Île d’Oléron

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Île d’Oléron
NASA-Satellitenbild der Île d’Oléron
NASA-Satellitenbild der Île d’Oléron
Gewässer Golf von Biskaya
Geographische Lage 45° 56′ N, 1° 17′ WKoordinaten: 45° 56′ N, 1° 17′ W
Île d’Oléron (Charente-Maritime)
Île d’Oléron
Länge 34 km
Breite 12 km
Fläche 174 km²
Höchste Erhebung Grande dune de Saint‑Trojan
34 m
Einwohner 22.208 (1. Januar 2015)
128 Einw./km²
Hauptort Saint-Pierre-d’Oléron
Karte mit Gemeindegrenzen
Karte mit Gemeindegrenzen

Die Île d’Oléron ist die zweitgrößte französische Insel in Europa. Sie liegt im Atlantischen Ozean und gehört zum Département Charente-Maritime sowie zur Region Nouvelle-Aquitaine und wird auch die „Mimoseninsel“ genannt.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Île d’Oléron liegt an der französischen Westküste am Atlantik bzw. am Golf von Biskaya nördlich der Gironde-Mündung in der Nähe der Hafenstadt Rochefort. Oléron und die Nachbarinsel Île de Ré schließen mitsamt dem Festland den Pertuis d’Antioche ein, einen Meeresabschnitt, der als Paradies für Segler gilt. Sein südlicher Bereich ist zum großen Teil verschlickt und bietet so ein ideales Terrain zur Muschel- und Austernzucht. Aufgrund der guten Voraussetzungen und dem kontinuierlichen Zufluss von Süßwasser ist die Insel zu einer der bedeutendsten Regionen der Austernzucht in Europa geworden.

Die Insel ist 34 km lang und an der breitesten Stelle 12 km breit. Sie ist – lässt man die Überseedepartements außer Betracht – mit einer Grundfläche von 175 km² nach Korsika die zweitgrößte französische Insel und an der Atlantikküste die größte vor der Île de Noirmoutier und der Île de Ré.

Nennenswerte Erhebungen gibt es nicht.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie die Île de Ré ist die Insel durch eine Brücke mit dem Festland verbunden. Das 2862 m lange Viaduc d’Oléron, das Bourcefranc-le-Chapus mit dem Süden der Insel verbindet, war bei seiner Eröffnung 1966 die längste Brücke Frankreichs. 1992 wurde die Maut für das Viadukt abgeschafft. Bis zum Bau der Brücke gab es an dieser Stelle eine Fähre. Als Überbleibsel des Fährverkehrs kann man noch die für die Öffentlichkeit gesperrten beiden langen Fähranleger zur tidenunabhängigen Fahrwasserrinne sehen.

Auf der Insel selbst gibt es nur Landstraßen. Die Hauptverbindungen, aber auch immer mehr Nebenstrecken sind meist gut ausgebaut. Auf der überwiegend ebenen Insel gibt es heutzutage ein gut ausgebautes Radwegenetz. Im Süden der Insel verkehrt eine Feldbahn mit Personenverkehr.

Die Häfen werden fast nur noch für private und touristische Fahrten genutzt. Linienschiffe verkehren in der Saison zur Nachbarinsel Île-d’Aix, nach La Rochelle, zum Fort Boyard und zur Île de Ré. In La Cotinière befindet sich einer der bedeutendsten Fischereihäfen an der französischen Atlantikküste.

Panoramabild: Viaduc d’Oléron
Panoramabild: Viaduc d’Oléron bei Nacht

Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Insel gehört zur Region Nouvelle-Aquitaine, zum Département Charente-Maritime und zum Arrondissement Rochefort. Auf der Île d’Oléron leben ständig (Stand: 1. Januar 2015) 22208 Einwohner.

Die Insel ist deckungsgleich mit dem Kanton Île d’Oléron (Hauptort: Saint-Pierre-d’Oléron) und ist unterteilt in acht Gemeinden:

Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgrund ihres milden Klimas ist die Insel spätestens ab April bis Mitte September bei Touristen sehr beliebt. Ausflugsziele sind unter anderem der in den Jahren 1834 bis 1836 erbaute Leuchtturm Phare de Chassiron, das durch Fernsehsendungen bekannte, bei Boyardville vorgelagerte Fort Boyard und die unter Vauban errichtete Citadelle du Château d’Oléron. In der dortigen Bastion de la Brèche befindet sich ein militärhistorisches Museum, das über die französische Kolonialisierung Nordamerikas und die Kulturen der First Nations informiert.

Das Freiluftmuseum Port des Salines in Petit-Village, einem Ortsteil von Le Grand Village Plage, dokumentiert das Handwerk der Meersalzgewinnung.

Das Sumpfgebiet Marais aux Oiseaux beherbergt etwa 60 Tierarten, die man sonst in der Natur nur selten zu sehen bekommt.

Reine Sandstrände finden sich im Nord- und Südwesten der Insel; in der Mitte wechseln an der Brandungslinie steinige Passagen mit Einsprengseln Sand ab. Diese Strände werden während der Saison von Rettungsschwimmern bewacht. Auf der Ostseite, dem Festland zugewandt, erstreckt sich ab Boyardville bis zum Hafen von La Brée ebenfalls ein ca. 15 Kilometer langer Sandstrand.

Der Wald- und Dünenbereich bei Grand-Village und Saint-Trojan ist Naturschutzgebiet.

In einigen Ortschaften finden regelmäßig Wochen- und Trödelmärkte statt; insbesondere Saint-Pierre und La Cotinière bieten dort Spezialitäten der Insel an.

Hafen von La Cotinière, Panoramabild

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Île d'Oléron (kolorierter Kupferstich von Christophe Tassin, 1634)

Unter dem Namen Ularius war die Insel schon zur Römerzeit bekannt und diente laut Plinius als Erholungsort im Sommer. In späteren Jahrhunderten war sie, wie viele der anderen Atlantikinseln, ein Streitpunkt zwischen Frankreich und England. Auf Oléron verbrachte die mächtige Herzogin des Mittelalters und Königin zweier Länder, Eleonore von Aquitanien, 16 Jahre ihres Lebens in Gefangenschaft, weil sie die Rebellionen ihrer ältesten Söhne gegen ihren Mann Heinrich II. unterstützt hatte. In dieser Zeit wurde der nach der Insel benannte und dort verwahrte Seerechtskodex Rôles d’Oléron niedergeschrieben.
Im 16. Jahrhundert war die Inselbevölkerung überwiegend hugenottischen Glaubens. 1623 nahm Ludwig XIII. die Insel in Besitz. Carl Constantin von Hessen-Rheinfels-Rotenburg war nach dem Attentat mit der sogenannten Höllenmaschine auf Napoléon Bonaparte von 1800 bis 1803 auf der Insel verbannt. Während der deutschen Besetzung im Zweiten Weltkrieg war die Insel ein Teil des Atlantikwalls; noch heute finden sich an einigen Stränden und in den Dünen alte Bunker- und Verteidigungsanlagen. Auf der Insel verbrachte der gegenüber, in der Hafenstadt Rochefort, geborene Schriftsteller Pierre Loti den Großteil seines Lebens. Er hob den besonderen Charakter des hellen Lichts auf Oléron hervor und beschrieb die Insel in Teilen seiner Werke.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]