Wieseck

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Dieser Artikel beschreibt den Stadtteil von Gießen, in Hessen; zu anderen Bedeutungen siehe Wieseck (Begriffsklärung)

50.6069444444448.7044444444444Koordinaten: 50° 36′ 25″ N, 8° 42′ 16″ O

Wieseck
Stadt Gießen
Höhe: 159–304 m ü. NN
Fläche: 12,37 km²
Einwohner: 8977 (30. Jun. 2011)
Eingemeindung: 1. April 1939
Postleitzahl: 35396
Vorwahl: 0641
Karte

Lage von Wieseck in Gießen

Die „Poart“ in Wieseck
Luftaufnahme von Wieseck

Wieseck ist der größte Stadtteil der Universitätsstadt Gießen im gleichnamigen Landkreis Gießen.

Geographie[Bearbeiten]

Wieseck zählt auf einer Fläche von 1237 Hektar etwa 9000 Einwohner (Stand Juni 2011) und liegt zwischen zwei Flüssen, der kleineren Wieseck und der um einiges größeren Lahn. Der Gießener Stadtteil schließt sich unmittelbar in nordöstlicher Richtung an die Kernstadt an und belegt 17 % des Gießener Stadtgebietes.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Name „Wieseck“ wurde noch vor Gießen erstmals im Jahr 775 urkundlich erwähnt. Wahrzeichen des Ortes ist vor allem die „Poart“, einzig erhaltener Teil einer ehemaligen Befestigungsanlage, die 1458 in ihrer heutigen Form erstmals urkundlich erwähnt wird. Deutlich ist am Wehrturm noch eine alte Schießscharte zu sehen, mit deren Hilfe die Bauern seinerzeit plündernde Heere oder andere bewaffnete Haufen abzuwehren wussten.

Eine Kirche in Wieseck wird erstmals 778 urkundlich erwähnt, wobei ein Abt Beatus von Honau das Gotteshaus an das Kloster in Honau überträgt. Die heutige Kirche steht wahrscheinlich auf den Fundamenten des Sakralbaus aus dem 8. Jahrhundert. Der steinerne Unterbau ihres quadratischen Ostturms wurde gegen Ende des 13. Jahrhunderts erbaut, das Chorgewölbe gegen Ende des 15. Jahrhunderts.

1646 tobte ein Großbrand in Wieseck, nur drei Wohnhäuser blieben unversehrt.

Während der Weimarer Republik, aber auch noch nach dem Zweiten Weltkrieg, war Wieseck eine Hochburg der Arbeiterparteien. SPD und KPD erreichten zusammen meist mehr als 80 % der Wählerstimmen.

Wieseck wurde 1939 nach Gießen eingemeindet.

Aktuelle Entwicklungen[Bearbeiten]

Die Einwohnerzahl des größten Gießener Stadtteils hat sich in den letzten Jahren aufgrund mehrerer Neubaugebiete erhöht, wobei ein weiteres Anwachsen in den kommenden Jahren zu erwarten ist. Aktuell wird gerade das Wohngebiet „Marburger Straße West“ in mehreren Abschnitten erschlossen und bebaut. Dieses befindet sich am oberen Ende der Marburger Straße direkt gegenüber dem Gießener Brauhaus und der Mercedes-Benz-Niederlassung und erstreckt sich über den oberen Teil der Westbachdachung der Marburger Straße.

Verkehr[Bearbeiten]

Wieseck ist durch die Stadtbuslinien 5 und 15 an die Gießener Innenstadt angebunden. Diese verkehren jeden Tag, werktags mindestens alle Viertelstunde. Sie führen quer durch den Stadtteil und fahren von hier über die zentralen Haltestellen in der Innenstadt zum Gießener Bahnhof. Ebenso in die Innenstadt fahren über Wieseck die Regionalbuslinien 51, 140 und 520.

