La Rochelle

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La Rochelle
Wappen von La Rochelle
La Rochelle (Frankreich)
La Rochelle
Region Nouvelle-Aquitaine
Département Charente-Maritime (Präfektur)
Arrondissement La Rochelle
Kanton La Rochelle-1 (Hauptort)
La Rochelle-2 (Hauptort)
La Rochelle-3 (Hauptort)
Gemeindeverband Communauté d’agglomération de La Rochelle
Koordinaten 46° 10′ N, 1° 9′ WKoordinaten: 46° 10′ N, 1° 9′ W
Höhe 0–28 m
Fläche 28,43 km2
Einwohner 75.404 (1. Januar 2015)
Bevölkerungsdichte 2.652 Einw./km2
Postleitzahl 17000
INSEE-Code
Website www.larochelle.fr

La Rochelle, Vieux Port, Hafenportal mit Tour St.-Nicolas und Tour de la Chaine

La Rochelle ist eine südwestfranzösische Hafenstadt und Hauptstadt des Départements Charente-Maritime in der Region Nouvelle-Aquitaine mit 75.404 Einwohnern (Stand: 1. Januar 2015). Sie ist unter anderem Partnerstadt von Lübeck und Mitglied im Hansebund der Neuzeit. Im Großraum La Rochelle lebten 2010 knapp 210.000 Menschen.[1]

2015 wurde La Rochelle von der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa der Ehrentitel „Reformationsstadt Europas“ verliehen.[2]

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

La Rochelle liegt am Atlantik, im Golf von Biscaya gegenüber der Île de Ré, und ist ein wichtiges Schifffahrts-, Handels- und Fremdenverkehrszentrum. Die Entfernung zu Nantes im Norden beträgt rund 150 km, zu Bordeaux im Süden 190 km und zu Paris im Nordosten 460 km.

Klimatabelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

La Rochelle
Klimadiagramm
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Temperatur in °CNiederschlag in mm
Quelle: wetterkontor.de[3]
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für La Rochelle
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 8,5 9,9 12,1 14,7 17,9 21,3 23,8 23,5 21,8 18,0 12,6 9,2 Ø 16,1
Min. Temperatur (°C) 3,4 4,0 5,4 7,4 10,7 13,7 15,8 15,7 13,7 10,5 6,3 3,9 Ø 9,2
Niederschlag (mm) 82,5 66,1 57,0 52,7 61,1 42,9 35,1 46,4 56,5 81,6 91,8 81,8 Σ 755,5
Sonnenstunden (h/d) 2,7 3,9 5,6 7,1 7,7 9,1 9,8 9,0 7,3 5,4 3,6 2,7 Ø 6,2
Regentage (d) 13 11 11 9 10 7 6 7 8 10 12 12 Σ 116
Luftfeuchtigkeit (%) 89 85 81 77 78 78 77 79 82 85 88 90 Ø 82,4
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Quelle: wetterkontor.de[3]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen von La Rochelle
Blasonierung: „Das Wappen in Rot zeigt ein dreimastiges goldenes Segelschiff mit silbernen geblähten Segeln an goldenen Rahen und goldenen Mastwimpeln auf grünem Schildfuß fahrend. Im blauen Schildhaupt drei goldene Lilien.“

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hafenportal von der Seeseite aus, mit Tour de la Chaine und Tour St. Nicolas

Ursprünge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Gebiet um La Rochelle siedelten in der Antike die Santonen, ein Stamm der Gallier, von denen die Gegend um Saintes, die Saintonge, ihren Namen erhielt. Die Besatzungsmacht der Römer entwickelte entlang der Atlantikküste den dort bis dahin unbekannten Anbau von Wein und die Gewinnung von Salz und belieferte damit ihr ganzes Reich. Zeugnisse dieser Epoche sind archäologische Ausgrabungen römischer Villen in Saint-Eloi und in Les Minimes, ferner die von Salzgärten mit Salinen.

