Alpine Skiweltmeisterschaft 1966

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Die 19. Alpine Skiweltmeisterschaft fand vom 5. bis 14. August 1966 in Portillo in Chile statt. Sie war die bisher einzige Ski-Weltmeisterschaft auf der Südhalbkugel. Die Eröffnung erfolge am 4. August 1966 durch Staatspräsident Eduardo Frei Montalva.[1]

Wahl des Austragungsortes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Vergabe erfolgte im Mai 1963 beim FIS-Kongress in Athen gegen die Stimmen von Deutschland, Österreich und der Schweiz.[2][3]

Erwähnenswertes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Portillo schien nicht bestens auf die Weltmeisterschaften vorbereitet zu sein. Medikamentenmangel, vorerst eiskalte Quartiere, nur ein einziges Telephon, welches der Armee gehörte. Die Fernschreibapparate lagerten noch in München. Die Fernseh-Sendestation war noch nicht eröffnet, obwohl dies schon am 15. Juli hätte sein sollen. Allerdings gab es keine Direktübertragungen (so sandte der ORF z.B. vom Damenslalom am 5. August erst einen Tag später eine Aufzeichnung; es gab zu anderen Bewerben teilweise an einem weiteren Tag nochmals eine Wiederholung); das Radio brachte ab 17 Uhr eine Übertragung des zweiten Laufes.[4][5][6]
  • Am 22. Juli erlitt Franz Digruber beim Training in Farellones einen doppelten Beinbruch; er wurde ins Krankenhaus nach Santiago gebracht. Am 23. Juli gab es eine «improvisierte» Begrüßungszeremonie, indem die Mannschaften einen Vorbeimarsch am chilenischen Außenminister und an Vertretern zahlreicher Konsulate durchführten. Die Riesentorläufe am «Colorado-Hang» in 3.300 m Höhe am 23. Juli für die Damen (Sieg Heidi Zimmermann vor Marielle Goitschel und Ingeborg Jochum) und am 24. Juli für die Herren (Sieg Georges Mauduit vor Werner Bleiner und Guy Périllat) waren nicht nur erste Tests, sondern vor allem waren deren Ergebnisse für die Einstufung in den FIS-Ranglisten notwendig.[7][8][9]
  • Portillo selbst war sogar einige Zeit von der Umwelt abgeschlossen.[10] Am 23. Juli trafen auch die Fernschreiber ein. Die Verzögerung lag darin, dass die chilenische Regierung keine Einfuhrgenehmigung erteilen wollte; erst nach einer «Sonderregelung» konnten die Geräte per Luftfracht abgesandt werden. Am 25. Juli gab die chilenische Regierung vor dem Denkmal des Freiheitshelden Bernado O'Higgins für die Weltmeisterschafts-Teilnehmer einen Empfang, bei dem es den (genügsam) bekannten Flaggenstreit zwischen den beiden deutschen Staaten gab. Der deutsche Botschafter protestierte bei der chilenischen Regierung, letztlich wurden alle Flaggen eingezogen.[11]
  • Das Organisationskomitee hatte 9 Millionen US-Dollar (zum damaligen Zeitpunkt ca. 33 Mio. DM bzw. 29 Mio. Schweizer Franken/234 Mio. Schilling) für die Errichtung der technischen Anlagen und sonstige Infrastruktur investiert.[12]
  • Die Weltmeisterschaften gestalteten sich zum größten Erfolg für Frankreich in der Geschichte aller Alpinen Skiweltmeisterschaften bis zum heutigen Tag (Mai 2017), denn von den acht zu vergebenden Goldmedaillen wurden sieben (vorerst waren es sechs gewesen, ehe die Zuerkennung der Goldmedaille für Marielle Goitschel in der Abfahrt kam) von der "Grande Nation" gewonnen. Der Französische Skiverband hatte aus dem Desaster von den Weltmeisterschaften 1962 gelernt und sich akribisch auf diese für den Großteil aller Skiverbände zu ungewöhnlicher Jahreszeit veranstalteten Championnats vorbereitet
  • Während dem Österreichischen Verband wenigstens drei Medaillen blieben und auch der FRG-Verband (auf Grund der nachträglichen Korrektur des Damen-Abfahrtsresultats) in der Endabrechnung auf drei Medaillen kam, ging jener der Schweiz - wie schon 1962 und 1964 - leer aus.
  • Wie schon 1962 und 1964, gab es bei den Herren wiederum einen Qualifikationsslalom, der es mit sich brachte, dass im eigentlichen Slalom zwei Nationen (Schweiz und Österreich) fünf Starter aufbieten konnten.
  • Das Austragungsprogramm wurde mehrmals geändert, was auch mit den Witterungseinflüssen zu tun hatte. Der Riesenslalom der Damen war für den 8. August, die Abfahrt am 12. August, der Ausscheidungsslalom der Herren am 13. August und der Slalom selbst am 14. August vorgesehen. Entgegen dem ursprünglichen Ablauf wurde am 1. August entschieden, bei den Damen die Abfahrt am 6. August, den Slalom am 11. August zu fahren. Bei den Herren wurde für den 13. August der Slalom neu fixiert; die Schlussfeier war für den 14. August angesetzt. Am 2. August setzten heftige Schneefälle ein. Am 3. August entschlossen sich die Veranstalter, doch mit dem Damenslalom am 5. August zu beginnen. Die Damenabfahrt wurde tatsächlich am 8. August (statt des Riesenslaloms, der am 11. statt 12. August ausgetragen wurde) gefahren. Diverse Änderungen, wie jene beim Damen-Riesenslalom wurde auch kurzfristig beschlossen, im gegenständlichen Fall wegen des herrschenden Schönwetters. Grundsätzlich waren der Beginn aller Rennen (bzw. der ersten Durchgänge der Slaloms) mit 11 Uhr Ortszeit angesetzt.[13][14][15][16][17][18][19]

