Axstedt

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Axstedt
Axstedt
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Axstedt hervorgehoben
Koordinaten: 53° 21′ N, 8° 46′ O
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Osterholz
Samtgemeinde: Hambergen
Höhe: 15 m ü. NHN
Fläche: 10,71 km2
Einwohner: 1166 (31. Dez. 2016)[1]
Bevölkerungsdichte: 109 Einwohner je km2
Postleitzahl: 27729
Vorwahlen: 04748 / 04793
Kfz-Kennzeichen: OHZ
Gemeindeschlüssel: 03 3 56 001
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
An der Borg
27729 Axstedt
Webpräsenz: www.gemeinde-axstedt.de
Bürgermeister: Udo Mester (SPD)
Lage der Gemeinde Axstedt im Landkreis Osterholz
BremenBremenLandkreis CuxhavenLandkreis OldenburgLandkreis Rotenburg (Wümme)Landkreis VerdenLandkreis WesermarschAxstedtGrasbergHambergenHolsteLilienthalLübberstedtOsterholz-ScharmbeckRitterhudeSchwanewedeWorpswedeVollersodeKarte
Über dieses Bild

Axstedt (niederdeutsch Ax) ist eine Gemeinde der Samtgemeinde Hambergen und liegt am Nordrand des Landkreises Osterholz in Niedersachsen.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Axstedt liegt in der norddeutschen Tiefebene ca. 35 Kilometer nördlich von Bremen und ca. 30 Kilometer südlich von Bremerhaven. Landschaftlich geprägt ist der Ort durch seine Lage in der Wesermünder Geest, einem eiszeitlichen Endmoränengebiet. Durch die Gemeinde fließt der kleine Wiesenfluss Billerbeck, ein Zufluss der Lune.

Mit zehn Quadratkilometern ist Axstedt die kleinste Gemeinde innerhalb der Samtgemeinde Hambergen. Erst durch die Gebietsreform von 1974 kam Axstedt zur Samtgemeinde Hambergen. Zuvor war sie eine selbständige Gemeinde im Landkreis Wesermünde und gleichzeitig Grenzgemeinde zum Landkreis Osterholz.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Axstedt grenzt im Süden an die Gemeinde Lübberstedt, im Osten an die Gemeinde Holste. Nördlich liegt der Ort Bokel im Landkreis Cuxhaven. Westlich befindet sich die Einheitsgemeinde Hagen im Bremischen (ebenfalls Landkreis Cuxhaven).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Früh- und Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Hünensteine bei Axstedt liegen nordwestlich des Dorfes. Die Gemeindechronik gibt Aufschluss über zwei Erklärungsmöglichkeiten für den Ortsnamen. Zum einen wird vermutet, dass das Dorf nach einem bedeutenden Mann namens „Ake“ benannt wurde. Er soll an der Billerbeck bei der heutigen Schmiede gewohnt haben. Dieser Ort hieß zunächst „Akes Stätte“, woraus sich der Name Axstedt entwickelt haben könnte. Eine andere Erklärung deutet den Namen als Ableitung aus dem Althochdeutschen, in dem „a“, „aha“ und „ak“ die Bezeichnung für Wasser waren. Axstedt wäre also in diesem Sinne die „Stätte am Wasser“. In den Dokumenten finden sich verschiedene Schreibweisen des Namens. Erstmals erwähnt wird es 1105 unter dem Namen „Achenstedi“, im Jahre 1110 als „Achensted“ geschrieben, 1418 dann als „Axstede“.[2]

Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im 16. Jahrhundert wird von acht Axstedter Höfen berichtet, 1718 zählte man bereits 24 und 1791 37 Feuerstellen. Das Axstedter Gebiet war immer schon reich an Wäldern. Es ist also nicht verwunderlich, dass dort oft Wölfe beobachtet wurden. Im Jahre 1675 fand in Axstedt die letzte Wolfsjagd statt.[2]

19. und 20. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem Bau der Bahnlinie 1862 zwischen Bremen und Geestemünde, die der Gemeinde durch Grundstücksverkäufe viel Geld einbrachte, wurde Axstedt mit „der Welt“ verbunden. Allerdings lehnte man aus Angst vor Fremden ab, das Bahnhofsgebäude im Ort in der Nähe des Friedhofs zu errichten und legte die Station an den Dorfrand.

