Bergheim (Edertal)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Bergheim
Gemeinde Edertal
Koordinaten: 51° 10′ 4″ N, 9° 8′ 13″ O
Höhe: 207 m ü. NHN
Fläche: 10,16 km²[1]
Einwohner: 940 (15. Dez. 2015)[2]
Bevölkerungsdichte: 93 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1971
Postleitzahl: 34549
Vorwahl: 05623
Schloss Bergheim
Schloss Bergheim
Die Kirche

Bergheim ist der größte Ortsteil der Gemeinde Edertal im nordhessischen Landkreis Waldeck-Frankenberg.

Zusammen mit dem benachbarten Giflitz, Sitz der Gemeindeverwaltung, bildet Bergheim das Gemeindezentrum, das daher im Regionalplan als Grundzentrum ausgewiesen ist.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bergheim liegt in der Wegaer Ederaue etwas nördlich der Mündung des Böhner Bachs und westlich der Mündung des Mölcherbachs in die Eder, die vom Rothaargebirge kommend der Fulda zufließt. Rund 3,5 km nördlich liegt Böhne, etwa 3 km nordnordöstlich Königshagen und knapp 4 km südöstlich Wellen. Ungefähr 1 km südlich befindet sich jenseits der Eder Giflitz. Zirka 2 km westnordwestlich von Bergheim liegt Mehlen mit der Ortslage Lieschensruh. Noch weiter im Westen befindet sich der Stausee Edersee. Die nächstgrößeren Städte sind Bad Wildungen (Süden) und Fritzlar (Osten).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Juli 1971 wurde die Gemeinde Edertal durch den Zusammenschluss der bis dahin selbständigen Gemeinden Bergheim und Giflitz neu gebildet.[3]

Der Ort[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bergheim besteht aus dem Unterdorf und dem Oberdorf. Im Oberdorf befindet sich das Neubaugebiet mit vielen modernen Gebäuden. Das Unterdorf beheimatet die lokalen Gewerbe, ein Gemeindehaus, die 1035 erstmals urkundlich erwähnte, seit der Reformation evangelische St. Martin-Kirche auf dem Kirchberg, sowie das von den paragierten Grafen von Waldeck-Bergheim erbaute Schloss Bergheim. Vor der Kirche stehen ein Gedenkstein für die Toten des Zweiten Weltkriegs sowie eine „Glaskugel“, die als Merkmal des Dorfes steht (daher der Bergheimer Spitzname „Glaskugelgucker“). Wegen häufigen Diebstahls der Glaskugel wurde sie gegen eine Kunststoffkugel ausgetauscht. Die Brücke über die Eder zwischen Bergheim und Giflitz wurde 1889/90 durch die Bauabteilung des ehemaligen Waldeck'schen Kreises der Eder erbaut.

Schloss Bergheim[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Schloss Bergheim wurde 1692 anstelle eines kleinen mittelalterlichen Burgsitzes für Graf Christian Ludwig von Waldeck erbaut. Dieser übergab das Schloss mit den Dörfern Bergheim, Mehlen und Königshagen als Paragium an seinen Sohn aus zweiter Ehe Josias, der die bis 1938 bestehende gräfliche Nebenlinie Waldeck-Bergheim begründete. 1785 bis 1786 wurde das Schloss von dem Kasseler Baumeister Simon Louis du Ry im frühklassizistischen Stil für Graf Josias II. von Waldeck-Bergheim erweitert.

