Alpine Skiweltmeisterschaft 1958

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Die 15. Alpine Skiweltmeisterschaft fand vom 2. bis 9. Februar 1958 in Bad Gastein in Österreich statt. Die Eröffnung gab es schon am Abend des 1. Februar 1958 am Festplatz durch den österreichischen Unterrichtsminister Dr. Heinrich Drimmel und dem Präsidenten der FIS, Marc Hodler.[1]

Bei den Trainings zogen sich mehrere Läufer/innen nach Stürzen Verletzungen zu, welche ihnen eine Teilnahme an den Championats unmöglich machte. Am 30. Januar erlitt Rupert Suter aus der Schweiz einen Schienbeinbruch (zuvor waren schon der sowjetische Läufer Talianow und Lennart Foytmeier, der beste des schwedischen Teams, mit einer Knieverletzung ausgefallen; für Suter nominierte der Schweizer Verband Brupbacher)[2][3], am 1. Februar brach sich die französische Läuferin Thèrèse Leduc den rechten Unterschenkel; während der Weltmeisterschaft wurde die Schweizer Mitfavoritin Renée Colliard am 3. Februar im Slalom vom Schicksal ereilt (Bänderzerrung im linken Fußgelenk und Seitenbandzerrung im linken Kniegelenk). Im Herren-Riesenslalom kam der mit Start-Nr. 13 ins Rennen gegangene Franzose Charles Bozon im steilen Schlusshang zu Sturz. Es wurde eine Verletzung an der Wirbelsäule konstatiert und er wurde mit dem Hubschrauber ins UKH Salzburg geflogen.[4][5][6]

Am 23. Januar 1957 hatte es eine als "Vor-Weltmeisterschaft" bezeichnete Generalprobe in Form eines Abfahrtslaufes gegeben, bei dem Carla Marchelli vor Lucille Wheeler und Frieda Dänzer bzw. Mathias Leitner vor Andreas Molterer und Toni Sailer gewonnen hatten.[7]

Hinsichtlich der Medaillenchancen waren die österreichischen Herren klar zu bevorzugen, während es bei den ÖSV-Damen Fragezeichen gab. In einer von der »Arbeiterzeitung Wien« zu Saisonende 1957 erstellten Wertung, bei denen die Sieger/innen jeweils 100 Punkte erhielten, war Carla Marchelli die überragende Läuferin, die bis auf den Slalom (wo sie Rang 6 einnahm), überall voran lag (in der Gesamtwertung hatte sie auf die Zweitplatzierte Thea Hochleitner einen Vorsprung von 10.8 Punkten). Bei den Herren siegte überraschend Rieder, der am gleichmäßigsten war, während die Abfahrt an Toni Sailer und der Slalom an Ernst Hinterseer ging. Für den Riesenslalom gab es bei den Herren keine Wertung, weil nur ein mit allen Assen besetztes Rennen gefahren worden war.[8]

Seitens der Damen brachten die aktuell im Januar 1958 gefahrenen Bewerbe ("SDS-Rennen" von Grindelwald, Kitzbühel) zwar Top-Plätze und Siege für den ÖSV durch Josefine Frandl, Hilde Hofherr und Thea Hochleitner, die übrigen Siege und Top-Drei-Platzierungen waren an Frieda Dänzer, Carla Marchelli, Annemarie Waser, Renée Colliard, Berit Stuve, Thérès Leduc und Astrid Sandvik gegangen. Bei den Herren waren indessen am 5./6. Januar in Adelboden mit den Erfolgen von Charles Bozon (vor Ernst Hinterseer und Georges Schneider im Slalom) und Roger Staub (vor Mathias Leitner und Bozon im Riesenslalom) keine österreichischen Siege zu verzeichnen gewesen, jedoch hatte es am Lauberhorn mit Toni Sailer in der Abfahrt und Josef Rieder im Slalom (wenngleich der Kombi-Erfolg an Wallace Werner ging) und noch mehr am Hahnenkamm mit jeweils Doppelsiegen eine drückende Überlegenheit gegeben. Die Erfolgsaussichten des DSV waren eher gering: Wohl hatten Marianne Seltsam am 27. März 1957 den Slalom, Hannelore Basler einen Tag danach den Riesenslalom im Rahmen des »Großen Preises von Madrid« in Navacerrada gewonnen, war dort Hans-Peter Lanig im Riesenslalom Zweiter geworden[9][10], jedoch waren dies Rennen zum Saisonausklang gewesen.