Durch die Einrichtung eines Munitionsdepots kurz vor dem Zweiten Weltkrieg erhielt die Gemeinde einen Platz in der unrühmlichen Geschichte des Nationalsozialismus weit über die Gemeindegrenzen hinaus. Vom Herbst 1939 bis Mitte 1940 waren 7 Barackenlager des Reichsarbeitsdienstes (RAD) und der Wehrmacht in Axstedt und der Nachbargemeinde Lübberstedt entstanden. Die Nutzung als „MUNA“ begann im August 1941. 60 Bunker für die Lagerung von Munition wurden gebaut. Produziert wurden Seeminen und Flak-Munition. Die Aufsicht lag in den Händen von deutschen dienstverpflichteten Frauen und Gefolgschaftsleuten. Die Arbeit musste im Wesentlichen von ca. 1.600 Zwangsarbeitern und -arbeiterinnen erledigt werden. Es waren Ostarbeiter und -innen, Kriegsgefangene und 500 jüdische Frauen aus Ungarn. Sie kamen am 21. August 1944 aus dem KZ Auschwitz und wurden im KZ-Außenlager von Neuengamme in Lübberstedt-Bilohe untergebracht. Am 20. April 1945 wurde dieses Lager evakuiert. Die Arbeiterinnen wurden mit einem Zug abtransportiert, in dem auch mehrere Waggons mit Munition mitgeführt wurden. In der Nähe von Eutin und Plön wurde der Zug von britischen Fliegern am 3. Mai 1945 bombardiert. Die Frauen nutzten teilweise die Gelegenheit zur Flucht. Von den 500 Frauen überlebten nur ca. 380 den Krieg. Der Produktionsbereich und einige Bunker der Muna wurden am Kriegsende von der Wehrmacht gesprengt.

Nach Kriegsende sollte das große Gelände ursprünglich zivilen Zwecken zugeführt werden, stattdessen wurde 1956 das insgesamt 520 Hektar große Gelände von der Bundeswehr als Munitionsdepot beibehalten und eine Bundeswehreinheit in Axstedt stationiert. Die Bevölkerungszahl stieg sprunghaft an. Obwohl die Anzahl der Arbeitsplätze in beiden Einrichtungen deutlich zurückging, hatte die sogenannte „MUNA“ für Axstedt und die Umlandgemeinden stets eine beachtliche wirtschaftliche Bedeutung. Im Zuge der Truppenverringerung verringerte sich die Zahl der stationierten Soldaten stetig bis zur endgültigen Aufgabe des Munitionsdepots im Jahre 2009.[2][3]

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Axstedt bildet seit der Gebietsreform im Jahre 1974 mit den Gemeinden Hambergen, Holste, Lübberstedt und Vollersode die Samtgemeinde Hambergen. Der Ort gehörte davor zum Landkreis Wesermünde.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeindewahl Axstedt 2016[4]
in Prozent
 %
70
60
50
40
30
20
10
0
68,1 %
25,6 %
6,3 %
UKA

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat von Axstedt setzt sich aus zwei Ratsfrauen und acht Ratsherren zusammen. Stimmberechtigt ist außerdem der Bürgermeister.[5]

Sitzverteilung:

  • SPD: 5 Sitze
  • CDU: 3 Sitze
  • Unabhängiger Kommunalpolitischer Arbeitskreis (UKA): 2 Sitze

Aktueller Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der derzeitige Bürgermeister Udo Mester (SPD) ist seit 2011 im Amt. Seine Stellvertreter sind Hartwig Klaus (CDU) und Norbert Bullwinkel (SPD).[5]

Chronik früherer Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johann Kehdenburg
  • Heinrich Ficken
  • Heinrich Brünjes
  • Adolf Fuhrken
  • Hermann Meyer
  • Georg Fedderwitz
  • bis 2000: Siegward Gärtner (CDU)
  • 2000–2004: Erich Walter (AWG)[6]
  • 2004–2011: Jürgen Rhau (CDU)[7][8]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Entwurf des Axstedter Wappens stammt von dem in Isernhagen geborenen und später in Hannover lebenden Heraldiker und Wappenmaler Gustav Völker, der schon die Wappen von Altluneberg, Appeln, Albstedt und vielen anderen Ortschaften im Landkreis Cuxhaven entworfen hat.[9]