Goldwäsche an der Eder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wilhelm Ludwig von Eschwege gründete 1832 in Kassel die „Hessisch-Waldeckische Compagnie zur Gewinnung des Goldes aus dem Edder-Flusse“.[4] Kurprinz und Mitregent Friedrich Wilhelm von Hessen-Kassel und Fürst Georg II. Heinrich von Waldeck beteiligten sich als Aktionäre und „höchste Protektoren“, und eine Anzahl hessischer und waldeckscher Adelige sowie angesehene Bürger der Region wurden Aktionäre. Die Gesellschaft errichtete Europas damals größte Goldwaschanlage an der Eder bei Bergheim, aber das teure Unternehmen wurde ein Flop, weil es keine Goldnuggets, sondern nur feinste Goldblättchen gab, und ging schon im Mai 1835 in Liquidation.[5]

Ehemalige Jüdische Gemeinde Bergheim[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Jüdische Gemeinde Bergheim bestand vom 18. Jahrhundert bis nach dem Ersten Weltkrieg. Zu ihr gehörten die jüdischen Familien aus Affoldern, Bergheim, Kleinern, Mehlen und Wellen. Die Gemeinde bestand nach bisherigen Erkenntnissen aus ca. zehn Familien. Es bestanden eine Synagoge und eine Religionsschule. Es wird vermutet, dass es auch ein rituelles Bad (Mikwe) gab, das sich allerdings nicht in der Synagoge befand. Im 19. Jahrhundert wurde auch ein jüdischer Friedhof in Bergheim angelegt. Dort wurden die jüdischen Einwohner der Orte Bergheim, Wellen, Mehlen, Affoldern und Kleinern beigesetzt. Die Friedhofsfläche beträgt 10,06 ar. Heute sind noch 19 Grabsteine erhalten, aber der Friedhof dürfte mindestens 24 bis 27 Gräber umfassen. Die noch lesbaren Inschriften stammen aus dem Zeitraum von 1810 bis 1930. Der Friedhof befindet sich in der Straße „Am Weinberg“.[6]

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort hat ein reges Vereinsleben:

  • Freiwillige Feuerwehr Bergheim
  • DRK Ortsverband Bergheim
  • Landfrauen Bergheim
  • Männergesangverein 1920 Bergheim e.V.
  • Schützenverein Bergheim
  • TV 08 Bergheim (Spielvereinigung Eintracht 04 Edertal)
  • Ziegenzuchtfreunde "Weiße Wolke" 1979 Bergheim e.V.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine besondere Attraktion ist der nahe Stausee Edersee mit einem unterhalb seiner Staumauer gelegenen Museum, in dem die Geschichte der Mauer und ihre Zerstörung im Zweiten Weltkrieg und die folgende Überschwemmung des Edertals dokumentiert sind. Bei sehr niedrigem Wasserstand des Edersees sind unter anderem Reste mehrerer Dörfer zu sehen.

Andere Ausflugsziele in der Umgebung sind Bad Wildungen, Schloss Waldeck, Fritzlar und der Kellerwald (mit Naturpark Kellerwald-Edersee und Nationalpark Kellerwald-Edersee) und außerdem das nahe Habichtswälder Bergland (mit Naturpark Habichtswald).

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch Bergheim führt die Landesstraße 3383, von der die Kreisstraßen 26 nach Böhne, 28 nach Königshagen und 33 nach Giflitz abzweigen. Hindurch verkehrt die Buslinie 503 des Nordhessischen Verkehrsverbundes. Der Eisenbahnverkehr endete am 3. Oktober 2001 mit der Stilllegung der Ederseebahn und dem ehemaligen Haltepunkt Bergheim-Giflitz.[7]

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kindergarten
  • Grundschule und Gesamtschule (Haupt- und Realschule sowie Gymnasialzweig bis zur zehnten Klasse)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bergheim, Landkreis Waldeck-Frankenberg. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 18. Dezember 2012). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. Einwohnerzahlen im Internetauftritt der Gemeinde Edertal, abgerufen im Februar 2016.
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 408.
  4. Wilhelm Ludwig von Eschwege: Einladung zur Theilnahme an der Hessisch-Waldeckischen Compagnie zur Gewinnung des Goldes aus dem Edderflusse. Kassel, 1832
  5. Harald Elsner (2009): Goldgewinnung in Deutschland – Historie und Potenzial
  6. Jüdischer Friedhof Bergheim
  7. Der ehem. Bahnhof Bergheim-Giflitz (Memento vom 18. Juni 2008 im Internet Archive) auf rostendeschienen.de