Der Name La Rochelle heißt übersetzt „Der kleine Felsen“, bezogen auf ein erhöhtes Kalkfelsplateau im Gebiet der heutigen Stadt, auf dem sich im Zuge der Völkerwanderung (Ende 4. bis Mitte 6. Jahrhundert) von der Donau kommende Alanen niederließen und dauerhaft ansiedelten. An sie erinnert noch der Name der Landschaft Aunis im Hinterland von La Rochelle.

Entwicklung zum größten Hafen am Atlantik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gründung der Stadt muss für das 10. Jahrhundert angenommen werden.

Tour de la Lanterne, Wehrmauer und Tour de la Chaine

Relativ späte erste schriftliche Überlieferungen über die Zeit um 1140 sprechen von einer Zuwanderung von Colberts, einer Gruppe entflohener Sklaven, die sich der Niederlassung der Alanen anschlossen und deren Entwicklung mit vorantrieben.

Zu ihnen stießen noch die kosmopolitischen Templer, deren Routen im 12. und 13. Jahrhundert auch nach La Rochelle führten. Unter ihrer Mitwirkung wurde der Hafen zum größten der Atlantikküste ausgebaut. Noch heute gibt es eine Straße, die nach den Templern benannt ist, die Rue des Templiers. (Die Rue du Temple und der Cour du Temple weisen dagegen auf reformierte Kirchen hin, die auf Französisch temple heißen.)

Tour de la Lanterne von NO, Wehrmauer

1137 machte Wilhelm X., Herzog von Aquitanien, den Hafen der Stadt zu einem freien Hafen. Für die spätere, blühende Geschichte der Stadt zeichnete Eleonore von Aquitanien verantwortlich. Sie verlieh La Rochelle 1199 das freie Stadtrecht, verbunden mit einer bürgerlichen Selbstverwaltung und eigener Gerichtsbarkeit. Damals wurde für La Rochelle, erstmals in der französischen Geschichte, mit Guillaume de Montmirail ein Bürgermeister benannt. In der Folge wurde jedes Jahr aus den Reihen der mächtigsten Familien der Stadt ein neuer Bürgermeister gewählt.

Im Jahr 1224 wurde die Stadt während des Französisch-Englischen Krieges von König Ludwig VIII. belagert, bis sie sich schließlich unterwarf.

Während des Hundertjährigen Krieges fand bei La Rochelle am 22. Juni 1372 eine Seeschlacht zwischen einer kastilisch-französischen und einer englischen Flotte statt. Während die Engländer 40 Schiffe in die Schlacht führten, boten die Spanier und Franzosen 60 Schiffe und deutlich mehr Personal auf. Letztere besiegten die Engländer, womit die Kontrolle über den Kanal zum ersten Mal seit der Seeschlacht von Sluis 1340 in die Hände Frankreichs fiel.

Bis zum 15. Jahrhundert behielt La Rochelle den größten Hafen Frankreichs an der atlantischen Küste. Gehandelt wurde hauptsächlich mit Wein und Salz.

Kardinal Richelieu und katholische Priester bei der Belagerung von La Rochelle 1627–1628 auf ihrem Damm, Gemälde aus dem 19. Jahrhundert

In Zeiten der Religionskriege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für das La Rochelle des 16. und frühen 17. Jahrhunderts von großer Bedeutung ist Amos Barbot († 1625), der mit seiner Histoire de La Rochelle die älteste verfügbare erzählende Quelle zur Geschichte der Stadt seit dem Mittelalter darstellt. Ihm folgend verfasste Louis-Étienne Arcère (1698–1782) eine Geschichte von La Rochelle.

Während der Renaissance öffnete sich die Stadt den Ideen der Reformation, die bereits vor 1540 zahlreiche Anhänger hatte. Die gegenseitige Toleranz ließ zu Beginn die gemeinsame Nutzung der katholischen Kirchengebäude zu.