Von der FIS wurden knapp vor Beginn der Weltmeisterschaft Sailer in der Abfahrt und im Riesenslalom sowie Molterer im Slalom bzw. Marchelli als beste Abfahrts- und Colliard als beste Slalomläuferin fixiert.[11]

Schon am 21. Januar begannen mehrere Nationalteams mit dem Training am Veranstaltungsort[12], am 26. Januar wurde als Vorbereitung (ein jedoch wegen Fehlens mehrerer Klasseläufer/innen eher nur als »besseres Training« zu betrachtender) Riesenslalom in Saalfelden gefahren, wobei Josefine Frandl vor der Italienerin Schenone und Anne Heggtveit bzw. Toni Sailer vor Roger Staub und Josef Rieder die ersten drei Plätze belegten.[13]

Der Sieg von Inger Bjørnbakken im Slalom war eine relative Überraschung, denn die Norwegerin hatte bereits am 15. März 1957 bei den »Internationalen Skimeisterschaften der USA« in Stowe Rang 2 belegt [14] und eine Woche später jenen beim »Harriman-Cup« in Sun Valley gewonnen.[15] Auch Lucille Wheeler hatte schon in den letzten beiden Jahren Top-Plätze erreicht, als sie am 14./15. Januar 1956 Zweite in der Hahnenkamm-Abfahrt[16] und -Kombination[17] geworden war und das Jahr später (19./20. Januar 1957) sowohl die genannte Abfahrt als auch die Kombination gewonnen hatte (und im Vorjahr hier in Badgastein Zweite war.)[18][19]

Männer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Abfahrt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Platz Land Sportler Zeit
1 AUT Toni Sailer 2:28,5 min
2 SUI Roger Staub 2:30,4 min
3 FRA Jean Vuarnet 2:32,3 min
4 SUI Willi Forrer 2:32,7 min
5 FRA Adrien Duvillard 2:33,5 min
AUT Mathias Leitner 2:33,5 min
AUT Andreas Molterer 2:33,5 min

Datum: 9. Februar, 13:30 Uhr
Piste: „Graukogel“
Länge: 3520 m, Höhenunterschied: 915 m
Tore: 17

Am Start waren 65 Läufer, 60 von ihnen kamen ins Ziel.

Riesenslalom[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Platz Land Sportler Zeit
1 AUT Toni Sailer 1:48,8 min
2 AUT Josef Rieder 1:52,6 min
3 FRA François Bonlieu 1:53,9 min
SUI Roger Staub 1:53,9 min
5 USA Wallace Werner 1:54,5 min
6 AUT Andreas Molterer 1:55,3 min
JPN Chiharu Igaya 1:55,3 min

Datum: 5. Februar, 13:30 Uhr
Länge: 2400 m, Höhenunterschied: 602 m
Tore: 36

Am Start waren 77 Läufer, 63 von ihnen kamen ins Ziel.

Slalom[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Platz Land Sportler Zeit
1 AUT Josef Rieder 1:55,1 min
2 AUT Toni Sailer 1:55,8 min
3 JPN Chiharu Igaya 1:56,7 min
4 USA Wallace Werner 1:58,8 min
5 SUI Roger Staub 2:01,9 min
6 SUI Adolf Mathis 2:02,6 min

Datum: 2. Februar, 10:30 (1. Lauf), 13:30 Uhr (2. Lauf)
Länge: 562 m, Höhenunterschied: 202 m
Tore: 68 (1. Lauf) / 69 (2. Lauf)

Nach dem ersten Lauf führte Igaya mit 56,7 sec.; er lag exakt eine Sekunde vor Rieder; Sailer wies 1,6 sec. Rückstand auf.

Am Start waren 77 Läufer, 48 von ihnen kamen ins Ziel.

Kombination[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Platz Land Sportler Punkte
1 AUT Toni Sailer 0,36
2 AUT Josef Rieder 6,36
3 SUI Roger Staub 8,63
4 JPN Chiharu Igaya 12,06
5 AUT Andreas Molterer 12,57
6 SUI Roland Bläsi 18,93

Am Start waren 77 Läufer, 29 von ihnen klassierten sich. Die Positionen wurden nach einem Punktesystem aus den Ergebnissen der Abfahrt, des Riesenslaloms und des Slaloms ermittelt.

Frauen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Abfahrt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Platz Land Sportler Zeit
1 CAN Lucille Wheeler 2:12,1 min
2 SUI Frieda Dänzer 2:12,4 min
3 ITA Carla Marchelli 2:12,5 min
4 ITA Pia Riva 2:14,6 min
5 AUT Josefa Frandl 2:15,7 min
6 NOR Astrid Sandvik 2:16,0 min

Datum: 6. Februar, 11:00 Uhr
Piste: „Graukogel“
Länge: 2400 m, Höhenunterschied: 590 m
Tore: 27

Am Start waren 40 Läuferinnen, alle kamen ins Ziel.

Riesenslalom[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Platz Land Sportler Zeit
1 CAN Lucille Wheeler 1:54,6 min
2 USA Sally Deaver 1:55,1 min
3 SUI Frieda Dänzer 1:55,4 min
4 SUI Annemarie Waser 1:55,5 min
5 FRA Danièle Télinge 1:55,6 min
6 NOR Berit Stuve 1:56,4 min

Datum: 8. Februar, 13:30 Uhr
Piste: „Hellbrunnenbüchl“
Länge: 1650 m, Höhenunterschied: 407 m
Tore: 55

Am Start waren 42 Läuferinnen, 36 von ihnen kamen ins Ziel.

