Avast

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Avast Software s.r.o.[1]

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Rechtsform Společnost s ručením omezeným
ISIN GB00BDD85M81
Gründung 1988
(als ALWIL Software Genossenschaft)
Sitz Prag, Tschechien
Leitung Ondrej Vlcek (CEO)[2]
Mitarbeiterzahl über 1.700 (2019)[1]
Umsatz 873,1 Mio. US-$ (2019)[1]
Branche Software
Website www.avast.com
Stand: 4. Juni 2020

Avast Software s.r.o. ist ein tschechischer Hersteller für Sicherheitssoftware und Dienstprogramme mit Sitz in Prag. Über die Holding-Gesellschaft Avast PLC ist die um den Softwareentwickler entstandene Unternehmensgruppe sowohl an der Londoner Börse[3] als auch an der Prager Börse notiert.[4] In Prag wurde die Aktie in den PX Index aufgenommen.

Das Unternehmen geht auf eine 1988 in Prag unter dem Namen „Alwil“ gegründete Genossenschaft zurück, die 1991 privatisiert und 2010 auf den heutigen Namen umbenannt wurde. Im Oktober 2016 übernahm Avast den Konkurrenten AVG Technologies aus Brünn, welcher selbst erst zwei Jahre zuvor die norwegische Norman Safeground aus Oslo aufgekauft hatte. Mitte 2017 folgte die Übernahme von Piriform, eines vor allem durch seinen CCleaner bekannten Herstellers von Hilfsprogrammen aus London.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1988–1991: Gründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1988 entdeckte Pavel Baudiš, damals Wissenschaftler des Instituts für mathematische Maschinen in Prag, den Viennavirus und schrieb ein Programm, das den Virus entfernen konnte.[5] Mit seinem Kollegen Eduard Kučera gründete er die ALWIL Software Genossenschaft – zu diesem Zeitpunkt war es nicht möglich, ein Unternehmen statt einer Genossenschaft zu gründen.

1991–2009: Alwil Software[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab 1989 brachte die Samtene Revolution erweiterte unternehmerische Möglichkeiten, wodurch es 1991 möglich wurde, Alwil Software in eine Personengesellschaft umzuwandeln. 1995 kam Ondrej Vlček zu Alwil und schrieb das erste Antivirenprogramm für Windows 95. 1996 gewann Avast Antivirus den Virus Bulletin VB100-Award. 1997 lizenzierte Alwil Software die Avast Antivirus-Engine an McAfee, nachdem Pavel Baudiš deren Übernahmeangebot für sein Unternehmen zurückgewiesen hatte.[5] In den nächsten sieben Jahren stieg die Nutzerzahl auf eine Million, vor allem durch die kostenfreie Antivirus-Version für Privatnutzer, die 2001 veröffentlicht wurde.

2005 kam es zur Partnerschaft von Alwil und SanDisk. Ende 2006 hatte Avast eine Reichweite von 20 Millionen Nutzern. Es erhielt die SC Awards in den Kategorien Best Antivirus, Anti-Malware (Europa) und Readers’ Choise (USA). Im darauffolgenden Jahr wurde Alwil eine Aktiengesellschaft, die Zahl der registrierten Avast-Nutzer erreichte 40 Millionen. Zu diesem Zeitpunkt beschäftigte das Unternehmen lediglich 38 Mitarbeiter.

2010–2016: Avast Software[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

ehemaliges Logo des Unternehmens und der unter seiner gleichnamigen Produktmarke angebotenen Anti-Virus-Programme (bis 2016)
Firmensitz seit 2016: das Gebäude Enterprise in Prag-Nusle

2009 zählte das Unternehmen 100 Millionen Nutzer und 100 Mitarbeiter. 2010 änderte Alwil Software den Namen in Avast Software und die Investmentgesellschaft Summit Partners investierte 100 Millionen US-Dollar in Aktienanteile. In den darauffolgenden zwei Jahren veröffentlichte Avast seine Business Protection Line und die Avast Free Mobile Security, die in Google Play die bestbewertete Sicherheits-Anwendung wird.

2013 waren auf mehr als 200 Millionen PCs, Macs und Android-Geräten Avast-Programme installiert. Im gleichen Jahr übernahm Avast Software das deutsche Unternehmen secure.me.