Von 1562 bis 1598 überzogen das Land die Verwüstungen der Religionskriege. 1565 wurden in La Rochelle 30 katholische Priester erdrosselt und vom Tour de la Lanterne ins Meer gestoßen, was einen offenen Kampf auslöste. Bald darauf wurde es zur Hauptstadt des Protestantismus in Frankreich.

Der große Gegenschlag der katholischen Liga begann mit dem „Massaker der Bartholomäusnacht“ am 24. August 1572, mit der Hinrichtung von Hugenottenanführern in Paris und den sich anschließenden furchtbaren Gemetzeln, die auf ganz Frankreich übergriffen.

La Rochelle, Leuchtfeuer und Pinie

1573 erfolgte die Belagerung des Hugenottenzentrums durch die königlich-katholische Armee unter dem Befehl des Herzogs von Anjou, des späteren Heinrich III. Trotz sechsmonatiger intensiver Belagerung unter Verwendung modernster Kriegstechniken auf beiden Seiten hielten die Protestanten durch, so dass die Angreifer aufgaben. Immerhin hatten 20.000 Mann auf katholischer Seite ihr Leben gelassen. Gezwungenermaßen musste die Krone den Hugenotten von La Rochelle noch 1573 die ungehinderte Ausübung ihrer Religion gestatten.

Mit dem Edikt von Nantes beendete Heinrich IV. 1598 die Religionskriege.

Erneute Belagerung von La Rochelle 1627–1628[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Etwa 29 Jahre später geriet die Stadt wieder in Konflikt mit Ludwig XIII., dessen königliche Armee La Rochelle am 10. September 1627 erneut belagerte. Die Stadt hatte sich mit den Engländern verbündet, die bereits die Insel Ré besetzt hatten. In den Kämpfen standen sich zwei unversöhnliche Gegner gegenüber: auf der einen Seite Kardinal Richelieu, Erster Minister des französischen Königs, auf der anderen Seite Jean Guiton (1585–1654), Admiral und neuer Bürgermeister von La Rochelle.

Alter Hafen, Mastengewirr

Die Blockade durch die Königlichen erfolgte nicht nur von der Land-, sondern auch von der Seeseite, wo ein 12 km langer Damm aufgeschüttet wurde, in dem lange angespitzte Holzbalken in Richtung Stadt eingerammt waren. Soldaten der Artillerie besetzten den Damm. Die Versorgung und Verstärkung vom Meer aus, etwa von den Engländern, war damit abgeschnitten. Dem Bürgermeister gelang es trotzdem, die hungernde Bevölkerung der Stadt über mehr als ein Jahr zum Durchhalten zu bewegen.

Nachdem der Hunger unter den Verteidigern immer mehr Todesopfer gefordert hatte, musste Guiton kapitulieren. Am 30. Oktober 1628 zog Richelieu mit seinem Heer in die Stadt ein; zwei Tage später folgte ihm König Ludwig XIII. In den Häusern fanden sie unzählige Leichen. Von den 28.000 ursprünglich eingeschlossenen Einwohnern hatten nur 5.000 überlebt, unter ihnen Jean Guiton, der später in den königlichen Dienst eintrat.

Leuchtturm, grün

Exodus der Hugenotten und die Kolonialzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Niederlage der Hugenotten von La Rochelle 1628 ging ihre Verfolgung im ganzen Land unerbittlich weiter; sie erreichte mit der Rücknahme des Edikts von Nantes durch Ludwig XIV. ihren Höhepunkt. Viele Hugenotten flohen, wanderten aus und gründeten 1689 in Nordamerika die Stadt New Rochelle.

Vieux Port, von SW

In der Kolonialzeit spielte La Rochelle im „atlantischen Dreieckshandel“ zwischen Afrika, Neufrankreich (Kanada und die Antillen) und dem Kernland Frankreich eine wichtige Rolle.