Männer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Abfahrt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Platz Land Sportler Zeit
1 FRA Jean-Claude Killy 1:34,40 min
2 FRA Léo Lacroix 1:34,80 min
3 FRG Franz Vogler 1:35,16 min
4 AUT Heinrich Messner 1:36,02 min
5 FRA Pierre Stamos 1:36,12 min
6 FRA Bernard Orcel 1:36,38 min

Weltmeister 1964: Egon Zimmermann (AUT)
Datum: 7. August
Piste: „Juncalillo“
Länge: 2660 m, Höhenunterschied: 803 m

72 Läufer waren am Start, 63 von ihnen erreichten das Ziel.

Riesenslalom[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Platz Land Sportler Zeit
1 FRA Guy Périllat 3:19,42 min
2 FRA Georges Mauduit 3:19,93 min
3 AUT Karl Schranz 3:20,40 min
4 SUI Jakob Tischhauser 3:20,90 min
5 FRA Jean-Claude Killy 3:21,42 min
6 SUI Willy Favre 3:23,02 min

Weltmeister 1964: François Bonlieu (FRA) (Karriere beendet)
Datum: 9. August (1. Lauf), 10. August (2. Lauf)
Länge: 1240 m, Höhenunterschied: 464 m
Tore: 51

75 Läufer waren am Start, 39 von ihnen erreichten das Ziel. Erstmals wurde bei einer Weltmeisterschaft ein Herrenriesenslalom in zwei Durchgängen gefahren.

Slalom[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Platz Land Sportler Zeit
1 ITA Carlo Senoner 1:41,56 min
2 FRA Guy Périllat 1:42,25 min
3 FRA Louis Jauffret 1:42,58 min
4 FRG Willy Bogner 1:43,06 min
5 FRG Ludwig Leitner 1:43,07 min
6 USA Jimmy Heuga 1:43,69 min

Weltmeister 1964: Josef Stiegler (AUT) (Karriere beendet)
Datum: 14. August
Länge: 560 m, Höhenunterschied: 240 m
Tore: 53 (1. Lauf), 58 (2. Lauf)

39 Läufer waren am Start, 24 von ihnen erreichten das Ziel.

Kombination[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Platz Land Sportler Punkte
1 FRA Jean-Claude Killy 20,92
2 FRA Léo Lacroix 42,13
3 FRG Ludwig Leitner 54,95
4 USA Jimmy Heuga 56,71
5 FRG Willy Bogner 69,61
6 ITA Ivo Mahlknecht 72,96

Weltmeister 1964: Ludwig Leitner (FRG)
Am Start waren 72 Läufer, 30 von ihnen klassierten sich. Die Positionen wurden nach einem Punktesystem aus den Ergebnissen der Abfahrt, des Riesenslaloms und des Slaloms ermittelt.

Frauen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Abfahrt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Platz Land Sportlerin Zeit
1 FRA Marielle Goitschel 1:33,42 min
2 FRA Annie Famose 1:34,36 min
3 FRG Burgl Färbinger 1:34,38 min
4 USA Suzanne Chaffee 1:34,77 min
5 AUT Christl Haas 1:34,81 min
6 ITA Giustina Demetz 1:34,94 min

Weltmeisterin 1964: Christl Haas (AUT)
Datum: 8. August
Piste: „Roca de Jack“
Länge: 2300 m, Höhenunterschied: 648 m
Tore: 53 (1. Lauf), 58 (2. Lauf)

38 Läuferinnen waren am Start, 35 von ihnen erreichten das Ziel.

Der erste Platz wurde ursprünglich an Erika Schinegger (AUT) vergeben, erst nachträglich stellte sich bei einem Chromosomentest heraus, dass Schinegger intersexuell ist. Ihm wurde dieser WM-Titel nicht aberkannt. Die Französin Marielle Goitschel bekam ihre Goldmedaille erst Jahre später, genauso verhielt es sich bei Silber und Bronze.