Seit 2016: Avast-Gruppe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 7. Juli 2016 gab Avast Software seine Pläne bekannt, eine Mehrheit an der in den Niederlanden und in New York börsennotierte Holding AVG Technologies N.V. zu übernehmen. Der Holding gehörte die ebenfalls tschechische AVG Technologies s.r.o. aus Brünn und die von ihr im November 2014 übernommene norwegische Norman Safeground A.S. aus Oslo. Für den Hersteller der Konkurrenzprodukte AVG Antivirus bot Avast einen Kaufpreis von etwa 1,3 Milliarden US-Dollar.[6] Das auf 100 Millionen US-Dollar Eigenkapital und 1,69 Milliarden US-Dollar von drei Banken gestützte Angebot an die Aktionäre lag 33 % über dem Börsenkurs.[7]

AVG Technologies war ein im Jahr 1990 in Brünn von Jan Gritzbach und Tomáš Hofer zunächst unter dem Namen Grisoft gegründetes Unternehmen.[8] An dem tschechischen Hersteller von Sicherheitslösungen beteiligte sich im Jahr 2005 der amerikanische Chiphersteller Intel mit 16 Millionen US-Dollar.[9] Der Name Grisoft wurde in AVG Technologies abgeändert und der Hauptsitz wurde nach Amsterdam in den Niederlanden verlegt. Die Aktien des Unternehmens notierten seit 2012 an der New Yorker Börse unter dem Börsenkürzel AVG.[10]

Am 3. Oktober 2016 teilte Avast Software in einer Presseerklärung mit, nach Abschluss der Erstemissionsfrist mit 87,3 % der Aktien die Mehrheit an AVG Technologies erworben zu haben.[11] Gary Kovacs, der ehemalige CEO von AVG Technologies verließ das Unternehmen im Dezember. Bis 16. März 2017 übernahm Avast auch die übrigen Aktien durch Squeeze-out.[12] So wie AVG Technologies die Norman-Software neben ihren eigenen Produkten weitergeführt hatte, entschied sich Avast auch die vormals konkurrierende AVG Antivirus-Produktlinie weiterzuführen. Die Norman-Antivirus-Produktlinie lief dann aber in den folgenden Monaten aus.

Im Juli 2017 gab Avast Software die Übernahme von Piriform Ltd. (Entwickler von CCleaner, u.A.) bekannt.[13] Im Mai 2018 ging Avast an die London Stock Exchange und erreichte mit einer Notierung am unteren Ende der vorgesehenen Preisspanne einen Börsenwert von 2,5 Milliarden Britische Pfund.[14][15]

Kontroverse um Nutzerdaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Lifestylemagazin Vice berichtete Anfang 2020, eine Tochtergesellschaft der Avast würde von den Nutzern gesammelte Daten zu jeder Suche, jedem Klick und jedem Kauf auf jeder Seite („Every search. Every click. Every buy. On every site.“) an Abnehmer wie Home Depot, Google, Microsoft, Pepsi und McKinsey verkaufen. Mit den AGB-Vereinbarungen stimmten die Anwender der Software dieser Verwendung zu.[16]

Das Nachrichtenportal heise online meldete kurz darauf, Avast lese seit Jahren in großem Stil Browserverläufe aus und verkaufe die Daten an Drittunternehmen. Im Pressematerial werde damit geworben, man sei das einzige Unternehmen, das geschlossene Systeme („Walled Gardens“) aufschließen könne.[17] Nach öffentlicher Kritik des Adblock-Plus-Gründers Wladimir Palant hatte Mozilla schon im Dezember 2019 vorübergehend die Firefox-Add-ons von Avast und AVG aus dem Add-on-Katalog entfernt.[18] Nachdem das Entwicklerteam Anpassungen vorgenommen und das Unternehmen erklärt hatte, die Erweiterungen müssten den Surf-Verlauf mitlesen, um den Nutzer wirksam vor Attacken schützen zu können, die Identifikation eines Benutzers werde nicht erfasst oder gespeichert, wurden die Add-ons wieder in den Katalog aufgenommen.

Tochterunternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Logo des Tochterunternehmens AVG

Produkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nutzer der kostenlosen Avast Home (bis Version 4) beziehungsweise Avast Free Antivirus (ab Version 5) müssen sich nach einem Testzeitraum von 30 Tagen durch Angabe ihres Namens und einer E-Mail-Adresse registrieren. Danach muss alle 12 Monate eine erneute Registrierung durchgeführt werden, um das Produkt weiter nutzen zu können.

Avast Antivirus arbeitet als residenter Provider, also als Hintergrundprozess, der bearbeitete Daten nach Malware durchsucht. Durch die Aufteilung in acht Teilprozesse (Dateisystem-, Mail-, Web-Schutz, P2P-, IM-, Netzwerk-, Skript- und Verhaltens-Schutz) können diese nach Bedarf einzeln aktiviert und deaktiviert werden. Bei AVG AntiVirus verhält es sich mit fünf Schutzbereichen (Computer, Web, Identität, E-Mail und Firewall) ganz ähnlich.

