Zeev Sternhell

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Zeev Sternhell, 2008

Zeev Sternhell (* 1935 in Przemyśl, Polen) ist ein israelischer Politologe. Er ist Léon-Blum-Professor für Politikwissenschaften an der Hebräischen Universität Jerusalem. Sternhell emigrierte 1951 nach Israel und lebt heute in Tel Aviv. Bekannt geworden ist er vor allem durch seine Forschungen zum Faschismus.

Leben[Bearbeiten]

Sternhells Arbeiten über Maurice Barrès und die französische extreme Rechte und den Nationalismus in Frankreich: Maurice Barrès et le nationalisme français (1972); La droite révolutionnaire, les origines françaises du fascisme (1978, 1984); Ni droite, ni gauche. L'idéologie fasciste en France (1983, 1987) machten ihn als Historiker bekannt.

1996 folgte eine viel beachtete Untersuchung über die Entstehung Israels und den Zionismus: Aux origines d'Israel (1996). Seine Arbeiten über die Entstehung des Faschismus in Europa machten ihn 1999 auch in Deutschland einem breiteren Fachpublikum bekannt. Sternhell zeigte dabei auf, wie faschistische Ideologien sich über den Historismus und Geisteshaltungen, die sich gegen die Aufklärung und die Moderne richteten, schon im 19. Jahrhundert entwickelten: "Die Attraktivität der Lösungen, die die radikale Rechte anzubieten hatte, war umso größer, da die faschistische Ideologie einfach den harten Kern und die radikalste Variante eines sehr viel weiter verbreiteten und sehr viel älteren Phänomens darstellte: eine umfassende Revision der essentiellen Werte des humanistischen, rationalistischen und optimistischen Erbes der Aufklärung. Am Ende des 19. Jahrhunderts nahm die Abwendung von der Aufklärung wahrlich katastrophische Ausmaße an und fegte über weite Teile des kulturellen Europa hinweg."[1]

Sternhell ist dabei einer der entschiedensten Gegner der Zwillingstheorie von Ernst Nolte aus den 1960er-Jahren und seiner Auffrischung durch François Furet, wonach Kommunismus und Faschismus "zugleich Komplizen und Feinde seien" und der Faschismus sich gegen die Gefahr des "Bolschewismus" aus dem Ersten Weltkrieg entwickelte. Diese These ist nach Sternhell – der die Entstehung des Faschismus zeitlich weit früher erfasst und andere Ursprünge aufzeigt – nicht nur eine „Banalisierung des Faschismus und Nazismus, sondern darüber hinaus auch eine Verzerrung der wahren Natur der europäischen Katastrophe unseres Jahrhunderts“.[2]

Sternhells Arbeiten werden als eine wesentliche Grundlage für die Erforschung des Präfaschismus und der so genannten Konservativen Revolution gesehen und stehen für Ansätze, die nicht davon ausgehen, dass die „extreme, faschistische oder faschistisch angehauchte Rechte 1945 ein für allemal begraben wurde. Diese Rechte, ob in der Spielart der Pétainisten, der Anhänger Mussolinis oder Hitlers, welche die größten Intellektuellen wie auch das einfache Volk der größten europäischen Städte umfasste, wurde nicht in den Schützengräben des Ersten Weltkriegs geboren und starb auch nicht in den Ruinen von Berlin. Was für eine Zukunft wir uns auch immer vorstellen mögen, diese Rechte wird immer Teil unserer Welt sein."[3]

Politisches Engagement, Attentat am 25. September 2008[Bearbeiten]

Sternhell schreibt regelmäßig politische Kolumnen in Haaretz, und hat sich als Mitglied von Schalom Achschaw und scharfer Kritiker der israelischen Siedlungspolitik zu einer Zielscheibe des Hasses der extremen politischen Rechten in Israel gemacht. Am 25. September 2008 wurde auf Professor Sternhell vor seinem Wohnhaus in Jerusalem ein Bombenanschlag verübt, den er leicht verletzt überlebte.[4][5][6][7] Der Polizeisprecher Micky Rosenfeld ging von einem politischen Motiv aus.[8] 2009 verhaftete die israelische Polizei den aus Florida eingewanderten Siedler Jakob Teitel wegen des Verdachts, für den Bombenanschlag verantwortlich gewesen zu sein.[9]

Auszeichnung[Bearbeiten]

Er ist Träger des Israel-Preises für politische Wissenschaften.[10]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]