La Rochelle blieb weiterhin einer der größten Häfen Frankreichs. Dafür war vor allem der aufgekommene Sklavenhandel und die Entwicklung der überseeischen Beziehungen verantwortlich. Die beschädigten Wehranlagen wurden durch den bedeutenden Festungsarchitekten Vauban wiederhergestellt und modernisiert.

19. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leuchtturm, rot

1864 war der Hafen von La Rochelle im Bereich des „Bassin der Flotten“ hinter den Schleusen Standort für Tauchexperimente des ersten mechanisch betriebenen U-Boots der Welt, genannt Plongeur, unter dem Kommando von Marie-Joseph Camille Doré, der in La Rochelle geboren wurde.

buntes Hafenviertel

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

U-Boot-Bunker La Pallice

Im fünf Kilometer entfernten La Rochelle-La Pallice baute die Organisation Todt ab April 1941 einen U-Boot-Bunker, der nicht mehr zugänglich ist. Ab 1943 unterhielt die Kriegsmarine ein Marinelazarett in der Stadt.

Die Stadt La Rochelle sowie die Hafenanlagen in La Pallice blieben bis zur bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht am 8. Mai 1945 in deutscher Hand. Im Rahmen eines Stillhalteabkommens zwischen dem deutschen Festungskommandanten Vizeadmiral Ernst Schirlitz und dem französischen Unterhändler Capitaine de Fregate Hubert Meyer wurde vereinbart, auf eine befohlene Zerstörung der Stadt- und Hafenanlagen zu verzichten, sofern die alliierten Truppen die in La Rochelle eingekesselten Deutschen nicht angreifen würden. Diese „Konvention von La Rochelle“ führte schließlich dazu, dass Stadt- und Hafenanlagen nach der deutschen Kapitulation unversehrt übergeben werden konnten, während andere Atlantikstädte wie z. B. Royan noch im April kurz vor Kriegsende völlig zerstört wurden.

Heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

La Rochelle, Anker, liegend

Auch wenn die internationale Schifffahrt in La Rochelle kaum noch eine Rolle spielt, ist der Hafen immer noch ein bedeutender Fischereihafen des Landes mit der viertgrößten Kapazität in Frankreich. Beim Umschlag von Handelsgütern nimmt er mit einem Bruttovolumen von etwa sechs Millionen Tonnen jährlich Rang acht unter den französischen Häfen ein. Die Gründung der La Rochelle Business School erfolgte 1998.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der alte Hafen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rathausmauer mit Belfried

Das Hafenbecken des Vieux Port, das Zentrum der Altstadt, wird eingefasst von den Uferstraßen, im Norden vom Quai Duperre und im Westen vom Cours des Dames. Im Winkel der beiden Straßen erhebt sich die Statue des Admiral Duperre, 1775 in La Rochelle geboren und Kommandant der französischen Flotte bei der Einnahme von Algier im Jahr 1830. Auf der Esplanade Cour des Dames wurden früher Sardinen verkauft und von den Fischern ihre Netze geflickt.

Tour St. Nicolas[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der leicht geneigte zwischen 1317 und 1345 errichtete Turm weist die Merkmale einer Festung auf und bildet zusammen mit dem gegenüberliegenden Tour de la Chaine das Wahrzeichen von La Rochelle. Er hat einen fünfeckigen Grundriss und ist 42 m hoch. An Stelle der fünf Ecken gibt es drei im Grundriss halbkreisförmige Türme und einen rechteckigen und einen quadratischen höheren Turmanbau, eine Art Donjon. Alle Seiten sind mit Schießscharten und kleinen Fenstern ausgestattet. Der Turm diente lange als Gefängnis. Eine weit ausladende Zugangstreppe mit seitlichen Mauern, als Strebewerke ausgebildet, vom Boden bis zur Höhe der Treppenbrüstung reichend, erschließt den Hauptsaal, der von einem eleganten oktogonalen Kreuzrippengewölbe überdeckt wird. Die ins dicke Mauerwerk der Turmwände eingearbeiteten Treppen führen in den darüber liegenden zweiten Saal, von dort weiter zu noch anderen Räumen. Einer davon ist als Kapelle ausgestattet. Darüber liegt die erste mit Zinnen umschlossene Dachterrasse und etwas aufwärts die zweite und höchste Terrasse auf dem Turmanbau, die von Brustwehren mit Schießscharten und Pecherkern eingeschlossen wird.

