Whewellit

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Whewellit
Whewellite-md82a.jpg
Whewellitkristall aus Schlema im Erzgebirge
Andere Namen
Chemische Formel

Ca(C2O4)·H2O [1]

Mineralklasse Organische Verbindungen
10.AB.45 (8. Auflage: IX/A.01) nach Strunz
50.01.01.01 nach Dana
Kristallsystem monoklin
Kristallklasse; Symbol nach Hermann-Mauguin monoklin-prismatisch \ 2/m
Farbe Farblos, Weiß, Grau, Gelblich, Bräunlich
Strichfarbe Weiß
Mohshärte 2,5 bis 3
Dichte (g/cm3) gemessen: 2,21 bis 2,23

D(calc.) = 2.22

Glanz Glasglanz, Perlglanz
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend
Spaltbarkeit vollkommen nach \lbrace \bar{1}01 \rbrace
unvollkommen nach \lbrace \!\,010 \rbrace
undeutlich nach \lbrace \!\,001 \rbrace und \lbrace \!\,110 \rbrace
Bruch muschelig
Habitus
Kristalloptik
Brechungsindex nα = 1,489 bis 1,491 ; nβ = 1,553 bis 1,554 ; nγ = 1,649 bis 1,650 [2]
Doppelbrechung
(optischer Charakter)
δ = 0,160 [2]; zweiachsig positiv
Optischer Achsenwinkel 2V = gemessen: 80° bis 84°, berechnet: 84° [2]

Whewellit ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Organischen Verbindungen“. Es kristallisiert im monoklinen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung Ca(C2O4)·H2O [1], ist also chemisch gesehen ein Calciumoxalat.

Whewellit entwickelt meist farblose und durchsichtige Kristalle bis etwa 20 cm Größe von isometrischem bis kurz-prismatischem Habitus, aber auch herzförmige Zwillinge. Bei polykristalliner Ausbildung in massigen Aggregaten kann Whewellit auch weiß erscheinen und durch Fremdbeimengungen auch eine graue, gelbliche oder bräunliche Farbe annehmen. Die Strichfarbe des Minerals ist allerdings immer weiß.

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]

Erstmals entdeckt wurde Whewellit im „Glückauf-Schacht“ bei Burgk (Freital) in Sachsen und beschrieben 1852 durch Henry James Brooke (1771–1857) und William Hallowes Miller (1801-1880), die das Mineral nach dem britischen Philosophen und Wissenschaftshistoriker William Whewell (1794–1866) benannten.

Klassifikation[Bearbeiten]

In der mittlerweile veralteten, aber noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Whewellit zur Mineralklasse der „Organischen Verbindungen“ und dort zur Abteilung der „Salze organischer Säuren“, wo er zusammen mit Caoxit, Coskrenit-(Ce), Glushinskit, Humboldtin, Levinsonit-(Y), Lindbergit, Minguzzit, Moolooit, Natroxalat, Novgorodovait, Oxammit, Stepanovit, Weddellit, Wheatleyit, Zhemchuzhnikovit und Zugshunstit-(Ce) die eigenständige „Gruppe der Oxalate“ bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz'schen Mineralsystematik ordnet den Whewellit ebenfalls in die Klasse der „Organischen Verbindungen“ und dort in die Abteilung der „Salze von organischen Säuren“ ein. Diese Abteilung ist allerdings weiter unterteilt nach der Art der salzbildenden Säure, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Oxalate“ zu finden ist, wo es als einziges Mitglied die unbenannte Gruppe 10.AB.45 bildet.

Auch die Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Whewellit in die Klasse der „Organische Minerale“ und dort in die gleichnamige Abteilung ein. Hier ist er einziges Mitglied der unbenannten Gruppe 50.01.01 innerhalb der Unterabteilung „Salze organischer Säuren (Oxalate)“ zu finden.

Bildung und Fundorte[Bearbeiten]

Auch wenn es sich bei Whewellit um das Salz einer organischen Säure handelt, so müssen bei der Bildung keine biologischen Prozesse beteiligt sein. Whewellit bildet sich als selten vorkommendes Primärmineral in niedriggradigen hydrothermalen Carbonat-Sulfid-Adern oder -Geoden. Begleitminerale sind unter anderem Calcit, Baryt, Sphalerit, Pyrit, Weddellit und wachsartige Kohlenwasserstoffe.

Weltweit konnte Whewellit bisher (Stand: 2011) an rund 60 Fundorten nachgewiesen werden.[2] Neben seiner Typlokalität Burgk konnte das Mineral in Deutschland noch bei Freiberg, Schlema und Hartenstein in Sachsen; bei Peine in Niedersachsen; bei Ibbenbüren in Nordrhein-Westfalen; im „Hannebacher Ley“ in der rheinland-pfälzischen Gemeinde Spessart (Brohltal) sowie bei Gera in Thüringen. In Österreich fand sich Whewellit bisher nur am Graukogel in den Hohen Tauern.

Weitere Fundorte befinden sich in Australien, Brasilien, Frankreich, Grönland, Italien, Mexiko, Rumänien, Russland, Slowakei, Tschechien, Ukraine, Ungarn, England im Vereinigten Königreich und in mehreren Regionen in den Vereinigten Staaten von Amerika (USA).

Whewellit kann im Urin auskristallisieren und zur Bildung von Harnsteinen führen. Ursache ist meist eine hohe Oxalsäure- oder Calciumoxalataufnahme mit der Nahrung (Sauerampfer, Spinat, Mangold, Rote Beete, Kakao). In der Tiermedizin treten Whewellit-Steine vor allem bei Hunden und Katzen immer häufiger auf.[3]


Kristallstruktur[Bearbeiten]

Perfekt ausgebildeter Whewellitkristall aus Schlema im Erzgebirge (Größe: 2.9 x 2.8 x 2.3 cm)

Whewellit kristallisiert monoklin in der Raumgruppe \ P2_1/n (Raumgruppen-Nr. 14) mit den Gitterparametern a = 6,29 Å; b = 14,58 Å; c = 10,12 Å und β = 109,5° sowie 8 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[1]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c  Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. 9. Auflage. E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 720.
  2. a b c d Mindat - Whewellite (englisch)
  3. A. Hesse: Urolithiasis bei Kaninchen. Die Herkunft der Namen. Animal Stone Letter 7:1/2013

Literatur[Bearbeiten]

  • H. J. Brooke, W. H. Miller: Whewellite, in: An Elementary Introduction to Mineralogy Longman, Brown, Green, and Longmans, London 1852, S. 523-524 (PDF 153,2 kB)
  •  Paul Ramdohr, Hugo Strunz: Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. 16. Auflage. Ferdinand Enke Verlag, 1978, ISBN 3-432-82986-8. 798
  •  Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien Enzyklopädie. Nebel Verlag GmbH, Eggolsheim 2002, ISBN 3-89555-076-0, S. 281.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Whewellite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien