Kastell Eschenz

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Kastell Eschenz
Alternativname Tasgetium
Limes ORL -- (RLK)
Strecke (RLK) Donau-Iller-Rhein-Limes,
Maxima Sequanorum oder

Raetia I[1] (Strecke 3)

Datierung (Belegung) vor/um 293 bis 305 n. Chr.
bis max. vor/um 420 n. Chr.
Typ Reiter- oder Kohortenkastell ?
Einheit unbekannt
Größe 88 m × 91 m = 0,8 ha
Bauweise Steinkastell
Erhaltungszustand rautenförmige Fortifikation mit polygonalen und halbrunden Türmen,
oberirdisch noch sichtbar
Ort Eschenz und Stein am Rhein
Geographische Lage 706679 / 27939047.6564722222228.8586944444444Koordinaten: 47° 39′ 23,3″ N, 8° 51′ 31,3″ O; CH1903: 706679 / 279390
Vorhergehend Kastell Winterthur (Vitudurum) (südwestlich)
Anschließend Kastell Pfyn (Ad fines) (südöstlich)
Lage des Kastells am DIRL (Rheinlinie)
Blick aus West auf das linke Rheinufer. Rechts von der Brücke die Johanneskirche oder “Kirche auf Burg” (Kastellareal), im Hintergrund das heutige Eschenz (Areal des Vicus)
Lageskizze Kastelle, Vicus, Gräberfeld
Antoninian des Maximianus
Befundplan des Kastells
Reste der Südmauer
Kopie einer spätkeltischen Holzstatue, entdeckt 1977 in einem römischen Abwasserkanal im Kastellvicus von Eschenz, Datierung: ca. 9 v. Chr. +/- 10 Jahre (Vorarlberger Landesmuseum, Bregenz)

Das Kastell Eschenz ist ein ehemaliges römisches Grenzkastell, das zum Donau-Iller-Rhein-Limes gehörte. Die Ruinen der spätantiken Festung, deren Grundriss noch weitgehend erkennbar ist, befinden sich in einem teilüberbauten Bereich von „Stein am Rhein vor der Brugg“, dem linksrheinischen Stadtteil von Stein am Rhein im Kanton Schaffhausen in der Schweiz. Die zugehörige römische Zivilsiedlung (vicus) Tasgetium erstreckte sich entlang einer Römerstrasse 500 Meter östlich des Kastells in Eschenz im Kanton Thurgau, als teilüberbautes Bodendenkmal.

Lage und Geschichte[Bearbeiten]

Tasg(a)etium befindet sich am linken Ufer des Rheins an der Nordgrenze der heutigen Schweiz, in der Antike die Grenze der römischen Provinz Maxima Sequanorum, die um 297 n. Chr. aus der Germania superior (Obergermanien) hervorging. Die Linie Basel bis St. Margrethen bildete in römischer Zeit zweimal die Staatsgrenze: Zuerst im 1. Jahrhundert n. Chr. bis zur Eroberung des Dekumatlandes und schliesslich ab etwa 260 bis zum Anfang des 5. Jahrhunderts.

Bereits kurz vor der Zeitenwende stiess das römische Militär bis an den Untersee vor. Mit dem Alpenfeldzug um das Jahr 15 v. Chr. wurde das von Kelten beherrschte Gebiet um den Lacus Brigantius (Bodensee) durch römische Truppen unterworfen, das Gebiet wurde Teil der neu eingerichteten Provinz Raetia (Rätien). Die Römer nutzten die günstigen natürlichen Gegebenheit von Flachwasserzonen sowie die Werd-Inseln, eine kleine Inselgruppe am Ausfluss des Rheins aus dem Untersee, um eine Nord-Süd-Verbindung eröffnen zu können. Diese wurde über die grosse Heerstrasse zwischen Ad Fines (Pfyn) und Vitudurum (Oberwinterthur) erschlossen und diente zugleich dem Handelsverkehr.

Eine erste hölzerne Pfahljochbrücke wurde hier wohl zwischen 50 und 82 n. Chr.[2] über den See geschlagen. Die oberste der drei Werd-Inseln in der Rheinmitte diente als Widerlager. Die beiden Brückensegmente hatten eine Länge von 220 beziehungsweise 217 Metern und eine Breite von sechs Metern. Der Brückenkopf am Nordufer bei Arach sicherte den Übergang. Beim südlichen Brückenkopf entwickelte sich eine unbefestigte Strassensiedlung (vicus). Diese erhielt später den römischen Namen Tasgetium. Laut Ansicht einiger Forscher weist dieser indirekt darauf hin, dass bereits vorher eine keltische Siedlung bestand, die vielleicht von einem gewissen Tasgo gegründet worden sein könnte.