Tour de la Chaine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen über Portal Rathausmauer

Der Name des Turms kommt von der großen Kette (französisch Chaine), die zur Blockierung der Hafenzufahrt über Nacht mit dem Tour St.-Nicolas verbunden wurde. Am Fuß des Turms gibt es davon noch einen Rest. Der im 14. Jahrhundert erbaute Turm war überwiegend ein Pulvermagazin. Er wurde im 17. Jahrhundert teilweise abgetragen. Ein ursprünglicher Anbau, der in die Hafeneinfahrt hineinragte, wurde abgerissen, um diese zu erweitern.

Die vom Tour de la Chaine in Richtung Tour de la Lanterne verlaufende Befestigungsmauer, die sich im Mittelalter direkt aus dem Meer erhob, ist die einzige, die von Richelieu nicht zerstört wurde. Er ließ sie zum Schutz gegen Angriffe der Engländer stehen.

Tour de la Lanterne[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name deutet auf seine Nutzung als Leuchtturm. Er wurde erst im 15. Jahrhundert errichtet. Die an seinem Fuß anschließenden, sechs Meter dicken Festungsmauern kontrastieren mit der Eleganz des oktogonalen Turmhelms, dessen Rippen mit „Krabben“ verziert sind. Dort oben gibt es eine Laterne, die als Leuchtfeuer gedient hat. In der oberen Turmspitze sind noch vier Räume übereinander angeordnet, auf deren Wänden zahlreiche Graffiti der dort Inhaftierten erhalten sind (17. und 18. Jahrhundert). Im unteren Teil des Turms befand sich der Saal der Wachen. Von einem vorspringenden Balkon aus erkennt man bei Ebbe die Fundamente des von Richelieu errichteten Damms, in Höhe von Fort Louis, hinter der Promenade.

Die Altstadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rathausfassade

Die Altstadt besitzt einen regelmäßigen Grundriss mit rechtwinklig zueinander verlaufenden Straßen und hat die Charakteristik einer alten Handels- und Geschäftsstadt konserviert. Die sie heute noch in Teilen umschließenden Wehrmauern und Außenwerke (oder Ravelins) verraten die Handschrift von Vauban. Das Geschäftsviertel umschließt im Wesentlichen das Rathaus. Viele Arkadengänge und überdachte Passagen bieten flanierenden Passanten Schutz bei jedem Wetter. Die ältesten Häuser sind Fachwerkhäuser, deren Holzständer und -riegel oft mit Schieferplatten geschützt sind.

Porte de la Grosse Horloge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Den Eingang zur Altstadt von der Hafenseite aus bildet der Uhrenturm mit Tordurchlass. Die den im Grundriss rechteckigen Turm in ganzer Höhe flankierenden Rundtürme werden von Seetrophäen verziert. Der gotische Torturm erhielt im 18. Jahrhundert nachträglich einen Aufbau aus einem Glockenstuhl, auf beiden Seiten mit großen Uhrzifferblättern bestückt, gekrönt von einer Kuppel und einer Laterne.

