Alexander Neu

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Alexander Neu (2014)
Video-Vorstellung (2014)

Alexander Soranto Neu (* 19. März 1969 in Harmonie, Gemeinde Eitorf) ist Politikwissenschaftler, ehemaliger OSZE-Mitarbeiter und deutscher Politiker der Partei Die Linke. Seit der Bundestagswahl 2013 ist er Mitglied des Deutschen Bundestages.

Leben und Bildungsweg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neu wurde im südlichen Nordrhein-Westfalen als Kind jugoslawischer Eltern geboren und von einem deutschen Ehepaar adoptiert.[1] Er wuchs in Much auf und besuchte dort die Hauptschule. Nach dem Abitur 1990 am Anno-Gymnasium in Siegburg, das er seit 1987 besucht hatte, studierte er Politikwissenschaft in Bonn; dieses Studium schloss er 1995 ab. Im Jahr 2004 wurde Neu mit einer Arbeit zur Jugoslawien-Kriegsberichterstattung der Times und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in Politikwissenschaften promoviert.[2] Außerdem publizierte er bis heute mehrere wissenschaftliche Artikel zur Außen- und Sicherheitspolitik.[3]

Jugoslawien-Kriegsberichterstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Thema der Dissertation Neus waren die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Berichterstattung der New York Times und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Ein Hauptergebnis des Vergleichs war, dass ihnen die "ethno-zentrische Perspektive des jugoslawischen Konflikts und der Konfliktursache" gemeinsam war (Kroaten positiv, Serben negativ), welche sie als einzigen Deutungsrahmen anboten. Unterschiede lagen darin, dass die FAZ diese ethnozentrische Perspektive um "Elemente eines zivilisationstheoretischen Welt-Bildes" (Kroatien hochentwickelt, Serbien zurückgeblieben) ergänzte. "Dominierender Akteur sei in dieser Perspektive nicht mehr der Staat, sondern eine zivilisatorische Einheit (die abendländische Zivilisation, afrikanischer Kulturkreis etc.). Das Milieu wäre nicht mehr die anarchische Staatengesellschaft, sondern die anarchische Gesellschaft differierender Zivilisationen, einschließlich des so oft zitierten „Clash of civilizations“. Aus ideologischer Perspektive diente sie als Ab- und Ausgrenzungsmerkmal gegenüber der zivilisatorischen oder kulturellen Andersartigkeit." Einen weiteren Unterschied stelle die Bewertung "der Kroaten" in und gegenüber Bosnien-Herzegowina dar, wobei die Times die Politik Kroatiens stärker nach allgemeinen völkerrechtlichen Prinzipien kritisierte. Die FAZ habe eindeutiger Partei ergriffen, sodass Journalisten sogar mit kroatischen Orden ausgezeichnet wurden.[4]

Mitarbeit in der OSZE[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwischen 2000 und 2002 sowie im Jahr 2004 arbeitete Neu bei der OSZE im ehemaligen Jugoslawien.

Parteimitgliedschaften und politische Laufbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neu engagierte sich zunächst in der Partei Bündnis 90/Die Grünen, aus der er 2005 austrat; anschließend wurde er Mitglied in der PDS, die 2007 zur Linkspartei wurde. Von 2006 bis 2013 war Neu Referent für Sicherheitspolitik der Linksfraktion im Bundestag.

Alexander Neu trat bei der Bundestagswahl am 22. September 2013 als Direktkandidat der Linken im Wahlkreis Rhein-Sieg-Kreis I an;[5] dabei erreichte er als viertbester Kandidat im Wahlkreis 4,7 Prozent aller Erststimmen.[6] Außerdem stand er auf Platz 10 der nordrhein-westfälischen Landesliste der Linken.[7] Bei der Wahl gelang ihm über die Landesliste der Einzug als Abgeordneter in den Deutschen Bundestag.[8] Neu ist Obmann im Verteidigungsausschuss des Deutschen Bundestages[9] und stellvertretendes Mitglied im Auswärtigen Ausschuss.

Mitgliedschaften und Funktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Alexander Neu – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Jugoslawien-Kriegsberichterstattung der Times und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Nomos, 2004, ISBN 978-3-832-90797-6[10]
  • Hegemonie, Multipolarität oder Nicht-Polarität im 21. Jahrhundert? Über Interessen, Gewalt und Völkerrecht. In: Erhard Crome (Hrsg.) Die UNO und das Völkerrecht in den internationalen Beziehungen der Gegenwart. Potsdam 2012. ISBN 978-3-941880-66-5

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Markus Wehner: Die ganz linken Linken, in: faz.net (21. Juli 2014).
  2. Alexander S. Neu: Die Jugoslawien-Kriegsberichterstattung der Times und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Nomos, 2004, ISBN 978-3-832-90797-6 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  3. Alexander Neu: Publikationsliste – Wissenschaftliche Publikationen, in: neu-alexander.de, abgerufen am 11. September 2014.
  4. http://neu-alexander.de/wp-content/uploads/2014/07/VII.-Schlu%C3%9Fteil.pdf
  5. Alexander Neu: Kurzbiographie, in: dielinke-rhein-sieg.de (PDF; 31 kB), abgerufen am 24. September 2013.
  6. Bundestagswahl 2013 im Rhein-Sieg-Kreis: Alexander Neu, in: general-anzeiger-bonn.de (5. August 2013).
  7. Wahlkreis 97 Rhein-Sieg-Kreis I: Landesliste Platz 10: Alexander S. Neu, in: dielinke-nrw.de, abgerufen am 24. September 2013.
  8. Bundeswahlleiter: Gewählte Landeslistenbewerber: Nordrhein-Westfalen: Vorläufiges Ergebnis der Bundestagswahl 2013, in: bundeswahlleiter.de, abgerufen am 24. September 2013.
  9. Der Bundestag: Ausschüsse: Verteidigung, in: bundestag.de, abgerufen am 18. September 2014.
  10. Florian Weber, Rezension zu: Alexander S. Neu: Die Jugoslawien-Kriegsberichterstattung der Times und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Baden-Baden: 2004, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/22657-die-jugoslawien-kriegsberichterstattung-der-times-und-der-frankfurter-allgemeinen-zeitung_25853, veröffentlicht am 1. Januar 2006.