Riesenslalom[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Platz Land Sportlerin Zeit
1 FRA Marielle Goitschel 1:22,64 min
2 AUT Heidi Zimmermann 1:23,81 min
3 FRA Florence Steurer 1:24,94 min
4 CAN Nancy Greene 1:25,38 min
5 FRA Annie Famose 1:25,58 min
6 ITA Giustina Demetz 1:26,08 min

Weltmeisterin 1964: Marielle Goitschel (FRA)
Datum: 11. August
Piste: „Garganta“
Höhenunterschied: 400 m

39 Läuferinnen waren am Start, 36 von ihnen erreichten das Ziel.

Slalom[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Platz Land Sportlerin Zeit
1 FRA Annie Famose 1:30,48 min
2 FRA Marielle Goitschel 1:30,95 min
3 USA Penny McCoy 1:32,35 min
4 USA Jean Saubert 1:32,37 min
5 USA Cathy Allen 1:32,77 min
6 FRA Christine Goitschel 1:32,94 min

Weltmeisterin 1964: Christine Goitschel (FRA)
Datum: 5. August
Piste: „Garganta“
Höhenunterschied: 200 m
Tore: 52 (1. Lauf), 52 (2. Lauf)

43 Läuferinnen waren am Start, 34 von ihnen erreichten das Ziel.

Kombination[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Platz Land Sportlerin Punkte
1 FRA Marielle Goitschel 8,76
2 FRA Annie Famose 35,16
3 AUT Heidi Zimmermann 62,91
4 FRG Burgl Färbinger 73,69
5 ITA Giustina Demetz 83,68
6 FRG Christa Prinzing 86,49

Weltmeisterin 1964: Marielle Goitschel (FRA)
Am Start waren 38 Läuferinnen, 16 von ihnen klassierten sich. Die Positionen wurden nach einem Punktesystem aus den Ergebnissen der Abfahrt, des Riesenslaloms und des Slaloms ermittelt.

Medaillenspiegel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Platz Land Gold Silber Bronze Gesamt
1 FrankreichFrankreich Frankreich 7 7 2 16
2 ItalienItalien Italien 1 1
3 OsterreichÖsterreich Österreich 1 2 3
4 Deutschland BRBR Deutschland BR Deutschland 3 3
5 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten 1 1

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Arbeiterzeitung Wien vom 5. August 1966, Seiten 1 und 10
  2. Arbeiterzeitung Wien vom 25. Mai 1963, Seite 12, Mitte rechts, Überschrift: K.o. gegen Skiweltmeisterschaft
  3. Der Spiegel: Weltmeisterschaften: Abenteuer in Chile, Der Spiegel 40/1965
  4. «Farellones: Kein Strom, keine Medikamente». In: Arbeiter-Zeitung. Wien 19. Juli 1966, S. 12.
  5. «Nichts als Ärger in Farrelones»; letzter Absatz. In: Arbeiter-Zeitung. Wien 22. Juli 1966, S. 9.
  6. «Rundfunk und Fernsehen» - Spalte 4, unten. In: Arbeiter-Zeitung. Wien 5. August 1966, S. 10.
  7. «Farellones: Franz Digruber erlitt Beinbruch». In: Arbeiter-Zeitung. Wien 23. Juli 1966, S. 10.
  8. «Digruber: „Warum nur, warum nur...!“» und Untertitel «Zum ersten Mal Sonne». In: Arbeiter-Zeitung. Wien 24. Juli 1966, S. 14.
  9. «Auszug aus Farellones, nun Portillo». In: Arbeiter-Zeitung. Wien 26. Juli 1966, S. 12.
  10. «Portillo und Farrelones verweht». In: Arbeiter-Zeitung. Wien 23. Juli 1966, S. 9.
  11. »Portillo noch immer abgeschlossen«. In: Arbeiter-Zeitung. Wien 27. Juli 1966, S. 9.
  12. «Die Ungewissheit regiert im Andenort». In: Arbeiter-Zeitung. Wien 31. Juli 1966, S. 12.
  13. «Erster Bewerb ist der Damenslalom». In: Arbeiter-Zeitung. Wien 31. Juli 1966, S. 12.
  14. «Erster Titel in der Damenabfahrt». In: Arbeiter-Zeitung. Wien 2. August 1966, S. 10.
  15. «Kurz vor Beginn: Schwert über Portillo». In: Arbeiter-Zeitung. Wien 3. August 1966, S. 10.
  16. «Damenslalom doch zuerst». In: Arbeiter-Zeitung. Wien 4. August 1966, S. 10.
  17. «Frischer Mut nach Schineggers Sieg». In: Arbeiter-Zeitung. Wien 9. August 1966, S. 10.
  18. «Heute Riesentorlauf der Damen». In: Arbeiter-Zeitung. Wien 11. August 1966, S. 10.
  19. «Im Andenort rüstet man zum Aufbruch». In: Arbeiter-Zeitung. Wien 13. August 1966, S. 10.