Hôtel de Ville[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rathaustreppe

Wie so häufig in Ortschaften mit protestantischer Geschichte ist auch in La Rochelle nicht ein Sakralbau, sondern ein Profangebäude, hier das Rathaus, der besondere Glanzpunkt des Stadtzentrums und dessen bedeutendstes Bauwerk. Vor dem Rathausgebäude, das um die Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert erbaut wurde, befindet sich eine eher schlichte gotische Festungsmauer mit Wehrgang und auskragendem Pecherkern, die auf der linken rechtwinkligen Mauerecke zusätzlich mit einem Belfried bewehrt ist. Sie umschließt einen geräumigen rechteckigen Innenhof, der über zwei gotisch gestaltete Tore betreten werden kann, das kleinere für Fußgänger, das größere für Fuhrwerke. Der schlanke, zylindrische Eckturm beginnt erst in Höhe der Mauerkrone und überragt das Rathaus weit, mit einem sich nach oben bis zur Spitze verjüngenden Turmhelm mit offener Glockenstube.

Im Hof erhebt sich die Hauptfassade des prächtigen Renaissancepalastes. Die Bauarbeiten erstreckten sich von der Grundsteinlegung 1544 bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts. Der Einfluss der italienischen Renaissance ist unverkennbar. Das Erdgeschoss wird hofseitig von einer Arkadengalerie mit kannelierten Säulen begrenzt. Im ersten Obergeschoss kann man den ehemaligen Arbeitsraum des Bürgermeisters Jean Guiton (siehe Geschichte) besichtigen. Ende Juni 2013 ist das Rathaus zum großen Teil infolge eines elektrischen Kurzschlusses abgebrannt. Mit der Wiederinstandsetzung wurde im Juli 2016 begonnen.[4]

Uhr am Belfried

Weitere Sehenswürdigkeiten der Altstadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Markthalle von La Rochelle
  • Hôtel de la Bourse: 18. Jahrhundert, Sitz der Handelskammer, mit Arkadeninnenhof
  • Rue du Palais: Hauptstraße mit Arkaden und öffentlichen Gebäuden
  • Rue Chaudrier: einer der Verteidiger von La Rochelle; schönes altes Fachwerkhaus. In der Nr. 54 befindet sich das Café de la Paix, eine der ältesten Brasserien Frankreichs (Monument historique).
  • Maison Henri II.: 1555 für Huges de Pontard erbaut
  • Grande Rue des Merciers: Arkaden und Häuser des 16. und 17. Jahrhunderts, in mittelalterlichem Charakter, viele Fachwerkhäuser,
La Rochelle, Fachwerkhaus
  • Palais de Justice: 1789 fertiggestellt, Renaissance
  • Cathedrale St. Louis: teilweise über den Fundamenten der Kirche St. Barthélemy erbaut
  • Rue de Minage: beidseitig von Arkaden gesäumt, sehr alte Häuser
  • Place du Marché: zwei Häuser aus dem 15. und 16. Jahrhundert
  • Temple protestant: frühere Klosterkirche der Franziskaner mit Kreuzgang, 17. Jahrhundert

Museen der Altstadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Musée d’Histoire naturelle: Naturkundemuseum, ehemaliger Wohnsitz des Gouverneurs, ausgestopfte Giraffe (Zarafa)
  • Musée du Nouveau Monde: im Hôtel Fleuriau, Handel zwischen La Rochelle und Amerika seit der Renaissance
  • Musée d’Orbigny Bernon: Geschichte von La Rochelle
  • Musée des Beaux-Arts: Kunstmuseum im bischöflichen Palast
  • Bunker de La Rochelle: Museum im ehemaligen Bunker des deutschen Stadtkommandanten (im Frühjahr 2013 eröffnet)
  • Musée Rochelais d’Histoire Protestante: Museum der Geschichte des Protestantismus in La Rochelle, Aunis und Saintonge[5]

La Ville en Bois[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die „Stadt aus Holz“ ist ein Viertel südlich des Vorhafens, gegenüber dem Tour de Lanterne, mit einigen Museen.

Renaissance-Fassade
  • Neptunéa: Musée maritime: Seefahrtsmuseum
  • Musée à Flot: kleine Flotte mit Schiffen unterschiedlicher Größe und dem Wetterschiff France I
  • Musée des Automates: elektronische Roboter

Port des Minimes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Port des Minimes ist der größte Yachthafen der Atlantikküste mit über 3.200 Liegeplätzen für Kielboote und drei Tiefwasserbecken.