Wieseck verfügt am Gießener Ring über die drei Anschlussstellen Gießen-Wieseck, Gießen-Marburger Straße (direkt am Gießener Nordkreuz) und Gießen-Ursulum. Hauptstraßen sind die im Nordwesten des Ortsteils verlaufende Marburger Straße, eine der Hauptausfallstraßen von Gießen, und die zentral durch den Stadtteil verlaufende Gießener Straße mit mehreren Einzelhandelsunternehmen und Dienstleistungsbetrieben.

Zwischen 1925 und 1937 bediente die Lufthansa den Flughafen Gießen, der sich nahe dem heutigen Segelflugplatz befand, mit der Strecke Frankfurt–Gießen–Kassel.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Wieseck verfügt über die am Nordrand der Ortschaft gelegenen Gewerbegebiete Teichweg und Marburger Straße West. In Wieseck ansässige größere Unternehmen sind unter anderem:

Naherholung[Bearbeiten]

Das Naherholungsgebiet „Wieseckaue“, das sich südlich von Wieseck aus entlang dem Fluss Wieseck bis kurz vor die Innenstadt erstreckt, ist ein beliebtes Ausflugsziel der Gießener und Wiesecker Bürger. Auf den gut ausgebauten Feldwegen entlang der Wieseck drängen sich sonn- und feiertags Inlineskater, Radfahrer, Jogger und Spaziergänger. Eine beliebte Attraktion ist bei schönem Wetter der Segelflugplatz des Flugsportvereins Gießen, der direkt an der Wieseckaue gelegen ist. Dort kann man auf Parkbänken am Wegesrand die Starts und Landungen der Segelflugzeuge und Motorsegler verfolgen, aber auch selbst als Gast mitfliegen.

Nördlich der Ortslage befindet sich das Naturschutzgebiet Hangelstein, eine mit Wald bestandene Bergkuppe, die ebenfalls zu ausgedehnten Spaziergängen einlädt.

Sport und Kultur[Bearbeiten]

Die TSG Wieseck ist mit rund 1800 Mitgliedern der größte Verein des Stadtteils und der zweitgrößte der Stadt Gießen. Die Damen des KSV Wieseck sind im Jahr 2009 in die Kegel-Bundesliga aufgestiegen. Von zahlreichen weiteren Sportvereinen sind noch die Radsportgemeinschaft Gießen und Wieseck sowie den Wiesecker Kanu-Club, der sein Domizil an der Lahn in unmittelbarer Nachbarschaft zur Badenburg hat, zu nennen.

Wieseck verfügt über ein Bürgerhaus, zwei Sporthallen und zwei Sportplätze, davon einen Kunstrasenplatz. Auf dem Festplatz zwischen Sportgelände und Bürgerhaus können größere Veranstaltungen stattfinden. Hier wird jährlich am ersten Wochenende im August die Wiesecker Kirmes vom Traditionsverein Wieseck veranstaltet. Außerdem findet seit über 15 Jahren an der Poart alljährlich am letzten Sonntag im Juni das „Poartfest“ statt. Dieses ist zu einem festen Bestandteil des Lebens im Stadtteil geworden, beinahe eine zweite Kirmes. Mit dem „Lichterfest“ wird am Vortag des 1. Advents die Weihnachtsbeleuchtung im Wiesecker Ortskern in Betrieb genommen.

Innerhalb der Gemarkungsgrenzen des Gießener Stadtteils Wieseck liegt auch die Badenburg, eine bewohnte Burg (teilweise Ruine) mit Gastronomie direkt an der Lahn. Das Lokal Badenburg ist ein sehr beliebtes Ausflugslokal. Hier hat Georg Büchner 1833/34 wichtige Teile des Hessischen Landboten verfasst.

Politik[Bearbeiten]

Bei der Wahl zum neunköpfigen Ortsbeirat am 27. März 2011 ergab sich folgende Sitzverteilung:

Parteien und Wählergemeinschaften Anteil in % Sitze
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 33,9 3
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 37,4 4
FW Freie Wähler 10,7 1
BUF Bürgerliste für Umwelt und Frieden 14,2 1
F.D.P. Freie Demokratische Partei 3,8 0
gesamt 100,0 9

Die SPD stellt mit Wolfgang Bellof den Ortsvorsteher.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]