Die Römerstrasse, in der Literatur „rätische Grenzstraße“[3] genannt, führte vom Vicus Tasgetium (Eschenz) über Rielasingen, Singen, Friedingen, Steißlingen, Orsingen, Vilsingen, Inzigkofen nach Laiz an eine Furt durch den Danubius (Donau). In Orsingen gab es eine Abzweigung nach Pfullendorf und Burgweiler. In der Gegend des Dürren Ast gibt es eine Abzweigung über Schweingruben, über das Ablachtal nach Meßkirch, Krauchenwies und Mengen-Ennetach.[4]

Wie archäologische Forschungen belegen, war der vicus Tasgetium eine florierende Strassensiedlung mit Handwerken und eigenem Markt. Doch die spätere Phase des römischen Imperiums verlangte in den Nordprovinzen seit dem 3. Jahrhundert einen besseren Schutz der ansässigen Bevölkerung. Da die kaiserlichen Truppen aufgrund innerer Konflikte nicht mehr umfassend für die Sicherheit der Grenzprovinzen sorgen konnten, waren die Bewohner der Region durch Einfälle plündernder Germanen gezwungen, ihre Siedlungen zu befestigen. Die Wasserlinie des Rheins, Bodensee, Donau und Iller bildete nun eine natürliche Grenze. Vom späten 3. Jahrhundert an war diese mit etlichen Wachttürmen und Kastellen gesichert (Donau-Iller-Rhein-Limes). Aber auch im Hinterland wie in Pfyn, Oberwinterthur oder Kloten mussten sich die damaligen Bewohner besser als zuvor schützen.

Der Bau des Kastells bei Stein am Rhein Ende des 3. Jahrhunderts ist in diesem Kontext zu sehen. Die innerrömischen Bürgerkriege wurden vorerst beendet, und die Regierung kümmerte sich wieder intensiv um die Sicherung der Reichsgrenzen. Wegen der häufigen Alamannenüberfälle wurde um das Jahr 300 n. Chr. unter Kaiser Diokletian eine Festung auf dem linksrheinischen Burghügel (gegenüber Stein am Rhein) im heutigen Ortsteil „Vor der Brugg“ errichtet. Im Schutz des Kastells entstand unterhalb davon eine neue Brücke über den Rhein. Diese Steinbrücke, die rechtsrheinisch durch einen Brückenkopf gesichert war, verband das Kastell mit dem unbesiedelten Nordufer. Nach der Aufgabe der älteren Zivilsiedlung entstand nun im Schutz der Festung ein neuer vicus. Die Befestigungsanlage gehörte mit denjenigen von Constantia (Konstanz), Arbor Felix (Arbon) und Brigantium (Bregenz) zum rückwärts an den Rhein verlegten römischen Festungsgürtel. Von Stein am Rhein bis Bregenz sind immer noch Reste davon zu sehen. Dieser Donau-Iller-Rhein-Limes war im 4. nachchristlichen Jahrhundert ein wichtiger Abschnitt der römischen Reichsgrenze und diente zur Kontrolle des Grenzverkehrs und zur Abwehr germanischer Plünderer.

