gibt es den von Jugendlichen geleiteten Jugendraum Siesta im Rathauskeller.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten]

  • Roderich von Stotzingen (1822–1893), badischer Gutsbesitzer und Politiker.
  • Ernst Würtenberger (1868–1934) war ein deutscher Porträt- und Genremaler, Grafiker und Kunsttheoretiker, sowie Professor an der Landeskunstschule Karlsruhe.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Steißlingen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31.12.2012 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. a b Homepage der Gemeinde Steißlingen
  3. Amts- und Mitteilungsblatt Steißlingen aktuell vom 4. Januar 2012, Herausgeber: Gemeindeverwaltung Steißlingen
  4. a b c d Amts- und Mitteilungsblatt Steißlingen aktuell vom 14. Oktober 2010, Herausgeber: Gemeindeverwaltung Steißlingen
  5. a b c Statistisches Landesamt Baden-Württemberg: Struktur- und Regionaldatenbank, abgerufen am 28. Januar 2012.
  6. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VI: Regierungsbezirk Freiburg Kohlhammer, Stuttgart 1982, ISBN 3-17-007174-2, S. 775–776.
  7. a b Statistisches Landesamt Baden-Württemberg
  8. Matthias Biehler: Bürgermeister: Es kann nur eine Liste geben. In: Südkurier vom 10. Mai 2010.
  9. Amts- und Mitteilungsblatt Steißlingen aktuell vom 17. Januar 2013, Herausgeber: Gemeindeverwaltung Steißlingen
  10. Daten zur Grund- und Hauptschule Steißlingen vom Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg
  11. Interaktives Kartenverzeichnis des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg