Sachsenhausen (Waldeck)

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Sachsenhausen
Stadt Waldeck
Wappen von Sachsenhausen
Koordinaten: 51° 14′ 42″ N, 9° 0′ 29″ O
Höhe: 372 m ü. NHN
Fläche: 24,85 km² (mit Selbach)[1]
Einwohner: 1837 (30. Sep. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 74 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Oktober 1971
Postleitzahl: 34513
Vorwahl: 05634
Blick auf Sachsenhausen
Blick auf Sachsenhausen

Sachsenhausen ist der nach Einwohnerzahl größte Stadtteil der Stadt Waldeck im Landkreis Waldeck-Frankenberg in Nordhessen.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sachsenhausen liegt etwa 35 Kilometer westlich von Kassel. Im Osten befindet sich Freienhagen. Rund sechs Kilometer südlich von Sachsenhausen erstreckt sich der Edersee. Damit liegt der Ort nicht mehr im Naturpark Kellerwald-Edersee.

Landschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die unmittelbare Umgebung ist hügelig und wenig bewaldet. Der Ort selbst liegt in einer leichten Senke, die nach Süden hin abfällt. Er ist umgeben von Feldern und Wiesen. Mehrere Quellen in der Gemarkung speisen den Klingebach, der südlich des Ortes durch ein malerisches Tal den „Klinger Berg“ fast umrundet. Im Tal passiert er die „Klinger Klippen“, eine Formation von Kalksteinfelsen, bis er bei Nieder-Werbe wenige hundert Meter vor dessen Einmündung in den Edersee in den Reiherbach mündet. Das Klingebachtal wurde vom Land Hessen im Rahmen des EU Natura 2000 Programms als FFH-Schutzgebiet (Fauna, Flora, Habitat) gemeldet.[2][3][4] Das Reiherbachtal zieht sich von Selbach aus in südöstlicher Richtung bis Nieder-Werbe, wo der Reiherbach in den Edersee mündet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mittelalter und frühe Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Gründer der Stadt Sachsenhausen gilt Graf Adolf I. von Waldeck (1228–1270), der dem Ort 1246 die Stadtrechte verlieh. Die Stadt erhielt Marktrechte und eine eigene Gerichtsbarkeit. Das Siegel von 1270 zeigt einen Ritter mit dem Stern von Waldeck auf dem Schild. Vermutlich weisen die „Lilien als Symbol für Gerechtigkeit“ auf die eigene Gerichtsbarkeit hin. Bis 1971 blieb dies das Motiv des städtischen Wappens.[5] Die Stadtkirche St. Nikolaus wurde bereits in den Jahren 1292 bis 1296 gebaut.

Um 1770 begann die Zuwanderung jüdischer Einwohner. Die Jüdische Gemeinde bestand bis 1942.

Das mittelalterliche Sachsenhausen war von einer Stadtmauer mit Gräben und Türmen umgeben, die im Jahre 1856 zum Abbruch verkauft und dann nahezu restlos geschleift wurde. Teile des Abbruchmaterials wurden wenige Jahre später beim Bau der Synagoge verwendet. Auf dem Stadtplan erkennt man noch heute gut die ovale Anlage und den früheren Verlauf der Stadtmauern. An der Stelle des ehemaligen Untertors der Stadtmauer zeigt eine Tafel einen Plan des Ortes um 1520.

Weitere Daten aus der Stadtgeschichte:

  • 1472 wurde ein Hospital gestiftet; das Gebäude wurde erst 1968 abgerissen.
  • 1533 wurden mit der Einführung der Reformation in der Grafschaft Waldeck alle Einwohner evangelisch.
  • 1809 gab es die erste Apotheke.
  • 1817 wurde das Rathaus fertiggestellt.
  • 1953 war die Fertigstellung der neuen Schule (heute Grundschule).
  • 1969 erfolgte die Fertigstellung der Mittelpunktschule.

Im Rahmen der Gebietsreform, die am 1. Oktober 1971 in Kraft trat, wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Sachsenhausen in die Stadt Waldeck eingegliedert.[6] und deren Verwaltungssitz.

Kirchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedenktafel Synagoge Sachsenhausen
Kath. Kirche St. Bonifatius

Ev. Kirche St. Nikolaus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der größte Teil der Bevölkerung ist evangelisch. Die in den Jahren 1292–1296 erbaute Stadtkirche St. Nikolaus steht im Zentrum des Ortes.