Slalom[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Platz Land Sportler Punkte
1 NOR Inger Bjørnbakken 1:45,6 min
2 AUT Josefa Frandl 1:47,0 min
3 SUI Annemarie Waser 1:47,4 min
4 NOR Astrid Sandvik 1:48,9 min
5 FRA Suzanne Thiollière-Guirand 1:49,3 min
6 AUT Hilde Hofherr 1:49,8 min

Datum: 3. Februar, 10:00 (1. Lauf), 13:00 Uhr (2. Lauf)
Höhenunterschied: 175 m
Tore: 48 (1. Lauf), 48 (2. Lauf)

Die ersten 3 Läuferinnen fuhren in beiden Durchgängen auch jeweils die beste, zweitbeste und drittbeste Zeit, wobei Siegerin Bjørnbakken ihren Vorsprung im ersten Lauf (1,3 sec. schneller als Frandl) herausholte, während im 2. Lauf die Laufzeiten (51,7; 51,8; 51,9) eng beisammen lagen.

Am Start waren 41 Läuferinnen, 34 von ihnen kamen ins Ziel.

Kombination[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Platz Land Sportler Punkte
1 SUI Frieda Dänzer 3,80
2 CAN Lucille Wheeler 4,33
3 AUT Josefa Frandl 6,12
4 NOR Berit Stuve 8,14
5 FRA Danièle Télinge 8,70
6 CAN Anne Heggtveit 9,99

Am Start waren 41 Läuferinnen, 21 von ihnen klassierten sich. Die Positionen wurden nach einem Punktesystem aus den Ergebnissen der Abfahrt, des Riesenslaloms und des Slaloms ermittelt.

Medaillenspiegel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Platz Land Gold Silber Bronze Gesamt
1 OsterreichÖsterreich Österreich 4 4 1 9
2 Kanada 1957Kanada Kanada 2 1 3
3 SchweizSchweiz Schweiz 1 2 4 7
4 NorwegenNorwegen Norwegen 1 1
5 Vereinigte Staaten 48Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten 1 1
6 FrankreichFrankreich Frankreich 2 2
7 ItalienItalien Italien 1 1
JapanJapan Japan 1 1

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. So nahe liegen Triumph und Niederlage - Spalte 3; Titel "Auch Leduc ist außer Gefecht". In: Arbeiter-Zeitung. Wien 2. Februar 1958, S. 28.
  2. Sailer, Rieder, Molterer, Hinterseer – Untertitel: Die tägliche Verletzung. In: Arbeiter-Zeitung. Wien 31. Jänner 1958, S. 10.
  3. Genügend Schnee in Gastein. In: Arbeiter-Zeitung. Wien 1. Februar 1958, S. 10.
  4. Josl Rieder und Inger Björnbakken Weltmeister - Spalte 4, vorletzter Absatz. In: Arbeiter-Zeitung. Wien 4. Februar 1958, S. 10.
  5. Colliard außer Gefecht?. In: Arbeiter-Zeitung. Wien 4. Februar 1958, S. 8.
  6. Der zweite österreichische Doppelerfolg - Untertitel: Die letzten zehn Sekunden. In: Arbeiter-Zeitung. Wien 6. Februar 1958, S. 10.
  7. Wieder ein österreichischer Skitriumph. In: Arbeiter-Zeitung. Wien 24. Jänner 1957, S. 10.
  8. Eine Bilanz ohne Beispiel. In: Arbeiter-Zeitung. Wien 22. März 1957, S. 10.
  9. Leitner in Frankreich ungeschlagen. In: Arbeiter-Zeitung. Wien 28. März 1957, S. 10.
  10. Spalte 1; Titel: „In wenigen Zeilen“; 3. Absatz. In: Arbeiter-Zeitung. Wien 29. März 1957, S. 10.
  11. Sailer, Rieder, Molterer, Hinterseer – Untertitel: Wie die Österreicher 1956/57 dominierten. In: Arbeiter-Zeitung. Wien 31. Jänner 1958, S. 10.
  12. Das Training in Gastein hat begonnen. In: Arbeiter-Zeitung. Wien 22. Jänner 1958, S. 10.
  13. Toni Sailer wieder in alter Stärke?. In: Arbeiter-Zeitung. Wien 28. Jänner 1958, S. 10.
  14. Wie immer: Toni Sailer gewinnt alles. In: Arbeiter-Zeitung. Wien 19. März 1957, S. 10.
  15. Ein Wunder an Beständigkeit. In: Arbeiter-Zeitung. Wien 26. März 1957, S. 10.
  16. Toni Sailer gewinnt den Abfahrtslauf. In: Arbeiter-Zeitung. Wien 15. Jänner 1956, S. 28.
  17. Favorit für Cortina: Toni Sailer. In: Arbeiter-Zeitung. Wien 17. Jänner 1956, S. 8.
  18. Toni Sailer so gut wie in Cortina. In: Arbeiter-Zeitung. Wien 20. Jänner 1957, S. 24.
  19. Der Sieger, der nicht zum Helden taugt. In: Arbeiter-Zeitung. Wien 22. Jänner 1957, S. 10.