Rettungsaktion (Wirtschaft)

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Eine Rettungsaktion, auch Bail-out (von englisch to bail something out, deutsch ‚etwas retten‘)[1] bezeichnet in der Wirtschaft eine finanzielle Hilfsaktion für ein Unternehmen – es kann auch ein Staat oder eine Körperschaft sein –, das von der Zahlungsunfähigkeit bedroht ist. Die finanzielle Hilfe kann in einer Schulden- oder Tilgungsübernahme oder Haftungsübernahme bestehen. Als Helfer kommen andere Unternehmen, Staaten, staatliche Institutionen oder auch multilaterale Institutionen (Weltbank, Internationaler Währungsfonds) in Frage.

Begründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rettungsaktionen werden häufig mit der Abwehr eines systemgefährdenden Schadens begründet, den die Insolvenz eines als systemrelevant (englisch too big to fail) angesehenen Unternehmens mit sich bringt. Dies gilt insbesondere für den Bankensektor bei Großbanken, aber auch für Großunternehmen im Nichtbanken­sektor. Die staatliche Rettung soll die Unternehmenskrise beseitigen, um schädliche Auswirkungen auf die gesamte Volkswirtschaft (Contagion-Effekt) zu verhindern. Ein staatlicher Bail-out ist nach dieser Auffassung keine Aufhebung der Marktgesetze, sondern eine Abwägungsfrage und ein zeitlich begrenzter Eingriff.

Arten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unterschieden werden können Rettungsaktionen auf verschiedenen Ebenen:

Folgewirkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kritisch gesehen werden Rettungsaktionen wegen des Moralischen Risikos durch den Fehlanreiz, überhöhte Risiken einzugehen und damit zu einer Krisenanfälligkeit beizutragen. Daher wurde nach Ausbruch der Finanzkrise insbesondere das Thema einer ordnungsgemäßen Abwicklung von notleidenden Kreditinstituten ab 2008 auch durch den Finanzstabilitätsrat (FSB) auf globaler Ebene behandelt; das Dilemma zwischen aus systemischer Sicht gefährlichen Insolvenzverfahren mit ihren Ansteckungsrisiken einerseits und ökonomisch sowie politisch bedenklichen Rettungsaktionen andererseits sollte mit einem neuen Abwicklungsregime für Banken aufgelöst werden. Insbesondere wurde gefordert, dass die Staaten Abwicklungsbehörden errichten und mit Instrumenten ausstatten sollen, die eine geordnete Abwicklung von Finanzinstituten ohne Kosten für den Steuerzahler ermöglichen; u. a. durch das Instrument der Gläubigerbeteiligung, bei der die Gläubiger (Kreditinstitute, Investmentfonds, Lieferanten usw.) an den Kosten eines Krisenmanagements bei Schuldnern in einer Unternehmenskrise beteiligt werden sollen. In der EU und im Euroraum wurden diese Grundsätze 2014 durch die Verabschiedung der Europäischen Bankenunion umgesetzt.[2]

In der Eurozone sind Rettungsaktionen für Mitgliedstaaten durch die Europäische Union oder die anderen Mitgliedstaaten mit der sogenannten Nichtbeistands-Klausel (Art. 125 AEU-Vertrag) rechtlich verboten, doch faktisch erfolgen sie unter EU-Mitgliedstaaten durch den Euro-Rettungsschirm.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. to bail out [water]. In: dict.cc. Abgerufen am 18. August 2018.
  2. Die neuen europäischen Regeln zur Sanierung und Abwicklung von Kreditinstituten. In: Monatsbericht Juni 2014. Deutsche Bundesbank, 14. Juni 2014, S. 31ff, abgerufen am 18. August 2018 (PDF; 204 kB).