Wappen von Axstedt
Blasonierung: „In Grün ein goldenes Eichenblatt zwischen zwei silbernen Hirschstangen über einem silbernen Wellenbalken.“[9]
Wappenbegründung: Der silberne Wellenbalken erinnert an die Deutung des schon 1105 als „Achenstedi“ urkundlich genannten Ortsnamens als Siedlung an einem Bache, der Billerbeck. Das Eichenblatt zwischen den Hirschstangen weist auf den bereits im Mittelalter erwähnten Axstedter Wald hin, den Vorläufer des Staatsforstes.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke
  • Der 1706 von Jacob Betjemann errichtete Henriettenhof[10]
  • Die 1907 errichtete Villa Hüncken[11]
  • Das 1913 erbaute Haus des Bahnhofvorstehers in der Bahnhofsstraße
  • Die 1928 errichtete Schule und spätere Gemeindeamt; 2016 abgerissen[12]

Kirchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Axstedt gehört zur evangelischen St.-Jacobi-Kirchengemeinde Bramstedt[13] und zur katholischen Kirchengemeinde Heilige Familie in Osterholz-Scharmbeck.[14]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehrsmäßiger Anschluss besteht mit dem Bahnhof Lübberstedt, der im Axstedter Ortsteil Wohlthöfen liegt, an die Bahnstrecke Bremen–Bremerhaven (–Cuxhaven). Die Autobahn 27 (Walsrode–Cuxhaven) ist 17 km entfernt und über die Landstraße 134 erreichbar. Die Hauptverkehrsanbindung an die Kreisstadt Osterholz-Scharmbeck und das Oberzentrum Bremen bildet die elf Kilometer entfernte Bundesstraße 74 BremenStade.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Axstedt bietet eine Infrastruktur für den Alltag:

  • Bäckerei mit Lebensmittelhandel
  • Gaststätte mit Kegelbahn, Festsaal und Gästezimmer
  • 2 Friseurgeschäfte
  • Bankautomaten-Station der Volksbank
  • 2 Kfz-Werkstätten mit Autohandel
  • Tankstelle mit Raiffeisenmarkt am Bahnhof Lübberstedt
  • Hundeschule

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Grundschule am Billerbeck in Axstedt lernen Kinder der Klassenstufe 1 bis 4.[15]