Wann die Grenzverteidigung aufgegeben wurde, ist bisher nicht bekannt, es dürfte sich aber um das frühe 5. Jahrhunderts handeln. Kurz nach 400 wurde die Festung von Tasgetium nochmals erneuert und verstärkt, doch vielleicht schon mit dem zeitweiligen Zusammenbruch der Rheingrenze 406/407 könnte das Kastell geräumt worden sein. Denkbar ist aber sowohl aus archäologischer als auch aus historischer Sicht auch eine weitergehende Nutzung bis in die Mitte des 5. Jahrhunderts. Doch spätestens im ausgehenden 5. Jahrhundert dürften auch die letzten römischen Soldaten, die wohl von der weströmischen Regierung in Ravenna keinen Sold mehr erhielten, das Kastell verlassen haben. In den Mauern blieb vermutlich nur die Zivilbevölkerung zurück. Schon bald nach dem Abzug der römischen Truppen übernahmen die Alamannen die Kontrolle über das Kastell und seine Umgebung. In der Folge entstand im Schutze der Mauern eine alamannische Siedlung und allmählich siedelten sich weitere ihrer Sippen im Bodenseegebiet an. Einige wenige Grabfunde des 6. Jahrhunderts in Eschenz und Stein am Rhein zeugen von dieser Einwanderungsphase. Bei Ausgrabungen in der Kastellruine sind die Reste eines einfachen Kirchenbaus aus der Mitte des 6. Jahrhunderts festgestellt worden. Dieser Fund deckt sich mit dem Hinweis auf eine frühchristliche, dem Heiligen Johannes geweihte Adelskirche (Ersterwähnung 799), die ihrer Lage innerhalb des Kastells wegen auch „auf Burg“ genannt wird. Der Ortsname „Burg“ für das ehemalige Kastell Tasgetium ist schon unter Kaiser Otto I. belegbar.

Forschungsgeschichte[Bearbeiten]

Die archäologische Erforschung des Kastells geht einher mit der von Tasgetium. Aufmerksam auf frühgeschichtliche Zeugnisse war man in der Region schon lange geworden.

Bereits 1548 wird in der Stumpf-Chronik das „alte Kastell auf Burg bei Stein“ erwähnt. Erste archäologische Forschungen setzten 1741 ein, als man beim Bau der Friedhofsmauer im Kastellinnern eine Weihinschrift für den Flussgott Rhenus entdeckte. Aufsehenerregend waren dann 1874/1875 die Ausgrabungen von Bernhard Schenk (1833–1893) in den spätrömischen Thermen.[5]

Von Mitte des 20. Jahrhunderts an wurden diese zum Teil immer noch sichtbaren Kastellmauern und deren Innenbereiche archäologisch untersucht. Meistens waren es städtebauliche Veränderungen, welche die Archäologen auf den Platz riefen. Dadurch konnten sie die Kastelle auch lokalisieren, wie etwa in Brigantium (Bregenz) oder Arbor Felix (Arbon) - in Constantia (Konstanz) gelang dies dagegen erst 2003. In Tasgetium (Stein am Rhein) und Ad Fines (Pfyn) dagegen zeigten oberirdische Mauerreste an, wo die einstigen Kastelle lagen, Ausgrabungen im Innern erfolgten aber erst im Lauf der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

In den Jahren 1931 bis 1935 führte der erste thurgauische Kantonsarchäologe Karl Keller-Tarnuzzer (1891–1973) umfangreiche Grabungen auf der Insel Werd durch, unterstützt durch Erzbischof Raymund Netzhammer (1862–1945).[6] Bei diesen Untersuchungen kamen auch römische Funde zu Tage. Die Kunsthistorikerin Hildegard Urner-Astholz (1905–2001) veröffentlichte 1942 erstmals eine umfassende Arbeit über die Keramikfunde von Eschenz. Ebenso wichtig waren die Feldbeobachtungen von Alfons Diener (1923–2006), der ab 1960 Leitungsgräben, Baugruben und sonstige Bodeneingriffe systematisch überwachte und unzählige Objekte bergen konnte. Zwischen 1971 und 1987 unternahm die Kantonsarchäologie Schaffhausen umfangreiche Grabungen im ehemaligen spätrömischen Kastell auf Burg.

Nach 2000 fokussierten sich Grabungsarbeiten auf die Region Eschenz (Unter-Eschenz). 2009 finden im Gewann „Orkopf“ bei der Badi Eschenz auch wieder Tauchgrabungen statt.

Kastell[Bearbeiten]

Das Kastell Tasgetium wurde als Folge der Alamanneneinfälle kurz vor 300 n. Chr. erbaut und war Bestandteil eines weiträumigen Verteidigungsdispositivs (siehe Donau-Iller-Rhein-Limes). Gemäss der grossteils erhaltenen Bauinschrift wurde das Kastell unter Kaiser Diokletian (284–305) errichtet. Dieser führte das Römische Reich in Doppelherrschaft mit Maximian, seit 293 unterstützt durch zwei Unterkaiser. Eine Datierung des Baus zwischen die Jahre 293 und 305 n. Chr. kann aufgrund dieser Inschrift als gesichert gelten. Federführend dürfte Diokletians für Gallien und die Rheingrenze zuständige Unterkaiser Constantius Chlorus gewesen sein.