Ehemalige Synagoge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Synagoge wurde 1863 von der damaligen jüdischen Gemeinde gebaut. In der Zeit des Nationalsozialismus flohen fast alle Juden aus Sachsenhausen oder wurden deportiert. Die Synagoge wurde dann als Lagerhaus genutzt und blieb weitgehend erhalten. Von 1947 bis 1960 wurde das Gebäude von der katholischen Gemeinde als Gotteshaus genutzt und 1962 im Zuge einer Straßenerweiterung abgerissen.

St. Bonifatius-Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor dem Zweiten Weltkrieg gab es nur drei katholische Familien im Sachsenhäuser Gemeindegebiet. Während und nach dem Krieg kamen viele Evakuierte und Vertriebene nach Sachsenhausen und in die angrenzenden Nachbargemeinden. Ihren Gottesdienst feierten sie zunächst in der evangelischen St. Nikolaus-Kirche, bis die ehemalige Synagoge im Jahr 1947 durch die katholische Pfarrei Korbach zunächst gemietet und 1949 gekauft wurde und als katholisches Gotteshaus genutzt wurde. Ende 1959 begannen die Bauarbeiten für die katholische St. Bonifatius-Kirche, die 1960 eingeweiht wurde. Der Türsturz über dem Sakristeieingang stammt aus der ehemaligen Synagoge; er trägt die hebräische Inschrift: „Haus Jacob, kommt lasst uns wandeln im Lichte von Ihm“. (Isias 2,5).

Evangelischen Gemeinschaft Sachsenhausen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Gartenstraße liegt das Gemeindehaus der „Evangelischen Gemeinschaft Sachsenhausen“, einer selbstständigen evangelischen Gemeinde.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Stadtkirche St. Nikolaus (1296)[7]
  • Rathaus (1817)
  • Sachsenhäuser Warte
Die Warte, eigentlich Rollborner Warte, ist der einzig erhaltene von ehemals drei mittelalterlichen Warttürmen, die errichtet wurden, um sich vor Überfällen und Angriffen plündernder Landsknechte oder feindlicher Truppen rechtzeitig schützen zu können. Der Turm ist im Wesentlichen unverändert geblieben. Er kann über Steigeisen bestiegen werden. Von oben hat man einen schönen Blick über Sachsenhausen. Im Westen sieht man bis in das waldeckische Upland, im Süd-Osten ist Schloss Waldeck zu sehen.
  • Ruine der Klinger Kirche
Die Ruine zeugt von dem untergegangenen Ort Klingen südöstlich von Sachsenhausen. Mit Ausnahme des Westgiebels sind nur noch die Grundmauern bis auf etwa 1,50 m Höhe erhalten.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Pfingstreitturnier: Auf dem „Schiebenscheid“ – alle zwei Jahre mit Springwettbewerben bis zur Klasse „S“
  • Tennisverein TC88 Sachsenhausen mit 3-Platz Tennisanlage hinter der Mittelpunktschule

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sachsenhausen ist stark ländlich geprägt. Einige Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe haben sich angesiedelt. Im Ort gibt es zwei Bankfilialen, eine Tankstelle, eine Apotheke, verschiedene Einzelhandels- und Lebensmittelgeschäfte und einige Restaurants.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sachsenhausen liegt an der Bundesstraße 251. Die B 485 führt durch den Ort. Der nächste Bahnhof ist in Korbach (13 km). Die 1995 stillgelegte Bahnlinie Bad Wildungen-Korbach (Ederseebahn) führte über Sachsenhausen. Heute besteht auf der alten Trasse ein Radweg.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sachsenhausen ist Sitz der Verwaltung der Stadt Waldeck. Alle Ämter sind im historischen Rathaus am Marktplatz untergebracht. Die Stadtbibliothek befindet sich neben der Kirche. Im Ort gibt es einen städtischen Kindergarten sowie eine Grundschule und eine Haupt- und Realschule.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Der Ort im Internetauftritt der Stadt Waldeck, abgerufen im Februar 2016
  2. Natura 2000- FFH
  3. FFH-Datenbogen
  4. FFH-Karte (PDF; 745 kB).
  5. Magistrat der Stadt Waldeck, Festausschuß 750 Jahre Stadt Sachsenhausen: Sachsenhausen – 750 Jahre Stadtrechte. Beiträge zu Geschichte und Gegenwart. Waldeck-Sachsenhausen 1995.
  6. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 408.
  7. Geschichte von St. Nikolaus

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Sachsenhausen – Sammlung von Bildern