Aufsätze
  • Fascist Ideology. In: Walter Laqueur (Hrsg.): Fascism. A Reader's Guide; Analyses, Interpretations, Bibliography. Scolar Press, London 1991, ISBN 0-7045-0190-2, S. 315–376 (unveränderter Nachdr. d. Ausg. Berkeley, Calif. 1976).
    • deutsche Ausgabe: Faschistische Ideologie. Eine Einführung. Verbrecher Verlag, Berlin 2002, ISBN 3-935843-02-X.
  • Von der Aufklärung zum Faschismus und Nazismus. Reflexionen über das Schicksal der Ideen im 20. Jahrhundert.
    • In: Siegfried Jäger, Jobst Paul (Hrsg.): „Diese Rechte ist immer noch Bestandteil unserer Welt“. Aspekte einer neuen Konservativen Revolution. DISS, Duisburg 2001, ISBN 3-927388-78-5, S, S. 49–68.
    • In: jour fixe initiative berlin (Hrsg.): Geschichte nach Auschwitz. Unrast Verlag, Münster 2002, ISBN 3-89771-409-4, S. 61–94.
Monographien
  • Neither Right nor Left. Fascist Ideology in France. Princeton University Press, Princeton Calif. 1996, ISBN 0-691-00629-6 (EA Berkeley, Calif. 1986).
    • französische Ausgabe: Ni droite, ni gauche. L'idéologie fasciste en France (Folio; Bd. 203). Gallimard, Paris 2012, ISBN 978-2-07-044382-6 (EA Paris 1983).
  • The Birth of Fascist Ideology. From cultural rebellion to political revolution. Princeton University Press, Princeton, Calif. 1994, ISBN 0-691-04486-4 (EA Berkeley, Calif. 1989, zusammen mit Mario Sznajder und Maia Asheri).
  • The Founding Myths of Israel. Nationalism, Socialism, and the Making of the Jewish State. Princeton University Press, Berkeley, Calif. 1999, ISBN 0-691-00967-8 (als E-Book, ISBN 978-1-4008-2236-2).
    • französische Ausgabe: Aux origines d'Israël. Entre nationalisme et socialisme (Folio Histoire; Bd. 132). Gallimard, Paris 2004, ISBN 2-07-030161-3 (EA Paris 1996)
  • Maurice Barrès et le nationalisme français. (Historiques; Bd. 26). Editions Complexe, Brüssel 1985, ISBN 2-87027-164-6. (überarbeitete Fassung der Dissertation, Universität Paris 1969)
  • The anti-enlightenment tradition. University Press, New Haven 2010, ISBN 978-0-300-13554-1.
    • französische Ausgabe: Anti-Lumières. Du XVIIIe siècle à la guerre fride. Fayard, Paris 2006, ISBN 2-213-62395-3.
Vor- bzw. Nachworte
  • Gilbert Michlin: „Aucun intérêt au point de vue national“. La grande illusion d'une famille juive en France. Albin Michel, Paris 2001, ISBN 2-226-12140-4.
    • deutsche Ausgabe: „Nicht im Interesse der Nation“. Eine jüdische Familie in Frankreich (Jüdische Memoiren; Bd. 18). Hentrich & Hentrich, Berlin 2013, ISBN 978-3-942271-75-2 (übersetzt von Erica Fischer)

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Von der Aufklärung zum Faschismus und Nazismus. Reflexionen über das Schicksal der Ideen im 20. Jahrhundert. In.: jour fixe initiative berlin (Hg.) - Geschichte nach Auschwitz. Unrast Verlag Münster 2002, S. 64.
  2. ebenda, S. 86.
  3. Zeev Sternhell: Von der Aufklärung zum Faschismus und Nazismus. Reflexionen über das Schicksal der Ideen im 20. Jahrhundert. In.: Siegfried Jäger, Jobst Paul (Hg.) "Diese Rechte ist immer noch Bestandteil unserer Welt“. Aspekte einer neuen Konservativen Revolution. DISS. Duisburg 2001, S. 48.
  4. Haaretz, Sept. 25. September 2008: (Israeli Foreign Minister) Livni: Bombing of leftist Professor's home is intolerable http://www.haaretz.com/hasen/spages/1024412.html
  5. Tagesspiegel 28. September 2008 "Olmert: Neue Untergrundgruppierung aktiv" http://www.tagesspiegel.de/politik/international/Zeel-Sternhell-Anschlag-Siedlungen;art123,2624598
  6. Joseph Croitoru Deutschlandfunk 27. September 2008 "Israelische Linksintellektuelle unter Druck" http://www.dradio.de/dlf/sendungen/kulturheute/852950/
  7. Jörg Lau in "Die Zeit" 27. September 2008 "Attentat auf Faschismusforscher in Israel" http://blog.zeit.de/joerglau/2008/09/27/attentat-auf-faschismusforscher-in-israel_1315
  8. haaretz.com
  9. irishtimes.com
  10. haaretz.com