Die früheren Kastelle waren im ganzen Römischen Reich nach einem einfachen Schema gleich angelegt worden: rechteckig mit je zwei gegenüberliegenden Toren, die durch zwei Strassen verbunden waren. In deren Kreuzungspunkt lag die Kommandantur, in den Gevierten wurden die Unterkünfte der Soldaten und Offiziere errichtet. In der Spätantike (ca. 284–568) baute man dagegen wie in Tasgetium starke Steinmauern, mit zusätzlichen, herauskragenden Türmen versehen, um mögliche Angreifer abwehren und ins Kreuzfeuer nehmen zu können. Zudem verkleinerte man den Innenraum, um weniger Angriffsfläche zu bieten.

Noch heute zeugen Mauerreste, Teile der Süd- und Ostmauer, von diesem römischen Kastell, in dessen Zentrum die heutige Johannes-Kirche liegt. Der Grundriss der rautenförmige Fortifikation mit einer Seitenlänge von 88 × 91 Meter lässt sich heute noch anhand der 1900 und 1911 restaurierten Mauerfundamente neben der dortigen Kirche rekonstruieren. Sie war durch vier polygonale Ecktürme und je zwei weitere Türme in drei Fronten geschützt. Das Haupttor im Süden war zusätzlich von zwei Tortürmen flankiert. Mit der umschlossenen Fläche von etwa 7900 Quadratmeter war das Kastell auch für spätantike Verhältnisse vergleichsweise klein.

Innenbebauung[Bearbeiten]

Über die Bauten im Kastellinneren ist wenig bekannt, da sie überwiegend aus vergänglichem Material bestanden zu haben scheinen. Im Zentrum, am Schnittpunkt beider Hauptstrassen, befand sich ein quadratischer Bau, möglicherweise die ehemalige principia (Stabsgebäude). Im Nordosten kamen bei den Grabungen Mauerreste einer Lagerhalle zum Vorschein. Im Westen müssen ausschliesslich kleinräumige Holz- und Fachwerkbauten gestanden haben, mit Flechtwerkwänden auf Schwellbalken, Mörtelböden und Herdstellen. Nach einem Brand ersetzte man diese durch Pfostenbauten.

Verteidigungsgraben[Bearbeiten]

Um das Kastell lief ein Verteidigungsgraben, ausser gegen den Rhein hin. Darin liessen sich auf der Westseite eingeschlagene, nach oben zugespitzte Eichenpfähle als Annäherungshindernisse nachweisen. Das Holz dafür wurde im Winter 401/402 n. Chr. gefällt (gemäss Jahrringdatierung) – zu diesem Zeitpunkt war die römische Festung also noch bemannt und wurde ausgebessert.

Brückenkopf und Rheinbrücke[Bearbeiten]

Unter dem mittelalterlichen Kloster St. Georgen, im rechtsrheinischen Stadtteil „Stein am Rhein“, stiess man 1986 auf mächtige Mauerfundamente, die zu einem viereckigen Grundriss von mindestens 38 Meter Seitenlänge (Westmauer) ergänzt werden können. Sie gehören zu einem spätrömischen Brückenkopfkastell, das zur Sicherung des Rheinübergangs angelegt worden war. Die römische Brücke ist bisher archäologisch noch nicht nachgewiesen, vermutlich stand sie etwas weiter östlich von der heutigen Rheinbrücke.

Gräberfeld[Bearbeiten]

„Jagdschale“ aus dem Gräberfeld „I de Hofwiese“, Grabbeigabe des 4. Jahrhunderts; zweifarbige Glasschale mit Darstellung einer Panther- und Bärenjagd bzw. Tierhetze im Zirkus mit griechischer Inschrift ΠΙΕ ΖΗΣΑΙΣ (“Trinke und lebe”). Museum zu Allerheiligen, Schaffhausen