Die Kindertagesstätte Axstedt liegt in unmittelbarer Nähe zur Grundschule und Turnhalle und betreut Kinder aus den Gemeinden Axstedt, Holste und Lübberstedt.[16]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten, die mit dem Ort in Verbindung stehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Generalleutnant Schirmer
  • Erica Henrietta Fischer-Schirmer, Historikerin[17]
  • Paul Thomas Fischer, u. a. Lieder-Komponist[18][19]
  • Heinrich Timm (1910–1974), Korvettenkapitän, in Axstedt verstorben[20]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Henrietta Schirmer: Chronik des Henriettenhofs. Handschrift aus dem Privatbesitz der Familie Dr. Schirmer. (Archiv der Familie Schirmer 1815–1988 im Thüringischen Hauptstaatsarchiv in Weimar).[21]
  • Franz Buchenau: Die Ulmen im Bremer Walde bei Axstedt. Fest-Schrift der 45. Versammlung deutscher Philologen und Schulmänner dargeboten von den öffentlichen höheren Lehranstalten Bremens. Gustav Winter, Bremen 1899, S. 157–162.
  • Margarete Meyer: Die Strukturveränderungen des Dorfes Axstedt und ihre Auswirkungen auf die Schule. Oldenburg 1959 (Hochschulschrift. Pädag. Hochsch., Prüfungsarbeit).
  • Anna-Luise Berghorn, Detlev Pape: Goden Dag ok! Axstedt vor 1930. Druck und Medien H. Saade GmbH, Osterholz-Scharmbeck 1993.
  • Detlev Pape: Von Prügelbau und Pfingstfüchsen: Spaß und Neckereien zur Frühjahrszeit in Axstedt. Druckerpresse-Verlag, Lilienthal 1996, S. 6 (In: Heimat-Rundblick, Jg. 8, Heft 1).
  • Gerhard Sennlaub, Anna-Luise Berghorn: Bauerndorf Axstedt. Interviews. In 2 Bänden. Druck und Medien H. Saade GmbH, Osterholz-Scharmbeck 2002.
  • Gerhard Sennlaub: Axstedt und sein Henriettenhof. 2. Auflage. Eigenverlag des Autors, 2016.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Axstedt – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen, 100 Bevölkerungsfortschreibung – Basis Zensus 2011, Stand 31. Dezember 2016 (Hilfe dazu).
  2. a b c Chronik Axstedt. In: Internetseite der Samtgemeinde Hambergen. Abgerufen am 25. Februar 2018.
  3. Brigitte Lange: Teil des Muna-Geländes verkauft. In: Internetseite des Osterholzer Kreisblattes. 8. Februar 2013, abgerufen am 25. Februar 2018.
  4. Ergebnisse der Kommunalwahl 2016 in Axstedt. In: Internetseite der Samtgemeinde Hambergen. Abgerufen am 4. Dezember 2017.
  5. a b Der Gemeinderat von Axstedt. In: Internetseite der Samtgemeinde Hambergen. Abgerufen am 4. Dezember 2017.
  6. Peter von Döllen: Schulterklopfen in Axstedt. In: Internetseite des Osterholzer Kreisblattes. 26. Oktober 2016, abgerufen am 25. Februar 2018.
  7. Brigitte Lange: Axstedts Bürgermeister heißt Udo Mester. In: Internetseite des Osterholzer Kreisblattes. 10. November 2011, abgerufen am 25. Februar 2018.
  8. Brigitte Lange: Wählergemeinschaft wagt Neuanfang mit SPD-Axstedt. In: Internetseite des Osterholzer Kreisblattes. 10. Februar 2011, abgerufen am 25. Februar 2018.
  9. a b Landkreis Wesermünde (Hrsg.): Wappen des Landkreises Wesermünde. Grassé Offset Verlag, Bremerhaven/Wesermünde 1973, ISBN 3-9800318-0-2.
  10. Peter von Döllen: Dem Westwind getrotzt. In: Internetseite des Osterholzer Kreisblattes. 1. Februar 2017, abgerufen am 25. Februar 2018.
  11. Foto Villa Hüncken Axstedt. In: Internetseite GenWiki. 2017, abgerufen am 25. Februar 2018.
  12. Brigitte Lange: Im Gemeindebüro werden die Kartons gepackt. In: Internetseite des Osterholzer Kreisblattes. 31. Juli 2017, abgerufen am 25. Februar 2018.
  13. Kirchengemeinde Bramstedt. In: Internetseite der St. Jacobi-Kirchengemeinde Bramstedt. Abgerufen am 25. Februar 2018.
  14. Kirchort Osterholz-Scharmbeck. In: Internetseite des Bistum Hildesheim. Abgerufen am 25. Februar 2018.
  15. Andrea Lange: Grundschule am Billerbeck. In: Internetseite der Grundschule. Abgerufen am 25. Februar 2018.
  16. Kindertagesstätte Axstedt. In: Internetseite der Samtgemeinde Hambergen. Abgerufen am 25. Februar 2018.
  17. Erica Schirmer. In: Internetseite der Deutschen National Bibliothek. Abgerufen am 25. Februar 2018.
  18. Paul Thomas Fischer. In: Internetseite des Gemeinsamen Verbundkataloges. Abgerufen am 25. Februar 2018.
  19. Paul Thomas Fischer. In: Internetseite der Deutschen National Bibliothek. Abgerufen am 25. Februar 2018.
  20. Markus Hofmann: Heinrich Timm. In: Internetseite Deutsche U-Boote 1935–1945. 20. Dezember 2017, abgerufen am 25. Februar 2018.
  21. Familienarchiv Schirmer. In: Internetseite Archivportal Thüringen. Abgerufen am 25. Februar 2018.