Aquarium[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

La Rochelle besitzt zudem ein großes Aquarium, eines der schönsten Europas, mit über 65 Becken.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fachwerkhäuser

Schiffbau, Fisch- und chemische Industrie sind die wichtigsten Industriezweige der Stadt. Eine bedeutende Stütze der Wirtschaft ist der Tourismus.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

La Rochelle ist an das System der französischen Staatsbahn SNCF angeschlossen. Es gibt tägliche Verbindungen nach Paris (Gare Montparnasse) (ungefähr drei Stunden) und Bordeaux, aber auch regionale Verbindungen in die näher liegenden Städte.

Mit dem Pkw oder dem Motorrad ist La Rochelle von Norden (Fontenay) und von Osten (Niort) über die Route nationale N 11 und aus Richtung Süden (Rochefort, Saintes) über die N 137 erreichbar.[6]

Den Busverkehr in La Rochelle betreibt die RTCR mit einem sehr gut ausgebauten Netz von Buslinien. Auch eine Verbindung auf die Ile de Ré ist vorhanden.

Am Stadtrand gibt es einen Park & Ride-Parkplatz, von dem aus man in den Sommermonaten gratis ins Zentrum gelangt. Es gibt dort auch eine Servicestation für Wohnmobile (Wasserversorgung und Abwasserentsorgung).

Der Flughafen La Rochelle – île de Ré (Aéroport de La Rochelle – île de Ré) liegt 2,5 km nordwestlich vom Stadtzentrum.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bekanntester Sportverein der Stadt ist Atlantique Stade Rochelais, ein Rugby-Verein, der seit der Saison 2014/15 wieder in der höchsten französischen Liga (Top 14) vertreten ist.

Schlüsselkind

Filmstadt La Rochelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fachwerkeckhaus
Straßenzug mit Fachwerk

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

La Rochelle unterhält freundschaftliche Beziehungen mit folgenden sechs Städten:[7]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Manufacture française des pneumatiques Michelin: ATLANTIKKÜSTE Poitou Vendée Charentes Pyrenäen (= Der grüne Reiseführer/Michelin-Reiseführer). 3. Auflage. Michelin Reise-Verlag/Manufacture française des pneumatiques Michelin, Karlsruhe/Clermont-Ferrand 2001, ISBN 2-06-000236-2.
  • Thorsten Droste: POITOU, Westfrankreich zwischen Poitiers und Angoulême – die Atlantikküste von der Loire bis zur Gironde (= DUMONT Kunst-Reiseführer). DuMont, Köln 1999, ISBN 3-7701-4456-2.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: La Rochelle – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: La Rochelle – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Daten für 2010. In: insee.fr.
  2. Sieben neue „Reformationsstädte“ in Europa. EKD-Pressemeldung. 15. Dezember 2016, abgerufen am 25. Mai 2016. – Zur Bedeutung La Rochelles in der Reformationsgeschichte siehe das Stadtporträt La Rochelle, belle et rebelle des Projekts Reformationsstädte Europas. In: reformation-cities.org/cities, abgerufen am 25. Mai 2016 (deutsch).
  3. wetterkontor.de
  4. Reconstruction Hôtel de Ville. Le projet. In: ville-larochelle.fr, abgerufen am 15. Oktober 2016 (französisch; die Finanzierung erfolgt teilweise aus Spenden der Bürgerschaft).
  5. Homepage des Museums Rochelais der Geschichte des Protestantismus (MRHP) (französisch, deutsch, englisch, spanisch), abgerufen am 25. Mai 2016.
  6. Michelin Karte 233: Poitou Charentes. Maßstab 1:200.000.
  7. Homepage von La Rochelle, Abschnitt Jumelage, abgerufen am 1. April 2010.