Rund 250 Meter südwestlich des Kastells wurde ein Gräberfeld ergraben. Von den bisher 47 freigelegten Bestattungen sind die älteren nach Nord-Süd, die jüngeren nach West-Ost ausgerichtet; dies dürfte auf den Einfluss des Christentums zurückzuführen sein. Einfache Erdbestattungen dominieren; in zwei Fällen liegen ummauerte Plattengräber vor; Eisennägel lassen auf einen Sarg schliessen. Als Beigaben fanden sich oft Gefässe. Diese enthielten wohl Speis und Trank, als Wegzehrung für die Verstorbenen. Den Angehörigen der lokalen Oberschicht gab man recht kostbare Lavez- und Glasgefässe mit, wie etwa die so genannte Jagdschale sowie eine Henkelkanne mit Innenkännchen. Vereinzelt liegen auch Tracht- und Schmuckteile vor: Haarnadeln, Armringe, Spiegel, Kämme, Fibeln, Perlenketten und Gürtelschnallen. In welcher Beziehung das Gräberfeld zu dem Kastell Tasgetium gestanden hat, war bei der Grabungskampagne 1974 noch unklar.

Vicus[Bearbeiten]

Der römische vicus von Tasgetium entstand bereits im 1. nachchristlichen Jahrhundert entlang einer uferparallelen Strasse. Tasgetium entwickelt sich mit seiner germanisch-keltisch-römischen Bevölkerung zu einem recht bedeutenden Marktflecken mit Zentrumscharakter. Ausgrabungen seit den 1970er Jahren liefern zusehends genauere Angaben über die Organisation des vicus und den Alltag der damaligen Bevölkerung: Eine Hauptstrasse führte zur Brücke hin, an der öffentliche Bauten lagen wie auch Reihenhäuser aus Holz. Die Siedlung war bestens versorgt mit Frischwasser, ein ausgeklügeltes Kanalsystem leitete auch das Abwasser weg. Am westlichen Rand der Siedlung lagen Gewerbebetriebe wie Töpfereien und metallverarbeitende Werkstätten. An der Ausfallstrasse nach Süden wurden, wie in römischen Siedlungen üblich, die Verstorbenen bestattet.

Unter der heutigen Kirche des heiligen Vitus und Friedhof verläuft in west-östlicher Richtung die Hauptverkehrsachse aus römischer Zeit. Diese parallel zum Ufer angelegte Strasse besteht aus einem fünf Meter breiten Kieskoffer. Der älteste wurde wohl bereits im ausgehenden 1. Jahrhundert v. Chr. erstellt, könnte somit bereits in vorrömischer Zeit genutzt worden sein. Die Strasse wurde sicher bis zur Auflassung dieser älteren Siedlung im 3. Jahrhundert weiter verwendet. Besonders schwere Lastkarren hinterliessen im kiesigen Belag stellenweise tiefe Spuren, und der Kies musste regelmässig erneuert werden. Daraus resultierte eine mächtige Schichtfolge, die im Original im Museum für Archäologie in Frauenfeld zu bewundern ist. Beiderseits der Strasse entstanden ab dem 1. Jahrhundert n. Chr. erste Holzgebäude des vicus Tasgetium, die spätestens ab dem 2. Jahrhundert durch Gebäude mit Steinmauern ersetzt wurden. Die Untersuchungen der vergangenen Jahre erbrachten nördlich der Strasse auch eine mächtige Mauer, die als Uferverbauung gedeutet wurde.

Denkmalschutz, Befundsicherung und Fundverbleib[Bearbeiten]

Das Kastellareal ist als eine geschichtliche Stätte im Sinne des Schweizer Bundesgesetzes über den Natur- und Heimatschutz vom 1. Juli 1966 unter Bundesschutz gestellt. Nicht genehmigte Nachforschungen und gezieltes Sammeln von Funden stellen eine strafbare Handlung dar und werden nach Art. 24 mit einer Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder einer Geldstrafe geahndet.[7]

Die römischen Schichten von Eschenz liegen zu einem grossen Teil im feuchten Boden. Daher haben sich auch organische Materialien über die Jahrhunderte gut erhalten. So wurden Bauhölzer der Häuser und der umgebenden Einrichtungen der Siedlung wie Wege oder Wasserkanäle auf natürliche Weise konserviert. Durch die Jahresringanalyse ist die Geschichte dieser Bauten heute noch differenziert nachvollziehbar. Neben Tierknochen geben aufgrund der Feuchtbodenerhaltung ebenfalls pflanzliche Speiseabfälle wie Kerne von Kirschen, Pflaumen oder Äpfeln Aufschluss über die Ernährungsgewohnheiten seiner Bewohner. Neben unzähligen Scherben sind unter den Alltagsgegenständen sogar einige Funde aus vergänglichen Materialien, wie Holz, Leder oder Textilien, vertreten.