Privatkunden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Avast Antivirus in den Versionen Free Antivirus, Premium Security (früher: Premier) und Ultimate (die Versionen Pro und Internet Security werden nicht mehr weiterentwickelt)
  • Avast Secure Browser
  • Avast SecureLine VPN
  • Avast Driver Updater
  • Avast AntiTrack
  • Avast Cleanup Premium
  • Avast Passwords
  • Avast Battery Saver
  • Avast Omni (zurzeit [Juni 2020] nur in den USA verfügbar, seine Online- und Offline-Kinderschutzfunktionen gibt es jedoch auch in einer gesonderten App, Avast Family Space, [für Android und iPhone], die auch für Nutzer aus Kanada, Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Spanien angeboten wird)
  • Avast BreachGuard (schützt persönliche Informationen im Internet vor Datenlecks und vor Erfassung durch Dritte. Zurzeit [Juni 2020] wird das Programm nur US-amerikanischen Nutzern angeboten. Auf der Avast-Website wird es nur angezeigt, wenn deren Regions/Sprachen-Einstellung auf "United States (English)" steht.)

Unternehmens-Lösungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Avast Endpoint Protection, Managed Workplace und CloudCare
  • AVG AntiVirus Business Edition, Internet Security Business Edition und File Server Business Edition

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c At a glance. In: Avast.com. Abgerufen am 6. Juni 2020 (englisch).
  2. Leadership team. In: Avast.com. Abgerufen am 6. Juni 2020 (englisch).
  3. AVAST PLC. In: Companies House. Abgerufen am 6. Juni 2020
  4. AVAST. In: www.pse.cz (Prager Börse). Abgerufen am 6. Juni 2020.
  5. a b Thomas Brewster: The Czech Cyber Billionaire Who Built A Fortune On Free Software. In: Forbes, 12. Juli 2019. Abgerufen am 6. Juni 2020 (englisch).
  6. Axel Kannenberg: Antiviren-Software: Avast schluckt AVG für 1.3 Milliarden US-Dollar. In: Heise online, 7. Juli 2016. Abgerufen am 7. Juli 2016
  7. Rodrigo Orihuela: Avast to Buy AVG for $1.3 Billion to Add Security Software. In: bloomberg.com. 7. Juli 2016, abgerufen am 10. August 2016 (englisch).
  8. Jan Cienski: Anti-virus makers spring from an unexpected source. In: Financial Times. 8. Dezember 2009, abgerufen am 1. April 2018 (englisch).
  9. Andreas Donath: Intel investiert in tschechisches Anti-Virus-Unternehmen. In: golem.de. 7. September 2005, abgerufen am 2. Oktober 2016.
  10. AVG Technologies sees IPO priced at $16-$18 apiece. Reuters, 17. Januar 2012, abgerufen am 19. August 2013 (englisch).
  11. Stephan Ehrmann: Antivirenhochzeit: Avast schließt Übernahme von AVG ab. In: Heise Security, 1. Oktober 2016, abgerufen am 2. Oktober 2016
  12. Avast Software B.V. completes squeeze-out process of minority shareholders of AVG Technologies B.V.. Pressemitteilung des Unternehmens, 16. März 2016, abgerufen am 26. Dezember 2018 (englisch)
  13. Vince Steckler: Avast welcomes Piriform, creator of CCleaner, to its team. In: Avast Blog, 19. Juli 2017, abgerufen am 12. September 2017 (englisch)
  14. Antivirus-Hersteller Avast bringt Aktien nur zum Mindestpreis unter. In: Der Standard, 9. Mai 2018, abgerufen am 26. Dezember 2018
  15. Leoš Rousek: Vstup Avastu se zapíše do historie londýnské burzy. S akciemi původně české firmy půjde obchodovat ale i na pražské burze. In: Hospodářské noviny 9. Mai 2018, abgerufen am 6. Juni 2020 (tschechisch).
  16. Joseph Cox: Leaked Documents Expose the Secretive Market for Your Web Browsing Data. In: Vice (Magazin), 27. Januar 2020, abgerufen am 6. Juni 2020 (englisch).
  17. Eva-Maria Weiß: Avast Antivirus verkauft massenhaft Browser-Daten seiner Nutzer. In: heise online. 28. Januar 2020, abgerufen am 1. Februar 2020.
  18. Daniel Berger: Mozilla blockiert Firefox-Addons von Avast und AVG . In: heise online, 3. Dezember 2019, abgerufen am 6. Juni 2020.