Bruni Löbel

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Bruni Löbel, 1941

Bruni Löbel (* 20. Dezember 1920 in Chemnitz als Brunhilde Melitta Löbel[1]; † 27. September 2006 in Mühldorf am Inn) war eine deutsche Bühnen- und Filmschauspielerin.

Berufliches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Aufnahmeprüfung an der Schauspielschule fiel Bruni Löbel noch durch. Dies hielt sie aber nicht von ihrem Traum, der Schauspielerei ab, dem sie sich beharrlich annäherte. 1935 spielte Bruni Löbel ihre erste Rolle am Chemnitzer Stadttheater in Der eingebildete Kranke von Molière. Sie nahm privaten Schauspielunterricht bei Sonja Karzau, die 1938 ein Engagement bei Otto Falckenberg an den Münchner Kammerspielen erhielt. Bruni Löbel wollte ihr unbedingt folgen, aber ihre Eltern verboten der 17-Jährigen den Umzug in den großstädtischen „Sündenpfuhl“ und sperrten sie in ihr Zimmer im Hochparterre ein. Die Tochter ließ sich aber nicht aufhalten: Sie kletterte aus dem Fenster, ließ zuvor ihren voll gepackten Koffer per Gummiseil hinunter, fuhr nach München und kehrte nie wieder zurück. Sie arbeitete zunächst als Sekretärin. Doch zwei Jahre später, Bruni Löbel war gerade 19 Jahre alt, erhielt sie ein Angebot der Ufa für eine Rolle an der Seite von Wolf Albach-Retty in dem Operetten-Streifen Heimatland. Damit war sie zumindest in den Ufa-Filmen auf das Rollenfach der „munteren Naiven“ festgelegt.[2] Von diesem Zeitpunkt an spielte sie sowohl Film- als auch Theaterrollen, so bei den Marburger Festspielen mit dem noch unbekannten Gert Fröbe im Sommernachtstraum.

Am 1. Januar 1940 unterzeichnete sie ihren ersten Vertrag mit der Ufa. Nach kurzer Zeit im Reichsarbeitsdienst nach Berlin zurückgekehrt, spielte sie ihre zweite Filmrolle in Robert Adolf Stemmles Jungens. Nach Außenaufnahmen an der Kurischen Nehrung und Berliner Atelieraufnahmen trat sie dann in Potsdam in Hänsel und Gretel auf, bis sie von Horst van Diemen in jene Ufa-Truppe aufgenommen wurde, die im Rahmen der Wehrmachtsbetreuung zuerst in Ostpreußen (Komödie Heimlichkeiten) und dann vier Wochen in Italien weilte. Nach kurzem Aufenthalt in Berlin besuchte sie die Ufa-Truppe Rumänien, die über drei Wochen lang Vorstellungen in Lagern und Kasernen der deutschen Wehrmacht gab.[3]

Mit Paul Klinger und Paul Wegener an der Seite gelang ihr der Durchbruch in dem von Boleslaw Barlog gedrehten Film Wenn die Sonne wieder scheint (1943). Nach Ende des Krieges ging Bruni Löbel zunächst mit Margot Hielscher und Heinz Rühmann auf Tournee durch zahlreiche deutsche Städte und Theater. 1950 spielte sie an der Seite von Paul Klinger in der Filmkomödie Die Nacht ohne Sünde die weibliche Hauptrolle.

Bruni Löbel in den Münchner Kammerspielen (1957)

1958 blieb sie dann in München und agierte hauptsächlich an der Kleinen Komödie, den Münchener Kammerspielen und dem Residenztheater. Auch in Hamburg, Düsseldorf und Wien sah man sie spielen.

Mehr als 40 Filmrollen, darunter auch drei in amerikanischen Produktionen (The Big Lift, Almost Angels und Special Delivery) nahm sie ab den 1950er Jahren wahr. Bruni Löbel wurde auch immer mehr zur gefragten Fernsehschauspielerin und erhielt Hauptrollen in Fernsehspielen und Serien. Sie galt als nahezu ideale Darstellerin des resolut-liebenswürdigen Frauentyps, wodurch sie zunächst die Mutter- und später die Großmutterrollen bekam. Von 1977 bis 1988 spielte sie an der Seite von Walter Sedlmayr die „Mama“ Elisabeth Schöninger in der beliebten Fernsehserie Polizeiinspektion 1. Die Rolle der kratzbürstigen Haushälterin Frau Rabe in der Serie Ich heirate eine Familie war sehr populär. Ab 1989 übernahm sie eine Rolle in der Erfolgsserie Forsthaus Falkenau, wo sie die Großmutter Herta spielte. Kinder und Jugendliche kennen sie außerdem in der Rolle der Schwester Agathe in der TV-Verfilmung von James Krüss’ Jugendbuch Timm Thaler. In weiteren Fernsehserien, wie beispielsweise Um Himmels Willen, übernahm sie Gastrollen.

Aber sie blieb der Theaterbühne treu. So spielte sie noch 2003 die Tante Abby in Arsen und Spitzenhäubchen in der Komödie im Bayrischen Hof in München. Ihre letzte Rolle spielte sie in der ARD-Telenovela Sturm der Liebe als Almuth Freifrau von Thalheim im Jahr 2006.

Persönliches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bruni Löbel hatte drei ältere Brüder und zwei jüngere Schwestern (Ruth und Margot). Ihre jüngste Schwester Margot Leonard (* 1927) war während ihrer aktiven Zeit eine gefragte Synchronsprecherin und die deutsche Standardstimme von Marilyn Monroe, sie spielte auch teilweise kleinere Rollen im Film und im Fernsehen.

Bruni Löbel war zweimal verheiratet. Ihr Sohn Felix aus erster Ehe mit dem Kabarettisten Gerhard Bronner, mit dem sie von 1955 bis zur Scheidung 1959 verheiratet war, ist freiberuflicher Pianist und Klavierlehrer.[4] Mit dem Schauspieler und Synchronsprecher Holger Hagen war sie von 1971 bis zu dessen Tod 1996 verheiratet und spielte mit ihm auch in mehreren Fernsehspielen, darunter auch im Traumschiff. Löbel ist in Rattenkirchen, Ortsteil Ramering/Landkreis Mühldorf am Inn, auf dem Hof von Holger Hagen neben diesem in einem Urnengrab beigesetzt.[5]

Filmografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Postum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Reiseberichte
  • Kleine unbekannte Größe (Roman), Kreisselmeier, München 1962, auch: Heyne (Taschenbuch), München 1963.
  • Fanta und Tasie (Hörspiel).
  • Eine Portion vom Glück (Memoiren), Herbig, München 1995, ISBN 3-7766-1907-4.
  • Meine Portion vom Glück (überarbeitete Neuauflage), Langen-Müller, München 2003, ISBN 3-7844-2921-1.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bruni Löbel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Biografie Bruni Löbel bei filmportal.de
  2. Nachruf. In: Der Spiegel. 41/2006, S. 230. Abgerufen am 14. Juli 2013.
  3. Der deutsche Film. (…) Bruni Löbel. In: Südostdeutsche Tageszeitung. Organ der Deutschen in Rumänien. Ausgabe Banat, Nr. 171/1941 (68./23. Jahrgang), 12. Oktober 1941, S. 12 (unpaginiert), rechts oben. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/bdz
  4. Homepage Felix Bronner
  5. Das Grab von Bruni Löbel
  6. Bundespräsidialamt