Bedingt durch die reichen Funde rund um das Kastell bei „Vor der Brugg“, später auch am rechtsrheinischen Ufer, gehört die Gegend von Stein am Rhein zu den archäologisch bedeutendsten Orten der Schweiz. Die Anlage steht heute unter Schutz der Schweizerischen Eidgenossenschaft.

Eine Auswahl von Fundobjekten sind im Museum „Blauer Aff“, im Museum zu Allerheiligen in Schaffhausen sowie im Museum für Archäologie des Kantons Thurgau in Frauenfeld zu sehen. Tasgetium ist touristisch durch die Römerstrasse Neckar-Alb-Aare und den Bodensee-Radweg erschlossen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Liste der Kastelle des Donau-Iller-Rhein-Limes

Literatur[Bearbeiten]

  • Amt für Archäologie des Kantons Thurgau (Hrsg.): Tasgetium I – das römische Eschenz. 2011, ISBN 978-3-905405-20-0. (Band 17 der Reihe „Archäologie im Thurgau“.)[8]
  • J. Christinger: Zur älteren Geschichte von Burg-Stein und Eschenz. In: Thurgauer Beiträge zur vaterländischen Geschichte 17, 1877. S. 4–20
  • Barbara Fatzer: Frühe Römer-Siedlung in Tasgetium. In: CH-Forschung 6, 1998. S. 4 f.
  • Bettina Hedinger, Urs Leuzinger: Tabula rasa: Holzgegenstände aus den römischen Siedlungen Vitudurum und Tasgetium. Frauenfeld/Stuttgart/Wien 2002, ISBN 3-7193-1282-8.
  • Markus Höneisen: Frühgeschichte der Region Stein am Rhein. Archäologische Forschungen am Ausfluss des Untersees. In: Schaffhauser Archäologie 1. 1993.
  • Verena Jauch: Eschenz – Tasgetium: Römische Abwasserkanäle und Latrinen. In: Archäologie im Thurgau 5. Hrsg. von Departement für Erziehung und Kultur des Kantons Thurgau. 1. Auflage, Frauenfeld 1997, ISBN 3-9054-0505-9.
  • Ch. Morel: Castell und Vicus Tascaetium in Rätien. In: Commentationes Mommensi. Berlin 1876. S. 151–158.
  • Bernhard Schenk: Die römischen Ausgrabungen bei Stein am Rhein. In: Antiqua 1883. S. 67–71 u. S. 73–76.
  • Bernhard Schenk: Die römischen Ausgrabungen bei Stein am Rhein. In: Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung 13, 1884. S. 110–116

Weblinks[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Damaliger Grenzverlauf ist unklar.
  2. Je nach Jahresringdatierung variiert die Angabe.
  3. Friedrich Hertlein, Peter Goessler: Die Straßen und Wehranlagen des römischen Württemberg. (Friedrich Hertlein, Oscar Paret, Peter Goessler: Die Römer in Württemberg. Teil 2). Kohlhammer, Stuttgart 1930, S. 172–177.
  4. Hansjörg Schmid, Hans Eberhardt: Archäologie im Umland der Heuneburg. Neue Ausgrabungen und Funde an der oberen Donau zwischen Mengen und Riedlingen. Vorträge des 2. Ennetacher Arbeitsgespräches vom 18. März 1999 und Begleitheft zur Ausstellung im Heuneburgmuseum (21. Mai–31. Oktober 1999). Gesellschaft für Vor- und Frühgeschichte in Württemberg und Hohenzollern, Stuttgart 1999, ISBN 3-927714-38-0 (Archäologische Informationen aus Baden-Württemberg 40), S. 101.
  5. Die ca. 21 × 13 Meter grosse Badeanlage besass drei Räume mit Fussbodenheizung (Hypokaust) und farbigen Wänden.
  6. Er fand zahlreiche Überreste von Pfahlbausiedlungen aus der Jungstein- und Bronzezeit.
  7. Schweizer Bundesgesetz über Natur- und Heimatschutz 1966 (PDF; 169 kB).
  8. Buchbeschrieb (PDF; 337 kB), auf der Website des Amts für Archäologie des Kantons Thurgau, abgerufen am 29. November 2012.